Ein Blick zurück ...

  • Eigentlich … ja, eigentlich wollte ich heute – bzw. gestern, dazu gleich mehr* – die beiden Namen nachliefern, auf die ihr seit Ende Februar oder so wartet (wenn ihr denn überhaupt noch wartet - und nein, ich habe nicht vergessen, dass da noch was offen ist, und ja, ich weiß, ich weiß ...). Aber dann sind mir beim täglichen Blick in die ISFDB ein, zwei, drei Namen aufgefallen, und ich dachte mir, die beiden "verpassten" Autoren sind schon seit vielen Jahren tot – da kommt's jetzt auf ein paar Tage mehr oder weniger auch nicht mehr an.


    Also … gestern am Samstag habe ich in die ISFDB geschaut und bin dabei über Walter Schwerdtfeger gestolpert, dessen Geburtstag sich gestern am Samstag zum 125. Mal gejährt hat. Und wer ist Walter Schwerdtfeger?, fragt ihr euch jetzt vielleicht. Bis Samstag hätte ich darauf keine Antwort geben können. Inzwischen weiß ich, dass Walter Georg Hermann Schwerdtfeger Anfang der 50er Jahre etliche Romane für den Leihbuchmarkt geschrieben hat (über die genaue Zahl gibt es widersprüchliche Aussagen), unter anderem auch drei SF-Romane unter dem Pseudonym Alan D. Smith. Im ersten dieser SF-Romane Die Botschaft des Panergon (1952) mit dem Untertitel Geheimis der fliegenden Untertassen geht es darum dass "eine in zwei Lebensanschauungen gespaltene Menschheit einen zerstörenden Krieg beginnen will" und dass "die Männer der fliegenden Untertassen in einer einmaligen Art, ohne Freund und Feind töten zu müssen, die Erde zur Ruhe zwingen". Das klingt jetzt nicht unbedingt wahnsinnig aufregend, ist es aber doch … um ein, zwei, drei Ecken herum.

    Denn der am 11. Juli 1901 geborene Walter Schwerdtfeger war Mitglied der Reichspressekonferenz, die im Rahmen der Gleichschaltung der Presse am 1. Juli 1933 in das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda integriert wurde. Das am 1. Januar 1934 in Kraft getretene Schriftleitergesetz verbeamtete den Beruf des Journalisten (was mit dem journalistischen Berufsethos unvereinbar ist). Die nationalsozialistischen Zensur- und Lenkungsmaßnahmen blieben dem Blick der Öffentlichkeit entzogen, da die auf der Reichspressekonferenz ergangenen Regie- und Verwertungsanweisungen als Geheim klassifiziert wurden. Walter Schwerdtfeger hat diese vertraulichen Anweisungen des Propagandaministeriums an ausländische Journalisten weitergegeben und ist dafür im Juli 1935 verhaftet und im Juli 1936 zu lebenslänglich Zuchthaus (und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte) verurteilt worden. Okay, Ende April 1945 war dann der Spuk vorbei, aber trotzdem hat der Mann seine demokratische Gesinnung mit knapp zehn Jahren im Zuchthaus bezahlt. Irgendwie wundert es mich da nicht, dass es in seinem ersten SF-Roman um eine "gespaltene Menschheit" und um eine friedliche Lösung des Konflikts geht. (Wer sich für etwas detailliertere Hintergründe der Geschichte interessiert, wird in diesem Wikipedia-Artikel fündig, in dem es auch noch zwei, drei weiterführende Links gibt.)** Schwerdtfeger ist übrigens am 19. Juni 1979 gestorben.


    Immerhin 100 Jahre alt wäre am 11. Juli Friedrich Scholz (* 11. Juli 1926, † 17. Oktober 2008) geworden, dessen erster und afaik auch einziger SF-Roman Nach dem Ende 1987 den DSFP (den Deutschen Science Fiction Preis) gewonnen hat (zusammen mit 427 – Im Land der grünen Inseln von Claus-Peter Lieckfeld und Frank Wittchow). Scholz hat nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin Komposition und Klavier studiert und als Hörspiel- und Filmmusikkomponist gearbeitet. Der Roman ist zu einer Zeit erschienen, in der ich gerade die Veröffentlichungen deutscher Autoren und Autorinnen noch ziemlich regelmäßig gelesen habe, aber in diesem Fall muss ich zugeben, dass ich mich nur noch sehr vage an den Inhalt erinnern kann. Immerhin scheint er den DSFP-Jurorinnen und –Juroren gefallen zu haben, und das ist ja auch schon mal was.


