Posts by gero

    Ach je ja ... verpasst, alle beide verpasst (die Erkältung ist schuld, doch, ja) ...


    Dann also nachträglich die allerherzlichsten Geburtstag-Glückwünsche an unser Lörchen und an Arha!

    Ich hoffe, ihr konntet euren besonderen Tag genau so genießen, wie ihr es euch vorgestellt hattet.


    :fw7: :fw7: :geb: :lebeh: :fw7: :lebeh: :geb: :fw7: :fw7:

    Da der Beitrag da oben mit der sehr heißen Nadel gestrickt wurde (ich wollte ihn halt unbedingt noch im Laufe des 17. veröffentlichen), will ich hier noch schnell nachliefern, was eigentlich direkt zum Charles-Tanner-Text gehört hätte: Wer Lust auf so richtigen 30er Jahre-Trash hat, kann "Tumithak of the Corridors" - also die erste der vier Geschichten - hier online lesen. Und über das Menü am Rand findet man nicht nur die anderen Tumithak-Stories ("Tumithak in Shawm" von 1933, "Tumithak of the Towers of Fire" von 1941 und "Tumithak and the Ancient World", 1952 verfasst und 2005 posthum erstveröffentlicht), sondern das gesamte erzählerische Werk von Charles R. Tanner.

    Am heutigen Dienstag, dem 17. Februar, gibt es insgesamt vier in unserem Sinne relevante Geburtstage (ach ja, manchmal darf man auch ein bisschen euphemistisch sein ;) ); allerdings sind die Geburtstagskinder alle hochbetagt, und drei von ihnen kann man ganz ungeniert als alte weiße Männer bezeichnen, denn sie wurden alle drei bereits im 19. Jahrhundert geboren. Die vierte im Bunde ist eine im Vergleich "etwas jüngere" Autorin, die allerdings auch die 100 bereits überschritten hat.


    Die Lebensdaten haben natürlich eine gewisse Auswirkung auf die jeweilige Relevanz im oder für das Genre (aka die Phantastik als Überbegriff), was wiederum zur Folge hat, dass wir hier mit zwei Kandidaten recht schnell fertig sein werden.


    Der Erste ist der am 17. Februar 1836 im spanischen Sevilla geborene Gustavo Adolfo Bécquer, der einer der bekanntesten Autoren der spanischen Romantik war und dessen Leyendas mit ihrer unheimlichen Ausstrahlung an die Werke eines E.T.A. Hoffmann erinnern und als Vorläufer der phantastischen Literatur gelten (sagt u.a. die Wikipedia). Ich kann mich erinnern, irgendwann in den 80er Jahren mal über ein Ullstein-Taschenbuch mit dem Titel Die grünen Augen. Phantasiestücke gestolpert zu sein (das war der Nachdruck eines verschuberten Klett-Cotta-Paperbacks). Damals war ansonsten kaum etwas von Bécquer auf dem deutschen Buchmarkt zu entdecken, inzwischen scheint es etliche weitere Übersetzungen der (gleichen?) Leyendas zu geben.


    Der Zweite ist der am 17. Februar 1896 in Cincinnati, Ohio, geborene Charles R. Tanner, der in den späten 30er und frühen 40er Jahren mit einem guten Dutzend Horror-, SF- und Fantasy-Stories in den amerikanischen Genremagazinen vertreten war und vor allem mit seinen drei Geschichten (plus einer posthum veröffentlichten) über einen Helden namens Tumithak, der die vor außerirdischen Eroberern in ein unterirdisches Tunnelsystem geflohene Menschheit wieder ans Licht der Oberfläche und in den Kampf gegen die ach gar schrecklichen, zehnbeinigen, erbarmungslosen Shelks führt, eine gewisse Bekanntheit (naja) erlangt hat. Alle vier Tumithak-Stories sind 2005 auch gesammelt unter dem Titel Tumithak of the Corridors in einer Paperback-Ausgabe erschienen.


    Die anderen beiden Geburtstagskinder sind ein bisschen interessanter, aber das kann ich erst morgen zeigen ... :nixweiss:

    Danke, Pogo! (Wird schon wieder werden, zieht sich halt ...)


    Was Robert Newcomb betrifft, hast du tendenziell recht, aber die Angelegenheit war noch ein bisschen ... äh ... "faszinierender". (Ich stelle fest, du hast nicht nochmal in den Beitrag von "damals" reingeschaut. ;) )


    Was Richard Laymon betrifft, hast du vermutlich voll und ganz recht. Als ich den Beitrag im Voraus "im Kopf vorformuliert" habe, gab's da noch einen Satz, der hieß sinngemäß: Der Sexismus, den man bei Robert Newcomb als ein Problem betrachten kann, das viel mit einer gewissen ... Naivität/gedanklichen Schlichtheit des Autors zu tun gehabt haben könnte (und da wäre dann der Link zu einem Interview gekommen), hat bei Richard Laymon, der am ... gestorben ist, System - it's not a bug, it's a feature ... Aber danach hätte ich dann zumindest ein bisschen auf diese Aussage eingehen müssen.


