Neue Buchgedanken

  • Glen Cook - Port of Shadows

    Hach ja, die Black Company... Ich liebe Croaker und er ist auch wieder der, der hier das Wort führen darf. Die Geschichte ist zwischen erster und zweiter Geschichte aus Band 1 angesiedelt und erklärt ein bisschen, warum die "Taken" so sauer auf die Black Company sind und weshalb die Lady so auf die BC setzt.

    Ich muss ehrlich sagen: mir hat die Story sehr gut gefallen - gerade Croaker, der frühe Croaker, der eigentlich keinen Plan hat, was da abgeht, aber trotzdem seine Meinung zu allem kundtun will/muss. Auch das Schlusswort fand ich toll, welches dann irgendwie die Geschichte an sich einordnet.

    Ich habe auch mehrfach nachgesehen, welche Namen denn jetzt zu wem gehören, weil die "Vergangenheitsbewältigung" der Senjak-Schwestern ja der zentrale Punkt sind. Zusätzlich müsste man erwähnen, dass der Band klarstellt, woher Silent den wahren Namen von Lady kennt!

    Alles in allem wirklich ein schönes Buch, welches ohne eine große Schlacht, dafür aber mit vielen Ideen und Kleinigkeiten für mich ganz toll funktioniert! :)

    Ich bin sehr zufrieden mit der Geschichte - und habe Lust aber keine Zeit die ganzen BC-Bände erneut zu lesen! ;)

    If you fuck the bad guy, remember the bad guy's gonna fuck you back! (Caine)


    Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen. - George Bernhard Shaw


    Michael Moorcock - Mutter London

  • The Light of All that Falls - James Islington

    Quote

    Caeden smiled.

    Da es der letzte Teil ist, spar ich mir die Inhaltsangabe, aber es gibt diesmal einen Zeitsprung von einem Jahr seit "Echo".


    Da ich dieses Buch im speziellen und auch einige Elemente die schon in den Vorgängern da waren nicht spoilern will, muss ich jetzt über den Elefanten im Raum sprechen ohne ihn zu erwähnen oder in seine Richtung zu schauen.


    Also, kurz gesagt, das Ende ist genial und fast perfekt.


    In dem Buch gibt es gefühlt nicht ganz so viele Wendungen, da ja seit Ende des 2. Teils klar ist, was geschehen muss, dass Caeden´s Plan gelingt. Wobei die letzte Sache, die man im Vorgänger erfahren hat, hier SO OFT ANGESPROCHEN WIRD, dass klar ist, dass da ein Twist kommt. Der ist dann einer von zwei großen im Epilog, die ich dieses mal aber beide habe kommen sehen. Allerdings ist es hier ein gutes Zeichen, denn die zweite Wendung zeigt, dass Islington sich daran hält, was er vorher aufgebaut hat und ihm nicht im letzten Moment einen Roundhouse-Kick verpasst. Wobei ich mir doch Sorgen gemacht habe, was er mit einem bestimmten Charakter macht, bis mir klar wurde worauf er hinaus will und wirklich lachen musste. Bei der anderen Wendung hatte ich einfach plötzlich den Gedanken im Kopf, dass es so sein könnte.


    Islington erklährt in einem speziellen Nachwort, dass er ursprünglich vorhatte einen weiteren Handlungsstrang über 2 Charaktere einzubauen, die gegen Ende des 2. Teils "verschwunden" sind, der dann aber zusehr ausgeartet ist, weshalb er beschlossen hat, in der Zukunft vielleicht ein Spin-Off zu schreiben. Das führt allerdings dazu, dass die beiden am Anfang kurz erwähnt werden und dann kurz vor dem Finale im "unwichtigsten" Handlungsstrang als halbes Deus-Ex-Machina auf. Das ist jetzt nicht so schlimm, aber die beiden haben auch mit einem Charakter zu tun, der eigentlich sehr wichtig für die Haupthandlung ist, der aber nie auftaucht und von dem man auch nicht erfährt, was mit ihm passiert.


    So, ich bin jetzt, trotz der paar Kleinigkeiten, zufrieden mit der Licanius-Trilogie und ich denke, da ich jetzt beruhigt bin, kann ich mich uneingeschränkt auf Islington´s neues, unabhängiges Projekt "Hierarchy" freuen.




    The Ships of Merior - Janny Wurts


    Arithon hat die letzten 5 Jahre unter falscher Identität als Halliron´s Schüler verbracht, allerdings wird seine Tarnung dadurch gefährdet, dass Dakar gezwungen wird ihn zu begleiten, der ein Magnet für Ärger ist.

    Lysaer glaubt natürlich, dass Arithon´s Verschwinden nur bedeutet, dass er finstere Pläne schmiedet und sein wiederauftauchen nur um so schlimmer wird und bringt immer mehr Städte auf seine Seite.

    Und die Fellowship-Zauberer suchen nach einer Möglichkeit die beiden Prinzen vom Fluch des Mistwraiths zu befreien.


    Das Buch ist ja nur ein halbes Buch, da das ganze damals nicht in die Buchbindemaschinen gepasst hat (steht zumindest auf Wikipedia) wobei das Buch nur 200 Seiten kürzer ist als "Curse" ist.


    Janny Wurts baut hier die Dinge wieder langsam auf, wobei ich das Gefühl hatte, das überall mehr passiert als bei Arithon, was vielleicht auch daran liegt, dass von Anfang an klar ist, dass es zu einem weiteren Zusammenstoß mit Lysaer kommen wird.


    Einerseits hätte ich gesagt, dass es eine bessere erste Hälfte ist als die von "Curse", allerdings macht sich die Länge schon etwas bemerkbar, bevor es in den letzten 2 Überkapiteln zu einem Mittelbuchhöhepunkt kommt.


    Es gibt immernoch Abschnitte, die schwer zu verstehen sind, teilweise aber nicht wegen dem Schreibstil, sondern weil ich nicht ganz verstehe was in den Charakteren vorgehen soll. Ich hab auch das Gefühl, die Schwere des Schreibstils schwankt, je nach dem um wen es gerade geht.


    Ich bin mir auch nicht sicher, was die Fellowship-Zauberer genau für eine Rolle spielen sollen. Einerseits hab ich schon das Gefühl, dass sie die "Guten" sein sollen, andererseits scheint es ihnen aber egal zu sein wie viele Menschen als Folge ihrer Handlungen sterben, solange Athera nicht komplett entvölkert wird (ok, Menschen wachsen ja nach, aber trotzdem).


    Irgendwie sind die Bücher auch anders als das, was ich sonst so gelesen habe, auch wenn ich nicht ganz den Finger drauf legen kann, warum genau.


    Das Buch hatte allerdings einige Schreibfehler, am Anfang von wörtlicher Rede haben oft Anführungszeichen gefehlt, dann waren da Kommas mitten im Satz wo keine hingehören oder Worte großgeschrieben, die im englischen nicht großgeschrieben werden. Arithon wird auch einmal vom Master zum Mister of Shadow (und im nächsten dann wahrscheinlich zum Melker).

  • David Gemmell - Legend


    "Hmm..." - das ging mir eigentlich während dem Großteil des Buches durch den Kopf. Grundsätzlich gab es durchaus einige Punkte, die mir an dem Buch gefallen haben, allerdings gab es auch viele Aspekte, die einfach gar nicht gut waren, Aspekte, bei denen ich dachte, das Buch sei nicht besonders gut gealtert und kann heute einfach nicht mehr den "modernen" Anforderungen standhalten.


    Legend ist ein recht zielstrebiges Buch, mit teilweise interessanten Ideen, doch die Exekution lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig. Die Art, wie Gemmel plötzlich mitten im Satz die Perspektive von Charakter A zu Charakter B wechselt hat mir nicht gefallen und besonders die merkwürdigen, unnachvollziehbaren Charakterwendungen haben mich öfters mal ins Stocken gebracht.