    Ansonsten hätten wir an besagtem 11. Juli noch Hanns Kneifel (* 11. Juli 1936, † 07. März 2012), den Mann, der bei Perry Rhodan vor allem (aber nicht nur) für die Dschungelabenteuer zuständig war, und der sich mit seinen Atlan Zeitabenteuern eine ganz spezielle Nische "erschrieben" hat. (Für die Nicht-PR-Leser & -Leserinnen: Atlan ist ein auf der Erde gestrandeter Außerirdischer, der viele tausend Jahre in einer Tiefseekuppel schläft bzw. immer mal wieder in die Geschichte der Menschheit eingreift.) Außerdem war Kneifel einer der wenigen PR-Autoren, die etwas mit Fantasy anfangen konnten, was man an seinen Beiträgen zu den Heftserien Dragon – Söhne von Atlantis und Mythor erkennen kann (und weswegen er theoretisch auch mal einen Blogbeitrag verdient hätte). Ich habe Hans (damals meist noch mit einem n) Kneifel Anfang der 90er Jahre zusammen mit Thomas Tilsner für unser Jahrbuch interviewt, und das Interview hat mir/uns sehr viel Spaß gemacht. Und ich habe mich gefreut, dass ich auf dem PR-Weltcon 2011 die Gelegenheit hatte, noch einmal ein bisschen mit ihm zu plaudern.


    Und schließlich gibt es noch Amitav Ghosh, der am 11. Juli 70 Jahre alt geworden ist. Ghosh ist ein in Kalkutta (bzw. Kolkata) geborener und mittlerweile in New York lebender indischer Schriftsteller, der mit Ghost-Eye ganz aktuell einen SF-Roman vorgelegt hat (seinen zweiten nach dem Arthur-C.-Clarke-Award-Gewinner The Calcutta Chromosome von 1996, dt. Das Calcutta-Chromosom (1996)). Ob dieser Roman ebenfalls auf Deutsch erscheinen wird, kann ich noch nicht abschätzen. Interessant ist aber, was die deutsche Wikipedia über Amitav Ghosh (bzw. sein Werk) zu sagen hat …


    * - ah, ja, die Datumsgrenze, die Datumsgrenze ... Ich will die Sachen eigentlich immer früher fertig haben, aber ... williger Geist und schwaches Fleisch und so. :nixweiss:

    ** - in dem einen weiterführenden Link im Schwerdtfeger-Artikel wird u.a. erwähnt, dass man Schwerdtfeger 1950 vorgeworfen hat, er hätte die Infos über die Lenkung der Presse rein aus kommerziellen Motiven weitergegeben. Aber ganz ehrlich: Das juckt mich nicht. Auch wenn er dafür Geld bekommen hat, hat er auch gleichzeitig seinen ausländischen Kollegen mitgeteilt, was mit der deutschen Presse passiert. Seine deutschen Kollegen hingegen ... haben sich anscheinend so ziemlich alle weggeduckt. Ist das etwa besser?


    edit: Ich habe noch ein paar fehlende Lebensdaten nachgetragen ... :floet2:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

    Edited once, last by gero ().

  • Udn wenn ich schon mal dabei bin ...


