Ein Blick zurück ...

  • Hm. Da fällt mir auf Anhieb auch nur die offensichtlichste Wahl - Patricia Wrightson - ein. Ich habe mich mit dem Thema aber auch noch nie so richtig beschäftigt. :nixweiss:


    Ansonsten wollte ich hier ja noch was über ein Geburtstagskind schreiben. Kann aber sein, dass ich umdisponieren muss. Ist aber letztlich egal.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Wie geplant kommt jetzt ein kurzer Beitrag über den Comickünstler Fabrice Lebeault, der heute seinen 65. Geburtstag feiern kann. Ich bin zwischenzeitlich ins Grübeln gekommen, weil heute auch ein paar runde Todestage anstehen, aber es würde sich für mich komisch anfühlen, wenn ich sozusagen einen Toten einem Lebenden vorziehen würde.


    Der am 11. Februar 1961 in Albi, der Hauptstadt des Départements Tarn in der Region Okzitanien, geborene Fabrice Lebeault hat im Alter von 15 Jahren seine Liebe zu den Comics entdeckt, aber erst einmal Jura und Geschichte studiert und u.a. einige Zeit in einem Zeichentrickfilm-Studio gearbeitet, ehe er 1994 sein erstes Comicalbum L'homme sans clef (dt. Der Mann ohne Schlüssel (1995), den ersten Band der Serie Horologiom veröffentlicht hat. Horologiom ist eine u.a. von George Orwells 1984 inspirierte skurrile, poetisch-philosophische SF-Serie über eine Stadt, in der alles, wirklich alles den strengen Gesetzen der Mechanik unterworfen und jedwedes "animalische" Verhalten strengstens verboten ist. Das Große Zahnrad herrscht über alles; seinem Willen müssen sich die hier lebenden Menschen (die – um vor ihrer "animalischen" Natur geschützt zu sein, mit einem Schlüssel ausgestattet sind und aufgezogen werden müssen) und Roboter unterordnen. Doch dann kommt eines Tages Mariulo, ein Seiltänzer, in die Stadt und bringt die so sorgsam austarierte Ordnung ins Wanken, denn er ist der besagte Mann ohne Schlüssel ... Mit dem fünften Album Das große Räderwerk (2011; OT: Le grand rouage (2000)) kommt die eigentliche Geschichte über Horologiom und Mariulo und warum in der Stadt alles so ist, wie es ist, zu ihrem Abschluss. In zwei weiteren Alben erzählt Fabrice Lebeault sozusagen als Nachklapp noch zwei Kriminalfälle, die sich nur in einem Setting wie Horologiom ereignen können.


    Inzwischen können auch deutschsprachige Comicafficionados Horologiom komplett lesen; allerdings muss man sich die ersten vier Alben – der etwas wirren Publikationsgeschichte in Deutschland geschuldet – antiquarisch zusammensuchen.


    Auch bei Le mangeur d'histoires (2008; dt. Mit fremder Feder (2010), einer im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielenden Hommage an die Groschenromane der gleichen Epoche, ist Fabrice Lebeault – wie schon bei Horologiom – für das Szenario und die Zeichnungen verantwortlich. Die Geschichte des Raben, einer Romanfigur, die plötzlich ins Leben eines Konkurrenten ihres Schöpfers tritt, weil sie sich zu einem für die Leser unvergesslichen Genie des Bösen entwickeln will, liegt hierzulande in einer sehr schönen Ausgabe vor und verfügt über ein ganz eigenes Flair.


    Zuletzt ist von Fabrice Lebeault Selenie erschienen (2022; OT: Sélénie (2021)), ein weiterer Oneshot, in dem es um Selenia, Méliès und Verne geht, "junge Helden, die aus der Verbindung von Erdlingen und Außerirdischen hervorgegangen sind, und die auf der Rückseite des Mondes leben, sicher vor Antacycles, einem Tyrannen, der die Menschheit versklavt hat" sagt sinngemäß der Klappentext, was nach einer weiteren Hommage an frühe Abenteuergeschichten und die Anfänge des Kinos klingt. (Mehr weiß ich nicht, weil ich das Album nicht habe.)