    Die Handlung an sich, bzw. das Pacing ist teilweise auch etwas unausgewogen, da Gemmell an manchen Stellen verhältnismäßig lange verweilt und dann, wo es richtig spannend werden könnte gehts ruckzuck zu Ende..."A died, then B got slain, ah and C got killed like this, and D didn't make it either". Alles wichtige Charaktere einfach mal so nebenbei ohne Bezug zum vorherigen Abschnitt entsorgt. Über das Ende will ich gar nicht reden, das war wohl der billigste Rückzieher, den ich seit langem gelesen habe und das obwohl ich wenige Seiten zuvor noch wegen einer anderen Sache sehr positiv überrascht war.


    Auf der anderen Seite hatte Gemmell aber auch oft Dialoge, die mir richtig gut gefallen haben, vielleicht lag es auch an der Thematik, die diese behandelt haben, wo ich mir dachte, da steckt irgendwo doch Klasse drin; es gab einige Stellen mit tollem, trockenem Humor oder auch gut beschriebenen Duellszenen. Allerdings hatte ich immer während des ganzen Buches einen schmutzigen Schmuckstein vor Augen. Irgendwo da drin ist Gemmells Klasse, aber noch sehr unausgereift, roh und mit vielen Problemen behaftet.


    Das stellt mich nun allerdings vor eine kleine Zwickmühle. da mir die Stones of Power Reihe damals gut gefallen hat, bin ich eigentlich ein wenig davon ausgegangen, dass mir auch Legend vergleichsweise gut gefällt und damit gerechnet mir die nächsten Bände auch zu kaufen. Jetzt war Legend eher...enttäuschend. Da Legend allerdings Gemmells Erstlingswerk ist hatte er natürlich über die vielen Jahre danach die Chance, seine Schreibe zu verbessern, sodass mir eventuell andere Bände aus dem Drenai Zyklus gefallen könnten. Aber ich weiß noch nicht, ob ich das Risiko eingehen soll..


    Kennt jemand den Rest der Drenai Bände und kann etwas im Vergleich zu Legend sagen? Legend ist Gemmells gepriesenstes Werk, heißt das nun, dass sich die Qualität im Drenai Zyklus nicht bessert? Oder mindern sich die Schwächen, die dieser Band noch hat im Laufe der nächsten Bände - es wäre nicht der erste Autor bei dem man hört, man müsse bei den ersten Bänden die Augen etwas zudrücken, da es später dann richtig gut wird.


    Denn prinzipiell gefallen mir solche kleineren Einzelbände zwischendurch eigentlich ganz gut.


    Hmm...5/10, wenn auch eine schwache 5

    Mit Schirm, Charme und McClane


    ------

    And now the page before us blurs.

    An age is done. The book must close.

    We are abandoned to history.

    Raise high one more time the tattered standard

    of the Fallen. See through the drifting smoke

    to the dark stains upon the fabric.

    This is the blood of our lives, this is the

    payment of our deeds, all soon to be

    forgotten.

    We were never what people could be.

    We were only what we were.


    Remember us

  • Legacy of Ash - Matthew Ward


    Vor 15 Jahren führte Katya Trelan die Southshires als prophezeiter Phönix zur Rebellion gegen die Tressian Republic, wurde aber schnell besiegt. Seitdem wird ihr Volk von der Republik unterdrückt und ihre Kinder stehen unter permanentem Hausarrest. Ihr Sohn Josiri treibt ein gefährliches Spiel mit den Besatzern und denen, die immernoch rebellieren und ihre Tochter Calenne versucht alles um dem verhassten Schatten ihrer Mutter zu entfliehen.

    Jetzt ist allerdings der Prinz des verfeindeten Hadari-Imperiums mit einer Invasionsarmee unterwegs, um sich als neuer Imperator zu beweisen. Die Republik will dem Süden aber nicht helfen, bis auf Viktor Akadra, den Champion der Republik und Phönix-Schlächter der im Süden immernoch gehasst wird, und sein Freund Malachi.

    Und wärend Viktor versucht den Süden kampfbereit zu machen spinnt Ebigail Kiradin in Tressia ein Intriegennetz um die Republik wieder groß zu machen.


    Das Buch wird als Ward´s Debüt-Roman bezeichnet, obwohl er vorher schon Bücher geschrieben hat, auch wenn es 2 davon, die sogar in der selben Welt spielen, nichtmehr zu kaufen gibt. Merkwürdig.

    Auch wird das Buch mit GRRM verglichen und zwar nichtnur obligatorisch, wie jedes Fantasybuch heutzutage, sondern die Leute meinen das hier ernst. Ich seh das etwas anders. Nur weil das Buch viele POV´s hat und nicht jeder überlebt, als ob Martin da ein Patent drauf hat. Außerdem wechselt Ward im Kapitel per Absatz zwischen den Charakteren, was viele Fans von dem GRRRRRRRRRM ja garnicht leiden können, und es gibt POV´s die nur da sind um eine Sache zu beschreiben und dann sterben oder nichtmehr vorkommen. Ward schwelgt auch nicht in der Beschreibung von Vergewaltigung und Gewalt, wenn jemand lebendig verbrannt oder den Hunden vorgeworfen wird geschieht das off-screen. Auch in den Actioszenen ist der Anteil an Blut und abgehackten Körperteilen sehr gering. Allerdings sind Ward´s Charaktere auch nicht so empatisch, dass man ins Buch greifen und sie beschützen oder eigenhändig um die Ecke bringen will, das ist ja die größte Stärke von dem Typen der Tolkin sein R.R. geklaut hat.

    Manche Leute meinen auch, dass Ebigail so schlimm ist, dass sie Cersei Lannister tugendhaft aussehen lässt, das ist aber auch merkwürdig, Cersei kann ja eigendlich nicht viel und Ebigail betreibt keinen Inzest mit ihrem Bruder, sondern manipuliert, erpresst und mordet sich durch die Gegend. Tüpische Politikersachen also.


    Insgesammt mochte ich die meisten von Ward´s Charakteren und alle haben ihre Stärken und schwächen. Und so gut wie jeder im Buch spielt an mindestens einer stelle eine wichtige Rolle.


    Die erste Hälfte des Buchs ist Vorbereitung, dann gibt es die große Schlacht mit den Hadari und danach laüft der Rest der Handlung und das was aus der Schlacht entsteht auf zwei weitere Showdowns am Ende des Buchs hin. Der erste wirkt aber etwas schnell und plötzlich, was vielleich auch daran liegt, dass das Buch nur ein paar Tage lang ist und sich vieles etwas kurz anfühlt, und weil Ward eine wichtige Sache, die eine der Hauptpersonen tut, offen lässt, vermutlich für die Fortsetzung, obwohl er auf Goodreads sagt, dass das Buch auch eigenständig gesehen werden kann. Der zweite Showdown kommt auch etwas schnell und ist auch nur da um zukünftiges anzukündigen, was das Buch einem hier aber auch sagt.

    Das zweite Buch hat dann aber das Potential besonders dramatisch zu werden.


    Bei den Schlachtszenen ist Ward ganz gut, das kann Georgie ja nicht wirklich, aber an sein Vorbild Bernard Cornwell kommt er nicht ran.


    Der zweite Teil "Legacy of Steel" soll laut Amazon und Goodreads genau ein Jahr nach dem ersten, am 05.11.20 rauskommen. Es sei denn, der Verlag macht einen Strich durch die Rechnung, das Buch scheint ja kaum jemand zu kennen, ich selbst hab nur davon erfahren, weil John Gwynne es in einem Interview erwähnt hat.


    McClane:

    Zu Gemmell´s 2. Drenai-Roman wollte ich demnächst was schreiben, muss aber noch die letzten Seiten lesen.

  • @ Dassem:


    Danke für deine Gedanken zu Matthew Ward und Legacy of Ash - ich setz' das Buch mal auf meine (eh schon viel zu lange) Books-to-watch-Liste; es jetzt gleich zu kaufen macht nicht viel Sinn, da ich mein Budget eigentlich schon ausgereizt habe und hier sowieso noch viele ungelesene Bücher rumliegen. Aber interessieren tut mich der Band schon, weil erstens das, was du geschrieben hast, nicht schlecht klingt, und weil Ward zweitens in seinem Blog einen Beitrag über JMS und Babylon 5 geschrieben hat, dem ich nur voll und ganz zustimmen kann. (Wobei ... das ist immer so 'ne Sache mit Autoren, die Autoren mögen, die man selbst mag; manchmal schreiben die dann tatsächlich so, dass man sie auch mag ... und manchmal halt nicht ... :nixweiss:)


    @ McClane:


    Tja, schade ... (Das meine ich jetzt vor allem im Hinblick darauf, dass ich dir ein schöneres Leseerlebnis gewünscht hätte, und weniger weil dir ein Buch nicht gefällt, das mir gefällt; sowas gibt's immer mal.)


