Da ist schonmal nichts von Interesse für mich dabei. Noch am ehesten bei Literatur, wobei ich Günter Grass schon so lange ignoriert habe, dass es darauf jetzt auch schon nicht mehr ankommt.
Posts by Vertigo
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Mein Vorsatz, mit dieser Reihe nicht fortzufahren ist letztlich in dem Augenblick zusammengebrochen, als ich das Buch in der Buchhandlung habe stehen sehen. Nun also -
The Captive's War - Der Glaube der Bestien (James Corey)
QuoteDie Zukunft: Die Menschen wurden von den Carryx, einer mächtigen außerirdischen Spezies, in einen interstellaren Krieg gezwungen. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern muss jeden Tag aufs Neue den Wert der Menschheit unter Beweis stellen, indem sie Kriegsforschung betreibt. Doch sie sich nicht die Einzigen, die heimlich nach einem Weg suchen, die Carryx zu besiegen ...
- die Fortsetzung dazu, wie unspektakulär der Untergang der Menschheit sein kann. Vorangestellt sei, dass ich nach meinem Urteil über das erste Buch dann doch recht interessiert war, welche Richtung man einschlagen würde, so unvoreingenommen wie möglich muss ich also für mich feststellen, um mein fortgesetzt negatives Urteil über diese Reihe zu behalten, bedurfte es offenbar zwei Bücher. Ich muss etwas ausholen.
Was mir bei diesem Autorenduo bereits in The Expanse aufgefallen ist, die Art der Charakterisierung bewegt sich nicht auf einer Ebene, die mir zusagt. Das setzt sich in dieser neuen Reihe fort, schafft im Gegensatz zu The Expanse jedoch neue Probleme, die für mich viel mit dem Kontext der Geschichte zusammenhängen. Bestenfalls wird eine interessante Geschichte mit interessanten Charakteren erzählt, die man gerne durch das begleitet, was sie erleben und die man mit all ihren Makeln irgendwie ins Herz schließt. Nun steht The Captive's War an der Stelle, dass weder eine interessante Geschichte erzählt noch interessante Charaktere in die Geschehnisse geworfen werden, was für mich maßgeblich mit der fehlenden Bezugsgröße der sonstigen Menschheitsgeschichte zusammenhängt, was ein Problem ist, das durch die Reihe selbst aufgemacht wurde. Theoretisch kann ich Menschen ins Universum werfen und irgendeine Geschichte eines gestrandeten Raumschiffs erzählen, ohne dass ich groß kläre, wo diese Menschen herkommen und was dort gerade so die (geo)politische Großwetterlage ist. Ein Abenteuerroman in unbekanntem Terrain. Oder ich mache das Fass der Eroberung einer Welt - bewohnt von Menschen - auf, die auf einen ihnen unbekannten Planeten verschleppt und dort als Arbeitssklaven genutzt werden und in deren Ausübung von auferlegten Pflichten man sich einigen moralischen Dilemmata stellen muss, etwa der Frage, ob es vertretbar ist, ein Zuchtprogramm für Menschen aufzulegen, um den an die Menschen gestellten Anforderungen auch auf Generationen in der Zukunft nachkommen zu können. Nur stellt sich dann eben doch die Frage, wo dieses moralische Dilemma herkommt. Man kann es erklären, wenn man eine ununterbrochene Linie zur Erde zurückzieht und damit automatisch die gesamte Menschheitsgeschichte mit in die Erzählung aufnimmt, ohne sie ausbuchstabieren zu müssen. Zwar deutet vieles darauf hin, dass die Erde als gemeinsamer Ursprung der Menschheit auch hier eine Rolle spielt, jedoch für die hier relevanten Menschen in Vergessenheit geraten ist. Sie haben Vermutungen, die ganze eigene Geschichte spielt sich jedoch auf dem eigenen Planeten ab. Dieser hat natürlich eine eigene Geschichte, nur stellt sich dort doch die Frage, ob man ohne Weiteres erwarten kann, dass diese sich in ähnlichen Bahnen mit ähnlichen Problemen abgespielt hat, wie sie es auf der Erde tat. Der durch die erzählte Geschichte notwendige Begründungsaufwand für die aufgeworfenen Probleme ist dabei leider einer, dem rigoros aus dem Weg gegangen wird, wobei man sich dort offenbar auf eine andere hintergründige Erklärung zu beziehen scheint, die Adrian Daub in seinem Buch Was das Valles herrschen nennt so beschrieben hat:
QuoteHandelt es sich bei diesen Serien [gemeint sind Foundation, Das Rad der Zeit und 3 Body Problem] um Selbstporträts unserer Tech-Eliten? Nein, es sind immer noch vor allem verzweifelte Versuche, den mittlerweile jahrzehntealten Erfolg von Game of Thrones zu wiederholen. Aber es fällt doch auf: Anders als Game of Thrones, das bei aller Historienstöberei vor allem vom Hier und Jetzt quirliger und interessanter Klans zehrte, starren die Science-Fiction-Epen, die die heilige Dreifaltigkeit von Amazon, Apple und Netflix auftischt, auf die ganz große Distanz. Die Serien erzählen Storys, die sich über Jahrtausende hinziehen, in denen Figuren und Probleme, die in einer herkömmlichen Serie Stoff für eine ganze Staffel geliefert hätten, in einer Episode abgehandelt werden. Es ist Fernsehen für das Zeitalter des Longtermismus. [...] Warum also Menschheitsfragen lösen, die uns in zehn oder zwanzig Jahren bedrohlich werden können, wenn das Jahr 7,5 Milliarden nach Christi Geburt schon genug Probleme hat?
Nun ist es aber gerade nicht so, dass wir uns hier in einer Fernsehadaption bewegen - man kann sich sicherlich die Frage stellen, ob der Duktus gleichwohl bereits die Fernsehadaption voraussieht, ganz anknüpfend an den zeitweisen Erfolg von The Expanse und bereits an dieser Stelle unnötig erscheinenden Ballast über Bord wirft - und wir dadurch gerade die Möglichkeit eröffnet hätten, tief einzusteigen. In die Charaktere, die Welt aus der sie kommen und die Sorgen und Nöte die sie neben der Unterwerfung durch die Carryx mit sich tragen. Denn was als Serienform durchaus Probleme aufwirft, kann literarisch gut behandelt werden. Es erfordert dann eben nur den Willen und das Können, das auch umzusetzen. Ich sehe am Ende des Tages beides nicht in der erforderlichen Form, wobei mir selbstredend bewusst ist, dass das vor allem meine Wahrnehmung ist. Dabei besteht hier nicht einmal das Problem, dass man in Buch eins auf einer Welt mit Charakteren angefangen hat, die bereits nach wenigen Kapiteln verschleppt und ihrer Umgebung entrissen wurden. Erzählungen, Rückblenden, einleitende Ausschnitte der Geschichte vor jedem Kapitel. Es gibt der Möglichkeiten viele, wie man notwendige Informationen verpacken kann, ohne dass es erzwungen und zu sehr nach dem Gegenteil von "Show don't tell" aussieht. Das alles bleibt man letztlich jedoch schuldig und zieht sich darauf zurück, dass man nun in einen Krieg eingebunden ist, dessen Ausgang vielleicht die Ur-ur-ur-ur-ur-Enkel einmal erleben werden, weshalb alle Handlungen, die man nun vollführt, jedenfalls gerechtfertigt sind für das größere Ganze. Es ist damit erstaunlich platt, vom Ende her gedacht jedoch ebenso konsequent. Da am Ende alles gerechtfertigt sein wird, wenn man nur gewinnt und seine Rache bekommt, braucht es keine moralischen Diskussionen, womit es keiner Grundlage für diese moralischen Fragen bedarf und man damit jegliche Grundlagen ohnehin gleich als unnötigen Ballast über Bord werfen kann. Dieser Mangel an Unterbau macht sich dann jedoch in jedem Charakter und jeder Entwicklung bemerkbar, weshalb nicht nur die Geschichte sondern auch die Charaktere selbst restlos uninteressant sind. Da macht es auch keinen Unterschied, dass man in dieser Reihe, anders als noch in The Expanse, etwas freigiebiger damit umgeht, sie gleich mit über Bord zu werfen. Auch das ist wohl nur konsequent, macht mangels irgendwie gearteter Verbundenheit zu den Charakteren dann aber immer noch keine gute Geschichte. Die dann auch in vielerlei Hinsicht eine Neuauflage gerade von The Expanse zu sein scheint. Was dort mit dem Auftauchen des Protomoleküls im Sonnensystem gerade wegen der vorgenannten Aspekte jedoch eine ganz erhebliche Tragweite hatte und für mich die Bücher neben den verblassenden Charakteren zu tragen vermochte, verkommt hier mit dem Schwarm auf der im Untergang begriffenen Welt restlos zur Bedeutungslosigkeit.
Womit das Buch, da es geschafft hat, mir zu verdeutlichen, was mich am ersten Band schon so gestört hat, besser und schlechter als der erste Band ist. Warten wir also, was Band drei bringt. Ich gebe mich einfach nicht mehr der Illusion hin, dass ich es mir nicht doch früher oder später holen werde.
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Freut mich, dass es Anklang findet.