    Als ich beim Schreiben an der Stelle angekommen war, an der diese Überleitung hätte kommen können ... hatte ich keine Lust mehr. :nixweiss: Das vorher hatte ein bisschen länger gedauert als geplant, ich war müde, hab' schon wieder Schädelbrummen bekommen - und dann hab' ich mir gedacht, so what, mach's so kurz wie möglich. (Dass es Splatterpunk gibt, den man lesen kann, weiß ich. Aber die Laymon-Sachen, in die ich reingelesen haben, waren das, was ich auch schon früher als Dreck bezeichnet habe. Ich weiß nicht, wie der Mindset eines Menschen aussehen muss, um sowas mit Genuss/Freude lesen zu können - und wie der Mindset der entsprechenden Autoren aussieht, will ich gar nicht wissen.)


    Tja ... mehr Erklärungstext als urspünglicher Text über den Autor. So kann's gehen. :biggrin2:

    Am Samstag, dem 14. Februar, haben dann drei Geburtstag und ein Todestag auf dem Plan gestanden, wobei das nach mehr klingt, als es ist bzw. sein wird, denn die 1991 in St. Louis geborene Roshani Chokshi und der 1966 in Hertford (England) geborene Alex Scarrow* bewegen sich beide – wenn's um Phantastik geht – im Jugendbuchbereich. Und auch wenn Roshani Chokshis YA-Trilogie The Gilded Wolves (2019-21) und der sich an jüngere Leser richtende fünfbändige Pandava- oder Aru-Shah-Zyklus (2018-22) komplett in deutscher Übersetzung vorliegen, und das auch für die ersten fünf Bände der YA-SF-Serie TimeRiders von Alex Scarrow gilt, ist das für mich kein Grund, sich weiter mit den beiden auseinanderzusetzen (vor allem, weil ich mich im YA-Bereich nicht wirklich gut auskenne). Bei Scarrow kommt noch hinzu, dass er sich anscheinend mittlerweile von der YA-SF ab- und dem Thriller zugewandt hat.


    Ebenfalls am 14. Februar hatte Robert Newcomb Geburtstag; er ist 75 Jahre alt geworden. Wer hier im Forum aufmerksam mitliest (und das schon seit mehr als fünf Jahren), weiß vielleicht noch, dass ich mich im Rahmen der Beantwortung einer "heimatlosen" Frage schon einmal über Robert Newcomb ausgelassen habe, und weil besagte Antwort damals mit einem bisschen Aufwand verbunden war, verlinke ich an dieser Stelle sehr gerne noch einmal auf den damaligen Text. (Ich habe jetzt auf Furseys Frage – apropos Fursey, wo ist der eigentlich zwischenzeitlich abgeblieben? – verlinkt; meine Antwort kommt drei Posts später im gleichen Thread.)

    Ergänzend zu dem, was ich damals geschrieben habe, ließe sich noch anmerken, dass Robert Newcombs aus den Bänden The Fifth Sorceress (2002), The Gates of Dawn (2003) und The Scrolls of the Ancients (2004) bestehende Trilogie Chronicles of Blood and Stone, für die er damals den bislang höchsten, für ein Erstlingswerk im Bereich der Fantasy gezahlten Vorschuss kassiert hat, als Die fünfte Zauberin (2004), Tore der Dämmerung (2005)** und Die magische Schrift (2006) komplett bei Heyne im Tradepaperback erschienen ist und danach nochmal im Taschenbuch nachgedruckt wurde.*** Die zweite, aus den Bänden Savage Messiah (2006), A March Into Darkness (2007) und Rise of the Blood Royal (2008) bestehende Trilogie Destinies of Blood and Stone ist dann ausschließlich in den USA auf den Markt gekommen.

    Vielleicht nach dieser ganzen Titel-Aufzählung noch ein zwei Zitate aus der Rezension, die Thomas M. Wagner (dessen Videos über die "Anticipated Fantasy 20…" wir hier schon öfter verlinkt haben) über The Fifth Sorceress geschrieben hat:

    "The book’s startlingly blunt sexism, in which the heroes are all male and the villians female, is only one of its dubious qualities. Robert Newcomb has delivered a first novel that’s little more than an amalgam of fourth-hand ideas borrowed from better books." Und etwas später: "It would be the understatement of the 21st century to say that Newcomb paints his characters in broad strokes. Hell, the guy practically uses a spray gun. The cast of this novel is so quintessentially archetypal that, in the end, no one is particularly believable or even interesting. Tristan is just another variation on the Hero with a Thousand Faces. His reluctance to take the reins of power and his boyish insouciance towards responsibility are as cut-and-dried as his sister’s doe-eyed sweetness, which will probably send most readers into insulin shock." (Wer die ganze Rezension lesen will, kann hier klicken.)

    Viel mehr gibt es über Robert Newcomb und seinen – fürstlich honorierten – kurzen Auftritt als Fantasyautor eigentlich nicht zu sagen.


    Womit wir abschließend noch zu dem oben erwähnten Todestag kämen: Am Samstag vor 25 Jahren ist der amerikanische Horrorautor Richard Laymon im Alter von 54 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Richard Laymon wird zu den Splatterpunkern gezählt, d.h. er hat harten Horror geschrieben – und das ist ein (keineswegs zwingend phantastisches) Genre, das ich für sehr verzichtbar halte, was zur Folge hat, dass ich mich über Richard Laymon hier jetzt nicht weiter auslassen werde. :nixweiss:



    * – Alex Sparrow ist der jüngere Bruder von Simon Scarrow, der durch die im alten Rom spielenden historischen Romane um Quintus Licinius Cato und Lucius Cornelius Macro (die z.T. auch als Adler-Serie bezeichnet werden) auch hier in Deutschland erfolgreich und bekannt wurde.