    Zu den meisten von deinen Kritikpunkten kann ich nicht viel sagen, denn es ist lange (= deutlich mehr als dreißig Jahre) her, dass ich Legend gelesen habe, und ich habe mir seither nur ab und zu nochmal ein paar Szenen angeschaut, aber das ganze Buch habe ich nur einmal - und das ziemlich kurz nach Erscheinen - gelesen. Ich weiß allerdings, dass mich die POV-Wechsel nie aus dem Lesefluss gerissen haben (was daran liegen könnte, dass ich nicht mit dem strikten personalen Erzählen, wie es GRRM z.B. extrem betreibt, aufgewachsen bin, sondern mit Büchern und Geschichten, die teils auktorial, teils personal erzählt wurden, d.h. irgendwelche Perspektivwechsel waren vergleichsweise normal); und ich weiß auch noch, dass ich mit den Figuren keine (oder wenig) Probleme hatte und manche Szenen einfach großartig fand. Oder auch die Brechungen der eigentlich ziemlich grimmigen Geschichte durch die gelegentlichen Humor-Einsprengsel. (Und dann war da natürlich noch Bowman. :biggrin2: Und Druss war auch einfach mal eine ganz andere Figur, als man sie in der Fantasy sonst zu sehen bekommen hat.*)


    Kaeferl hat Legend mal als Buch des Monats im Blog vorgestellt, und das, was sie schreibt, würde ich so ziemlich genauso unterschreiben. (Ach ja, und ich habe zu Gemmell anlässlich seines fünften Todestags auch mal was im Blog geschrieben, damals allerdings noch sehr knapp; zwei, drei Jahre später wäre der Beitrag vermutlich zwei bis drei Mal so lang geworden.:wacko:)


    Was weitere Gemmell- bzw. Drenai-Bände angeht, würde ich auf alle Fälle um den entstehungs- und ausnahmsweise auch handlungschronologisch nächsten Band The King Beyond the Gate einen Bogen machen, denn das ist einer der schwächeren - vielleicht sogar der schwächste - Drenai-Band. Da die "Drenai Saga" ja eh eigentlich keine Saga ist, sondern ein Flickenteppich aus durch das Setting und teilweise die Figuren verbundenen Einzelbänden, ist das auch kein Problem. Wohingegen Waylander, der übernächste Band, als einer der besten Drenai-Bände gilt (an den ich auch recht positive Erinnerungen habe); von daher würde ich wenn, dann mit Waylander nochmal einen Versuch machen.


    Oder du nimmst dir einen anderen Gemmell-Roman vor. Die beiden Bände um die Stones of Power sind 1988 erschienen, ein Jahr später ist mit Knights of Dark Renown ein Einzelband erschienen (der wohl auch in der Drenai-Welt spielt, aber keine Bezüge zur eigentlichen Drenai-Saga aufweist), der mir sehr gut gefallen hat, und 1991 ist der Parmenion-Zweiteiler erschienen, dessen erster Teil (Lion of Macedon) für mich immer noch der beste Gemmell-Roman überhaupt ist; der zweite Teil (The Dark Prince) ist - je nachdem, wie man eine bestimmte Entscheidung seitens des Autors bewertet - etwas oder deutlich schwächer (ich gehöre zur "etwas"-Fraktion :biggrin2:), enthält aber eine der großartigsten Szenen, die Gemmell je geschrieben hat (einen echten Yes!-Moment, sozusagen). Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass Gemmell Mitte/Ende der 80er Jahre seine Stimme so richtig gefunden hatte, seine Plots aber noch nicht so formelhaft waren, wie sie dann irgendwann später geworden sind (wobei es bestimmte Elemente in so ziemlich jedem Gemmell-Roman gibt).


    Und mal ganz unabhängig von irgendwelchen Qualitäten oder Mängeln von Plot und/oder Erzählweise - ich persönlich mag Gemmell nicht zuletzt, weil er fast so etwas wie ein Gegenentwurf zu diesem ganzen Grim&Gritty-Kram und dem dort häufig zu findenden Zynismus ist, denn seine Helden mögen gelegentlich "grau" sein, aber in ihrem tiefsten Innern glauben sie an das Gute - und sind bereit, für das Gute zu kämpfen. (Und ja, ich weiß, dass diese Aussage durchaus problematisch sein bzw. zu problematischen Ergebnissen führen kann; es liegt am Autor, die Welt oder die Geschichte so zu gestalten, dass es funktioniert.)


    * - fun fact: Druss als alternder Held war damals neu und ungewöhnlich - allerdings war er gar nicht ganz so neu; zwei Jahre, bevor Legend erschienen ist, hat Paul Edwin Zimmer (der Bruder von MZB) seinen Dark-Border-Zweiteiler (The Lost Prince und King Chondos' Ride) veröffentlicht, dessen eigentliche Hauptfigur Istvan di Vega, ein alternder Schwertkämpfer in den Sechzigern ist. (Und Harold Lamb und Khlit the Cossack ignorieren wir jetzt einfach, denn das war ja keine Fantasy. :smoke:)

    Beware the stories you read or tell; subtly, at night, beneath the waters of consciousness, they are altering your world. (Ben Okri)

  • Vor ein paar Monaten habe ich David Gemmels Der Schattenprinz (The King Beyond the Gate) gelesen und schrieb dazu:

    "Gemell ist so was wie der Heilige Gral der Heroic Fantasy, der das He in Heroic brachte. Mit Helden, die Heldenhaftes tun, weil sie Männer sind. Eine Verkürzung, mit der ich David Gemell aber Unrecht tun würde, denn seine Bücher sind mehr als nur romangewordene Frank-Frazetta- oder Luis- Royo-Bilder. Neben den Männern werden auch die Frauen deutlich vielschichtiger und ambivalenter dargestellt und agieren ebenso wehrhaft und heldenhaft. Wobei Gemells Heldentum ein zweischneidiges Schwert ist, für das die von den Helden geretteten einen hohen Preis zu zahlen haben."


    Mir hatte das Buch ganz gut gefallen, aber es wirkte alles schon sehr konstruiert. Ein kleine Streitmacht muss sich gegen eine Übermacht schlagen, und tut dies mit Rafinesse und Skrupellosigkeit. Legend und Waylander habe ich aber als besser in Erinnerung.

  • Threepwood: Danke für die ausführliche Rückmeldung und Einschätzung. Wie du sagst, dass Gemmell seine Stimme Mitte/Ende 80er gefunden und gefestigt hat und eben auch weitere Drenaibände in Folge erschienen sind, macht mir Mut auf "bessere" Leseerlebnisse in der Drenai-Welt über die späteren Bände. Das ist auch meine Vermutung, da ich ja schon einiges auch gesehen habe, das mir gefallen hat; nur eben das auch die Negativpunkte ziemlich präsent waren für mich. Und wenn er die über die Jahre minimiert hat, dann ist ja alles gut für mich. Also: benefit of the doubt...


    (Bei den Stones of Power würde ich sogar bis 5 Bände zählen (da die Jon Shannow Bände ja doch dazugehören, jedoch in ganz anderer/ Zeit bzw. anderem Setting))


    Die Blurbs der ganzen Drenai-Bände wecken bei mir auch tierisches Interesse die Geschichten zu lesen, demnach folge ich jetzt einfach mal deiner Empfehlung und überspringe KBtG und steige demnächst in Waylander ein. Sollte ich wirklich über die nächsten 1 - 2 Bände mit Gemmell nicht zufrieden sein im Drenai-Universum, werde ich zumindest da nicht mehr weiter lesen. In die anderen Empfehlungen schau ich dann ggf. mal rein :)


    Edit: @Pogo: Danke auch nochmal für den KBtG-Verweis. Der Band würde dann wenn überhaupt nur zur Vollständigkeit gekauft werden, sollte mir der ganze Rest gefallen.