    Mit Stiftung Z (2019), einem Album der Reihe Spirou + Fantasio Spezial hat Fabrice Lebeault nach einem Szenario von Denis-Pierre Filippi seine Version eines in einer sehr anderen, bizarren Zukunft lebenden Spirou vorgelegt, die nicht allerorten Begeisterung hervorgerufen hat (um es vorsichtig auszudrücken). Die weiteren Arbeiten von Fabrice Lebeault – Felix (2001), ein Oneshot um einen Träumer, dessen Traumland in Gefahr gerät, nach einem eigenen Szenario, und Le croquemitaine (zwei Alben, 2004 u. 2006), eine Geschichte, in der es um den Mythos des "schwarzen Mannes" geht (wiederum nach einem Szenario von Denis-Pierre Filippi) sind noch nicht auf Deutsch erschienen.


    Die Alben, die vorliegen, machen – bis auf das Spirou-Spezial – allesamt Spaß bzw. sehen zumindest sehr gut aus. Horologiom bietet außerdem durchaus Stoff zum Nachdenken, denn die Problematik einer vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Reglementierung des alltäglichen Lebens – egal, ob mit ideologischen oder religiösen Elementen unterfüttert – ist ja keineswegs ausschließlich auf die Seiten eines Comics begrenzt. Dass Lebeault das Thema trotz allem mit einer gewissen spielerischen Leichtigkeit behandelt, hat auch seine Vorteile. Grafisch kann man in allen seinen Arbeiten die Einflüsse seiner Vorbilder Moebius und Hergé erkennen, ohne dass er sie sklavisch imitiert. Und natürlich passt er seine Grafik auch dem jeweiligen Setting an.


    Ich persönlich mag Horologiom und Mit fremder Feder sehr, und ich kann mir gut vorstellen, dass mir auch Selenie gefallen wird.


    Die den Titel unterlegten Links führen jeweils zum Cover des deutschen Albums. Hier kann man klicken, wenn man sich auf den Finix-Seiten die restlichen Horologiom-Cover sowie Beispielseiten der Alben fünf bis sieben ansehen will.

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  • Hm. Glücklich bin ich nicht. Ich glaube, für Comickünstler sollte ich mir was anderes überlegen.

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  • @ Pogo und Ender:


    Freut mich, dass ihr was damit anfangen könnt. Ich war deswegen nicht so recht glücklich, weil mir der Beitrag (der ursprünglich mal als deutlich längerer Blogbeitrag mit ein paar Illus geplant war) am Ende ein bisschen dünn vorgekommen ist. Normalerweise hätte ich noch ein bisschen mehr über Horologiom und Mit fremder Feder geschrieben, aber für irgendwelche Details hätte ich nochmal in die Comics reinschauen müssen, denn es ist gerade bei Horologiom schon ganz schön lange her, dass ich die "eigentliche" Geschichte (= die ersten fünf Alben) gelesen habe. Und außerdem wäre der Beitrag als Forumspost mMn zu lang geworden. (Mal davon abgesehen, dass diese Beiträge ja den Zweck haben, sozusagen als Lightversion den einen oder anderen Blogbeitrag zu ersetzen - weil ich die ja gerade nicht gebacken kriege ...) Äh ... wenn das ein bisschen wirr klingt, liegt das daran, dass ich immer noch erkältet bin und meine Matschbirne nur begrenzt gut funktioniert. :nixweiss:


    @ Pogo:


    Mir gefällt an den derzeit bei uns auf den Markt kommenden phantastischen (ganz allgemein gemeint) frankobelgischen Comics, dass sie entweder ganz andere Ansätze haben als der Großteil der Sachen, die in der Belletristik erscheinen (dafür ist auch Horologiom ein Beispiel), oder aber, dass sie Adaptionen von französischen Fantasygeschichten sind, bei denen manchmal die Autoren selbst für das Szenario verantwortlich sind. Das ist dann zumindest eine Gelegenheit, die "Interpretation" eines Romans zu lesen, den man mangels ausreichenden Sprachkenntnissen nicht mit Genuss lesen kann. (Die Verbesserung meiner Französischkenntniss steht im Moment auf "Pause", weil ich mich "aus Gründen" erst mal um mein noch viel rudimentäreres Spanisch kümmern muss. :egal:)