    ** – ich habe auf die Cover der ersten beiden Bände der deutschen TPB-Ausgabe verlinkt, weil der Link im alten beitrag nicht mehr tut; von Band III gibt's kein gutes Bild.

    *** – man könnte jetzt natürlich anfangen darüber nachzudenken, was es über den deutschen Fantasy-Buchmarkt der 00er Jahre aussagt, dass etliche deutlich bessere Zyklen teilweise schon nach dem ersten Band abgebrochen wurden, die Newcomb-Trilogie aber komplett durchgezogen wurde (incl. TB-Nachdrucke). Man kann es aber auch lassen, denn die Welt ist eh schon deprimierend genug … ;)

    Eigentlich wollte ich an diesem sich mittlerweile dem Ende zuneigende Wochenende zwei oder vielleicht drei Beiträge posten und ein bisschen an ein, zwei anderen Sachen weiterarbeiten, doch leider hat sich meine Erkältung vor allem am Samstag von ihrer ganz garstigen Seite gezeigt, so dass ich da gar nichts auf die Reihe gekriegt habe. Heute bis jetzt auch noch nicht … und deshalb will ich jetzt schnell noch ein bisschen unnützes Nerdwissen unter die Leute bringen.


    Also … am letzten Freitag – dem 13. – konnte H.F. Saint seinen 85. Geburtstag feiern (von Letzterem gehen wir jetzt einfach mal aus). Der 1941 geborene Harry Freeman Saint ist ein One-Book-Wonder, denn er hat mit Memoirs of an Invisible Man (1987) nur einen einzigen Roman veröffentlicht, der allerdings ein Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, u.a. auch ins Deutsche; im gleichen Jahr wie das Original ist das Buch hierzulande unter dem Titel Aufzeichnungen eines Unsichtbaren erschienen. Der Roman erzählt die Geschichte von Nick Halloway, einem ganz normalen New Yorker, der durch ein unvorhersehbares Missgeschick unsichtbar wird. Was wie der feuchte Traum eines pubertierenden Jungen klingt, erweist sich allerdings für Nick eher als problematisch, denn es ist nicht gerade leicht, sich als Unsichtbarer durchzuschlagen – und schon gar, wenn Geheimdienste aller Couleur hinter einem her sind, um herauszukriegen, wie er das geschafft hat.

    Das Buch – das 1992 unter dem neuen Titel Jagd auf einen Unsichtbaren noch einmal aufgelegt wurde – ist generell humorvoll und voller Situationskomik, bietet aber auch ernstere Passagen und Stoff zum Nachdenken. So gesehen ist es schade, dass Harry F. Saint (so hieß der Verfasser bei uns) kein zweites Buch geschrieben hat. Besagter H.F. oder Harry F. Saint ist übrigens eine interessante Figur mit einem für Schriftsteller nicht unbedingt typischen Lebenslauf, denn er war eigentlich ein erfolgreicher Unternehmer und hat in den späten 70er und frühen 80er Jahren viel Geld durch die Etablierung von Squash-Clubs in New York verdient (und wurde dadurch im Squash-Umfeld zu einer bedeutenden Persönlichkeit). Aber nach ein paar Jahren hat er seine Squash-Clubs verkauft, um sich zurückzuziehen und ein Buch zu schreiben …

    Ansonsten noch ganz auf die Schnelle:


    Gestern - ich habe vorhin zu lange telefoniert, deshalb sind wir schon wieder über die Datumsgrenze gerutscht -, also gestern war der 100. Geburtstag von Hilbert Schenck, und da nutze ich doch sehr gerne die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass wir ihm schon zu seinem 90. Geburtstag einen Beitrag in umserem Blog gewidmet haben. Und ich möchte ausnahmsweise mal ganz direkt sagen: Wenn euch das, was ich in dem o.g. Blogbeitrag über At the Eye of the Ocean/Im Auge des Ozeans geschrieben habe, auch nur ein kleines bisschen anspricht, dann seht zu, dass ihr das Buch irgendwann in die Finger bekommt, denn es ist wirklich etwas sehr Eigenes, toll geschrieben und mit faszinierenden Ideen und einer ganz eigenen Atmosphäre.


    Außerdem ist gestern Donald Kingsbury 97 Jahre alt geworden. Das ist zwar kein runder Geburtstag, aber ich vermute stark, dass er damit der älteste noch lebende SF-Autor ist.


    Vorgestern - ja, wir gehen noch ein bisschen weiter zurück - sind ja plötzlich drei unerwartete Todestags-Jubiläen aufgepoppt. Über einen der drei Autoren werde ich morgen (das heißt heute) noch ein bisschen was schreiben; die anderen beiden spare ich mir für "später irgendwann mal" auf.