    Gerade in so (zum Großteil) unabhängig voneinander spielenden Bänden, verknüpft meist nur durch die Welt, ist das hop oder top Prinzip ja eh stärker

    Mit Schirm, Charme und McClane


    ------

    And now the page before us blurs.

    An age is done. The book must close.

    We are abandoned to history.

    Raise high one more time the tattered standard

    of the Fallen. See through the drifting smoke

    to the dark stains upon the fabric.

    This is the blood of our lives, this is the

    payment of our deeds, all soon to be

    forgotten.

    We were never what people could be.

    We were only what we were.


    Remember us

    Edited once, last by McClane ().

  • @ McClane: Ich bin gespannt. ;)


    Ansonsten ... ja, klar, im Prinzip gehören die Jon-Shannow-Bände schon zu dem Zyklus um die Stones of Power dazu, aber da das Setting ein ganz anderes ist (denn Gemmells Post-Apokalypse vermittelt mir eher ein Westernfeeling statt dem neobarbarischen, das man sonst in diesem Setting häufig findet), unterscheide ich zwischen den beiden "Sub"-Zyklen dann halt doch noch mal. Und nur so nebenbei: im Parmenion-Zweiteiler spielen die Stones of Power auch eine Rolle ...

    Beware the stories you read or tell; subtly, at night, beneath the waters of consciousness, they are altering your world. (Ben Okri)

  • Der Schattenprinz - David Gemmell


    100 Jahre nach "Die Legende" werden die Drenai vom wahnsinnigen Kaiser Ceska regiert und Tenaka Khan, ein Nadir-Halbblut der sowohl vom Bronzegrafen als auch von Ulric abstammt, und die Überreste vom Orden des Drachen wollen ihn stürzen.


    Ich hab ja schon ein paar von Gemmell´s späteren Werken gelesen (z.B. Ritter dunklen Rufs und die Troja-Trilogie) und hatte bei "Die Legende" das Gefühl, eine Rohversion dieser Bücher zu lesen. "Der Schattenprinz" ist jetzt noch roher, hier fühlt sich alles so Mittelmäßig und unausgereift an.


    Im Internet meinten einige Leute, dass es so wirkt, als hätte Gemmell ein Seitenlimit für das Buch gehabt. Wenn das stimmt ist er wirklich nicht gut damit umgegangen. Das Buch hat im deutschen 410 Seiten, die ersten ca. 250 dümpelt es so vor sich hin, danach wird es etwas besser, wenn die Handlung konkreter wird und auf den letzten 50 Seiten passiert so viel, dass man auch 2-3mal so viele damit hätte füllen können.


    Ein paar der Charaktere haben gute Ansätze, aber bei den Ansätzen bleibt es trotz einiger Charakterszenen auch. Problematisch fand ich die Entwicklung von Tenaka gegen Ende. Die Liebesgeschichte ist nicht so grässlich wie im Vorgänger, aber auch merkwürdig. Ceska als Bösewicht hat auch keine Präsenz und nur 3 oder 4 Szenen.


    Auch die Action reißt nichts raus. Es wird zwar gerade gegen Ende viel gekämpft, aber die Kämpfe sind extrem kurz und es wird oft drübergeskipt. Ceska´s Bastarde, Mensch-Tier Kreutzungen, sind angeblich unbesiegbar, aber ein paar Seiten ins Buch besiegt eine der Hauptpersonen einen im Zweikampf. Die dunklen Templer sind das böse Gegenstück der Dreißig, welche auch wieder dabei sind, machen aber bis auf ein paar magische Mord- und Spionageversuche nichts. Allerdings gibt es durch sie eine Anspielung, dass "Ritter dunklen Rufs" in der Drenai-Welt spielt.


    Von den 8 Gemmell´s, die ich bisher gelesen habe, ist das eindeutig der Schwächste.

  • Ian C. Esslemont - Path to Ascendancy 1 -3


    Ich hatte ja zwischenzeitlich, während ich Deadhouse Landing gelesen hatte schon angekündigt, dass ich PtA als komplette Trilogie reviewen werde und nicht jeden der 3 Bände alleine und da ich nun Kellanved's Reach beendet habe, ist das nun auch der Fall.


    Es ist so viel passiert, es gab so viele neue und auch alte Charaktere, dass ich mir große Inhaltsangaben und PoV-Zusammenfassungen sparen möchte und nur die herausstechendsten Themen besprechen werde. Ansonsten gäbe es wohl 3 riesige Abhandlungen hintereinander und das muss ja nicht sein ^^


    Wie sich schon bei Dancer's Lament angekündigt hat, ist ICE von Band 1 an, auf gutem Weg gewesen sein bislang bestes Werk abzuliefern und das hat er auch getan. Insgesamt unterscheidet sich meine Einschätzung aber glaube ich etwas von der Masse, da ich Band 1 am schwächsten fand und nicht Band 3.


    Prinzipiell wird die Trilogie als Dancer's und Kellanveds Aufstieg zur Macht gepitcht...was es gewissermaßen auch ist, aber - und das ist mein großer Kritikpunkt an dieser Trilogie wie auch allen anderen Bänden von ICE: oftmals ist der Fokus auch auf Charakteren und Plots die sehr stark auf ICE's Charaktere einzahlen (Crimson Guard und andere Nebenfiguren, die sonst kaum bis gar keine Rolle spielen) und die reißen mich einfach nicht wirklich mit. Return of the Crimson Guard war damals für mich ein schöner Schwenk in eine von Mysterien umwobene Gruppe an besonderen Kämpfern, was damals für einige Zeit mein Lieblingsbuch des Co-Authors war. Die anderen Bände haben es jedoch nicht geschafft, mich wirklich um die Personen sorgen zu lassen. ICE hat es nie geschafft, mir Jubelsprünge zu entlocken, wenn plötzlich Kyle, Shimmer, etc. in den alten Bänden aufgetaucht sind und auch ein Greymane in Stonewielder war für mich nicht "interessant" genug geschrieben. Von Blood and Bone und Assail mal ganz zu schweigen...


    Und genau darunter leidet für mich besonders Dancer's Lament: Das Zusammenspiel der zwei "Helden" ist sehr sehr gering. Wenn es stattfindet ist es das absolute Highlight, wie erwartet, aber Dancer alleine wurde zum Teil (zumindest in der ersten Hälfte des Buches) etwas repetitiv. Und die PoVs von Iko und Silk haben für mich nicht viel getan. Die zweite Hälfte von Dancer's Lament hat dann schön angezogen, was den Band dann für mich etwas besser gemacht hat, als meine vorherigen Favoritenbände von ICE (RotCG und OST).


    Deadhouse Landing war dann full-on Dancer/Kellanved comedy gold. Ich weiß nicht, wann ich das letzte mal so oft so herzhaft bei einem Buch gelacht habe und auch das Zusammenspiel der alten Garde ist einfach herrlich (Urko als Koch!). Und hier sieht man auch einige Charaktere mal ordentlich auf den Putz hauen - und um ehrlich zu sein hat mich die Herkunftsgeschichte eines besonderen Magiers ganz besonders überrascht.


    Kellanved's Reach fällt für mich etwas dazwischen. Wieder ein paar PoVs von...am Ende doch bekannten Charakteren, die zwar für mich völlig okay sind, aber ich mir einige der vielen vielen Plotstränge des Bandes hätte sparen können und mir mehr Fokus auf K&D gewünscht hätte. Wobei ich auch finde, dass die beiden mehr Screentime haben, als so manches Review im Internet glauben macht.