    Egal. Ich sollte aufhören, vor mich hin zu brabbeln. Aber okay, so, wie's aussieht, kann und wird es hier auch weiterhin um den einen oder anderen Comic-Künstler gehen, das kommt meinen Interessen durchaus entgegen. ;)

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  • Ansonsten noch ganz auf die Schnelle:


    Gestern - ich habe vorhin zu lange telefoniert, deshalb sind wir schon wieder über die Datumsgrenze gerutscht -, also gestern war der 100. Geburtstag von Hilbert Schenck, und da nutze ich doch sehr gerne die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass wir ihm schon zu seinem 90. Geburtstag einen Beitrag in umserem Blog gewidmet haben. Und ich möchte ausnahmsweise mal ganz direkt sagen: Wenn euch das, was ich in dem o.g. Blogbeitrag über At the Eye of the Ocean/Im Auge des Ozeans geschrieben habe, auch nur ein kleines bisschen anspricht, dann seht zu, dass ihr das Buch irgendwann in die Finger bekommt, denn es ist wirklich etwas sehr Eigenes, toll geschrieben und mit faszinierenden Ideen und einer ganz eigenen Atmosphäre.


    Außerdem ist gestern Donald Kingsbury 97 Jahre alt geworden. Das ist zwar kein runder Geburtstag, aber ich vermute stark, dass er damit der älteste noch lebende SF-Autor ist.


    Vorgestern - ja, wir gehen noch ein bisschen weiter zurück - sind ja plötzlich drei unerwartete Todestags-Jubiläen aufgepoppt. Über einen der drei Autoren werde ich morgen (das heißt heute) noch ein bisschen was schreiben; die anderen beiden spare ich mir für "später irgendwann mal" auf.

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  • Eigentlich wollte ich an diesem sich mittlerweile dem Ende zuneigende Wochenende zwei oder vielleicht drei Beiträge posten und ein bisschen an ein, zwei anderen Sachen weiterarbeiten, doch leider hat sich meine Erkältung vor allem am Samstag von ihrer ganz garstigen Seite gezeigt, so dass ich da gar nichts auf die Reihe gekriegt habe. Heute bis jetzt auch noch nicht … und deshalb will ich jetzt schnell noch ein bisschen unnützes Nerdwissen unter die Leute bringen.


    Also … am letzten Freitag – dem 13. – konnte H.F. Saint seinen 85. Geburtstag feiern (von Letzterem gehen wir jetzt einfach mal aus). Der 1941 geborene Harry Freeman Saint ist ein One-Book-Wonder, denn er hat mit Memoirs of an Invisible Man (1987) nur einen einzigen Roman veröffentlicht, der allerdings ein Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, u.a. auch ins Deutsche; im gleichen Jahr wie das Original ist das Buch hierzulande unter dem Titel Aufzeichnungen eines Unsichtbaren erschienen. Der Roman erzählt die Geschichte von Nick Halloway, einem ganz normalen New Yorker, der durch ein unvorhersehbares Missgeschick unsichtbar wird. Was wie der feuchte Traum eines pubertierenden Jungen klingt, erweist sich allerdings für Nick eher als problematisch, denn es ist nicht gerade leicht, sich als Unsichtbarer durchzuschlagen – und schon gar, wenn Geheimdienste aller Couleur hinter einem her sind, um herauszukriegen, wie er das geschafft hat.