Pogopuschel: Mit dem Hintergrund könnte ein kurzer Abstecher in die Buchvorlage doch ganz interessant sein. Die ironischen Anklänge möchte man am Ende in der Serie ja auch erkennen. Dass das jemand komplett ernst meint, möchte man sich dann doch nicht vorstellen, dass die Ironie dann aber wohl doch nicht als solche erkannt wurde...
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Reacher - Staffel 1
Auch hier wieder ohne Kenntnis der literarischen Vorlage, ist das wahrscheinlich die amerikanischste Serie, die ich (zuletzt) gesehen habe. Es wird bei dieser einen Staffel und meinem Unverständnis bleiben, wie die Serie so viele Folgestaffeln generieren konnte.
Mein ganz kurzer Eindruck: Reacher ist die von jeglicher Konsequenz entkoppelte Allmachtsphantasie eines Kleinkindes. Dabei stellt sich die gesamte Serie als so klischeebeladen dar, dass sich durchaus die Frage stellt, ob die Charaktere und Handlung nicht als Ganzes ironisch zu verstehen sind. Das fängt schon mit solchen Nicht-Aussagen eines wohlgemerkt aus dem US-Militär stammenden Jack Reacher (Jack Jackson
) an wie (sinngemäß, für eine wörtliche Darstellung müsste ich die Serie noch einmal starten, was ich vermeiden möchte) "Es ist immer etwas persönliches, wenn dich jemand töten möchte", wobei die offensichtlich als Love-interest fungierende Polizeibeamtin mit großen Augen daneben steht und schier überwältigt ist von der Genialität des Mannes vor ihr, wobei gewisser Jack Reacher dabei irgendwie zu verkennen scheint, dass er aus einem Hintergrund kommt, der aufgrund seiner zum Exzess getriebenen Wir-Sie-Unterscheidung so losgelöst von allem Persönlichen ist, dass das Töten dort doch gerade zu etwas rein mechanischem verkommt. Er beweist dann im Laufe der ganzen Serie eigentlich auch wunderbar, dass es für ihn eigentlich nichts persönliches ist, sondern das Töten vielmehr zur reinen Spaßübung und gewissermaßen Arbeit verkommt. Denn natürlich muss der Mord am Bruder aufgeklärt werden, aber so richtig interessieren tut das den Herrn Reacher auch nicht. Emotionalität kann es schließlich nicht geben. Jedenfalls nicht in der Form, wie man es beim Tod eines nahen Angehörigen vermuten könnte. Das wäre aber unmännlich. Man arbeitet sich also vielmehr nebenbei noch daran ab, dass der (quasi) Vorgesetzte Vegetarier ist und man diesem in jedem Etablissement nur Salat vorsetzen kann und - was natürlich bereits in der ersten Folge angelegt wird, da man sonst übersehen könnte, dass man es hier mit dem amerikanischen Helden zu tun hat: Jack Reacher kümmert sich um einen im Garten angeketteten Hund. Und nicht nur in der ersten Folge, man kommt über die gesamte Staffel immer wieder darauf zurück, bis man dem Besitzer schließlich mit Fäusten zu verstehen gibt, dass er nichts zu melden hat, man den Hund befreit und - Trommelwirbel - ins Tierheim bringt. Ich habe an dieser Stelle auf die Einholung von Informationen verzichtet, wie Tierheime in Amerika so ausgestattet sind und ob das insgesamt so eine gute Idee ist. Es fällt aber wunderbar darauf zurück, dass man alles für den äußeren Schein tut, sich mit den Konsequenzen der eigenen Handlungen aber gerade nicht auseinandersetzen möchte. Man selbst kann nun wirklich nicht damit belastet werden, sich mit einem Hund herumschlagen zu müssen. Vielmehr muss man mitten in einem Wohngebiet eine Handfeuerwaffe abfeuern und das mit dem markigen Spruch "Vertraue niemals einer Waffe, die du nicht selbst getestet hast" begleiten, wobei man sich natürlich darüber hinwegsetzt, dass nicht einmal eine halbe Minute vorher die als Love-interest fungierende Polizistin genau das untersagt hat. Wobei es sicher auch noch mehr zu bedeuten hat, dass sie diese Waffe ihres verstorbenen Vaters auf ihrem eigenen Rachefeldzug gerade nicht selbst nutzt, sondern dies nur ein Jack Reacher kann. Der sich - wohlgemerkt weiterhin gegenüber der Polizistin - auch dazu hat hinreißen lassen etwas in die Richtung "Ich erschieße alle Leute, die sich an Kindern vergehen und sag mir nicht, dass dir das nicht passt" zu sagen, wobei besagte Polizistin vermutlich in diesem Moment - durch das Drehbuch gezwungen - entschieden hat, dass sich bei der nächsten sich anbietenden Gelegenheit zusammen mit dem Herrn Reacher unter die Dusche hüpfen muss.Es ist also wirklich erstaunlich, mit was für einem Blödsinn man so durchkommt und ich bin fast, aber nur ganz fast und nur ein ganz kleines Bisschen geneigt, mir den ersten Band dieser Buchreihe mal zu kaufen, um herauszufinden, ob das - was ich vermute - ein Problem der bescheidenen Vorlage ist. Wobei da genau genommen vermutlich einfach sehr viel Quatsch zusammenfindet, der so nie hätte zusammenfinden dürfen.
Reacher war zumindest ein Erlebnis. Und ja, der Mord wird natürlich irgendwann aufgeklärt. Nicht, dass das irgendwie von Bedeutung wäre. So wie gar nichts in dieser ersten Staffel wirklich von Bedeutung war.
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[...] und sollte es pünktlich ankommen, passt das wunderbar mit meinem Urlaub zusammen [...]
Es verzögert sich.
Dir sei der Start ins Buch aber gegönnt. Und dass es dazu noch ankommt ist umso besser. Dass Erikson mit Humor nicht geizt, kann so schlecht dann auch nicht sein. Ich bleibe gespannt.
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Da ich auf meiner Recherche im Bereich Phantastik zwar auf einen Thread-Versuch von vor etwas mehr als 16 Jahren gestoßen bin, der wiederum unter Verweis auf einen dubiosen Thread in diesem Bereich geschlossen wurde, wobei der Link ins Leere lief und ich jetzt nicht so viel erhellendes gefunden habe - hier also eine Neueröffnung in der Hoffnung, auf genug Desinteresse zu stoßen, dass es einfach akzeptiert wird.
Auch ist es nicht so, dass hier regelmäßig mit Input meinerseits zu rechnen ist, aber in unregelmäßigen Abständen kommt doch der Wille auf, ein paar Wörter zu einem Film (oder einer Serie) zu verlieren. Um mit der regelmäßigen Unregelmäßigkeit also zu beginnen:
Nocturnal Animals (Tom Ford)
Ich bin vor einigen Wochen in meinem CD-Fundus eher zufällig über den wunderbaren Soundtrack von Abel Korzeniowski zu Nocturnal Animals gestoßen, den ich seitdem immer mal wieder zur Arbeit habe laufen lassen, ohne dass ich groß gewusst hätte, worum es in dem Film selbst geht oder auch nur ein besonderes Interesse gehabt hätte, das herauszufinden. Dass mir eben jener Film auf einer Streamingplattform des Vertrauens dann einige Zeit später vorgeschlagen wurde, war ein interessanter Zufall, sodass ich vor einigen Tagen dann doch daran hängen geblieben bin. Worum geht es also.
QuoteDie Inhaberin einer Kunstgalerie wird von dem Roman ihres Ex-Ehemanns verfolgt, einem gewalttätigen Thriller, den sie als eine verschleierte Drohung und eine Geschichte der symbolischen Rache auslegt. (IMDB)
Ohne die literarische Vorlage Tony & Susan von Austin Wright zu kennen, das fasst jedenfalls den Film hervorragend zusammen und stellt sich, ob nun gewollt oder nicht, als ein doch erstaunliches Bild männlicher Verletzlichkeit dar. Nicht in der Form, wie damit gesellschaftlich umgegangen werden kann, sondern vielmehr in der Form eines gekränkten Egos, das nur dadurch geheilt werden kann, dass die Frau leidet. Dazu sogleich. Aufgebaut ist der Film auf zwei (es ließen sich auch drei begründen) Ebenen. Der realen Ebene, in der Susan eine Kunstgalerie leitet und ein leidlich erfolgreiches Leben mit ihrem neuen Mann führt - Gegenwart und Vergangenheit (daher ggfs. drei Ebenen) - und der Ebene des Romans, der ihr von ihrem Ex-Mann zugesandt wurde und den sie in Abwesenheit ihres Mannes liest und in dessen Wechselwirkung mit der Realität sie immer wieder ihre Lebensentscheidungen in Frage stellt.
Interessant ist dabei an einer Stelle etwas vermutlich Wahres innerhalb der Geschichte. Susan ist mit Edward zusammen, der versucht, als Romanautor erfolgreich zu sein, wobei Susan die von ihm vorgelegte Geschichte nicht mag und ihm dies auch sagt. Sinngemäß: 'Schreib über etwas anderes als dich' und alles, was nun im vorgelegten Roman dieser Geschichte folgt ist eine Geschichte von und über Edward, wobei es kein Zufall sein dürfte, dass der eigentliche Auslöser gesetzt wird durch 'Women in Refrigerators'. Ein Weg, der nicht hätte beschritten werden müssen, in diesem Film jedoch etwas legt, das vermutlich über das Filmende selbst hinausweist. Dazu muss ich etwas ins Detail gehen, also erwartbare Spoiler für alles ab dieser Stelle.