    Am 12. Juli hätte Charles R. Saunders seinen 80. Geburtstag feiern können (wenn er nicht bereits im Mai 2020 gestorben wäre). Dass seine Imaro-Saga bis heute nicht in einer bezahlbaren bzw. überhaupt irgendwo zu bekommenden Ausgabe vorliegt, ist eine Sauerei (sorry). Dass DAW Books damals die Veröffentlichung nach Imaro (1981), The Quest for Cush (1984) und The Trail of Bohu (1985) abgebrochen hat, war der erste Tiefschlag (wobei mein ganz persönlicher war an der Stelle, dass ich die ersten beiden Imaro-Romane zu meinen WG-Zeiten verliehen und nie mehr wiederbekommen habe; wenn ich mir jetzt die Preise anschaue, die für die beiden Romane aufgerufen werden, dann:heul2: ). Dass dann Nightshade Books die (teilweise veränderte) Neuauflage ebenfalls nach zwei Bänden abgebrochen hat, war der nächste Tiefschlag. Und jetzt? Letztes Jahr hat Gollancz die ersten beiden Bände veröffentlicht. Seither ... nichts. Und während man bei The Trail of Bohu noch die Wahl zwischen der (teuren) DAW Books Ausgabe und der Ausgabe von Sword and Soul Media hat (wobei es Letztere im Gegensatz zum Datensatz in der ISFDB auch als Tradepaperback gibt), ist The Naama War (2009) normalerweise schlicht nirgendwo aufzutreiben. Nach der Veröffentlichung der Nyumbani Tales (2018) durfte man noch hoffen, dass vielleicht irgendwann ein Imaro-Revival ansteht, aber inzwischen glaube ich nicht mehr, dass da noch was kommt ... :nixweiss:

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  • Quote

    Und schließlich gibt es noch Amitav Ghosh, der am 11. Juli 70 Jahre alt geworden ist. Ghosh ist ein in Kalkutta (bzw. Kolkata) geborener und mittlerweile in New York lebender indischer Schriftsteller, der mit Ghost-Eye ganz aktuell einen SF-Roman vorgelegt hat (seinen zweiten nach dem Arthur-C.-Clarke-Award-Gewinner The Calcutta Chromosome von 1996, dt. Das Calcutta-Chromosom (1996)). Ob dieser Roman ebenfalls auf Deutsch erscheinen wird, kann ich noch nicht abschätzen. Interessant ist aber, was die deutsche Wikipedia über Amitav Ghosh (bzw. sein Werk) zu sagen hat …


    Tja, so schnell kann's gehen, denn Ghost-Eye wird im August dieses Jahres als Der Strom der Erinnerung bei Blessing erscheinen.


    Ich bin allerdings ein bisschen entschuldigt, denn weder die DNB (!) noch Amazon schaffen es (immer), bei Übersetzungen den Originaltitel des betreffenden Werkes zu nennen. Das ist in meinen Augen - trotz der Nennung der Übersetzerinnen oder Übersetzer - ein schönes Beispiel für die Nichtwürdigung, die unsereiner halt immer mal wieder erlebt. Danke, DNB!

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  • Hm, mein "Quest for Kush" kommt wohl nächste Woche an... Ich bin sehr froh über die Neuauflage...

    Und ja, sehr schade, dass Saunders nicht mehr unter uns ist...

    If you fuck the bad guy, remember the bad guy's gonna fuck you back! (Caine)


    "Fleas are like lying politicians. There is no being rid of them in any permanent sort of way." - Croaker


    Tad Williams - Osten Ard

  • Der Glaspalast von Amitav Gosh ist für mich einer der besten Romane, die ich je gelesen habe. Aufgrund seiner opulenten Beschreibungen der Natur dürfte er auch für Fantasy-Leser*innen interessant sein. Auf meinem Blog habe ich ihn 2016 besprochen. Mehr habe ich von dem Autor bisher aber nicht gelesen.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich deine Rezension damals gelesen habe, denn in einer meiner Nicht-SF/Fantasy/Phantastik-Wunschlisten steht Amitav Ghoshs Glaspalast ziemlich weit oben. Gekauft habe ich den Roman allerdings nicht (glaube ich, müsste ich aber erst überprüfen, was nicht ganz so einfach ist).

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Heute hatte ich eigentlich vor, einen deutlich längeren Text zu bringen, aber weil der Autor, um den es geht, noch vergleichsweise jung ist (nämlich 50), und weil er außerdem bisher praktisch ausschließlich Comics geschrieben hat (und ein paar Drehbücher), und weil ich last but not least viel zu lange für den Text gebraucht habe, der nämlich schon Ende letzter Woche hätte kommen sollen (und genau betrachtet immer noch nicht ganz fertig ist) ... kommt besagter Text jetzt nicht. :nixweiss: Vielleicht ein andermal, wobei auch das momentan eher nicht sehr wahrscheinlich ist.