    Kellanved's Reach ist sehr plotgetrieben, so stark, dass ich fand, dass ICE einfach extrem viele Punkte hier einfach abhaken wollte...von der Einführung mancher Charaktere, deren Erhalt ihres Spitznamens, Meilensteine zur Ascendancy der Titelhelden (wie geil war denn bitte der Teil mit Jadeen oder der Nutzung der neuen, kleinen Armee?). Außerdem gibt es einige "Randnotizen" oder Umwege um zu zeigen, dass der ein oder andere Gott schon stark seine Finger im Spiel hat und und und. Also viel zu viel für das kürzeste Buch der Reihe. Hätte man 200 Seiten von Seitenplots gestrichen und dafür 200 Seiten mehr K&D ausgefleischt...oder sogar noch mehr draufgelegt und dem ganzen etwas mehr Zeit gegeben wäre es für mich fast auf Par mit Deadhouse Landing. So fällt es zwischen Band 1 und 2.


    Insgesamt merkt man aber auch, dass ICE einfach die emotionalen Momente nicht so im Griff hat. Es gab einige Stellen, an denen er wirklich extrem emotional hätte werden können (besonders Band 1 und 2) und beides mal fielen die Momente recht flach. Da hat ICE noch Verbesserungspotential.


    Eine Sache, die schon seit Reaper's Gale klar ist, man sich aber mittlerweile wirklich an die Wand pinnen muss: The timeline doesn't matter! Wer sich versucht da was schön zu reden oder zu erklären, wird ganz schön ins Schwitzen kommen. Auch in der Trilogie wirft ICE mMn jeglichen Sinn und Verstand einer möglichen Timeline etwas aus dem Fenster (wenn nicht vieles irgendwie in Folgebänden wegerklärt wird).


    Alles in allem also eine tolle Trilogie, definitiv ICE's bestes Werk und ich hab Lust auf The Jhistal

    Dancer's Lament 6,5+

    Deadhouse Landing 8,5+

    Kellanved's Reach 7

    Mit Schirm, Charme und McClane


    ------

    And now the page before us blurs.

    An age is done. The book must close.

    We are abandoned to history.

    Raise high one more time the tattered standard

    of the Fallen. See through the drifting smoke

    to the dark stains upon the fabric.

    This is the blood of our lives, this is the

    payment of our deeds, all soon to be

    forgotten.

    We were never what people could be.

    We were only what we were.


    Remember us

  • @ McClane:


    Ha, jetzt sind wir uns mal wieder so ziemlich einig (wobei ich einschränkend sagen muss, dass ich Kellanved's Reach noch nicht richtig gelesen habe, weil ich das Buch irgendwie ... äh ... verlegt habe :nixweiss:), aber ich denke, dass ich zu einer ähnlichen Einschätzung kommen werde, wenn ich PtA ganz gelesen habe. Denn das, was du zu den Figuren sagst, ist auch einer meiner Kritikpunkte an Esslemont. Oder andersrum: Steven gehört zu den Autoren, die - vielleicht noch nicht von Anfang an, aber von Band zu Band mehr - in der Lage sind, Figuren mit wenigen Strichen zu umreißen und doch so plastisch werden zu lassen, dass man emotional mit ihnen verbunden ist. (Ich habe das mal mit einem meiner Lieblingscomiczeichner verglichen, der auch die Gabe des "Weglassenkönnens" besitzt und dessen Bilder trotzdem mehr Atmosphäre und Kraft haben als die vieler seiner detailverliebten Kollegen.)


    Esslemont ist mMn nicht der Autor, dem es leicht fällt, glaubhafte / wirklich interessante Figuren zu entwerfen (was er - wiederum nur mMn - mit vielen "Gastauftritten" bereits eingeführter Figuren zu kompensieren versucht; leider wirken aber auch die bei ihm fast immer deutlich blasser als bei Steven), und er ist halt auch kein so guter Erzähler wie Steven (was nicht verwunderlich ist, denn Letzterer ist nunmal ein großartiger Erzähler).


    Andererseits - und da bin ich ebenfalls ganz bei dir - sind Dancer's Lament und Deadhouse Landing ohne wenn und aber die beiden besten bislang erschienenen Esslemont-Romane (womit man vor allem nach Blood and Bone und Assail jetzt nicht unbedingt rechnen konnte), in denen er seine Schwächen besser kaschiert als sonst (auch wenn ich mich trotzdem manchmal gefragt habe, was Steven wohl aus der einen oder anderen Szene gemacht hätte), und sie sind bzw. wären vermutlich auch ein guter Einstieg ins Malazan-Universum. Von daher werde ich mich demnächst dann doch mal ernsthaft auf die Suche nach Kellanved's Reach machen und nach der Lektüre hoffentlich ebenfalls positiv gestimmt dem Erscheinen von The Jhistal entgegensehen. (Vorher hätte ich allerdings gerne noch The God Is Not Willing ... :biggrin2:)



    @ Dassem:


    Das deckt sich ziemlich gut mit meinen Erinnerungen an The King Beyond the Gate aka Der Schattenprinz ... oder eher Nicht-Erinnerungen, denn außer dem Namen der Hauptfigur sind bzw. waren da kaum noch Details bei mir vorhanden. Ich denke, Gemmell hat da einfach stark unter dem Zweites-Buch-Syndrom gelitten. Soll heißen: Viele Autoren und Autorinnen haben Probleme mit dem zweiten Buch; für das erste Buch hatten sie viel Zeit, da konnten Ideen reifen, Passagen umgeschrieben, ganze Konzepte über den Haufen geworfen werden. Außerdem besteht zum ersten Buch meist eine besondere innere Verbindung (die bei Gemmell eingedenk der Vorgeschichte von Legend ganz bestimmt besonders groß war).


    Für das zweite Buch existiert dann aber plötzlich ein Vertrag, es gibt einen Abgabetermin etc.pp,. d.h. die Situation ist eine völlig andere als beim ersten Buch, das irgendwo zwischen Hoffen und Bangen im stillen Kämmerlein geschrieben wurde, überspitzt gesagt. So gesehen überrascht es mich nicht, dass TKBtG ein vergleichsweise schwacher Roman ist (mit dem Gemmell wohl auch große Probleme hatte; ich meine mich an eine diesbezügliche Aussage in einem Interview zu erinnern); umso beeindruckender ist, dass er schon mit dem nächsten Roman (Waylander) mMn erzählerisch einen großen Schritt nach vorn gemacht und eine Phase eingeleitet hat, in der etliche seiner besten Romane erschienen sind.

    Beware the stories you read or tell; subtly, at night, beneath the waters of consciousness, they are altering your world. (Ben Okri)

  • A Time of Dread - John Gwynne


    Da das Buch ca. 135 Jahre nach "The Fateful and the Fallen" beginnt, muss ich etwas auf das Ende der Vorgängerreihe eingehen.


    Quote

    He liked to do things the way he was told the first time, didn’t like change.


    Seit der großen Schlacht am Ende von "Wrath" herrschen die Ben-Elim mit gnadenloser Tyrannei ähm Gerechtigkeit und ihrer zwangsrekrutierten sterblichen White-Wing-Armee über einen großen Teil der Banished Lands und versuchen die noch lebenden Kadoshim auszurotten, die sich seit Jahren verdächtig ruhig verhalten.


    Die Riesin Sig ist Mitglied im von Corban gegründeten Order of the Bright Star und jagt Kadoshim, wobei sie auf Menschenopferungen stößt.


    Der Trapper Drem lebt mit seinem Vater weit im Norden wo es durch neue Zugezogene immer unfreundlicher wird und immer mehr Menschen verschwinden.


    Riv will ein White-Wing werden, aber ihre Aggressionsprobleme machen ihr immer wieder einen Strich durch die Rechnung.


    Bleda ist ein Sirak-Prinz, der als Mündel der Ben-Elim in Drassil lebt, seit seit sein Stamm mit Gewalt zum Frieden gezwungen wurde.


    Eigentlich wollte ich noch warten und die Reihe in einem Rutsch durchlesen, aber dann musste ich ins Krankenhaus und da sind elektronische Bücher viel praktischer.