Der eigentliche Kern der Geschichte wird durch die Zusammenfassung hervorgehoben. Es geht um Rache. Innerhalb des Romans geht es um Rache durch Edward an drei ihm unbekannten Tätern, die seine Frau und Tochter entführt, vergewaltigt und getötet haben. Außerhalb der Romanebene geht es unter Zuhilfenahme des Romans um Rache durch Edward an seiner Frau dafür, dass sie sich gegen ihn und für einen anderen Mann entschieden hat. Eine Entscheidung, die für sie nur konsequent umgesetzt werden konnte, indem sie sich ebenfalls für eine Abtreibung entscheidet. Mit Edward wollte sie nicht zusammen sein und auch kein Kind haben. Das selbst bietet Stoff genug für eine interessante Charakterstudie, denn dass das so Erlebte grundsätzlich zu Problemen auf Seiten Edwards führt, ist nicht unerwartet und gut nachvollziehbar. Der Inhalt des Romans vermittelt uns aber ein anderes Bild, nämlich das eines zutiefst gekränkten Egos. Denn unabhängig von der moralischen Frage im Kontext der Abtreibung, die man für sich auf die eine oder andere Weise beantworten kann, muss man sich unabhängig von dem Ergebnis, zu dem man kommt, die Frage stellen, warum Edward sich in seinem Roman für diesen Weg entscheidet. Frau und Tochter werden durch fremde Männer entführt [Platzhalter für Hutton (neuer Ehemann)], vergewaltigt und getötet. Dabei fällt die massive Diskrepanz zwischen Realität und Fiktion ins Auge. Susan trifft eine freie Entscheidung, mit Hutton anstelle von Edward zusammen zu sein, was Edward nicht verkraften kann, weshalb der Umstand, dass sie nun mit ihm Sex hat, für ihn bloß eine Vergewaltigung sein kann. Edward kann sich ein Szenario, in dem Susan unabhängig von ihm als frei handelndes Wesen existiert, nicht vorstellen. Gleichzeitig schafft er mit dem Umstand, dass es sich um drei Männer als Platzhalter für Hutton handelt, eine geschichtliche Erklärung des Versagens seines Alter Ego, die auf ganz anderen Gründen basiert als dem so implizierten Verlust der Männlichkeit durch Unfähigkeit des körperlichen Widerstandes. Auch tot ist seine Frau erst am Ende nach der Vergewaltigung, dabei lebt sie in der Realität noch und - hier hängt die Formulierung natürlich von der eigenen Haltung ab - gelebt hat die von ihm erdachte Tochter nie. Der Tod der Frau und die Nichtexistenz der Tochter wird dabei gleichwohl auf Hutton übertragen und zumindest Letzteres ist zutreffend, wenn auch hier verkannt wird, dass Hutton an der Stelle des Films zwar unterstützend vor Ort war, die Entscheidung einer umfassenden Trennung jedoch schon vorher erfolgt ist. Warum werden diese Bilder also bedient? Weil Edward gar nicht anders kann, wie uns das letzte Bild der Romanebene suggeriert. Edward stirbt, nachdem er Rache genommen hat, indem sich durch Ungeschicklichkeit (aufgrund vorheriger Verletzung) der Schuss aus seiner Waffe löst und ihn im Bauch trifft. Natürlich ist es der Bauch, das Blut das herausströmt. Edward fühlt sich persönlich gekränkt davon, dass er bei Susans Entscheidung zur Abtreibung kein Mitspracherecht hatte. Das hat ihn getötet und ich bin sogar gewillt, Edward in diesem Film so zu lesen, dass es nicht die freie Entscheidung von Susan zur Abtreibung war, sondern der Umstand, dass Susan es überhaupt gewagt hat, eine Entscheidung ohne ihn zu treffen.
Und damit weist der Film letztlich weit über das letzte Bild hinaus. Susan, die nach Kontaktaufnahme zu Edward in einem Restaurant auf ihn wartet. Edward kommt nie. Edward hat ausformuliert, was Susan und ihr Mann für ihn bedeuten. Die Zeit der Gespräche sind vorbei. Er kratzt damit zumindest gedanklich an einer Rachephantasie, die auf der Romanebene kaum deutlicher hätte ausformuliert werden können und bei der sich auch für Susan die Frage stellt, ob er seinen Roman Wirklichkeit werden lässt. Dass er es jahrelang nach der Trennung nicht getan hat, scheint dabei keine Beruhigung zu bieten, wirft es doch die Frage auf, warum der Roman nun, nach neunzehn Jahren der Trennung aufkommt. Etwas scheint zu brodeln und auch wenn nichts passiert, muss Susan nunmehr doch in der Realität leben, dass sie sich nie sicher sein kann, ob durch Edward nicht doch noch etwas anderes droht.
Damit ist dieser Film letztlich eine wunderbare Darstellung männlicher Kränkung, auch wenn ich (noch) nicht herausgefunden habe, ob das so sein sollte.
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Es ist bisher weder im Regal noch auf dem Stapel, da ich um das folgende Buch jetzt schon länger herumschleiche, es dann aber doch auch irgendwie eine gewisse Investition wäre: hat jemand Z Ypsilon X von Peter Waterhouse gelesen und kann etwas dazu sagen? Oder hat jemand sonstige Erfahrungen mit Peter Waterhouse und kann etwas zu dem sagen?
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Wobei gerade die Inquisition in dem Bereich viel Potential hätte. Die Eisenhorn-Trilogie wurde mir vor halben Ewigkeiten mal von einem Bekannten empfohlen, bin da aber auch nie wirklich angekommen. Stattdessen hatte ich mich zeitweise mal mit der Horus Häresie auseinandergesetzt, aber da war die Luft nach drei Büchern auch sehr schnell raus für mich. Die Motivation, da noch 51 weitere Bücher + eine eigene Trilogie für die Belagerung von Terra zu lesen ...

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Über Umwege bin ich mal wieder im 40k Universum gelandet und habe Krieg von Steve Lyons gelesen. Recht kurzweilig und zeitweise ganz unterhaltsam, am Ende muss man aber doch sagen, dass sich das Death Korps of Krieg wunderbar für Memes eignet, ein ganzes Buch tragen kann es zumindest in der Form nicht. Geschweige denn mehrere. Der Versuch, Siege of Vraks direkt anzuschließen, war nicht von Erfolg gekrönt. Am Ende ist das doch alles eine recht ermüdende Sache, dabei habe ich die Gaunts-Ghost-Reihe seinerzeit sehr gerne gelesen. Das war zwar auch immer wieder mehr vom Gleichen, da man dort aber immerhin in die Truppe gegangen ist, gab es eine gewisse Grundspannung auf der Ebene des Fußvolks. Das ging den vorbenannten Büchern komplett ab und las sich am Ende des Tages dann doch auch eher wie ein längerer Eintrag aus dem entsprechenden Wiki.
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Irgendwo hatte er geschrieben, dass er die Bücher ziemlich hintereinander weggeschrieben hat und eine recht kurzfristige Veröffentlichung geplant war. Dafür, dass ich das letzte Buch aus der Trilogie richtig gut fand, ist es dann doch wieder sehr schnell in Vergessenheit geraten, dass da eine Veröffentlichung anstehen sollte. Nun ist es auch vorbestellt und sollte es pünktlich ankommen, passt das wunderbar mit meinem Urlaub zusammen. Die Hoffnung bleibt also.
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Um das Thema Die Hyperion-Gesänge abzuschließen - nicht, dass das jetzt besonders überraschend wäre -, strukturell und storytechnisch hat mir der zweite Teil deutlich besser gefallen als der erste, zum Ende raus hat sich das Buch allerdings ganz schön gezogen. Das hätte man meines Erachtens nach in Gänze gut um ein Drittel kürzen können, ohne dass besonders viel der Geschichte liegen geblieben wäre. Endymion werde ich Stand jetzt tatsächlich nicht mehr angehen. Bleibt von Dan Simmons nur noch Der Berg, der mich ernsthaft interessiert.
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Ich möchte an der Stelle auch gar nicht abstreiten, dass Hyperion und Der Sturz von Hyperion (gerne auch zusammen mit Endymion etc.) in ihrer Zeit sicher wegweisend gewesen sind. Dem, was John Clutes schreibt, habe ich nichts entgegen zu setzen und rein aus der Perspektive der Welt, die dort erschaffen wird, kann ich die Faszination vollkommen nachvollziehen. Neben den von mir angesprochenen Störfaktoren musste es schließlich einen Teil geben, der mich dabei gehalten hat, anderenfalls würde sich das doch ganz schön ziehen. Ich möchte an der Stelle auch noch gar keine Vorschusslorbeeren verteilen, habe allerdings ein paar Seiten in Der Sturz von Hyperion reingelesen und muss sagen, dass mir der Teil - soweit ich ihn denn bisher gelesen habe (Keats 2.0 wurde gerade wieder aus Hyperion ausgeschifft) - deutlich mehr zugesagt hat. Einerseits gefällt mir die Struktur, dass der Leser mit Betreten der Zeitgräber nunmehr ausgeschlossen und die Kommunikation auf ein rein passives Traum-Erleben reduziert ist, während wir nun vielmehr von außen erfahren, was vorher durch den Blickwinkel der Reisegruppe eingeschränkt war. Das ist alles wunderbar und macht richtig Spaß, außerdem habe ich bisher das Gefühl - um noch etwas weiter in dem Fass zu rühren -, dass sich der Autor dort ein bisschen mit den im vorherigen Beitrag benannten Auswüchsen zusammengerissen hat. Es ist zwar ein bisschen schade, dass man auf einen fragwürdigen Minimalkonsens zurückfallen muss, dass zur Beschreibung einer Frau nun einmal vorwiegend die Brüste dazugehören, das hat sich bis heute ja wunderbar in der Literatur gehalten, aber immerhin lässt sich das an dem besonderen Beispiel rein theoretisch sogar noch im Sinne der Geschichte schönreden.