    Zum Glück hat heute allerdings ein Autor einen runden Geburtstag - er würde, da er am 21. Juli 1926 geboren wurde, nämlich 100 Jahre alt werden - und da habe ich mir gedacht, ich verlinke einfach nochmal auf den Text, den ich vor knapp zehn Jahren anlässlich des 90. Geburtstags von Richard Meade geschrieben habe. Das Hauptbetätigungsfeld von Meade, der auch als Quinn Reade, Ben Elliott, William Kane, Sam Webster, Ben Haas, Thorne Douglas oder John Benteen unterwegs war und mit richtigem Namen Benjamin Leopold Haas hieß, war der Western, und von seinen Western sind sogar einige auf Deutsch erschienen - aber das steht alles in dem Beitrag Zum 90. Geburtstag von Richard Meade.


    Demnächst wird es hier dann ein bisschen düsterer ... falls ich es zeitlich gebacken kriege. We'll see ...

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  • Mit dem am 22. Juli 1926 geborenen Bernhardt J. Hurwood haben wir nochmal einen Autor, dessen Geburtstag sich heute zum 100. Mal jährt – und außerdem einen, der nur ein paar vergleichsweise dezente Spuren Im Genre hinterlassen hat. Bernhardt Jackson Hurwood hat nach eher zaghaften Versuchen in den 50ern schließlich Anfang der 60er Jahre ernsthaft zu schreiben angefangen und 1963 mit Terror by Night (rev. 1976 als The Vampire Papers) ein Sachbuch über Vampire verfasst, dem noch ein paar weitere folgen sollten. Ansonsten hat er sein Geld mit Kurzgeschichtenbänden für den Young-Adult-Markt (mit Titeln wie Ghosts, Ghouls & Other Horrors (1971) oder Vampires, Werewolves & Other Demons (1972)) verdient, als Mallory T. Knight mit The Man from T.O.M.C.A.T. eine mehrbändige Softpornoserie (mit Titeln wie The Dozen Deadly Dragons of Joy (1967) oder The Malignant Metaphysical Menace (1968)) geschrieben und last but not least ein paar Romane verfasst, die es – neben dem unter seinem eigenen Namen verfassten Sachbuch Sinnliche Lippen: Variationen der Zärtlichkeit von 1980, das immerhin mindestens drei Auflagen erlebt hat (OT: Joys of oral love), und der Anthologie Ullstein Kriminalmagazin 14 (1969; OT: Monsters Galore (1965)) – auch nach Deutschland geschafft haben. Für Draculas Tochter (1971, OT: Dracutwig (1969)) hat er wieder das Knight-Pseudonym verwendet, für Königreich der Spinnen* (1979; OT: Kingdom of the Spiders (1976), die Novelisation von Mörderspinnen (1977)) dann B.J. Hurwood, wohingegen Die Katzenfrau (1980; OT: Claws (1978)) unter dem neuen Pseudonym D. Gunther Wilde erschienen ist. Deutlich interessanter als die letztgenannten Titel klingt My Savage Muse: The Story of My Life: Edgar Allan Poe (1980) ein autofiktionaler Text über - na klar - Edgar Allan Poe, aber der ist afaik nie übersetzt worden. Und am 23. Januar 1987 ist Hurwood im vergleichsweise jungen Alter von 60 Jahren an Krebs gestorben.


    * - 'tschuldigung, falls sich jemand erschreckt hat - aber das Cover war einfach zu trashig, um es zu ignorieren :biggrin2:

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  • Ach ja - die Datumsgrenze und ich, wir werden keine Freunde mehr. ;) Wobei ich dieses Mal mehrfach über die Datumsgrenze rübergerutscht bin, weil ... weil ich mit nervigem Kram beschäftigt war, so dass ich mich am letzten Montag nicht um den am 27. Juli 1951 in Asteasu in der Provinz Gipuzkoa in der Autonomen Republik Baskenland geborenen Bernardo Atxaga kümmern konnte ... :nixweiss: Dann halt jetzt ...