    @ Pogo und Ender:


    Freut mich, dass ihr was damit anfangen könnt. Ich war deswegen nicht so recht glücklich, weil mir der Beitrag (der ursprünglich mal als deutlich längerer Blogbeitrag mit ein paar Illus geplant war) am Ende ein bisschen dünn vorgekommen ist. Normalerweise hätte ich noch ein bisschen mehr über Horologiom und Mit fremder Feder geschrieben, aber für irgendwelche Details hätte ich nochmal in die Comics reinschauen müssen, denn es ist gerade bei Horologiom schon ganz schön lange her, dass ich die "eigentliche" Geschichte (= die ersten fünf Alben) gelesen habe. Und außerdem wäre der Beitrag als Forumspost mMn zu lang geworden. (Mal davon abgesehen, dass diese Beiträge ja den Zweck haben, sozusagen als Lightversion den einen oder anderen Blogbeitrag zu ersetzen - weil ich die ja gerade nicht gebacken kriege ...) Äh ... wenn das ein bisschen wirr klingt, liegt das daran, dass ich immer noch erkältet bin und meine Matschbirne nur begrenzt gut funktioniert. :nixweiss:


    @ Pogo:


    Mir gefällt an den derzeit bei uns auf den Markt kommenden phantastischen (ganz allgemein gemeint) frankobelgischen Comics, dass sie entweder ganz andere Ansätze haben als der Großteil der Sachen, die in der Belletristik erscheinen (dafür ist auch Horologiom ein Beispiel), oder aber, dass sie Adaptionen von französischen Fantasygeschichten sind, bei denen manchmal die Autoren selbst für das Szenario verantwortlich sind. Das ist dann zumindest eine Gelegenheit, die "Interpretation" eines Romans zu lesen, den man mangels ausreichenden Sprachkenntnissen nicht mit Genuss lesen kann. (Die Verbesserung meiner Französischkenntniss steht im Moment auf "Pause", weil ich mich "aus Gründen" erst mal um mein noch viel rudimentäreres Spanisch kümmern muss. :egal:)


    Egal. Ich sollte aufhören, vor mich hin zu brabbeln. Aber okay, so, wie's aussieht, kann und wird es hier auch weiterhin um den einen oder anderen Comic-Künstler gehen, das kommt meinen Interessen durchaus entgegen. ;)

    Wie geplant kommt jetzt ein kurzer Beitrag über den Comickünstler Fabrice Lebeault, der heute seinen 65. Geburtstag feiern kann. Ich bin zwischenzeitlich ins Grübeln gekommen, weil heute auch ein paar runde Todestage anstehen, aber es würde sich für mich komisch anfühlen, wenn ich sozusagen einen Toten einem Lebenden vorziehen würde.


    Der am 11. Februar 1961 in Albi, der Hauptstadt des Départements Tarn in der Region Okzitanien, geborene Fabrice Lebeault hat im Alter von 15 Jahren seine Liebe zu den Comics entdeckt, aber erst einmal Jura und Geschichte studiert und u.a. einige Zeit in einem Zeichentrickfilm-Studio gearbeitet, ehe er 1994 sein erstes Comicalbum L'homme sans clef (dt. Der Mann ohne Schlüssel (1995), den ersten Band der Serie Horologiom veröffentlicht hat. Horologiom ist eine u.a. von George Orwells 1984 inspirierte skurrile, poetisch-philosophische SF-Serie über eine Stadt, in der alles, wirklich alles den strengen Gesetzen der Mechanik unterworfen und jedwedes "animalische" Verhalten strengstens verboten ist. Das Große Zahnrad herrscht über alles; seinem Willen müssen sich die hier lebenden Menschen (die – um vor ihrer "animalischen" Natur geschützt zu sein, mit einem Schlüssel ausgestattet sind und aufgezogen werden müssen) und Roboter unterordnen. Doch dann kommt eines Tages Mariulo, ein Seiltänzer, in die Stadt und bringt die so sorgsam austarierte Ordnung ins Wanken, denn er ist der besagte Mann ohne Schlüssel ... Mit dem fünften Album Das große Räderwerk (2011; OT: Le grand rouage (2000)) kommt die eigentliche Geschichte über Horologiom und Mariulo und warum in der Stadt alles so ist, wie es ist, zu ihrem Abschluss. In zwei weiteren Alben erzählt Fabrice Lebeault sozusagen als Nachklapp noch zwei Kriminalfälle, die sich nur in einem Setting wie Horologiom ereignen können.


    Inzwischen können auch deutschsprachige Comicafficionados Horologiom komplett lesen; allerdings muss man sich die ersten vier Alben – der etwas wirren Publikationsgeschichte in Deutschland geschuldet – antiquarisch zusammensuchen.


    Auch bei Le mangeur d'histoires (2008; dt. Mit fremder Feder (2010), einer im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielenden Hommage an die Groschenromane der gleichen Epoche, ist Fabrice Lebeault – wie schon bei Horologiom – für das Szenario und die Zeichnungen verantwortlich. Die Geschichte des Raben, einer Romanfigur, die plötzlich ins Leben eines Konkurrenten ihres Schöpfers tritt, weil sie sich zu einem für die Leser unvergesslichen Genie des Bösen entwickeln will, liegt hierzulande in einer sehr schönen Ausgabe vor und verfügt über ein ganz eigenes Flair.