    Das Buch – das 1992 unter dem neuen Titel Jagd auf einen Unsichtbaren noch einmal aufgelegt wurde – ist generell humorvoll und voller Situationskomik, bietet aber auch ernstere Passagen und Stoff zum Nachdenken. So gesehen ist es schade, dass Harry F. Saint (so hieß der Verfasser bei uns) kein zweites Buch geschrieben hat. Besagter H.F. oder Harry F. Saint ist übrigens eine interessante Figur mit einem für Schriftsteller nicht unbedingt typischen Lebenslauf, denn er war eigentlich ein erfolgreicher Unternehmer und hat in den späten 70er und frühen 80er Jahren viel Geld durch die Etablierung von Squash-Clubs in New York verdient (und wurde dadurch im Squash-Umfeld zu einer bedeutenden Persönlichkeit). Aber nach ein paar Jahren hat er seine Squash-Clubs verkauft, um sich zurückzuziehen und ein Buch zu schreiben …

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  • Am Samstag, dem 14. Februar, haben dann drei Geburtstag und ein Todestag auf dem Plan gestanden, wobei das nach mehr klingt, als es ist bzw. sein wird, denn die 1991 in St. Louis geborene Roshani Chokshi und der 1966 in Hertford (England) geborene Alex Scarrow* bewegen sich beide – wenn's um Phantastik geht – im Jugendbuchbereich. Und auch wenn Roshani Chokshis YA-Trilogie The Gilded Wolves (2019-21) und der sich an jüngere Leser richtende fünfbändige Pandava- oder Aru-Shah-Zyklus (2018-22) komplett in deutscher Übersetzung vorliegen, und das auch für die ersten fünf Bände der YA-SF-Serie TimeRiders von Alex Scarrow gilt, ist das für mich kein Grund, sich weiter mit den beiden auseinanderzusetzen (vor allem, weil ich mich im YA-Bereich nicht wirklich gut auskenne). Bei Scarrow kommt noch hinzu, dass er sich anscheinend mittlerweile von der YA-SF ab- und dem Thriller zugewandt hat.


    Ebenfalls am 14. Februar hatte Robert Newcomb Geburtstag; er ist 75 Jahre alt geworden. Wer hier im Forum aufmerksam mitliest (und das schon seit mehr als fünf Jahren), weiß vielleicht noch, dass ich mich im Rahmen der Beantwortung einer "heimatlosen" Frage schon einmal über Robert Newcomb ausgelassen habe, und weil besagte Antwort damals mit einem bisschen Aufwand verbunden war, verlinke ich an dieser Stelle sehr gerne noch einmal auf den damaligen Text. (Ich habe jetzt auf Furseys Frage – apropos Fursey, wo ist der eigentlich zwischenzeitlich abgeblieben? – verlinkt; meine Antwort kommt drei Posts später im gleichen Thread.)

    Ergänzend zu dem, was ich damals geschrieben habe, ließe sich noch anmerken, dass Robert Newcombs aus den Bänden The Fifth Sorceress (2002), The Gates of Dawn (2003) und The Scrolls of the Ancients (2004) bestehende Trilogie Chronicles of Blood and Stone, für die er damals den bislang höchsten, für ein Erstlingswerk im Bereich der Fantasy gezahlten Vorschuss kassiert hat, als Die fünfte Zauberin (2004), Tore der Dämmerung (2005)** und Die magische Schrift (2006) komplett bei Heyne im Tradepaperback erschienen ist und danach nochmal im Taschenbuch nachgedruckt wurde.*** Die zweite, aus den Bänden Savage Messiah (2006), A March Into Darkness (2007) und Rise of the Blood Royal (2008) bestehende Trilogie Destinies of Blood and Stone ist dann ausschließlich in den USA auf den Markt gekommen.

    Vielleicht nach dieser ganzen Titel-Aufzählung noch ein zwei Zitate aus der Rezension, die Thomas M. Wagner (dessen Videos über die "Anticipated Fantasy 20…" wir hier schon öfter verlinkt haben) über The Fifth Sorceress geschrieben hat:

    "The book’s startlingly blunt sexism, in which the heroes are all male and the villians female, is only one of its dubious qualities. Robert Newcomb has delivered a first novel that’s little more than an amalgam of fourth-hand ideas borrowed from better books." Und etwas später: "It would be the understatement of the 21st century to say that Newcomb paints his characters in broad strokes. Hell, the guy practically uses a spray gun. The cast of this novel is so quintessentially archetypal that, in the end, no one is particularly believable or even interesting. Tristan is just another variation on the Hero with a Thousand Faces. His reluctance to take the reins of power and his boyish insouciance towards responsibility are as cut-and-dried as his sister’s doe-eyed sweetness, which will probably send most readers into insulin shock." (Wer die ganze Rezension lesen will, kann hier klicken.)