    Das Buch hat große Ähnlichkeiten mit Gwynne´s Debut "Mallice", da Gwynne sich selbst größtenteils treu bleibt (im Gegensatz zu Brian McClellan der sein Konzept ja für seine Nachfolgereihe geändert hat), auch wenn es 150 Seiten kürzer ist, was man auch merkt. Er schlägt hier aber von Beginn ein etwas höheres Tempo an, auch weil diesmal niemand erst erwachsenwerden und eine Ausbildung durchlaufen muss. Bei den neuen Charakteren kann man ein paar Paralellen zu den alten ziehen, gerade bei Drem und Corban, was aber vermutlich auch daran liegt, dass Corban auf Gwynne´s ältesten und Drem auf seinem zweitgeborenen autistischen Sohn basiert. Das ist vermutlich auch der Grund warum Drem´s Vater ein guter Vater ist, die scheinen in (Fantasy)Büchern ja ehr selten zu sein, auch wenn er zu viele Geheimnisse vor seinem Sohn hat.

    Aufgrund der großen Zeitspanne zwischen den Reihen sind die alten menschlichen Charaktere schon lange tot, es gibt neben Sig aber noch 3 Riesen aus der alten Reihe, allerdings spielt keiner von denen wirklich eine Rolle, sogar der, der einer der wichtigsten Nebencharaktere war.

    Auch Bleda wirkt ehr wie ein Anhang in Riv´s Handlungsstrang. Er hat teoretisch eigene Dinge, aber die sind sehr nebensächlich.

    Da es in diesem Buch keine böse Perspektive gibt kommen die Ereignisse am Ende nicht nur für Drem und Riv sondern auch für den Leser ziemlich aus dem Nichts.

    Das Buch ist auch "friedlicher", es gibt zwar einige Kämpfe und Tote aber es gibt höchstens eine Szene, die man als Schlacht bezeichnen könnte, in Gwynne´s anderen Büchern krachts in größeren Ausmaßen, aber wenn man sich das Ende anschaut, kommt das bestimmt im 2. und 3. Teil.


    Ich glaube, das klingt jetzt ehr negativ, aber ich fand das Buch etwas besser als Mallice, wenn auch nicht ganz so gut wie Valor, Ruin und Wrath.



    Waylander - David Gemmell


    Im chronologisch Ersten Drenai-Roman geht es um Waylander den Schlächter, der der berüchtigste Attentäter ist, seit seine Familie von Banditen ermordet wurde und er sie blutig gerächt hat. Entgegen seiner Instinkte hat er für den vagrischen Kriegsherren Kaem den König der Drenai getötet, woraufhin er natürlich von Kaem betrogen wurde und nun selbst sterben soll, während die Vagrier in Drenai einfallen und das Land systematisch entvölkern.

    Als Waylander den Priester Dardalion rettet setzen sich Ereignisse in Gang, die ihm die Changse geben die Ermordung des Königs wieder gut zu machen, indem er die Bronzerüstung findet und den Drenai bringt, während die Drenai-Truppen versuchen die Vagrier bei der Belagerung der Festung Dros Purdol festzunageln.


    So, das Buch ist eine deutliche Steigerung gegenüber seiner Vorgänger, Gemmell hat sich hier wirklich ein Upgrade verpasst und ist ehr auf dem Niveau seiner späteren Werke (auch wenn ich Ritter dunklen Rufs und die Troja-Trilogie noch ein Stück besser fand).

    Wobei das vielleicht auch daran liegt, dass Waylander selbst ein viel interessanterer Charakter ist als die Hauptpersonen aus den anderen beiden Drenai-Büchern, hervorgestochen ist da ja nur Druss. Waylanders auftreten, gerade in seinen Action-Szenen erinnert ehr an einen Western, in ein paar Szenen könnte man denken dass man es mit einer Fantasyversion der Dollar-Filme zu tun hat.

    Etwas merkwürdig ist nur, dass der Grund für einen Teil von Waylander´s Charakterentwicklung DIE QUELLE (ja, das wird im Buch immer groß geschrieben, zumindest in meiner Version, von Bastei Lübbe mit Arnold Schwarzenegger auf dem Cover), also Magie ist. Andererseits spielt der Kampf zwischen DER QUELLE und dem Chaosgeist, was auch immer das genau ist, eine große Rolle, Kaem und seine Truppen sind alle Chaos-Anhänger, die dunkle Bruderschaft sind die dunklen Templer aus dem Vorgänger mit anderem Namen, spielen aber eine größere Rolle, die Dreißig sind auch wieder dabei, aber diesmal wird ihre Entstehungsgeschichte erzählt. Kaem hat auch deutlich mehr Präsenz als 2-Szenen-Cezka und man erfährt mehr darüber was ihn antreibt als nur "er ist halt verrückt". Die Nadir kommen auch wieder vor, wirken aber ehr angeklebt und unnötig, nach dem Motto "es ist ein Drenai-Buch, da müssen die Nadir vorkommen".

    Die erste Hälfte ist wieder Einführung, aber das Buch ist dabei viel dynamischer. Bei der Belagerung wird wieder einiges übersprungen, das funktioniert hier aber besser, nur ist es zwischendurch unklar wie schlecht es genau um die Belagerten steht, bis es auf den letzten 70 Seiten wirklich ernst wird. Das Ende kommt dann allerdings sehr plötzlich und, obwohl klar ist wie das Buch enden wird, wirkt es wie ein Deus-Ex-Machina, irgendwie scheint Gemmell einen Hang zu solchen Szenen zu haben. Ein paar Seiten mehr währen hier besser gewesen. Die Drenai-Soldaten-Charaktere kommen dezent zu kurz. Es gibt auch wieder eine Liebesgeschichte, die ist aber auch besser gelungen, und auch nicht auf den 1-2 Blick sondern den 5-6, wobei der Sprung von Abneigung zu Liebe dann doch etwas schnell geht. Naja, ich wusste ja, dass Waylander in seinem 2. Buch eine Tochter hat, die muss ja irgendwo herkommen.


    Jetzt hab ich tatsächlich ein Buch von Gemmell und eins von seinem modernen geistigen Nachfolger quasie paralell gelesen.

  • Für mich war Waylander auch eine Steigerung zu Legend, allerdings hat es mich immer noch nicht wirklich mitgerissen, da haben mich die Stones of Power Bände doch alle mehr begeistert.

    Die Punkte, die du erwähnst haben mich auch gestört. Gerade die extrem schnellen Enden, die für mich völlig irrsinnig waren und schon alleim vom Timing her nicht funktionieren können, sind mir etwas sauer aufgestoßen. Die "Romanze" war definitiv besser, wenn auch noch etwas heavy-handed, genauso wie die vielen Gesinnungswechsel aus dem Blauen. Ich verstehe die Thematik, die Gemmell damit anscheidet, aber für mich ist es doch zu unglaubwürdig alles...


    Da ich aber Waylander mit einem noch offenen Gutschein gekauft habe, hab ich die zwei Folgebände auch noch direkt mitbestellt, um den Restwert aufzubrauchen...mal schauen, vielleicht begeistern die mich mehr...wenn nicht, endet meine Gemmell-Drenai-Reise hier definitiv...


    P.S.: Dass die Quelle im Buch groß geschrieben wird, ist auch interessant - im Original ist das nicht der Fall.

    Mit Schirm, Charme und McClane


    ------

    And now the page before us blurs.

    An age is done. The book must close.

    We are abandoned to history.

    Raise high one more time the tattered standard

    of the Fallen. See through the drifting smoke

    to the dark stains upon the fabric.

    This is the blood of our lives, this is the

    payment of our deeds, all soon to be

    forgotten.

    We were never what people could be.

    We were only what we were.


    Remember us

  • Haus der tausend Welten von T. S. Orgel.


    Eine gelungene Mischung aus Gauner-Fantasy á la "Locke Lamora" und Abenteuer-Fantasy wie Fafhrd und der Graue Mausling,, mit einer ausreichenden Prise Sens of Wonder und Spannung, ohne dabei die Figurenentwicklung zu vernachlässigen.