    Zuletzt ist von Fabrice Lebeault Selenie erschienen (2022; OT: Sélénie (2021)), ein weiterer Oneshot, in dem es um Selenia, Méliès und Verne geht, "junge Helden, die aus der Verbindung von Erdlingen und Außerirdischen hervorgegangen sind, und die auf der Rückseite des Mondes leben, sicher vor Antacycles, einem Tyrannen, der die Menschheit versklavt hat" sagt sinngemäß der Klappentext, was nach einer weiteren Hommage an frühe Abenteuergeschichten und die Anfänge des Kinos klingt. (Mehr weiß ich nicht, weil ich das Album nicht habe.)


    Mit Stiftung Z (2019), einem Album der Reihe Spirou + Fantasio Spezial hat Fabrice Lebeault nach einem Szenario von Denis-Pierre Filippi seine Version eines in einer sehr anderen, bizarren Zukunft lebenden Spirou vorgelegt, die nicht allerorten Begeisterung hervorgerufen hat (um es vorsichtig auszudrücken). Die weiteren Arbeiten von Fabrice Lebeault – Felix (2001), ein Oneshot um einen Träumer, dessen Traumland in Gefahr gerät, nach einem eigenen Szenario, und Le croquemitaine (zwei Alben, 2004 u. 2006), eine Geschichte, in der es um den Mythos des "schwarzen Mannes" geht (wiederum nach einem Szenario von Denis-Pierre Filippi) sind noch nicht auf Deutsch erschienen.


    Die Alben, die vorliegen, machen – bis auf das Spirou-Spezial – allesamt Spaß bzw. sehen zumindest sehr gut aus. Horologiom bietet außerdem durchaus Stoff zum Nachdenken, denn die Problematik einer vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Reglementierung des alltäglichen Lebens – egal, ob mit ideologischen oder religiösen Elementen unterfüttert – ist ja keineswegs ausschließlich auf die Seiten eines Comics begrenzt. Dass Lebeault das Thema trotz allem mit einer gewissen spielerischen Leichtigkeit behandelt, hat auch seine Vorteile. Grafisch kann man in allen seinen Arbeiten die Einflüsse seiner Vorbilder Moebius und Hergé erkennen, ohne dass er sie sklavisch imitiert. Und natürlich passt er seine Grafik auch dem jeweiligen Setting an.


    Ich persönlich mag Horologiom und Mit fremder Feder sehr, und ich kann mir gut vorstellen, dass mir auch Selenie gefallen wird.


    Die den Titel unterlegten Links führen jeweils zum Cover des deutschen Albums. Hier kann man klicken, wenn man sich auf den Finix-Seiten die restlichen Horologiom-Cover sowie Beispielseiten der Alben fünf bis sieben ansehen will.

    Hm. Da fällt mir auf Anhieb auch nur die offensichtlichste Wahl - Patricia Wrightson - ein. Ich habe mich mit dem Thema aber auch noch nie so richtig beschäftigt. :nixweiss:


    Ansonsten wollte ich hier ja noch was über ein Geburtstagskind schreiben. Kann aber sein, dass ich umdisponieren muss. Ist aber letztlich egal.

    Oh, das klingt spannend. Wird es da um australische Fantasyautorinnen und -autoren generell gehen oder konzentrierst du dich auf die, die - von was weiß ich ... Trudi Canavan bis Patricia Wrightson - auch hierzulande verlegt wurden?



    edit: den "alphabetischen Bogen" weiter gefasst ;)

    Okay, begeben wir uns in für Forumos vertrautere Gefilde. ;)


    Vorgestern - ja, ich hinke schon wieder hinterher, aber heute sind wir schnell durch ... äh ... also vorgestern hatte u.a. der am 09. Februar 1951 geborene Dave Luckett Geburtstag. Luckett ist ein australischer, wenn ich das richtig sehe praktisch ausschließlich im Bereich Young Adult bzw. Jugendliteratur aktiver Autor, dessen Tenabran Trilogy (A Dark Winter (1998), A Dark Journey und A Dark Victory (beide 1999)) hierzulande 2001 von Heyne als Tenebra-Trilogie (Dunkler Winter, Dunkle Reise und Dunkle Burg) veröffentlicht wurde. Die Trilogie hat in Australien die Kritiker und in Deutschland zumindest manche Leser überzeugt (siehe Amazon-Rezis), außerdem wurden der erste und der dritte Band in Australien mit dem Aurealis Award (der erste als Best Fantasy Novel, der dritte als Best Young Adult Novel) ausgezeichnet. Last but not least prangt auf dem Backcover der Heyne-Ausgabe die Aussage: "Australiens Antwort auf Robert Jordan!"


    Das ist ja mal ein Wort. ;)


    Ich meine, dass ich damals in die Bücher reingeschaut habe und dass sie mir zu "jugendbuchig" waren und man ihnen einen gewissen "Lernauftrag" angemerkt hat (was ich damit meine, merkt man sehr schnell, wenn man in die Bücher reinblättert). Aber das geht ja vielleicht nur mir so. Vielleicht kann die Tenebra-Trilogie ja für den einen oder die andere auch eine Art "Notreserve" für diese schrecklichen fantasylosen Zeiten (bezogen auf im weitesten Sinne "klassische" Fantasy) sein. Das muss/sollte jede/r für sich selbst rauskriegen. Und falls irgendjemand tatsächlich die Bücher liest, nicht wundern: Der Klappentext für den dritten Band hat mit dem Inhalt nichts, aber auch gar nichts zu tun. Der war ganz sicher für ein anderes Buch gedacht. (Für welches? Keine Ahnung ... bzw ich habe einen vagen Verdacht, kann den aber nicht problemlos verifizieren.)


