Ich gehe davon aus, dass das Thema euch alle neugierig macht/gemacht hat - so in dem Sinne von "Was treibt er denn da schon wieder", stimmt's? ![]()
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. ![]()
Nicht nur in den USA und Großbritannien, Kanada und Australien oder auch in Frankreich - um mal die Sprache deutlicher zu wechseln - werden Preise für phantastische Literatur verliehen, sondern auch in anderen (nicht nur) europäischen Ländern wie z.B. Finnland.
Der Tähtifantasia-palkinto ist der Preis für das beste im jeweiligen Jahr in Finnland erschienene Fantasybuch, der seit 2007 von der Helsinki Science Fiction Society verliehen wird. Besagte Society gibt auch die Zeitschrift Tähtivaeltaja heraus und verleiht mit dem Tähtivaeltaja-palkinto noch einen zweiten Preis, mit dem das beste SF-Buch ausgezeichnet wird (wenn ich das alles richtig verstanden habe - zumindest behauptet der Google-Übersetzer, dass das so ist).
Jetzt und an dieser Stelle soll es aber um den Tähtifantasia-palkinto gehen, und der Preis geht an:
Olga Tokarczuk - Anna In maailman hautakammioissa (OT: Anna In w grobowcach świata (2006))
Außerdem nominiert waren:
Robin Hobb - Taikuuden laiva: Elolaivat 1 (OT: The Liveship Traders: Ship of Magic (1998))
Vladimir Nabokov - Kutsu mestaukseen (OT: Приглашение на казнь (1938))
Toni P. J. Saarinen - Kuolleita kukkia Miasmalasta
Niilo Sevänen - Ikitalven polku
Interessant für mich - und der eigentliche Grund, warum ich das gepostet habe - ist der unterschiedliche Umgang mit dem Genre (oder dem, was man noch zum Genre zählt bzw. was dazu gezählt werden kann oder darf
) in unterschiedlichen Ländern bzw. Kulturkreisen, denn die Vorstellung, dass ein Roman der Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in Deutschland einen Preis als bester Fantasyroman des Jahres gewinnt, ist ... einigermaßen absurd, vorsichtig ausgedrückt. Ich finde das Ganze ziemlich faszinierend, und ich habe mir vorgenommen, in den ausgezeichneten Roman - der unter dem Titel AnnaIn in den Katakomben: Der Mythos der Mondgöttin Inanna (2007) bzw. Anna In: Eine Reise zu den Katakomben der Welt (NÜ, 2022) auch auf Deutsch erschienen ist - zumindest mal reinzulesen. Interessanterweise ist den finnischen Übersetzerinnen und Übersetzern anscheinend etwas gelungen, worum ihre deutschen Kollegen und Kolleginnen schon lange kämpfen, denn zumindest bei Olga Tokarczuks Siegertitel wird der Übersetzer auf dem Cover genannt.
Der Roman von Vladimir Nabokov ist unter dem Titel Einladung zur Enthauptung bereits 1973 auf Deutsch erschienen, wie Robin Hobbs Liveship Traders hierzulande heißen, wisst ihr bzw. könnt ihr leicht herausfinden. Ich fände es ganz spannend zu wissen, ob die beiden nominierten finnischen Werke eher in Richtung Robin Hobb (und damit Genre) oder in Richtung Vladimir Nabokov oder Olga Tokarczuk gehen - und da Ikitalven polku von Niilo Sevänen überraschenderweise im November bei Lübbe als Der Weg des ewigen Winters erscheinen soll, kann man (oder kann ich) das zumindest im Hinblick auf den einen Titel tatsächlich herausfinden. ![]()
Tja, und damit wäre der kurze Blick über den Zaun - na gut, über mehrere Zäune - rauf nach Nordeuropa schon wieder beendet. Wer sich für denTähtifantasia-palkinto noch ein bisschen mehr interessiert, kann sich z.B. noch den entsprechenden Wikipedia-Eintrag mit der Liste der bisherigen Siegertitel und Nominierungen seit 2007 ansehen; da sind ein paar Titel dabei, die haben mich echt verblüfft (aber es gibt natürlich auch die üblichen - oder meinetwegen noch nicht ganz so üblichen - Verdächtigen).
Und welchen Fantasypreis wollen wir uns als Nächstes anschauen? ![]()