    In der Bergstadt Atail, die von magischen Siegeln künstlich warm gehalten wird, gibt es das mythenumrankte Haus der aufgehenden Sonne. Ein riesiges Gasthaus, dessen oberen Stockwerke Magie und Schätze beherbergen soll, die aber seit Jahrhunderten niemand mehr betreten (und wenn, dann nicht wieder verlassen) hat. Doch eine Truppe von Straßengaunern, die kriminelle Wirtin des Hauses und ein paar andere geheimnisvolle Personen machen sich auf den gefährlichen Weg, die Geheimnisse des Hauses zu ergründen.


    Zunächst einmal möchte ich festhalten, wie sehr ich abgeschlossene Einzelromane in der Fantasy schätze. Die Story hier ist perfekt dafür, auch wenn das Buch etwas zu lang geraten ist. Das hätte man auch gut auf unter 500 Seiten erzählen können. Trotzdem hatte ich meinen Spaß mit dem Roman. Die Figuren sind gut ausgearbeitet, die Locations werden sehr stimmungsvoll beschrieben und das Haus selbst hält genügend Sens of Wonder bereit, um meinen Abenteuergeist zu wecken.


    Ein paar Kritikpunkte gibt es aber durchaus:


    A) die Länge. Nach ca. 450 Seiten hätte die Geschichte für mich gut enden können. Hier und da wirkt sie für mich zu sehr in die Länge gezogen, als wolle oder müsse man (fürs Marketing) unbedingt einen dicken Fantasyschinken produzieren, obwohl die epische Länge für diese Art von Geschichte überhaupt nicht erforderlich ist.


    B) Die Live-Die-Repeate-Sequenzen habe ich als dramaturgische Schummelei empfunden. Die im Finale auch noch verpufft, weil man sie vom ersten Moment ahnt und weiß, dass alles, was auf den folgenden Seiten passiert, wieder annulliert wird. Hat nicht ins Gesamtkonzept des Buchs gepasst. Zumindest für mich nicht.


    Ansonsten hatte ich aber großen Spaß mit dem Buch, das eine solche Gauner-Einbruchsgeschichte mit einer größeren Hintergrundstory gekonnt verbindet. Die Orgelbrüder schreiben schön auf den Punkt und bekommen die richtige Balance aus atmosphärischen Beschreibungen und dem Vorantreiben der Handlung hin, während alles gut durchgeplant wie aus einem Guss wirkt.

  • David Gemmell - Quest for Lost Heroes


    Nachdem mich die ersten beiden Drenai-Bände, die ich gelesen hatte nicht sonderlich überzeugt hatten (wenn auch Waylander etwas besser war wie Legend, für mich) war ich recht überzeugt davon, dass Quest for Lost Heroes und In the Realm of the Wolf die letzten Bücher werden, die ich hier lese und auch nur deswegen, weil sie kurz sind und ich sie mir im Bündel über einen Gutschein geholt hatte.


    Dennoch muss ich sagen, ist Quest for Lost Heroes für mich das mit Abstand beste Buch bislang.


    Zur Story muss man nicht viel sagen: eine Bauersfrau wird von Nadir-Soldaten gekidnappt und als Sklavin immer weiter verkauft, bis sie fast unerreichbar weit weg zu sein scheint. Kiall, ein Dorfbewohner, der sie geliebt hatte, obwohl sie an ihm nicht interessiert war schafft es eine Gruppe an legendären Söldnern zu überzeugen, die Frau mit ihm zu verfolgen. Was folgt ist eine klassische save-the-girl Queststory, die aber dennoch durhaus Spaß macht.


    Was mich hierbei mehr überzeugt hat als bei den anderen Büchern, war keineswegs die Action oder Story an sich, sondern die Charaktere, die mir zum ersten Mal in der Drenai-Saga wirklich lebendig vorkamen. zum ersten Mal habe ich wirklich mitgefiebert, gelacht und war auch emotional eingespannt. Damit hätte ich nach Legend und Waylander eigentlich nicht mehr gerechnet.


    Die Story ist auch die bislang kürzeste, Längen kommen keine auf, auch wenn die Geschichte hier und da immer mal wieder sehr merkwürdige Sprünge macht. Ab und zu war das schon sehr ... eigen. Und auch die Motivationen mancher Charaktere sind nicht wirklich nachzuvollziehen - ich weiß nicht, ob Gemmell daran nochmal gearbeitet hat in Folgebüchern, aber das ist ein klares Manko.


    Was ich etwas schade fand, auch wenn es keinen großen Einfluss auf das allgemeine Verständnis der Story hatte war, dass sehr viel Bezug auf "King Beyond the Gate" genommen wird und ich das Buch ja zuvor übersprungen hatte. Hätte ich das gelesen, wären mir die ein oder anderen Verbindungen und Hintergrunde vielleicht noch plastischer vor Augen gewesen - auch wenn ich so alles an der Geschichte verstanden habe.


    Alles in allem also das beste Buch bislang für mich - wenn Gemmell also in der Manier weiter macht, könnte ich mich doch noch mit mehr Büchern anfreunden. Das nächste scheint aber erst einmal in Waylanders Zeit zu spielen, also mal abwarten.


    Mit der Wertung bin ich mir noch nicht ganz schlüsig, demnach wohl eine sehr seltene Zwischenwertung: 6,75 / 10 (einfach wieder auch inkl. Abzug für das viel zu schnelle, simple Ende).

    Mit Schirm, Charme und McClane


    ------

    And now the page before us blurs.

    An age is done. The book must close.

    We are abandoned to history.

    Raise high one more time the tattered standard

    of the Fallen. See through the drifting smoke

    to the dark stains upon the fabric.

    This is the blood of our lives, this is the

    payment of our deeds, all soon to be

    forgotten.

    We were never what people could be.

    We were only what we were.


    Remember us

  • Danke für diese Einschätzung. Bisher habe ich nur die ersten drei Bände der Drenai-Saga gelesen. Und da mir diese besser gefallen haben als dir, werde ich demnächst mal mit Quest for Lost Heroes weitermachen. Deine Behaarlichkeit finde ich aber erstaunlich. Nach zwei durchwachsenen Leseerfahrungen hätte ich schon das Handtuch geworfen.

  • Gemmell hat bei mir noch den Vetrauensvorschuss durch die Stones of Power Reihe, die mir gut gefallen hat, daher habe ich gehofft, dass er das Level irgendwann erreicht und mit QfLH ist er nahe dran.


    Aber ich denke nach In the Realm of the Wolf, den ich wohl in 2 Wochen lese, werde ich so oder so eine Drenai-Pause einlegen. Dann wird sich zeigen, ob ich nochmal zurückkehre -;) aber da die Bücher sehr klein und schnell zu lesen und auch keine zusammenhängende Reihe per se sind, ist es einfacher für mich irgendwann einfach nochmal eins zwischen zu schieben..

    Mit Schirm, Charme und McClane


    ------

    And now the page before us blurs.

    An age is done. The book must close.

    We are abandoned to history.

    Raise high one more time the tattered standard

    of the Fallen. See through the drifting smoke

    to the dark stains upon the fabric.

    This is the blood of our lives, this is the

    payment of our deeds, all soon to be

    forgotten.

    We were never what people could be.

    We were only what we were.


    Remember us

  • Peter McLean – Priest of Bones


    Peaky Blinders mit Fantasy wird sich Peter Mclean gedacht haben, als er die Idee zu Priest of Bones hatte, und übernimmt manche Figuren und Konstellationen fast schon 1:1 (Jochan = Arthur usw). Trotzdem funktioniert die Geschichte um Tomas Piety und seine Pious Men, die nach dem Krieg zurück in die Heimatstadt Ellinburg kommen, und sich ihre Geschäfte (Bordelle, Kasinos usw.) zurückerobern, während es noch eine größere Bedrohung bzw. Verschwörung abzuwenden gilt.


    Hat mir ganz gut gefallen, liest sich nie langweilig, ist aber auch kein Pageturner. Denn dafür passiert zu wenig. Ich hatte nie das Gefühl, dass da wirklich viel für Tomas Piety und seine Männer auf dem Spiel steht. Keine der Hauptfiguren schwebt in großer Gefahr (und wenn, erfährt man erst im Nachhinein davon, wenn die Person sich schon wieder in Sicherheit befindet, wie nach dem Überfall auf die Tante), bei den Kämpfen mit anderen Banden sterben meist nur namenlose Redshirts. Piety gelingt alles viel zu glatt. Nie geht was schief. Selbst die Gegenschläge der Feinde wirken eher wie leichter Vandalismus. Da hätte der Autor stärker an der Dramaturgieschraube drehen müssen. Bei Peaky Blinders steht nämlich immer was auf dem Spiel und Hauptfiguren sterben.


