Martin Cruz Smith (1942 - 2025)

  • Bereits am 11. Juli – also vor ziemlich genau drei Wochen – ist der vor allem durch die 1981 mit Gorky Park (dt. Gorki-Park (1982)) begonnene Krimireihe um den Moskauer Polizisten Arkadi Renko bekannte amerikanische Bestseller-Autor Martin Cruz Smith im Alter von 82 Jahren an den Folgen seiner – von ihm 2013 öffentlich gemachten – Parkinson-Erkrankung gestorben.


    Die Arkadi-Renko-Romane, denen er sich nach 1981 fast ausschließlich widmete, waren seine mit Abstand bekanntesten Werke – allen voran natürlich der bereits erwähnte Auftakt der Reihe, der 1983 auch recht erfolgreich verfilmt wurde (ebenfalls unter dem Titel Gorky Park) –, doch schriftstellerisch aktiv war der am 03. November 1942 in Reading im US-Bundesstaat Pennsylvania geborene Martin William Smith (der seinem Namen erst Ende der 70er Jahre den Nachnamen seiner Großmutter mütterlicherseits hinzufügte) zu diesem Zeitpunkt schon etliche Jahre. Den Anfang machte der Roman, der einer der beiden Gründe ist, warum Martin Cruz Smith hier jetzt doch noch so etwas wie einen verspäteten "Nachruf" bekommt, denn The Indians Won (1970; dt. Der andere Sieger) ist ein Alternativweltroman, der auf der Prämisse beruht, dass Sitting Bull am Little Big Horn General Custer besiegt hat, was den Lauf der Geschichte ändert und u.a. dazu führt, dass es in der "Jetztzeit" mitten in Nordamerika einen indianischen Staat gibt. Auch in Smith' nächsten beiden Romanen Gypsy in Amber (1971; dt. Sing, Zigeuner, Sing (1984)) und Canto for a Gypsy (1972; dt. Totentanz um eine Königskrone (1984)) gibt es ein phantastisches Element; Romano Grey, ein Antiquitätenhändler und die Hauptfigur der beiden Krimis, verfügt nämlich über paranormale Fähigkeiten. Mit The Analog Bullet (1972; dt. Das Capitol (1982)) – einem Thriller, in dem es um Identitätsdiebstahl geht – folgte noch ein weiterer Roman unter dem Autorennamen Martin Smith, ehe die Zeit der Pseudonyme begann.

    Am Anfang stand das Verlagspseudonym Nick Carter, unter dem Smith drei Romane zur Killmaster-Serie – nämlich The Inca Death Squad (1972; dt. Duell im Inkatempel (1973)), Code Name: Werewolf (1973; dt. Corrida der Killer (1975)) und The Devil's Dozen (1973; dt. Marzipan mit Heroin (1979)) – beisteuerte, in der die Abenteuer des AXE-Agenten N3 alias Nicholas J. Huntington Carter geschildert werden, gegen den selbst ein James Bond (das erklärte Vorbild der Reihe) wie ein Anfänger wirkt. Als Simon Quinn schrieb er sechs Romane um einen Laienbruder in der Militia Christi (The Inquisitor, 1974-75), der sich im Auftrag des Vatikan mit bösen Buben herumschlägt, sowie The Human Factor (1975), die Novelisation der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Graham Greene*. Am Ende dieser Phase stand dann wieder ein Verlagspseudonym, denn als Jake Logan verfasste er zwei Romane zur Adult-Western-Serie Slocum (1976/1977).

    Irgendwann in dieser Zeit entschloss sich Martin Smith, zu Martin Cruz Smith zu werden, und der erste Roman, den er unter dem neuen Namen verfasste, wurde erfolgreicher als alle seine Versuche zuvor. Man kann es durchaus so sehen, dass Cruz Smith mit Nightwing (1977; dt. Flügel der Nacht (1979)) in doppelter Hinsicht zu seinen Anfängen zurückkehrte, denn die Geschichte ist wieder phantastisch und in ihr spielen auch Indianer wieder eine wichtige Rolle; wichtiger sind allerdings die Vampirfledermäuse und alles, was mit ihnen zusammenhängt.

    Mit Gorky Park folgte vier Jahre später der Thriller, der Martin Cruz Smith zum Bestseller-Autor gemacht hat und den Auftakt zu einer der besten Thrillerreihen des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts darstellt. Weil sie nicht einfach nur die Fälle schildert, die Arkadi Renko lösen muss, sondern zudem auch einen Blick auf die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen gewährt, durch die sich die Sowjetunion der späten 70er bzw. frühen 80er Jahre über ein paar Zwischenschritte in das Russland von heute verwandelt hat.

    Zusätzlich zu den insgesamt elf Romanen mit Arkadi Renko hat Martin Cruz Smith seit 1981 noch vier weitere – hauptsächlich historische – Romane verfasst, die genau wie die Renko-Romane alle auch auf Deutsch erschienen sind.


    R.I.P., Martin Cruz Smith!


    * – ja, sowas ist irgendwie schräg, kommt aber tatsächlich immer mal wieder vor

    Beware the stories you read or tell; subtly, at night, beneath the waters of consciousness, they are altering your world. (Ben Okri)

  • Äh ... ja, ich weiß, dass Guido das Ableben von Martin Cruz Smith hier schon zeitnah gemeldet hat. Aber da Cruz Smith in Sachen phantastischer Inhalte (im weiteren Sinn) doch ein bisschen aktiver war, als man nach der damaligen Meldung meinen könnte, habe ich mir gedacht, ich schreibe noch was über ihn. (Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. ;) Der Punkt war einfach der, dass ich für einen geplanten, aber nie fertig gewordenen Blog-Text zu einem der Geburtstage von Cruz Smith die bibliographischen Daten schon mal recherchiert hatte. Das hat Arbeit gemacht - gerade die deutschen Killmaster-Titel und Jahreszahlen waren nervig - und die wollte ich mir nicht völlig umsonst gemacht haben. Je, nu ... :nixweiss: )


    Dass das Ganze jetzt so lange gedauert hat (und sich zugegebenermaßen auch nicht so richtig rund liest), liegt daran, dass ich immer nur in meiner "spare time" an dem Text schreiben konnte, und dadurch ist er ein bisschen zerfasert. Aber so what. Ich muss und will mich einfach wieder ein bisschen warm schreiben ... ;)

    Beware the stories you read or tell; subtly, at night, beneath the waters of consciousness, they are altering your world. (Ben Okri)

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!