    Ansonsten hatte vorgestern noch Timothy Truman Geburtstag, der ist 70 Jahre alt geworden. Über Timbo will ich schon lange mal was schreiben, weil er einer meiner Lieblings-Comickünstler ist. Mach ich vielleicht auch noch, aber wenn, dann im Blog oder eventuell im Comicthread, denn das wird vermutlich ein bisschen ausführlicher als das, was ich in diesem Thred so zu schreiben gedenke.


    Morgen - Quatsch, heute - wäre auch wieder ein Comickünstler dran. Mal sehen, wie sich der Tag entwickelt ...

    Das Gefühl kenne ich, lapis, auch wenn es - abhängig vom Umfeld und meinem Interesse am Werk des/der Verblichenen - durchaus unterschiedlich stark ist. Von Jeffey Carver stehen ein paar Bücher hier, gelesen habe ich nicht viel von ihm. Aber ich werde demnächst einfach mal wieder eins in die Hand nehmen und zumindest reinlesen.

    Mit dem Flur Verlag haben wir einen weiteren, erst vor kurzem gegründeten Verlag, dessen Programmschwerpunkt "phantastische Literatur und abenteuerliche Geschichten, Reise und Mode" sind. Hier ist im September 2025 (wie gesagt, man sollte das "aktuelle" im Threadtitel nicht zu eng sehen) mit Ungeheuer am Nordpol von Charles Derennes ein im Original 1907 (als Le peuple du Pôle) veröffentlichter Roman erschienen, der offensichtlich in der Tradition der phantastischen Abenteuerliteratur eines Jules Verne oder H.G. Wells steht.

    Charles Derennes (1882 - 1930) ist ein Autor mit einer ziemlich umfangreichen Bibliografie, der aber - wenn ich das richtig durchschaue - außer Le peuple de Pôl keinen weiteren phantastischen Roman geschrieben hat


    (Der Roman ist übrigens bereits 2008 auf Englisch - übersetzt von Brian M. Stableford - erschienen und steht auf einer Liste mit etlichen, nie auf Deutsch veröffentlichten, aber ins Englische übersetzten Titeln, die ich mir über diesen Umweg mal anschauen wollte. Das kann ich mir jetzt sparen.)

    Ok, ich sehe schon, allzu abgefahren in Bezug auf Werk und/oder Verfasser sollte das hier nicht werden. Nun denn. Dummerweise habe ich letzte Nacht noch einen Text geschrieben, den ich nicht umsonst geschrieben haben möchte und auch nirgendwo anders hinstellen kann; deshalb wird's jetzt nochmal obskur, und zwar so richtig (und auch ziemlich traurig).


    Ich habe eingangs des vorigen Artikels etwas von "zwei 100ern" geschrieben, und das ist prinzipiell auch richtig, denn am 06.02. hat es tatsächlich zwei 100er-Jubiläen gegeben – allerdings war nur eines davon ein 100. Geburtstag. Das andere war ein 100. Todestag, denn an besagtem 06. Februar 1926 ist Emma Frances Dawson in einem Krankenhaus in San Francisco gestorben. Wer bitte war Emma Frances Dawson? Diese Frage habe ich mir am letzten Freitag auch gestellt, denn auch ich habe zuvor Emma Frances Dawson nur dem Namen nach gekannt (d.h., ich hatte ihren Namen irgendwann und irgendwo mal gehört oder gelesen). Das, was ich daraufhin beim Recherchieren herausgefunden habe, hat mich dann jedoch dazu veranlasst, sie hier heute kurz zu erwähnen, um sie zumindest für einen kurzen Moment dem Vergessen zu entreißen.


    Die Musikerin, Musiklehrerin, Dichterin, Übersetzerin und Kurzgeschichtenautorin Emma Frances Dawson wurde wahrscheinlich im Mai 1839 in Bangor, Maine, geboren. 1861 ließen sich ihre Eltern scheiden, und so um 1880 herum hat sie zusammen mit ihrer Mutter Salome "Lola" Emerson an der amerikanischen Westküste gelebt. Lola Emerson war anscheinend gesundheitlich stark angeschlagen, und Emma Dawson hat den Unterhalt für sich und ihre Mutter verdient, indem sie Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben, aus mehreren Sprachen übersetzt und als Musiklehrerin gearbeitet hat.

    Der größte Teil der phantastischen Kurzgeschichten und Erzählungen, die Emma Dawson in den 1880er Jahren in literarischen Zeitschriften u.ä. veröffentlicht hat, ist 1897 in dem Sammelband An Itinerant House and Other Stories erschienen – und die Titelstory ist als "Ein Haus auf Wanderschaft" (übersetzt von Oliver Plaschka) tatsächlich in der von Erik Hauser und Frank Rainer Scheck herausgebenen Anthologie Aut Diabolus Aut Nihil (2014) enthalten (und ist afaik Dawsons einzige Veröffentlichung auf Deutsch).

