Epic Fantasy = totes Pferd und anderer Buchmarktfrust

  • Ich habe mir das Video noch nicht komplett angesehen, ist mir jetzt zu spät dafür. Aber passt doch gut zu unserer Diskussion. Auch auf dem englischsprachigen Markt gibt es diese Beobachtungen.


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  • Ich schau mir das nachher ... oder vielleicht auch erst morgen mal an. Dass Trends und Themen auf dem Buchmarkt in Wellen kommen, ist ja nichts Ungewöhnliches; das konnte und kann man zZt auch beim historischen Roman gut sehen. Und in Anbetracht dessen, was in den USA und im UK derzeit erscheint oder angekündigt ist, würde ich der Aussage zustimmen, ohne das Video gesehen zu haben. Dass die Epic Fantasy stirbt, glaube ich allerdings nicht; sie schrumpft, und sie wird vielleicht noch ein bisschen weiter schrumpfen, andererseits kann sich der Trend schon nächstes Jahr wieder umkehren.


    Und natürlich ... natürlich tut es dem Genre als Ganzes nicht gut, wenn zwei der wichtigsten, bestverkauften Werke seit Jahren "on hold" sind, weil die Herren Autoren ... Befindlichkeiten haben. :nixweiss:

    Beware the stories you read or tell; subtly, at night, beneath the waters of consciousness, they are altering your world. (Ben Okri)

  • Im Video geht es auch darum, dass Autoren, wie z. B. Peter McLean zwar noch Buchverträge erhalten, in denen aber steht, dass eine bestimmte Anzahl an Wörtern nicht überschritten werden darf, wodurch das epische Potenzial der Geschichten beschnitten wird. Früher war das bei uns in Deutschland noch umgekehrt, da stand in den Vertägen, es müssten mindestens 500 bis 700 Seiten sein.

  • Ich finde das Video irgendwie ... naja substanzlos. Ein bisschen Geraune hier, ein bisschen Gerede da, aber das ist - mal abgesehen von dem Peter-McLean-Zitat - alles irgendwie fluffig. :nixweiss:


    Zumindest letztes Jahr wurden von den großen Verlagen auch noch sehr umfangreiche Bücher angekauft, der Trend mit den 100.000 oder 130.000 Wörtern muss daher ziemlich neu sein. (Obwohl - so neu nicht. Ich meine mich erinnern zu können, dass es auch - in den 00er Jahren? Später? - früher schon für Newcomer schwierig war, für ein Manuskript mit dem Umfang der üblichen Fantasy-Doorstopper einen Vertrag zu bekommen. Das hat sich dann irgendwann wohl gelockert - und jetzt zieht's eben wieder an.)


    Viel erschreckender finde ich, dass Ace McLeans Vierteiler (den - bzw. dessen ersten Band ich übrigens nicht mag) nach zwei Bänden abgebrochen hat, obwohl mit den Büchern noch Geld verdient wurde. Anscheinend will man den Programmplatz für Bücher frei haben, mit denen mehr Geld zu verdienen ist. Das ist auch erstmal nichts Ungewöhnliches, allerdings tendenziell auch so eine abschüssige Straße, die Risiken birgt. (In Deutschland hat man das auch schon getan; weniger im Buchbereich afaik, aber im Heftromanbereich war das früher - im letzten Jahrtausend -:) - nichts Ungewöhnliches.)


    Gerade momentan kann ich mir aber vorstellen, wie man z.B. bei Ace denkt. Man hat da einen Autor, der rechnet sich (so gerade eben oder ganz ordentlich, ist aber kein Bestseller, der richtig Geld bringt), und in einem anderen Subgenre gehen gerade die Auflagen (und die zu holenden Gewinne) durch die Decke. Was macht man da mit einem Midlist-Autor, bei dem klar ist, dass da nicht der große Verkaufsschub erfolgen wird (und der zudem kein langjähriger "Hausautor" ist - obwohl das (Stichwort MIchelle West) auch nicht unbedingt ein Grund ist, den Autor zu halten), und der sich eigentlich in einem Nischengenre bewegt? Tja ...