    Viel mehr gibt es über Robert Newcomb und seinen – fürstlich honorierten – kurzen Auftritt als Fantasyautor eigentlich nicht zu sagen.


    Womit wir abschließend noch zu dem oben erwähnten Todestag kämen: Am Samstag vor 25 Jahren ist der amerikanische Horrorautor Richard Laymon im Alter von 54 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Richard Laymon wird zu den Splatterpunkern gezählt, d.h. er hat harten Horror geschrieben – und das ist ein (keineswegs zwingend phantastisches) Genre, das ich für sehr verzichtbar halte, was zur Folge hat, dass ich mich über Richard Laymon hier jetzt nicht weiter auslassen werde. :nixweiss:



    * – Alex Sparrow ist der jüngere Bruder von Simon Scarrow, der durch die im alten Rom spielenden historischen Romane um Quintus Licinius Cato und Lucius Cornelius Macro (die z.T. auch als Adler-Serie bezeichnet werden) auch hier in Deutschland erfolgreich und bekannt wurde.

    ** – ich habe auf die Cover der ersten beiden Bände der deutschen TPB-Ausgabe verlinkt, weil der Link im alten beitrag nicht mehr tut; von Band III gibt's kein gutes Bild.

    *** – man könnte jetzt natürlich anfangen darüber nachzudenken, was es über den deutschen Fantasy-Buchmarkt der 00er Jahre aussagt, dass etliche deutlich bessere Zyklen teilweise schon nach dem ersten Band abgebrochen wurden, die Newcomb-Trilogie aber komplett durchgezogen wurde (incl. TB-Nachdrucke). Man kann es aber auch lassen, denn die Welt ist eh schon deprimierend genug … ;)

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Robert Newcomb, war das nicht der Autor, der gedacht hat: "Was Terry Goodkind kann, kann ich schon lange", nachdem er sah, wie erfolgreich sich dessen Bücher verkauft haben.


    Das Problem mit den Büchern von Richard Laymon ist nicht mal der Splatterpunk, sondern eher der plumpe Sexismus. Mit The Travelling Vampire Show hat er auch mal eine Mischung aus Coming of Age und Vampirroman geschrieben. Sein Roman Die Insel war so drüber, dass er mich damals doch ziemlich unterhalten hat. Ich bin auf ihn 2002 während einer Schottlandreise aufmerksam geworden, denn wo in den Horrorregalen deutscher Buchhandlungen nur Stephen King und Dean Koontz standen, nahm in Schottland Richard Laymon ähnlich viel Platz ein.


    gero

    Gute Besserung!

  • Danke, Pogo! (Wird schon wieder werden, zieht sich halt ...)


    Was Robert Newcomb betrifft, hast du tendenziell recht, aber die Angelegenheit war noch ein bisschen ... äh ... "faszinierender". (Ich stelle fest, du hast nicht nochmal in den Beitrag von "damals" reingeschaut. ;) )


    Was Richard Laymon betrifft, hast du vermutlich voll und ganz recht. Als ich den Beitrag im Voraus "im Kopf vorformuliert" habe, gab's da noch einen Satz, der hieß sinngemäß: Der Sexismus, den man bei Robert Newcomb als ein Problem betrachten kann, das viel mit einer gewissen ... Naivität/gedanklichen Schlichtheit des Autors zu tun gehabt haben könnte (und da wäre dann der Link zu einem Interview gekommen), hat bei Richard Laymon, der am ... gestorben ist, System - it's not a bug, it's a feature ... Aber danach hätte ich dann zumindest ein bisschen auf diese Aussage eingehen müssen.