Keats 2.0 trifft also Diana und natürlich ist es ganz wichtig herauszustellen, dass das von ihr getragene Kleid einen sehr tiefen Ausschnitt hat. Schnitt ein paar Stunden weiter - er trifft Diana erneut, wobei er das Gefühl hat, dass der Ausschnitt noch tiefer geworden ist. Diana schleppt Keats 2.0 ab, es kommt zum Geschlechtsverkehr, Keats 2.0 wird unter Drogen gesetzt und befragt. Diana wollte unseren Künstler also von Anfang an auf sich aufmerksam machen und es ist gut möglich, dass sie dabei auf die Stumpfheit des Künstlers gesetzt hat, was wunderbar aufgegangen ist.
Auch an dieser verkürzten Darstellung wird man sicher einiges in der Beschreibung und dem Ablauf finden können, was einem sauer aufstoßen mag, keine Frage. Nur wird in dem Teil doch auch irgendwie deutlich, dass, wenn vielleicht auch mit Problemen in der B-Note, der Autor prinzipiell in der Lage ist, eine in sich schlüssige Geschichte zu erzählen, ohne allzu problematisches Terrain zu betreten.
Gerade vor dem Hintergrund dessen, was im Spoiler steht, bleibt bei mir aber erst recht eine gewisse Unschlüssigkeit stehen. Sind beide Beispiele bewusste Entscheidungen oder ist das im Spoiler angeführte Beispiel jetzt einfach ein positiver(er) Ausrutscher? Zum jetzigen Zeitpunkt werde ich Der Sturz von Hyperion jedenfalls noch zu Ende lesen und bin verhalten optimistisch(er) gestimmt, dass die negativen Ausreißer sich in überschaubaren Grenzen halten werden.
Vor dem ganzen zuvor geschriebenen finde ich es so oder so einfach bedauerlich, dass ein Autor wie Dan Simmons sich so eine Geschichte erdenken kann, dann aber nicht an den Punkt kommt, gewisse Vorstellungen - meinetwegen auch der Zeit - über Bord zu werfen und gleich zu einem Rundumschlag auszuholen. Aber das scheint ohnehin ein generelles Problem innerhalb von Fantasy und Science Fiction zu sein, dass man sich alle möglichen anderen Welten und Zukünfte erdenken kann, dass es aber grundsätzlich ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, diese Welt, wenn man sie ohnehin neu erfindet, mit etwas anderem zu füllen als dem, was man bei uns zur Genüge kennt. Wobei ich auch hier zugebe, dass mir so ein internalisierter Müll schon fast lieber ist als die Feigenblatt-Behandlung die das Thema durch manche Autoren erfährt. Vor ein paar Monaten habe ich in der Hörbuchsektion einmal größer im Bereich der Military Science-Fiction gewütet und Hut ab, was dort regelmäßig an Truppen männlicher und weiblicher Besetzung auftritt, wobei es unumgänglich ist, dass sich alle Personen in bester Starship-Trooper-Manier eine Dusche teilen und das zur absoluten Fleischbeschau durch die männlichen Darsteller kommt, die nicht müde werden zu erwähnen, was sie mit den Frauen denn so machen würden, sich das aber niemals trauen würde, da die Frauen sich sehr gut verteidigen können und überhaupt, eigentlich sind sie ja auch im Geiste Geschwister und würden die Frauen der Truppe immer verteidigen und das die Frauen sich dabei lasziv in alle Richtungen beugen ... wenn man jetzt noch kein Bild vor Augen hat (wer ernsthaft Titel genannt haben möchte, mag mich darauf festnageln, ich werde dann einmal schauen, ob ich da noch einen wiederfinde. Ich der Hinsicht kann ich aber nichts versprechen). Lange Ausschweifung kurzer Sinn, die Darstellung von Dan Simmons wird dadurch zwar nicht besser, aber ihm kann man immerhin zu Gute halten, dass er die Geschichten zu einer Zeit geschrieben hat, in der die Themen tatsächlich noch nicht die Öffentlichkeit erfahren haben.
Solltest du also irgendwann einmal dazu kommen, die Titel noch einmal im Original zu lesen, wäre ich durchaus gespannt, was du aus Perspektive der Übersetzung dazu zu sagen hättest. Denn auch wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass das inhaltlich in etwa stimmen dürfte, kommt es in dem Bereich ja auch zu manch interessanten Auswüchsen.
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Nach meinem ersten - gescheiterten - Versuch, Die Hyperion Gesänge zu lesen, habe ich mich die letzten Tage noch einmal dran gesetzt und bin jetzt immerhin mit Hyperion durch. Was mich das erste Mal davon abgehalten hat, war eine gewisse Abneigung dagegen, wie die Beziehung von Frauen und Männern in diesem Buch thematisiert wird und wirklich, rein unter dem Gesichtspunkt bereue ich, das Buch gelesen zu haben. Ja, 1989 war eine andere Zeit, aber irgendwie tue ich mich doch schwer damit, mir Beschreibungen in der Art von (sinngemäß):
"Sie war so schön, dass selbst der anständigste Mann Phantasien von Vergewaltigung entwickelte" - wait, what?
"Er dachte an die 16-jährige Kindfrau" - im Kontext einer sexuellen Beziehung mit einer dann schon erwachsenen Frau aber er denkt lieber daran zurück, wie er mit ihr geschlafen hat, als sie noch minderjährig war und wenn man es genau nimmt, die erste sexuelle Beziehung zwischen den beiden starke Anleihen eines Missbrauchs hat, der sehr relativiert wird...
"Irgendetwas von der Beschreibung gewachsener weiblicher Brüste unter expliziter Bezugnahme darauf, dass diese beinahe mädchenhaft wirken"
"Ihre nackten Brüste knospen im Mondschein" ... Simmons, bei aller künstlerischen Freiheit, aber was genau soll so ein Satz überhaupt bedeuten?
durchzulesen und zu glauben, dass man das 1989 einfach so durchgewunken hat.
Das mal wahllos herausgegriffen und es ist ja nun nicht so, dass das die einzigen Fälle wären. Es wäre ja noch interessant, wenn man davon ausgehen könnte, dass der Autor auch zur damaligen Zeit schon eine Kritik an der Übersexualisierung insbesondere auch von Mädchen aufstellen wollte, nur fehlt dafür irgendwo ein entscheidender Punkt. Nämlich eine irgendwie geartete Kritik, so ich diese nicht einfach übersehe. Was bleibt, ist dann doch das Gefühl, dass hier eher eine - in Ermangelung eines besseren Wortes - Präferenz des Autors durchscheint, die auf die eigentlichen Charaktere ausstrahlt. Für eine andere Lesart fehlen mir etwas die Anhaltspunkte, auch wenn ich mich gerne eines Besseren belehren lasse.
Was überaus schade ist, denn die eigentliche 'Welt', die hier aufgebaut wird und auch der Aufbau der Geschichte bieten so viel Potential. Das leider immer dann von einem unguten Gefühl beim Lesen überschattet wird, sobald auch nur eine weibliche Person ganz entfernt die Bühne betritt. Und dass die erste Geschichte des Buches meines Erachtens nach zugleich auch die Stärkste ist und ab dem Punkt eigentlich beständig abbaut, hat dem Ganzen dann auch nicht mehr geholfen. Wobei der aus meiner Sicht bestehende qualitative Verfall dann auch ziemlich konstant mit immer sexualisierten Darstellungen einhergeht. Dann dann auch noch vollkommen ohne Not. Denn auch hier, soweit für mich ersichtlich, tragen die sexuellen Eskapaden bis auf vielleicht eine Ausnahme nichts zur eigentlichen Geschichte bei. Außer etwa, die Charaktere in ein Ecke zu rücken, von der ich nicht ausgehe, dass der Autor sie beabsichtigt hat.
Ausstehend also noch Der Sturz von Hyperion. Na mal schauen, für wie lange.
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Eigentlich wollte ich hier schon vor Monaten etwas zu Der Passagier und Stella Maris schreiben, die ich neben dem Hörbuch endlich einmal in gedruckter Form gelesen habe. Die Zeit hat sich dann doch irgendwie nie ergeben, wobei ich kein Geheimnis verrate, wenn ich schreibe, dass ich beide Bücher und vor allem in ihrer Kombination für Meisterwerke halte. Mittlerweile habe ich dann also angefangen, mich langsam und gemächlich durch die übrigen Werke von Cormac McCharty zu arbeiten und werde die Gedanken zu den eben genannten Titeln auf unbestimmte Zeit aufschieben.