    Ich habe den US-Markt nicht mehr so gut im Blick wie früher, aber ich werde mir das gelegentlich mal genauer anschauen. Den Tod der Epic Fantasy sehe ich jedenfalls wirklich nicht. Die Farbschnitt-Romantasy-Welle wird sich irgendwann brechen, dass LitRPGs einen ähnlichen Hype auslösen werden, kann ich mir nicht so recht vorstellen (aber ich bin auch alles andere als ein Gamer), und der epischen Fantasy genügt ein Autor, ein Zyklus, der durch die Decke geht - da hat Leo recht - um für die Verlage wieder attraktiv(er) zu werden.

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  • Ich habe mit einer Menge Leute zu tun, die gerade (in den USA) einen Agenten oder über ihren Agenten einen Verlag für ihren Roman oder ihre Reihe suchen, und da höre ich nur immer, wie unfassbar schwierig es ist. Für Newcomer ist die Länge schon seit einiger Zeit ein Faktor (sprich: lieber zurückkürzen was man hat, wenn es über 100 000 geht), und auch mehrbändige Werke sind ein Hemmschuh (sprich: lieber Abgeschlossenes mit Erweiterungspotential als eine Geschichte, die über mehrere Bände gehen muss). Jeder braucht gute Compare-Titel, und das sind lieber mal keine Sachen, die vor zehn oder fünfzehn Jahren cool waren. Und klar, für all diese Regeln wird's irgendwelche Ausnahmen geben, die den richtigen Agenten/Lektor finden, der dann trotzdem ihr Riesending für sie durchkriegt. Aber für Otto-und-Elke-Normal-AutorIn halt eher nicht. Es ist generell (und wie es sich als Trend schon sehr lange abzeichnet) immer weniger Risikobereitschaft. Oh, und dann gibt's noch den Verlag (vielleicht nicht der einzige, aber da habe ich halt Einblick), der eine Mindest-Social-Media-Follower-Zahl festgelegt hat, ohne die AutorInnen oder IllustratorInnen nicht mal in Erwägung gezogen werden ...


    Das spielt alles der epischen Fantasy nicht in die Hände, aber ich glaube, gegen sie spricht ein viel allgemeinerer Trend. Siehe dazu auch diesen Artikel, der das Problem etwas weiter gefasst betrachtet (und noch weiter off-topic führt): https://www.honest-broker.com/…state-of-the-culture-2024
    Klingt zwar ein bisschen nach "old man yells at cloud", aber ist schon was dran. Wer hat noch Zeit und Durchhaltevermögen für epische Fantasyzyklen?

  • Danke für den Link und Input, mistkaeferl. Ich komme erste nachher dazu den Artikel zu lesen, aber Ted Gioias Analysen sind eigentlich immer sehr treffend, auch seine Prognosen, nicht nur für die Musikindustrie.


    Followerzahl bzw. Social-Media-Reichweite ist zumindest ein Faktor, den auch deutsche Verlage berücksichtigen. Wer mehrere Zehntausend hat, hat auf jeden Fall ein paar Bonuspunkte, wenn es um die Entscheidung geht, ob er*sie einen Vertrag erhält.


    Was die Epic Fantasy angeht, bekommt sie aktuell vielleicht auch viel Konkurrenz durch Serien wie "Rad der Zeit" oder "Ringe der Macht". Bei manchen wird da mit der Bedarf an dem Genre schon gedeckt. Bin gespannt, ob eine Romantasy-Serienflut folgen wird.

  • Hi Kaeferl, schön dich mal wieder zu lesen! :lunz:


    Ich habe zu dem Thema dann auch noch einen Link beizutragen, der sich allerdings hier befindet (weil ich das Thema allgemeiner betrachten und aus dem Vorschauen-Thread raushaben wollte).