    Dass Phantastik aus dem spanischen Sprachraum auf dem deutschen Buchmarkt nicht gerade häufig zu finden ist – es sei denn, sie kommt aus Südamerika und heißt "Magischer Realismus" -, ist für uns alle eigentlich nichts Neues.* Umso erstaunlicher ist es, dass bereits Anfang der 90er Jahre ein spanischer phantastischer Roman (wobei man sowohl "phantastisch" als auch "Roman" jetzt nicht unbedingt allzu eng fassen sollte) auf Deutsch erschienen ist, der – ein bisschen genauer betrachtet - eigentlich mit zwei Hypotheken belastet war: erstens, dass es eben spanische Phantastik war, und zweitens, dass er nicht aus dem Spanischen, sondern dem Baskischen übersetzt werden musste. Ja, Bernardo Atxaga (der eigentlich Joseba Irazu Garmendia heißt und am Montag (hoffentlich) seinen 75. Geburtstag feiern konnte) hat Obabakoak (1988) tatsächlich auf Baskisch geschrieben und damit seinen Durchbruch als Schriftsteller geschafft – immerhin ist das Werk in knapp dreißig Sprachen übersetzt worden. Und besagtes Werk ist eben auch nicht wirklich ein Roman, sondern gemäß den Worten des deutschen Verlags, der Obabakoak oder Das Gänsespiel 1991 hierzulande veröffentlicht hat, "ein literarisches Puzzle", eine Mischung aus Episodenroman und aufeinander bezogenen und miteinander auf unterschiedliche Weise verwobenen kurzen oder längeren Geschichten, in deren Mittelpunkt die fiktive Stadt Obaba steht – einerseits ein fast mythischer Ort von universeller Bedeutung, andererseits eine in den baskischen Bergen verlorene Kleinstadt, in der sich u.a. verschiedene Erzähler einen verrückten Wettstreit im Fabulieren und Geschichtenerzählen liefern. Wenn das ein bisschen nach magischem Realismus klingt, ist das gewiss nicht falsch.

    Im weiteren Werk von Bernardo Atxaga findet sich Phantastisches nur noch in Spuren, denn die seltsam entrückte, ein bisschen aus der Zeit gefallene Welt, der das Obaba aus Obabakoak angehört hat, ist eine Welt, die aufgehört hat zu existieren, wie der Autor selbst sagt. Aber das hat ihn nicht daran gehindert, ein umfangreiches Werk aus nicht-phantastischen Romanen, Lyrik, Essaybänden und Kinder- und Jugendliteratur vorzulegen, das mit dazu beigetragen hat, ihn zu einem der besten baskischen Schriftsteller der letzten 50 Jahre in allen literarischen Genres zu machen.

    Eine letzte kleine Anmerkung: Obabakaok oder Das Gänsespiel wurde 1991 erstmals auf Deutsch veröffentlicht – im Schönbach Verlag, einem unabhängigen, kleinen, damals in Hannover angesiedelten Verlag; was passiert, wenn alle diese kleinen, unabhängigen Verlage verschwinden, die häufig als Trüffelschweine für die Konzernverlage fungieren, darf sich jede/r selbst ausmalen.


    * - das hat sich - Stichwort Carlos Ruiz Zafón oder Félix J. Palma - in den letzten Jahren ein bisschen geändert; trotzdem glaube ich, dass es den meisten Formosen schwerfallen würde, zehn spanisch-sprachige Phantastik-Autorinnen oder -Autoren zu nennen. :biggrin2:

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  • Eigentlich wollte ich am Freitag, dem 14. August, hier über René Goscinny schreiben, dessen Geburtstag sich zum 100. Mal gejährt hat – und ja, es bedarf gewisser Klimmzüge, um den Asterix-Schöpfer irgendwie zum "phantastischen" Autor zu machen -, aber dann waren wir vorgestern Abend in der Stadt unterwegs (weil derzeit jeweils freitags an fünf Plätzen/Ecken in Offenburg Livemusik angesagt ist), und danach war klar, dass ich einmal mehr an der Datumsgrenze scheitern würde. Woraufhin ich mir überlegt habe, dass ich den Text dann auch gleich auf Samstag verschieben kann. Und der Samstag war dann irgendwie nur furchbar nervig und stressig, so dass es wieder nichts mit dem Text geworden ist. Dann also Sonntagnacht …