    Als ich beim Schreiben an der Stelle angekommen war, an der diese Überleitung hätte kommen können ... hatte ich keine Lust mehr. :nixweiss: Das vorher hatte ein bisschen länger gedauert als geplant, ich war müde, hab' schon wieder Schädelbrummen bekommen - und dann hab' ich mir gedacht, so what, mach's so kurz wie möglich. (Dass es Splatterpunk gibt, den man lesen kann, weiß ich. Aber die Laymon-Sachen, in die ich reingelesen haben, waren das, was ich auch schon früher als Dreck bezeichnet habe. Ich weiß nicht, wie der Mindset eines Menschen aussehen muss, um sowas mit Genuss/Freude lesen zu können - und wie der Mindset der entsprechenden Autoren aussieht, will ich gar nicht wissen.)


    Tja ... mehr Erklärungstext als urspünglicher Text über den Autor. So kann's gehen. :biggrin2:

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  • Am heutigen Dienstag, dem 17. Februar, gibt es insgesamt vier in unserem Sinne relevante Geburtstage (ach ja, manchmal darf man auch ein bisschen euphemistisch sein ;) ); allerdings sind die Geburtstagskinder alle hochbetagt, und drei von ihnen kann man ganz ungeniert als alte weiße Männer bezeichnen, denn sie wurden alle drei bereits im 19. Jahrhundert geboren. Die vierte im Bunde ist eine im Vergleich "etwas jüngere" Autorin, die allerdings auch die 100 bereits überschritten hat.


    Die Lebensdaten haben natürlich eine gewisse Auswirkung auf die jeweilige Relevanz im oder für das Genre (aka die Phantastik als Überbegriff), was wiederum zur Folge hat, dass wir hier mit zwei Kandidaten recht schnell fertig sein werden.


    Der Erste ist der am 17. Februar 1836 im spanischen Sevilla geborene Gustavo Adolfo Bécquer, der einer der bekanntesten Autoren der spanischen Romantik war und dessen Leyendas mit ihrer unheimlichen Ausstrahlung an die Werke eines E.T.A. Hoffmann erinnern und als Vorläufer der phantastischen Literatur gelten (sagt u.a. die Wikipedia). Ich kann mich erinnern, irgendwann in den 80er Jahren mal über ein Ullstein-Taschenbuch mit dem Titel Die grünen Augen. Phantasiestücke gestolpert zu sein (das war der Nachdruck eines verschuberten Klett-Cotta-Paperbacks). Damals war ansonsten kaum etwas von Bécquer auf dem deutschen Buchmarkt zu entdecken, inzwischen scheint es etliche weitere Übersetzungen der (gleichen?) Leyendas zu geben.


    Der Zweite ist der am 17. Februar 1896 in Cincinnati, Ohio, geborene Charles R. Tanner, der in den späten 30er und frühen 40er Jahren mit einem guten Dutzend Horror-, SF- und Fantasy-Stories in den amerikanischen Genremagazinen vertreten war und vor allem mit seinen drei Geschichten (plus einer posthum veröffentlichten) über einen Helden namens Tumithak, der die vor außerirdischen Eroberern in ein unterirdisches Tunnelsystem geflohene Menschheit wieder ans Licht der Oberfläche und in den Kampf gegen die ach gar schrecklichen, zehnbeinigen, erbarmungslosen Shelks führt, eine gewisse Bekanntheit (naja) erlangt hat. Alle vier Tumithak-Stories sind 2005 auch gesammelt unter dem Titel Tumithak of the Corridors in einer Paperback-Ausgabe erschienen.