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  • Oh wow...na das ist ja traurig (zumindest aus meiner Sicht). Ich verstehe natürlich das überall "Money, Money, Money" das Wichtigste ist...aber wenn ich da die Anforderungen der Verlage lese...ugh. Zum Glück gibt es heute ja viele Möglichkeiten zum Selfpublishing und die Leser sind heute auch mehr willig, solche Sachen zu lesen. Und wenn dann jemand richtig gut geht im Selfpublishing, dann wird er/sie ja dann oft von nem Verlag "aufgegriffen". Was ich übrigens eigentlich eine voll miese Masche finde. So nach dem Motto "Wir nehmen das Risiko nicht mehr, sondern schauen einfach mal, wer sich gut verkauft und schnappen ihn/sie uns dann...".

    Das ist etwa das Pendant zum ganzen Crowdfunding Sch**** in einem anderen Hobby von mir...wo alle Publisher kein eigenes Risiko mehr tragen wollen und darum alles über Kickstarter machen (oder ähnlichen Plattformen). Kotz Würg!


    Sorry, wollte eigentlich nicht in einen Rant überschwenken... :floet:

  • Das spielt alles der epischen Fantasy nicht in die Hände, aber ich glaube, gegen sie spricht ein viel allgemeinerer Trend. Siehe dazu auch diesen Artikel, der das Problem etwas weiter gefasst betrachtet (und noch weiter off-topic führt): https://www.honest-broker.com/…state-of-the-culture-2024
    Klingt zwar ein bisschen nach "old man yells at cloud", aber ist schon was dran. Wer hat noch Zeit und Durchhaltevermögen für epische Fantasyzyklen?


    Auch wenn der tatsächlich noch weiter off-topic führt und wir die "Marktdiskussion" vielleicht wirklich auslagern sollten (das kann ich nicht, das müsstest du machen, Kaeferl), danke für den Link! Der bringt ziemlich auf den Punkt, was mir seit geraumer Zeit ein gewisses Unbehagen bereitet hat, ich aber irgendwie nicht so richtig fassen konnte. Aber ja, das passt. Und es klingt nicht gut. Gar nicht gut. (Klar, hier ist ein zweiter "old man", was kann der anderes machen, als dem ersten zuzustimmen ... ;))

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  • Auch wenn das erfahrungsgemäß ein Diskussionskiller ist, hier unter neuem Titel (sorry, der wurde jetzt Pogo untergeschoben) die Buchmarktdiskussion, die ich nach den Farbschnitten, aber vor dem Epic-Fantasy-Abgesang abgeschnitten habe.

  • Ohne mir Video oder Text durchzulesen/schauen:

    Glaubt wirklich jemand, dass die Epic Fantasy tot ist?

    Okay, vielleicht würde heutzutage ein HdR - wenn er neu erscheinen würde - nicht so bombastisch einschlagen, aber das liegt vielleicht auch ein wenig daran, dass die Leser*innen vielleicht etwas gesättigt sind von dem vielen ähnlichen Zeug der letzten Jahre.

    Und gero hatte das irgendwo schon angemerkt: vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass GRRM und PR nicht fertig werden/geworden sind. :nixweiss:

    Persönlich lese ich sicher lieber was episches als die neuen bunten Sachen...

    If you fuck the bad guy, remember the bad guy's gonna fuck you back! (Caine)


    Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen. - George Bernhard Shaw


    Michael Moorcock - Mutter London

  • Nein, tot ist sie wohl nicht. Ich denke es wird so sein wie einige schon gesagt haben: Wellen. Es ist immer ein kommen-und-gehen. Wie in der Mode :D Ich bin sicher die Epic Fantasy wird auch wieder einen Aufschwung erfahren. Ich verstehe nicht ganz, wie das was jetzt gerade angesagt ist so...populär...werden konnte, aber das muss ich auch nicht. Ich bin definitiv nicht das Zielpublikum für Romantasy oder das Lit Zeugs.