Jetzt also zu Ein Kind Gottes (diverse Spoiler enthalten1)
In Ein Kind Gottes folgen wir dem Abstieg und Verfall von Lester Ballard, wobei durch die Form der Erzählung unklar ist, ob die Geschehnisse des Buches bloß den schon vorhandenen Verfall offenbaren oder es sich um eine fortschreitende Entwicklung handelt. Aber der Reihe nach.
Das Buch beginnt mit der (Zwangs-)Versteigerung von Lesters Grund und Boden, wobei wir nie erfahren, wie Lester ursprünglich an das Grundstück gekommen und welche Stellung er in der Gesellschaft eingenommen hat. Wir stehen zu Beginn der Geschichte also schon am Ende einer Reihe von Ereignissen, die Lester an den Rand der finanziellen und damit auch der sozialen Existenz getrieben haben, wobei bereits an der Stelle das erste Mal der Rückgriff auf Gewalt hervortritt, lediglich noch durch die bis dahin geltenden Normen im Zaum gehalten. Dabei bietet uns die Form der Erzählung, das episodenhafte der dann für Lester folgenden Ereignisse, immer mal wieder in Abwechslung mit rückblickenden Erzählungen Dritter aus dem Leben von Lester einen einfachen Ausweg aus dem sich andeutenden Dilemma - um an der Stelle auf das Ende vorwegzugreifen:
Lester stirbt am Ende des Buches. Die eingestreuten Erzählungen erfolgen somit als Rückschau auf ein bereits beendetes Leben und versuchen diesem und vor allem der sich ausgebreiteten Geschichte im Nachgang einen Sinn zu verleihen.
QuoteIch weiß nicht. Es heißt, er hätte sich nie wieder eingekriegt, nachdem sein Daddy sich umgebracht hat.
Ich erzähl dir noch was, was er mal gemacht hat. Er hatte 'ne alte Kuh [...]. Wie das Seil sich gestrafft hat, hat's ihr praktisch den Kopf abgerissen.Es entspinnt sich neben diesen nur knapp wiedergegebenen Beispielen eine Erzählung, die neben Lesters grundloser Gewalttätigkeit schon als Kind auch seine Unwilligkeit, sich an Normen und Gepflogenheiten zu halten, herausstellt. In der Rückschau werden die Ereignisse, die eingetreten sind auf einmal zu einer unveränderlichen Kette von Ereignissen, die nur so eintreten konnten, wobei die bereits bekannte Gewalttätigkeit eine angenehme Erzählung bietet, mit der man weitere Verantwortlichkeit gut von sich weisen kann. Das greift jedoch zu kurz, greifen wir auf die Ausführungen des Sherifs zurück, der uns die Reihe von Lesters Verfehlungen später vor Augen führt. Die Reihe beginnt mit Nichtbefolgen einer gerichtlichen Verfügung und damit - vermutlich - am Anfang unseres Buches. Bis zu diesem Zeitpunkt scheint man mögliche vorhandene Verfehlungen jedenfalls nicht als herausstellungswürdig betrachtet zu haben. Lester war bis zu dem Zeitpunkt, an dem er sein Haus verloren hat, ein funktionierender Teil der Gesellschaft. In der sich zu Beginn des Buches andeutenden und sodann im Fortschreiten der Erzählung immer weiter herausbrechenden Gewalt muss also noch etwas anderes liegen.
Lester verliert sein Land, sein Haus und zieht, abseits der Gesellschaft in eine kleine, heruntergekommene Hütte. Sein Hab und Gut kann er - wie er es später auch tun wird - ohne großen Aufwand von einem Ort an den nächsten bringen. Ein geregeltes Leben hat Lester seit diesem Zeitpunkt nicht mehr, er lebt jeden Tag von der Hand in den Mund und kann sich Vorräte und damit eine theoretische Grundlage für Überlegungen über das Hier und Jetzt hinaus erst dann anlegen, wenn er bereits so weit von der Gesellschaft entfernt ist, dass er gegen ihren Willen von ihr lebt. An dieser Stelle müssen wir einen weiteren Bogen schlagen. Lester hat keine Freundin oder Frau. Er sagt zwar später, dass er nie darüber nachgedacht und dass es für ihn nie in Betracht gekommen ist, Lester ist jedoch ein mehr als unzuverlässiger Gesprächspartner. Inwieweit die Frage der Partnerschaft vor der Erzählung des Buches eine Rolle spielte, bleibt im unklaren. Der vorhandene Wunsch jedenfalls nach Sex tritt jedoch mehr als deutlich hervor. Aus der heimlichen Beobachtung kopulierender Menschen verbunden mit Selbstbefriedigung wird - bei Gelegenheit - der Sex mit einer Leiche und von da an in unterschiedlichsten Ausprägungen der Beginn von Gewaltakten gegen Frauen, wobei sich die tatsächliche Ausübung des Geschlechtsverkehrs und der Versuch durch Lester, sich eine perfekte Frau zu schaffen, an Leichen vollzieht. Man kann sich die Frage stellen, wozu diese Gewalterzählungen dienen. Den Verfall von Lester hätte man ohne Weiteres ohne die sexuelle Konnotation beschreiben können. Gerade durch diesen Aspekt wird jedoch etwas verdeutlicht, das ansonsten in der Erzählung nicht relevant geworden wäre. Mit den Worten von Manon Garcia aus Mit Männern leben
QuoteAus welcher Norm fällt ein Mann heraus, der vergewaltigt? Statistisch gesehen werden in Frankreich jedes Jahr 230.000 Frauen Opfer sexueller Gewalt, und jedes zehnte Kind wird vergewaltigt. Zusammengenommen sind das wirklich viele Vergewaltiger. Der Übergang zur Tat ist in diesem Sinne statistisch gesehen nicht außergewöhnlich. Auch auf der normativen Ebene scheint es nicht so zu sein, dass die Vergewaltigung zutiefst anormal ist. Gleichzeitig ist dies eine Konstante in der Verteidigung dieser Männer, die sogar von einem der psychiatrischen Gutachter, Philippe Darbourg, bestätigt wird, der eines Vormittags erklärt, dass keiner der sieben Angeklagten, die er begutachtet hat, dem Typus des "sexuellen Missbrauchstäters" entspreche. Sie haben vielleicht eine Vergewaltigung begangen, aber das macht sie noch nicht zu Vergewaltigern.Ohne jetzt Zahlen für die Vereinigten Staaten aus den sechziger Jahren zu haben, erscheint es mir nicht naheliegend, dass diese in ihrer Ausprägung auch nur bedeutend geringer ausfallen würden. Wir haben gerade mit diesem Bezug zu sexueller Gewalt einen Aspekt, der in der rückblickenden Erzählung - Lester war schon als Kind gewalttätig, es ist doch kein Wunder, was er getan hat, das hätte man eigentlich auch gleich wissen können - nicht aufgeht, denn es wirft, mehr noch als ebenfalls auftretende Gewaltdelikte, ein Schlaglicht auf einen allgegenwärtigen Zustand innerhalb der Gesellschaft, mit dem sich diese aber gerade nicht auseinanderzusetzen gedenkt. Einerseits scheint die Gesellschaft eine Möglichkeit zu sein, bestimmte Individuen soweit einzuhegen, dass Delinquenz zumindest in ihren stärkeren Ausprägungen ausbleibt, andererseits stellt auch diese stärkere Form der Delinquenz einen wesentlichen Baustein der Gesellschaft dar, wenn vielleicht auch in der allgemeinen Wahrnehmung gerne verdrängt. Ist die Gesellschaft also Schuld, wenn vormals eingehengte Individuen, aus dieser Einhegung verdrängt, gewalttätig werden; ist das verdrängte Individuum schuld, weil es aus einem Gefühl von erzwungener Selbstermächtigung die Normen der vormals akzeptierten Gesellschaft ablehnt; gibt es möglicherweise eine Vielzahl von Gründen, die letztlich alle gut klingen, alle unzulänglich sind und in ihrer Gesamtschau zutiefst unzureichend?
Es dürfte offensichtlich sein, das ich zu letzterem tendiere. Ja, wir folgen in diesem Buch dem Abstieg und Verfall von Lester Ballard. Soweit, dass wir das Bild des Mannes als Tier, das unwillige Frauen in seine Höhle schleift in Reinform dargestellt bekommen. Man ist bei jeder Zeile von Lester in Verbindung mit Frauen an die Manosphere erinnert und möchte dazu tendieren, als einfache Antwort dem Individuum die Verantwortung zuzuweisen und es damit auf sich beruhen zu lassen. Das Buch bietet jede Möglichkeit dazu. Es schafft durch seine ungeschönte Art jedoch ebenfalls die Grundlage, die Gedanken zu einer Frage, auf die es keine einzig richtige Antwort geben kann, weiter schweifen zu lassen.
Cormac McCarthy ist damit auf diesen 191 Seiten wieder richtig große Kunst gelungen.
1 Ich kopiere frei von meinem mehr schlecht als recht gepflegtem goodreads-Account. Dort gibt es tatsächlich auch ein oder zwei Worte zu Der Passagier und Stella Maris.
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Das ist tatsächlich ganz schön ernüchternd. Nun gut, dann eben endlich ein paar Bücher, die hier schon länger rumliegen. Man muss ja nicht immer Neues kaufen.