    Tja, und heute, am Sonntag, habe ich gesehen, dass ein 100. Geburtstag von jemandem wie René Goscinny nicht einfach unbemerkt ins Land gehen kann, sondern dass man den Mann, der einer der großen – der ganz großen – Humoristen des Genres war, auf vielfältige Weise feiert. Und bevor ich mir einen abbreche, etwas über einen Menschen zu schreiben, über den an anderer Stelle wesentlich Berufenere geschrieben haben, hier einfach nur ein paar Links zu Artikeln, die sich mit René Goscinny beschäftigen; die verlinkten Artikel sind teilweise zugegebenermaßen redundant, bringen aber auch immer wieder neue Aspekte ins Spiel, so dass es sich durchaus lohnt, sie alle anzusehen: den ersten gibt's beim Südwestrundfunk, den zweiten beim SRF, und den dritten bei watson. (Es gibt natürlich noch weitere Artikel; wer also mehr über Goscinny wissen will, der sollte keine Mühe haben, zusätzliche Artikel zu finden.)


    So, nachdem ich diese Aufgabe elegant hinter mich gebracht auf andere abgewälzt habe, bliebe noch eine Frage zu klären: Wie kommt René Goscinny in die ISFDB? Die ISFDB ist nämlich die Quelle für all diese Beiträge, und normalerweise tauchen hier nur Autoren auf, die in der ISFDB gelistet sind. Goscinny ist in der ISFDB in dem Sammelband Mischief-Makers mit der von Jean-Jacques Sempé illustrierten Kurzgeschichte "Old Spuds" vertreten, die zur Welt von Le Petit Nicolas gehört, einer Kinderbuchreihe, die auf Deutsch als Der kleine Nick erschienen ist und es auf immerhin neun Bände gebracht hat. Inwieweit die erwähnte Geschichte phantastisch ist, weiß ich nicht (aber ich habe berechtigte Zweifel, dass sie es ist). :biggrin2: Der zweite Eintrag gilt "Comment Obélix est tombé dans la marmite du druide quand il était petit", einer Geschichte, die im Mai 1965 in Pilote erschienen ist und 24 Jahre später überarbeitet als Album aufgelegt wurde, von dem es dann natürlich auch eine deutsche Ausgabe gegeben hat: Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist. Hier dürften die Fakten bekannt sein: Obelix ist als Kind in den Kessel mit dem Zaubertrank gefallen, hat den Inhalt komplett ausgetrunken und daraufhin übernatürliche Kräfte bekommen. Nun gut, das kann man als phantastische Geschichte betrachtem – aber müssten dann nicht alle Asterix-Geschichten in der ISFDB gelistet werden? Immerhin gönnt sich Asterix auch regelmäßig einen ordentlichen Schluck aus der Zaubertrank-Pulle, wenn es zB darum geht, mal wieder ein paar Römer zu verdreschen … Aber letztlich ist das auch nicht weiter wichtig. Die beiden Geschichten haben René Goscinny zu einem Eintrag in der ISFDB verholfen, dort habe ich ihn bzw seinen Geburtstag gefunden – und alles andere ist in diesem Zusammenhang uninteressant.


    Die zweite heutige Info ist eigentlich nur eine Randnotiz, aber am Freitag – oder genauer, am 14.08.1961 – sind am gleichen Tag Clark Ashton Smith und Norvell W. Page gestorben. Über den im Alter von 68 Jahren verstorbenen C.A. Smith, einen der "Großen Drei" des Pulpmagazins Weird Tales hatten wir bereits 2011 einen – damals eher kurzen bzw. der Bedeutung von Smith für das Genre ganz gewiss nicht angemessenen – Beitrag im Blog, über den noch deutlich jünger – nämlich mit 55 – verstorbenen Norvell W. Page gibt es einen kaum längeren Beitrag von 2016 (was vermutlich bedeutet, dass ich meinen Hang zum Schwadronieren erfolgreich unterdrückt habe). Beide Autoren sind heute mehr oder weniger vergessen, was im Falle von Norvell W. Page gewiss zu verschmerzen ist, während man bei Clark Ashton Smith durchaus bedauern darf, dass er und seine düster-morbiden Geschichten wahrscheinlich nur noch sehr genre-affinen Lesern und Leserinnen ein Begriff sind.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

    Edited once, last by gero ().

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