    Die anderen beiden Geburtstagskinder sind ein bisschen interessanter, aber das kann ich erst morgen zeigen ... :nixweiss:

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  • Da der Beitrag da oben mit der sehr heißen Nadel gestrickt wurde (ich wollte ihn halt unbedingt noch im Laufe des 17. veröffentlichen), will ich hier noch schnell nachliefern, was eigentlich direkt zum Charles-Tanner-Text gehört hätte: Wer Lust auf so richtigen 30er Jahre-Trash hat, kann "Tumithak of the Corridors" - also die erste der vier Geschichten - hier online lesen. Und über das Menü am Rand findet man nicht nur die anderen Tumithak-Stories ("Tumithak in Shawm" von 1933, "Tumithak of the Towers of Fire" von 1941 und "Tumithak and the Ancient World", 1952 verfasst und 2005 posthum erstveröffentlicht), sondern das gesamte erzählerische Werk von Charles R. Tanner.

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  • Ich habe mir da noch keinen Überblick verschafft. Mal schauen, wie viele es gibt. Vor allem würden mich auch jene interessieren, die australische Geschichte und/oder Mythen der indigenen Bevölkerung mit einbinden.

    Lara Morgan könnte passen. In der Sarantium-Trilogie gibt es Wüstenstämme, die an indigene Stämme erinnern. Zu Glenda Larke und dem Bund der Illusionisten könnte dir hier im Forum sicher jemand mehr erzählen.

  • Erstmal zum vorletzten Posting:


    Ich kann mich an Lara Morgans Sarantium-Trilogie nicht mehr großartig erinnern, aber ich habe damals reingelesen (weil die erstmals in der Zeit veröffentlicht wurden, als ich ganz nah dran am Blanvalet-Lektorat war), und ja, es gibt Wüstenstämme, aber was mir von denen noch hängen geblieben ist, hatte eigentlich nichts mit den Mythen/Bildern/Elementen zu tun, die ich von der Kultur der Aborigines kenne (wobei ich kein Spezialist dafür bin).


    Und bei Glenda Larke und dem Bund der Illusionisten ist es ähnlich, und die drei Bände habe ich ganz sicher gelesen, weil Timpi und ich uns immer gegenseitig korrekturgelesen/redigiert haben. Ich werde sie aber mal auf diesen Thread hinweisen, denn sie hat die Romane natürlich weit besser im Kopf als ich.


    Je nachdem, wie du den Fantasy-Begriff fasst, könnte Sean Williams ein Tipp sein. Ich kenne von seiner Jugendbuch-Trilogie The Books of the Change nur eine grobe Synopsis, aus der nicht viel mehr als die Eckdaten hervorgeht, aber der ... hm ... Konflikt/Widerspruch zwischen den Kräften, die das Landesinnere beherrschen, und denen, die an den Küsten das Sagen haben, findet sich ja auch schon tendenziell bei Patricia Wrightson.


    Ein anderer interessanter Autor ist Terry Dowling, aber auch seine Adventures of Tom Rynosseros (der eigentlich Tom Tyson heißt, aber ein Sandschiff namens Rynosseros besitzt und außerdem einer der "Coloured Captains" ist, was ihn zu einer Legende bei den den Kontinent beherrschenden Aborigine-Stämmen macht) sind SF. Inwieweit da auch Legenden und Mythen der Aborigines verarbeitet wurden, kann ich noch nicht sagen, weil ich noch nicht allzu viele der Stories gelesen habe, aus denen der Zyklus besteht. (Aber was ich gelesen habe, ist vom Worldbuilding und vom erzählerischen Ansatz her teilweise faszinierend.)


    Damien Broderick hat sich in den Dreaming Dragons anscheinend auch auf die Mythen der Aborigines bezogen (aber um dazu mehr sagen zu können, müsste ich nochmal in den Roman reinschauen, denn an den kann ich mich - wie schon mal erwähnt - nicht mehr einnern).

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ansonsten ... yo, hier ist lange nichts passiert. Ich kämpfe immer noch mit meiner Erkältung, bei der auf jede Besserung recht schnell ein satter Rückschlag folgt. Das nervt mittlerweile ungemein. :egal:


    Ich werde wahrscheinlich am WE die beiden versprochenen Geburtstagskinder nachliefern und mir dann überlegen, ob - und wenn ja wie - ich hier weitermache. Ewig lange hinter den ausgefallenen Kandidaten herhecheln will ich eigentlich nicht ... Mal sehen, wie's am Wochenende läuft.

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