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Ich hatte mich vor ein paar Wochen einmal an die zweite Staffel gesetzt und muss doch sagen, dass ihr aus meiner Sicht der ganze Charme der ersten Staffel fehlt. Es gibt ein paar schöne Szenen, aber alles in allem fühlte sich das leer und gehetzt an - was natürlich an den Umständen liegen dürfte. Die Motivation, sie tatsächlich zu Ende zu schauen, fehlte mir letztlich dann auch komplett.
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Die Flüchtigen - Alain Damasio (Teil 2)
Hier greift dann jedoch auch der deprimierend anmutende Teil. Es ist eine Revolutionsgeschichte eigentlich ohne Happy End. Die angestellten Überlegungen, nachdem man dem vorherrschenden Konzern der Stadt Orange einen kleinen Teil entrissen hat, auf dem man eine eigenständige Gemeinschaft aufziehen kann, gehen natürlich sehr schnell zur Frage der Versorgung aber natürlich auch zu Mitbestimmungsrechten und ob man nun eigentlich eine Währung einführen sollte oder nicht. Dabei kommt der Autor um einen späteren Satz nicht herum. Sinngemäß, dass eine Eigenversorgung bzw. eine Gesellschaft, wie sie durch die Rebellen beabsichtigt ist, im Kleinen ganz gut funktioniert. In einer Größe, in der direkte Demokratie noch sinnvoll ist. Das wirft eigentlich über den ganzen Verlauf der Geschichte immer wieder die Frage auf, inwieweit das so gedachte Modell letztlich zukunftsfähig ist. Denn unabhängig von der Frage, ob man das jetzt befürworten würde oder nicht, stellt sich natürlich die Frage des Schutzes vor aggressiven äußeren Einflüssen. Solange man nicht davon ausgeht, dass sich die Menschheit in Gänze und augenblicklich zu einer solchen Lebensform bekennt. Was eher unwahrscheinlich ist. Die Rebellen bleiben dabei jederzeit von der Gnade des Staates (und gewissermaßen auch der Konzerne) abhängig, die lediglich zur Vermeidung negativer Schlagzeilen auf ein rigoroses Vorgehen mit entsprechender Polizei- bzw. Militärgewalt verzichten. In diesem Roman stecken so viele interessante Gedanken zu zwischenmenschlichem Miteinander in einer immer weiter vernetzten Welt, dass es bei all dem Einfallsreichtum, den ich Damasio nach den bisher gelesenen Werken nicht absprechen kann, sehr schade ist, dass eine weitere Auseinandersetzung mit der Frage, wie ein zumindest in Form des Romans als menschlicher beschriebenes Leben für alle und nicht nur für einige (hier dann eben die von mir erst einmal so bezeichneten Rebellen) möglich ist. Aber gut, es ist ein Roman und kein Sachbuch über Fragen einer Revolution in einer Zeit nach uns.
Was man zu dem Buch in jedem Fall schreiben muss ist, dass es vermutlich heute noch zeitgemäßer ist als zu seinem Erscheinen 2019. Das mag auch daran liegen, dass Damasio hier virtuos mit Bildern spielt, die sich in ihrer Allgemeinheit auf viele Geschehnisse der letzten Zeit beziehen lassen. Der Präsidentschaftskandidat, der in ein umkämpftes Gebiet reist, eine Rebellin, die darüber nachdenkt, was man mit einem Scharfschützengewehr anrichten könnte (ein Mann, Blut an der rechten Gesichtshälfte, die Faust gen Himmel gestreckt; ein Mann auf einem Campus), der Aufruf zu einer absoluten Vernichtung der Flüchtigen mit daran anknüpfender Volksjagd. Es muss vernichtet werden, was man nicht sehen kann, was man nicht sehen kann, kann man nicht bewerten, kann man nicht kontrollieren, ist gefährlich. Es dürfte nicht nur an mir liegen, dass der hier vorgestellte Präsidentschaftskandidat in der absolut rechten Ecke verortet wird, politischer Giftschrank. Dass gleichwohl eine so eindeutige Wahl stattfindet, ist dann wieder eine sehr traurige Erkenntnis. Man möchte die derzeitige Situation insbesondere auch hier gerne ausblenden.
Wirklich phantastisch wird das Buch eigentlich nur an drei Stellen - jetzt ein bisschen ohne die Illusion eines roten Fadens: Der Abnabelung der Medien (a), der fehlenden Militärmacht der Konzerne (b) und - ja, auch bei den Flüchtigen, aber nein - der Auflösung der Revolution (c).
(a) Die Medien unterliegen zur meisten Zeit einer Beeinflussung, vorwiegend durch die jeweils relevante politische Macht. An einer Stelle im Buch wird beschrieben, dass sie sich diese Vereinnahmung nicht länger bieten lassen wollen, dass einige Dinge gerade gerückt werden müssen. Nunja. Durch die Entwicklungen auf der anderen Seite des großen Teiches habe ich meine Zweifel, dass sich Medien, die sich eine gewisse Staatstreue auf die Fahne geschrieben haben, wirklich davon abschrecken lassen, dass sie instrumentalisiert werden. Oder genauer: man ist es in gewissen Staaten ja heute schon gewohnt, dass Politiker ihr offensichtliches Sprachrohr haben. Im Regelfall ist es ja ein gefälliger Austausch.
(b) Auch in der vom Autoren geschaffenen Welt - wenn man einige Entwicklungen der heutigen Zeit gerade in Bezug auf die Anwandlungen besonders reicher Personen in den Blick zieht - erscheint es mir eigentlich nicht möglich, dass die Konzerne auf eine eigene Faust zum Draufschlagen verzichten. Milizen sind denen zugestanden. Hier verlaufen die Grenzen ein bisschen schwammig für meinen Geschmack. Das mag jetzt auch der unterschiedlichen Mentalität vielleicht auch innerhalb der französischen Bevölkerung geschuldet sein, die ja doch eine gewisse Affinität zu Streiks aufweist. Warum die Konzerne aber groß Wert darauf legen, besonders zimperlich zu sein, wenn sie ohnehin den Großteil der Berichterstattung und des gesellschaftlichen Miteinanders kontrollieren und sie sich sicher dem Wohlwollen ihrer Premium- und Platinbürger sicher sein können. Aber gut, vielleicht können sie genau das nicht.
(c) Am Ende reicht dann wirklich ein toter Mensch (und ein paar Kleinigkeiten am Rande) um ein Umdenken hervorzurufen? Ein bisschen geschürt durch die derzeitigen Entwicklungen bin ich skeptisch.
Aber gut, am Ende ist und bleibt es eine Geschichte. Und was für eine. Die Flüchtigen ist ein absolutes Meisterwerk von einem Roman. So vollgepackt mit Denkanstößen, die hier jetzt nur mit einer absoluten Oberflächlichkeit und ausschnittsweise abgebildet wurden. Ob das jetzt ein phantastischer Roman ist, müsste ich wirklich lange überlegen. In dem ganzen Textblock meinerseits ist jetzt natürlich das Eigentliche des Klappentextes nahezu unerwähnt geblieben und ja, den Teil wird man wohl gut als phantastisch beschreiben können. Damasio hat es geschafft, hier eine Frage mit dem Begriff der Flüchtigen in den Raum zu stellen, die erst sehr spät überhaupt beantwortet wird und dann ist der Roman trotzdem erst zur Hälfte durch und man bewegt sich so Seite für Seite durch eine Geschichte in einer zutiefst menschenverachtenden Welt und ist nur gespannt, wohin es einen auf der nächsten Seite verschlagen haben wird.
Das ist wirklich ganz große Kunst.
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1 Augenblickliche musikalische Assoziation: ASP - Die Löcher in der Menge
2 Das Buch hat mich an die (derzeit) gescheiterte Bürgerinitiative "Hamburg Werbefrei" erinnert. Zu schade. Das nur am Rande.
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Die Flüchtigen - Alain Damasio (nicht spoilerfrei, überhaupt nicht - Teil 1)
QuoteEines Morgens finden Sahar und Lorca das Bett ihrer kleinen Tochter Tishka leer, obwohl alle Fenster und Türen verschlossen sind. Sie vermuten, dass Tishka bei den Flüchtigen ist, Wesen, die unerkannt in den toten Winkeln1 unserer Wahrnehmung leben. Lorca begibt sich auf die unmöglich erscheinende Suche. Als eines Tages Symbole an den Wänden des Kinderzimmers erscheinen, droht alles in den Strudel einer Verwandlung gerissen zu werden.
Mit welcher Erwartungshaltung geht man bei diesem Klappentext an ein Buch? Mit gar keiner (bzw. nur einer ganz kleinen), was ich im positivsten Sinne meine. Der Klappentext bleibt, für sich stehen, für mich recht nichtssagend. Weder wissen wir, in welcher Zeit das alles eigentlich spielen soll noch wo das spielen soll. Die Namen sind für meine Wahrnehmung weit gefächert. Die einzige Erwartungshaltung, die ich diesem Buch entgegengebracht habe, rührte aus einigen Beiträgen in diesem Forum von vor mittlerweile drei oder vier Jahren und einigen Auffrischungen in letzter Zeit. Dazu das Erlebnis, welches Die Horde im Gegenwind war. Um es an der Stelle also recht kurz zu machen. Ich weiß nicht, was nach diesem Buch in den nächsten Monaten diesen Jahres oder in den nächsten Jahren noch kommen soll, was mich im Bereich der phantastischen Literatur (deutlich weniger phantastisch, als ich erwartet hätte, dazu sogleich) so nachhaltig mitreißen wird, wie dieses Werk.