    Ob Emma Dawson auch nicht-phantastische Geschichten geschrieben hat, weiß ich nicht. Oder ob sie mehr phantastische Geschichten geschrieben hat als die vierzehn, die in der (im Vergleich zur Originalausgabe um vier Stories ergänzten) 2007er-Version von An Itinerant House … drin sind. Es ist manchmal schwierig, an einigermaßen vernünftige und belastbare Infos über lang verblichene Autorinnen und Autoren zu kommen, und in diesem Fall fußt so ziemlich mein ganzes Wissen auf dem Beitrag über Emma Frances Dawson in dem großartigen Blog Tellers of Weird Tales von Terence E. Hanley, der sich immer wieder als schier unerschöpfliche Fundgrube in Bezug auf Informationen über die Weird-Tales-Autorinnen und -Autoren erweist.

    In besagtem Blog habe ich auch den Beitrag gefunden, der letztlich den Ausschlag gegeben hat, hier etwas über eine seit 100 Jahren tote, hierzulande völlig unbekannte und gewiss auch im und für das Phantastik-Genre reichlich unbedeutende Autorin zu schreiben. Denn da ist ein Artikel aus dem San Francisco Examiner vom Januar 1931 abgebildet, der so beginnt: "Unconscious from hunger, cold and months of privation, Miss Emma Frances Dawson, one of the eminent literary figures of early San Francisco, was taken yesterday from a Palo Alto cottage, where she had lived in poverty and seclusion for twenty years, and placed in the Palo Alto hospital." Und etwas weiter unten: "Scantily clad in old, tattered garments, Miss Dawson lay on the uncarpeted floor with her head in the ashes of the fireplace. Mice squealed about the squalid room. Two parrots chattered from their cages. Two small jars of jam covered with dust were the only food in the place. A chair, an unused cot, a stove and newspapers which served as rugs were the only furniture."

    Emma Frances Dawson ist 86 Jahre alt geworden, doch zumindest die letzten 20 davon hat sie anscheinend in völliger Armut gelebt. Ich finde so etwas immer einigermaßen erschütternd ...

    Ok, schreiben wir hier noch schnell was. Die potentiellen Geburtstagskinder vom Donnerstag lassen wir jetzt mal aus, weil … ach, ist nicht wichtig, bzw. am Freitag hatten wir zwei 100er, das ist vielleicht interessanter.


    Da wäre zunächst Howard L. Cory, dessen (naja) Geburtstag sich am Freitag, den 06.02., zum 100. Mal gejährt hat. Das Problem ist, Howard L. Cory ist eine fiktive Person, denn er ist nur das Pseudonym, unter dem das Ehepaar Julie Ann und Jack Owen Jardine während ihrer Ehe (die von 1958 bis 1968 Bestand hatte) zwei SF-Romane verfasst hat, von denen wiederum einer sich zumindest anfangs als Fantasy tarnt. Kompliziert? Ach was. ;)

    Fangen wir am Anfang an: Da Jack Owen Jardine das Pseudonym Howard L. Cory nur für The Mind Monsters und The Sword of Lankor (beide 1966) benutzt hat – sprich: die Werke, die er zusammen mit seiner Frau geschrieben hat (allein war er als Larry Maddock unterwegs) - und besagtes Pseudonym sich auf den Bühnennamen (Corrie Howard) der 30 Jahre lang als Schauspielerin und Tänzerin aktiven Julie Ann bezieht, können wir ja einfach mal sagen, hinter Howard L. Cory verbirgt sich vor allem Julie Ann Jardine. Dem steht natürlich entgegen, dass die Neuauflage von The Sword of Lankor (2014) unter dem Jack-Owen-Jardine-Pseudonym Larry Maddock erschienen ist, aber wisst ihr was? Julie Ann Jardine wurde am 06. Februar 1926 geboren, und ihr 100. Geburtstag ist die einzige Gelegenheit, ihrer hier an dieser Stelle mit einem kleinen Beitrag zu gedenken – und Jack Owen Jardine tut's nicht weh … *


    Zu the The Mind Monsters kann ich nichts sagen, aber the The Sword of Lankor liest sich über weite Strecken wie ein S&S-Roman, entpuppt sich letztlich jedoch als eine Art Sword-&-Planet-Roman (weswegen er wohl auf dem Backcover als "a terrific science-fiction adventure of the Burroughs Type" angepriesen wird) und ist unterm Strich überraschend lesbar.** Was weniger mit dem nur begrenzt richtigen Burroughs-Vergleich zu tun hat, als vielmehr damit, dass der auf dem fernen Planeten Lankor spielende Roman mit dem als Söldner eingeführten großen und starken Schwertkämpfer Thuron und dem kleinen katzenähnlichen Gaar, dessen Finger so flink sind wie sein Verstand, ein erstaunlich gut funktionierendes Duo als Hauptpersonen präsentiert, und dass die auch stilistisch recht ordentliche, actionreiche Geschichte sich zT anders entwickelt als erwartet. In den 60er Jahren ist Einiges an S&S bzw. S&P geschrieben und veröffentlicht worden, das bei einem Vergleich mit The Sword of Lankor deutlich schlechter wegkommt – auch wenn der Roman zum Ende hin durch einen … nennen wir es Continuity-Fehler leider ein paar Punkte einbüßt. Das eigentliche Ende ist dann aber durchaus gelungen und versöhnt einen letztlich wieder mit dem Buch.