    Leider ist es so, die allermeisten Leute wollen eher leichte Kost lesen und sich nicht auch noch mit ihren Hobbies herausfordern. Da geht es mir anders. Darum werde ich wohl auch innerhalb der epischen Fantasy manchmal nicht fündig. Viele Romane sind einfach seichtes und ewig aufgewärmtes Immer-Gleiches. Je nu. Glücklicherweise sagen mir meine "alten Favoriten" immer noch zu, auch wenn diese z.T. auch nicht wirklich Gedanken-provozierendes schreiben. Das ist vermutlich die Nostalgie, die diesen Autoren da hilft :D


    Anyway...es ist ja nicht so als gäbe es nicht noch gaaaanz viel aus vergangenen Jahren zu lesen. Aus den Zeiten wo die Fantasy noch mehr nach meinem Geschmack lief.

    Vor allem da ich jetzt so langsam auch auf den Geschmack komme, was die Ich-Perspektive angeht (danke, Tad Williams *insert sarcasm smiley*). Da bin ich mir allerdings nicht sicher, ob ich das gut finden soll. Wo soll ich denn die Zeit hernehmen jetzt auch noch all die Ich-Erzähler Stories zu lesen :D

  • Es gibt noch ein gutes Video vom Library of a Viking zu dem Thema, der noch einige andere bekannte Autoren zitiert.


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  • Für Tor Online schreibe ich an einem Artikel zur Epic-Fantasy-Thematik. Gerade habe ich einige Fragen zur Markteinschätzung an die Redaktionen der größeren Publikumsverlage rausgeschickt, möchte im Artikel aber auch die Perspektive der Leser*innen wiedergeben. Deshalb möchte ich euch hier noch mal kurz dazu befragen. Die Antworten würde ich im Fließtext zitieren, entweder mit eurem Nickname oder mit dem echten, falls ihr das möchtet.


    Lest ihr epische Fantasy? Wenn ja, was macht den Reiz des Subgenres für euch aus?


    Seid ihr aktuell mit dem Angebot an entsprechenden Titeln in den Programmen der Verlage (deutsch- wie englischsprachig) zufrieden? Was fehlt euch? Was hat euch zuletzt gefallen?


    Und wie ist euer aktueller Blick auf den Fantasybuchmarkt? Wie schätzt ihr den Stand der Fantasy im Buchbereich momentan ein?


    Schaut ihr Fantasy auch in Serienform (auf Netflix und Co.)? Und wenn ja, glaubt ihr, dass euer Bedarf an Fantasy in Buchform dadurch gesunken ist?


    Lest ihr epische Fantasy noch auf Deutsch, oder inzwischen lieber auf Englisch?

  • Interessante Fragen, Pogo. :daumen3:


    Ich lasse erst mal den anderen den Vortritt, werde aber sicher meinen Senf noch dazu geben. ((Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die Fragen eine Weile "offen" sind, oder?)

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  • Ja, das dauert noch mindestens zwei Wochen, bis ich den Artikel fertig schreiben werde. Eine Antwort aus den Redaktionen habe ich heute schon erhalten, weil sie eine willkommene Gelegenheit war, sich vor einer unangenehmen Tätigkeit zu drücken. ;) Aber ich muss den Leuten ja auch etwas Zeit lassen, die Fragen beantworten zu können. Sind mehr, als ich jetzt hier gestellt habe, weil ich auch noch einen Artikel zu Lage der SF schreibe und genauer mit den Fragen auch genauer auf Programmplanung und Marktlage eingegangen bin.. Ich will auch noch ein paar Buchhandlungen anschreiben. Und überlege gerade, bei welchen Autor*innen ich das auch machen könnte, um wirklich alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Der Artikel eskaliert gerade ein wenig. :)

  • Der Artikel eskaliert gerade ein wenig. :)

    Das kann ich mir sehr gut vorstellen. :D


    Aber wie gesagt, Thema und Fragen sind interessant, und das Ganze aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten ist sicher kein Schaden. Und was den Zeitrahmen angeht, ist es mir recht, wenn ich mir ein bisschen Zeit lassen kann, weil ich hoffe, dass sich meine Erkältung und die damit verbundene Matschbirne in den nächsten Tagen bessert.


    Edit: Man sollte es mit der Reflexivität nicht übertreiben.

    (Wenn ich noch rauchen würde, würde ich jetzt wahrscheinlich anfügen: Und er rauchte sich eine Zigarette ... :smoke:)

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