Eigentlich handelt die Geschichte von einer Variation einer denkbar kleinsten Gesellschaft, hier nun: Vater, Mutter, Tochter. Die Tochter verschwindet und löst damit eine Suchaktion von Vater und Mutter aus. Das muss man auch erst einmal auf 838 Seiten erzählen, ohne dass sich Müdigkeits- bzw. Abnutzungserscheinungen breit machen. Und wenn Alain Damasio offenbar eines kann, dann genau das. Wobei er natürlich noch ein paar mehr Aspekte einfließen lässt.
Ganz von vorn, der Reihe nach angefangen und hier kann ich eigentlich kopieren, was ich zu Die Horde im Gegenwind bereits geschrieben habe. Ich verstehe nicht, warum in Romanen nicht viel mehr und umfangreicher mit dem Textkörper gespielt wird. In einer wirklich ausgeprägten Form fällt mir dazu nur S. - Das Schiff des Theseus von J. J. Abrams und Doug Dorst ein, in dem diese Form der Textgestaltung mit Unterstreichungen und ganzen am Rand geführten Gesprächen zu Textstellen noch einmal auf einen anderen Level gehoben wurde. Hier ist es nun also nicht bloß ein Symbol, welches einen bestimmten Charakter darstellt, es sind diverse Änderungen des Textbildes, zu denen sich eigentlich nahtlos Assoziationen zu den jeweiligen Charakteren anschließen. Da ist etwa Lorca, der das Verschwinden seiner Tochter nicht verkraften kann, am Winkel des L sich regelmäßig ein . findet, der zugleich auf diversen Buchstaben auftritt und - so scheint es jedenfalls - in den Textblöcken von Sahar fehlt, deren i, ü (etc.) haben nur teilweise Punkte, ihr eigener Charakter wird dabei mit drei weitschweifigen um die ersten Worte gelegten horizontalen Klammern eingefasst. Lorca scheint damit eine Fokussierung, eine Verengung auf eine einzige Frage (Wo ist die Tochter) zugrunde zu liegen, während Sahar versucht, das Verschwinden zu verarbeiten und gleichzeitig Workshops für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen in Form freier Bildung anbietet, freigeistig, den Blickwinkel erweiternd. Gleichzeitig schafft das Fehlen der z.B. i-Punkte und ihr auftreten bei Lorca eine sofort ins Auge springende Verbindung, ohne dass man zur eigentlichen Historie viele Worte verlieren müsste. Das lässt sich um jeden Charakter erweitern, Saskia etwa, deren Passagen immer wieder von ( ) in unterschiedlichen Anhäufungen durchdrungen sind und die nicht erst seit der Horde die Assoziation zu Schallwellen aufweisen und deren Textkörper sich um Zirkumflexe in allen möglichen Formen erweitert, die mal die Assoziation zu aufgestellten Ohren oder zu Schall einfangenden Trichtern erwecken. So schafft der Autor in kürzester Zeit eine Charakterisierung durch die bloße Textdarstellung vorzunehmen, ohne dass er groß Worte dazu verlieren muss, wobei er gleichzeitig Assoziationsketten hervorruft, die - ob sie nun stimmen oder nicht - Bilder erschaffen, die ebenfalls keiner weiteren Worte bedürfen und einfach im ohnehin vorhandenen Text mitlaufen.
Die eigentliche Geschichte spielt dabei im Frankreich der 2040er und eine der für mich naheliegendsten Verbindungen im Zusammenhang mit der Beschreibung der Welt war Shadowrun bzw. Cyberpunk 2077. Man bewegt sich in einer Welt, in der es sogenannte befreite Städte gibt, was im wesentlichen bedeutet, dass der Staat die Segel gestrichen und sie multinationalen Konzernen quasi zum Nulltarif überlassen hat mit allem, was das in einer kapitalistischen Gesellschaft eben so bedeuten kann. Ständig wechselnde Zonen werden eingerichtet. Standardtarif, Premiumtarif, Platintarif. Das ist, was über den Zugang zur Stadt, über das Vorankommen entscheidet. Und natürlich schützt einen das alles nicht davor, von hochindividualisierter Werbung auf Schritt und Tritt verfolgt und mit dieser bombardiert zu werden. Alles natürlich - so lesen wir es später vom Präsidentschaftskandidaten - um ihnen das bestmögliche Stadterlebnis zu verschaffen, das sie verdienen. Der Mensch ist in dieser Gesellschaft zur nutzlosen Humanressource verkommen, die lediglich noch deshalb toleriert wird, weil es am Ende irgendjemanden geben muss, der konsumiert, was auch immer durch die Konzerne geschaffen wird. Die Strafverfolgung hat sich dem in vielen Bereichen angeschlossen, indem eigentlich ausstehende Gefängnisstrafen dadurch umgangen werden können, dass für einen Hungerlohn (wenn überhaupt) für die Konzerne fleißig Werbung gemacht wird. Manchmal ist eben erforderlich, dass nicht nur ein Bombardement an Werbung durch Einspielungen auf Netzhautoptiken etc. erfolgt, es ist die persönliche Ansprache notwendig.2 Auch der letzte Rest zwischenmenschlicher Interaktion, die gleichzeitig durch das Reabsolut verdrängt werden soll - scannen sie ihre Katze in sicherer Umgebung (sie wird dann als Holobild für Sie und nur für Sie dargestellt, wer will schon andere Menschen in seiner Wahrnehmung haben) - wird durch den Konzernzugriff zu etwas unangenehmem.
Die Flüchtigen kann man in dieser Geschichte eigentlich getrost außen vor lassen. Auch im Buch selbst häufiger erwähnt, eignen sie sich wunderbar als Metapher. Die Flüchtigen, das sind die, die sich von den Konzernen nicht unterkriegen lassen wollen. Die nicht akzeptieren wollen, dass das so auferlegte kapitalistische Streben alles ist, was es im Leben gibt. Dass das die Speerspitze menschlichen Zusammenlebens oder eben die Abwesenheit genau dieses Zusammenlebens, die durch die Konzerne maßlos propagiert wird, sein soll. Dass es danach nichts mehr geben wird. Man versucht sich also, dem Zugriff zu entziehen. Sich selbst versorgende Kommunen zu gründen. Der Überwachung zu entgehen, um zu leben. und hier fängt der Roman an, einerseits wirklich interessant, andererseits auch irgendwie wirklich deprimierend zu werden.
Zum interessanten Teil. Damasio schafft mit seiner Erzählung einen wunderbaren Mix aus persönlicher Betroffenheit der Charaktere auf der Suche nach der Tochter und immer wieder Blicken auf das große Ganze der Welt, wie sie sich den Charakteren darstellt, ohne dass das eine oder das andere aufgesetzt und auf Lasten zueinander gehen würde. Es ergänzt sich wunderbar, wenn wir Lorca haben, der zunächst von einer ersten Jagd auf einen Flüchtigen erzählt, wir dabei tief in die Beziehung zu seiner Tochter eintauchen, die mit vier Jahren voller Lebensmut und noch in keiner Weise durch äußere Einflüsse [Konzerne (hier Smiley mit erhobener Faust einfügen)] beeinträchtigt war, ehe wir zu Sahar wechseln, deren Verlust wir ebenfalls kennen und von ihr jedoch mitten in einem Lehrgang für Jugendliche unterprivilegierte eben über jene Konzerne stecken oder wenn wir mit unterschiedlichen Charakteren in einer Gruppe von - nennen wir sie der Einfachheit halber Rebellen, wobei der französische Staat und die Konzerne natürlich das Imperium sind - Rebellen stecken, die darüber philosophieren, wie man eine Eigenständigkeit erreichen kann, wie man ein menschenwürdiges Miteinander aufziehen kann.
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Das scheint zum guten Ton dazuzugehören, dass diverse Bücher Comic-Adaptionen erhalten. Wenn sich eine Geschichte dafür eignet, dann tatsächlich diese. Was Kai Meyer da für Bilder entstehen lässt, ist schon wirklich stark. Die Adaption könnte ich mir durchaus auch einmal für mein Regal vorstellen. Und beim Scrollen ist mir aufgefallen, dass Die Horde im Gegenwind ebenfalls eine Comic-Adaption erfährt. Auch hier, für die Bilder könnte ich mir das schon fast gefallen lassen.
Und leitet mich - gar nicht gezwungen - dazu über, dass ich mit Die Flüchtigen von Alain Damasio angefangen habe. Wird ein etwas längeres Projekt werden, der Ersteindruck ist aber phantastisch. Ich habe keine Ahnung, wo die Reise einmal hingeht, aber was ich Damasio wirklich nicht absprechen kann, ist ein virtuoser Umgang mit Sprache. Ich bin fasziniert und bleibe gespannt, wie sehr hier Themen der Horde aufgegriffen und weitergeführt werden oder ob die Ähnlichkeiten doch nur 'zufälliger' Natur sind, weil die Bilder sich auch für diese Geschichte so gut eignen. Das verspricht, ein richtig gutes Buch zu werden.