    * – das Ganze wird noch ein bischen komplizierter, wenn man bedenkt, dass die NA von The Mind Monsters unter "Larry Maddock & Howard L. Cory" erschienen ist, was darauf hindeutet, dass "Cory" tatsächlich eher Julie Ann Jardine war (ihr Anteil am Sword aber vielleicht geringer als an den Gedankenmonstern …)

    ** – sonst hätte ich die zerfledderte Loseblattsammlung, die in den Zeiten, in denen es noch sowas wie "surface mail" gab, einer meiner Ebay.com-Bestellungen "als Geschenk" (oder um den Platz besser auszunutzen?) beigefügt war, ganz sicher nicht gelesen ;)


    Der zweite geplante Text kommt ... vielleicht nachher. Ich will diesen noch vor Mitternacht draußen haben.


    edit: Tippdingse, Tippdingse ... :kopfsch:

    @ lapis:


    Ich bin immer beeindruckt, wenn jemand Gedichte schreibt/schreiben kann, die sowohl vom Inhalt als auch von der Metrik her über meine Büttenreden-Reime hinausgehen. Meine Frau kann das im Gegensatz zu mir auch.


    @ Pogo:


    Was Asher angeht, sind wir uns wohl einig. Ich werde wahrscheinlich auch noch einmal einen Versuch machen, bevor ich die Bücher irgendwann weggebe, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass das mit mir und dem Neal nichts wird.


    Halloween von Stewart O'Nan hatte ich mir sowieso schon vorgenommen, als ich den obigen Beitrag geschrieben habe; deine Aussage bekräftigt meine Ansicht, dass das eine gute Idee sein könnte. Mich hat die Erzählperspektive in Das Glück der Anderen damals komischerweise kaum gestört (obwohl diese "literarischeren" Ansätze generell nicht unbedingt mein Ding sind). Ich glaube, das Buch hat damals bei mir sehr schnell einen Lesesog erzeugt, und wenn der erstmal da ist, sind stilistische Spielereien für mich oft nicht mehr sonderlich wichtig.

    So. Nachdem ich es gestern noch ganz kurz vor Mitternacht geschafft habe, den vorherigen Beitrag rauszuschieben (damit das "vorgestern" im Text noch stimmt), will ich jetzt noch schnell die zwei Autoren nachliefern, die ebenfalls am 04. Februar Geburtstag hatten (und über die ich was schreiben will, weil ... weil ich es halt will ;)).


    Da wäre zunächst einmal Hugh Walker alias Hubert Straßl, der am Mittwoch seinen 85. Geburtstag feiern konnte (ich hoffe zumindest, dass er sich guter Gesundheit erfreut und tatsächlich feiern konnte). Über Hugh Walker haben wir schon vor zehn Jahren anlässlich seines 75. Geburtstag einen Text im Blog gebracht, der auch heute noch mehr oder weniger genauso geschrieben werden könnte - mit dem Zusatz, dass die Hugh-Walker-Werkausgabe bei Emmerich Books & Media inzwischen inzwischen komplett ist (zu der u.a. auch eine monumentale und/oder tolle Magira-Ausgabe in einem oder zwei Bänden gehört).


    Womit wir zum zweiten nachgelieferten Autor kämen, dessen Werk komplett außerhalb meiner normalen Lesevorlieben liegt. Hmm ... das klingt jetzt irgendwie schräg ... ich meine damit, dass er keine wie auch immer geartete Phantastik geschrieben hat, die den Großteil meines beruflichen und privaten Lesespektrums abdeckt. Aber manchmal lese ich auch andere Sachen, historische Romane zB ... oder Krimis. Und durch seine Krimis habe ich Anfang der 1990er Jahre auch Bekanntschaft mit Friedrich Glauser gemacht, dessen Geburtstag sich am 04. Februar zum 130. Mal gejährt hat. In seinen Krimis habe ich dann die Bekanntschaft von Wachtmeister Studer gemacht, einer von Georges Simenons Kommisar Maigret beeinflussten/inspirierten Figur, die jedoch genügend eigenständige Züge aufweist, um nicht als Kopie zu gelten. Glauser sind in seinen Krimis mMn großartige Milieustudien gelungen, und sein Wachtmeister Studer ist ein Polizist mit einem Herz für Verlierer, der einem spätestens auf den zweiten Blick sympathisch wird. Es gibt über Friedrich Glauser - der, um es ganz deutlich zu sagen, aus mehreren Gründen eine arme Sau war - einen sehr ausführlichen Wikipedia-Eintrag, der als Ausgangspunkt für viele weitere Seiten dienen kann ... wenn's einen denn interessiert.


    In den 70er, 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren Glauser und sein Werk (das aus viel mehr als nur seinen Kriminalromanen besteht) immer mal wieder in der öffentlichen Wahrnehmung präsent (es gab 1976 - 1980 sogar drei Fernsehfilme mit Wachtmeister Studer), aber inzwischen scheint er wieder in Vergessenheit geraten zu sein. Auch deshalb wollte ich ihn hier einfach mal erwähnen.


    Wie's mit den Geburtstagskindern vom Donnerstag und Freitag weitergeht, weiß ich noch nicht. We'll see ...