Ansonsten nur in aller Kürze: Das Narrenschiff von Christoph Hein ist - für seine etwa 700 Seiten - eine erstaunlich kurzweilige Lektüre, in der man unterschiedlichen Personen in Form einer Chronik durch ihre Zeit in der DDR folgt. Trotz einer überaus nüchternen Sprache schafft es der Autor von der ersten Seite durch die zumeist knapp angelegten Kapitel mit ihren kurzen Sinnabschnitten eine Sogwirkung zu entfalten, die einen immer wissen lassen möchte, wie es mit den einzelnen Personen weitergeht und die, trotz dieser Nüchternheit, eine Verbindung zu den einzelnen Personen schaffen, die gerade die Schicksalsschläge am Ende wirklich mitfühlen lassen. Ein Kondensat (ja, trotz 700 Seiten) menschlichen Empfindens aus den einzelnen Leben.
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So ist das nie passiert1 - Sarah Easter Collins
QuoteAls Willa ein Teenager war, verschwand ihre kleine Schwester Laika spurlos. Auch über zwanzig Jahre später hat Willa die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Laika noch lebt. Hartnäckig sucht sie weiter nach ihr. Sie sehnt sich nach der Familienidylle, die mit Laika verloren zu sein scheint. Darüber vernachlässigt sie die Beziehungen zu den Menschen, die tatsächlich noch Teil ihres Lebens sind. Dann trifft sie auf einer Dinnerparty eine Frau, in der sie endlich ihre verlorene Schwester zu erkennen glaubt. Was als zwangloses Essen beginnt, wird zu einem denkwürdigen Abend, der alles verändert, was Willa von ihrem Leben zu wissen meinte.
Ich habe das Buch eher zufällig gegriffen, weil es hier herumlag und konnte es nicht mehr weglegen, bis ich bei der letzten Seite angekommen bin. So viel meiner überschwänglichen Meinung in einem Satz. Der nicht ganz stimmt, denn eine längere Pause musste ich zum Schlafen und Arbeiten machen. Danach ging der erste Griff jedoch wieder zu diesem Buch. Was für ein Erstlingswerk.
Aufhänger der Geschichte ist ein Abendessen, das uns über die Länge des Buches immer wieder aus einer unterschiedlichen Perspektive erzählt wird, von der aus wir dann tief in die Vergangenheit der jeweils erzählenden Person eintauchen und den Weg nachzeichnen, der sie bis zu diesem Abendessen geführt hat. Dabei schafft es die Autorin mit den ersten Sätzen bereits eine unheimlich dichte Atmosphäre zu entfalten, die einen sofort all die Spannungen der Personen untereinander spüren lassen. Man muss einfach herausfinden, wie all diese kleinen und großen Verstrickungen in der Vergangenheit zustande gekommen sind und ehe man es sich versieht, hat einen die Autorin mit ihrer Sprache, mit ihrem so leichtfüßigen Schreibstil tief hineingezogen in eine Handlung, in der die Autorin aus der nachvollziehbar naiven Sicht von Kindern, die langsam zu Erwachsenen werden subtil all die perfiden Strukturen offenbart, in der häusliche Gewalt wächst und gedeiht. Eigentlich schon ein Lehrstück über Abhängigkeitsverhältnisse und das Gefühl von Hilflosigkeit in ausweglos erscheinenden Situationen, die sich so unmittelbar aus der hier beleuchteten privilegierten Schicht auf alle Formen des Zusammenlebens übertragen lassen.
Ein richtig gutes Buch mit unglaublich starken Figuren, in denen die zutiefst menschlichen Momente in all dem realen Horror, der hier geschildert wird, umso heller scheinen.
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1Ich präferiere eindeutig den englischen Titel: "Things dont break on their own" und kann nicht ganz nachvollziehen, wieso man den nicht einfach direkt so übernommen - ein Trend, der ja nun auch nicht ganz neu wäre - oder ihn zumindest direkt übersetzt hat. Mit der Übersetzung macht man nämlich direkt ein Werbefass auf dem Klappentext auf, das so nicht wirklich eingelöst wird. Der dort angesprochene Gedanke - selektive Wahrnehmung; verzerrte Erinnerungen - ist zwar Gegenstand des Buches, so wird jedoch eine fast schon psychologische Abhandlung mit Erinnerung suggeriert, die das Buch nicht einlösen kann. Tat dem Buch für mich nun aber auch keinen Abbruch.
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Und noch ein paar Worte zu ein paar zuletzt über Audible gehörten Titeln:
Paradox - Am Abgrund der Ewigkeit - Phillip P. Peterson
Paradox 2: Jenseits der Ewigkeit - Phillip P. Peterson
Paradox 3 steht noch aus. Das erste Buch beginnt recht bodenständig mit verschwundenen Raumsonden, deren Verschwinden durch eine kleine Crew von Astronauten auf ihrem speziell für die Mission angefertigten Raumschiff untersucht werden sollen. Sehr viel persönliches Vorgeplänkel, bis man in die Rakete zum eigenen Raumschiff steigt, unterwegs menschelt es dann ebenfalls ein bisschen und kurz vor knapp kommt man am Ziel der Reise an und macht die eine oder andere Entdeckung. Bis dahin plätschert die Handlung irgendwie so ein bisschen vor sich hin, manche Konflikte innerhalb der Crew wirken dann doch etwas konstruiert und - zum Thema menscheln - man stellt sich doch auch mal wieder die Frage, ob man manchmal der eigenen Geschichte nicht so weit über den Weg traut, dass man nicht doch noch ein bisschen Drama über Liebesdreiecke einbauen muss. Wobei ich damit etwas vorausgreife, das müsste bereits Buch 2 gewesen sein. Die Frage bleibt.
Das Ende von Teil 1 ist gleichwohl ganz unterhaltsam, wirft etwas die Frage auf, wie ein Teil 2 eigentlich funktionieren soll und siehe da, Teil 2 kommt daher, nimmt die Handlung vom ersten Band, legt noch einmal eine ganze Schippe drauf und braucht nur ein kleines Bisschen, um in Fahrt zu kommen. Dann aber so richtig. An die Grenzen physikalischer Gesetze? Keine Ahnung, dazu fehlt mir die Expertise. Jedenfalls eine unglaublich kurzweilige Erzählung, die das Wort Science-Fiction glaube ich verdient. Im Gegensatz zu den nachfolgenden Büchern, dazu aber sogleich.
Wenn man es schafft, über eher aufhaltende und unnötige Charakterprobleme hinwegzusehen, bekommt man in den ersten beiden Büchern eine insgesamt schöne Geschichte einer Mission geliefert, die mit der einfachen Suche nach verschwundenen Sonden beginnt und sich zu einem Wettrennen an die Grenzen des Erfassbaren entwickelt. So oder so ähnlich. Dann also irgendwann noch Teil 3. Von dem ich nicht weiß, wie der nach Teil 2 noch funktionieren soll. Aber darüber ist man ja schonmal hinweggekommen.
Die Krone der Sterne - Kai Meyer
Hexenmacht - Kai Meyer
Maschinengötter - Kai Meyer
Mal schauen, was ich mir als Nächstes von ihm anhöre bzw. durchlese. Entdeckt habe ich ihn als Autoren doch erst mit seinem letzten Werk und ich muss wirklich sagen, dass Kai Meyer einen unfassbar angenehmen Schreibstil hat. Die in diesen drei Büchern erzählte Geschichte ist dabei irgendwie so gar nicht neu und mir fallen deutlich mehr Versatzstücke zu anderen Erzählungen auf als gefühlt eigene Ideen(?). Und doch. Irgendetwas hat diese Geschichte, in der sich Star Wars, Dune, Warhammer 40.000, Foundation und was weiß ich noch alles wechselseitig die Klinke in die Hand zu geben scheinen und eine zunächst kleine Geschichte unscheinbarer (und weniger unscheinbarer) Personen erzählen, die doch alle irgendwie zu Helden einer das Universum umspannenden großartigen Geschichte werden. Liebe, Hass, Verrat, Hexen, Paladine, Raumschiffe, brennende Welten, schwarze Löcher, gigantische gefesselte Wesen, eigentlich ist alles vorhanden, was das Herz begehrt und was man für eine Heldengeschichte so braucht. Warum man dabei wieder auf Strukturen zurückgreift, die das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ins Weltall erheben? Keine Ahnung. Demokratien scheinen in der erdachten Zukunft einfach nicht en vogue zu sein (... ja, genau) - an anderer Stelle, vermutlich im Zusammenhang mit dem Wüstenplaneten habe ich diese Struktur als Zukunftsvision aus erzählerischer Perspektive meine ich mal verteidigt und letztlich muss ich auch hier wieder schreiben: Es ist dann eben doch keine Zukunftsvision. Letztlich hätte die Geschichte wunderbar als fantastische Erzählung in einer klassisch europäischen Mittelalterwelt funktioniert. Am Ende sind es die gleichen Strukturen, alles ein bisschen größer, nur ist der Burgherr jetzt eben Herr über einen ganzen Planeten und die Gruppe reist jetzt halt in ihrem kleinen Raumschiff durchs All. Geschenkt. Mich hat die Geschichte über ein Paar (Sie die Erbin der Baronin, er der Anführer ihrer Leibgarde), deren Kind, eine Schmugglerin, den letzten Waffenmeister eines toten Planeten auf ihrer Flucht vor dem bösen Hexenorden quer durchs Universum sehr unterhalten. Und nein, mir ist die Ironie bei all diesen Klischees nicht verborgen geblieben.