    Auch der Weltenbau ist sehr zurückgefahren. Man erfährt hauptsächlich was über die Stadt und die Männer und Frauen der Truppe. Worum es in dem Krieg ging, aus dem sie zurückkehren und gegen wen genau der geführt wurde, bleibt schwammig. Ein paar andere Länder werden erwähnt, aber nie weiter ausgeführt.


    Auch sind die Aktionen der Pious Men immer recht eintönig. Sie stürmen halt die Häuser der Feind und schlachten sie ab. Was immer alles recht schnell vonstattengeht. Selbst bei Übernahme des Kasinos, wo der Feind an Schlagkraft überlegen ist, und sie sich was einfallen lassen müssen, kleben sie sich falsche Bärte an, erschleichen sich so Zugang und kloppen dann wieder einfach drauf lost. Da fehlt die Raffinesse von Heists in Romanen wie Die Lügen des Locke Lamora.


    Dass mir das Buch trotzdem noch ganz gut gefallen hat, liegt vor allem am Tonfall des Ich-Erzählers Tomas Piety, der von Übersetzer Jochen (nicht Jochan) Schwarzer gut ins Deutsche übertragen wurde. Der passt einfach zu dieser Figur des Straßengauners, der aber eigentlich ein anständiger Mann ist oder sein will. Auch wenn er sich selbst in seiner Erzählung schon fast als Säulenheiligen darstellt, als Fürst, der seine Straßen beherrscht und für Wohlstand und Sicherheit der Bewohner sorgt (während doch irgendwie die halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt wird).


    Die zweite große Stärke des Romans ist die Ausarbeitung von einigen der Hauptfiguren, die sehr vielschichtig und lebendig daherkommen, in Sachen Kriegs- und Kindheitstraumata. Insgesamt liest sich der relativ kurze Roman mehr wie ein Setup für die eigentliche Geschichte, die dann wohl in Band 2 folgt. Den ich auf jeden Fall auch lesen werde. Direkt nach Zuklappen des Buches hätte ich 7/10 Punkten gegeben, nachdem ich aber etwas intensiver darüber nachgedacht habe, gebe ich nur 6/10.

  • Leviathan Wakes - James S. A. Corey (Daniel Abraham und Ty Frank)


    Quote

    .

    The mud caked around the reactor had structure to it like nothing she’d seen before. Tubes ran through it like veins or airways. Parts of it pulsed. Not mud, then. Flesh. An outcropping of the thing shifted toward her. Compared to the whole, it seemed no larger than a toe, a little finger. It was Captain Darren’s head. “Help me,” it said.

    Vor einiger Zeit hab ich mich ja schonmal weniger positiv über das Buch geäußert, allerdings hat es mich seitdem immer wieder gestört, dass es mir damals nicht gefallen hat. Da ich eh vorhatte, Abraham´s Fantasybücher auszuprobieren, hab ich mit dem Gedanken gespielt, der Reihe nochmal eine Chance zu geben und da der letzte Band angeblich dieses Jahr erscheint und ich das Gefühl hatte, wieder in ein Lesetief zu geraten und Gero beim letzten Mal einen Genrewechsel empfohlen hatte, dachte ich mir ich versuchs nochmal.


    Mysteriöserweise hatt es mir diesmal deutlich besser gefallen. Holden ist zwar immernoch ein Idiot, hat mich aber längst nicht so sehr gestört wie beim letzten mal. Die Stellen, die ich damals als Längen empfunden hatte sind sehr kurz, oder kürzer als in meiner Erinnerung.

    Bei Eros fehlte jetzt der Überraschungseffekt, weshalb es sich nichtmehr ganz so gewaltig angefühlt hat, aber es ist immernoch so, dass der "große Knall" in der Mitte des Buchs passiert und auch das Ende da nicht ganz rangekommen ist. Vielleicht ist das aber auch positiv, da sich beim ersten lesen alles nach Eros (so weit ich gekommen bin) irgendwie lahm angefühlt hatte.


    Die Frage ist jetzt, wieso es mir diesmal gefallen hat. Ich hatte überlegt, ob ich damals vielleicht schlecht drauf war, aber ich bin jetzt schlecht drauf. Andererseits hatte ich vielleicht überzogene Erwartungen. Dass ist schon warscheinlicher, da ich nach allem was ich gehört hatte mit einer Art Mix aus Babylon 5 und Mass Effekt gerechnet habe (wobei ich den Vergleich inzwischen ganz passend finde). Aber ich bin in der Vergangenheit schon mit gewaltigen oder falschen Erwartungen an Bücher rangegangen die mir trotzdem gefallen haben und ich bin jetzt nicht so engstirnig, dass ich ein Buch verurteile wenn es nicht genau das ist was ich im Vorfeld gedacht habe (glaub ich zumindest).

    Da ich gehört hatte, dass die beiden Autoren sich die POV-Charaktere aufteilen und Holden in allen Büchern von Ty Frank geschrieben wird und Miller von Abraham und mir die Miller-Kapitel besser gefallen haben, hatte ich vermutet, dass Abraham vielleicht einfach der bessere Autor ist. Inzwischen hab ich aber rausgefunden, dass diese Aufteilungssache so garnicht stimmt, da die beiden zwar Kapitel für "ihre" Charaktere schreiben, sie dann aber dem anderen geben der sie dann überarbeitet und Abraham meint, man könnte nicht unterscheiden, von wem welcher Satz stammt.



    Caliban´s War - James S. A. Corey (Daniel Abraham und Ty Frank)


    Quote

    The figure chasing the six UN Marines wasn’t wearing an environment suit. Nor was it, properly speaking, human. Its skin was covered in chitinous plates, like large black scales. Its head was a massive horror, easily twice as large as it should have been and covered in strange protruding growths. But most disturbing of all were its hands. Far too large for its body, and too long for their width, they were a childhood nightmare version of hands. The hands of the troll under the bed or the witch sneaking in through the window. They flexed and grasped at nothing with a constant manic energy.

    Auf Ganymede werden die masianisch Marine Bobbie von einem Protomolecule-Monster angegriffen, dass ihr Team abschlachtet und einen neuen Konflikt zwischen Erde und Mars erzeugt.

    Holden und Co. werden von der OPA geschickt um herauszufinden was hinter dem Angriff steckt und stoßen auf den Wissenschaftler Prax, dessen Tochter entführt wurde.

    Auf der Erde versucht die Politikerin Avasarala, eine nette Oma die dauernd flucht, einen Krieg mit dem Mars zu verhindern und herauszufinden, was das Protomolecule auf Venus tut.


    Das zweite Buch hat doppelt so viele POV´s aber es läuft wieder auf zwei Handlungsstränge hinaus. Es wird auch nicht so viel ums Überleben gerannt wie im ersten Teil und das Buch beginnt ruhiger und zieht dann im Verlauf mehr an. Aber die Handlung ist irgendwie Leviathan Wakes in etwas anders.


    Es wird auch mehr auf Amos eingegangen, mehr oder weniger, aber er scheint nicht so primitiv zu sein wie man im ersten Teil vermuten könnte.

    Holden ist infiziert mit millerisem, was ich positiv finde, aber seiner Beziehung zu Naomi schadet.


    Was etwas für Verwirrung gesorgt hat, ist, das Bobbie´s Kampfanzug nie richtig beschrieben wird. Ich hatte immer eine Terminatorenrüstung aus Warhammer 40.000 im Kopf. Dass man später erfahren hat, dass das Ding nicht so groß sein kann und das ich Biler aus der Seire gesehen habe hatt dann auch nicht mehr geholfen. Nach einiger Zeit ist mir auch aufgefallen, dass meine Vorstellung von Bobbie, sie ist 2 Meter groß und besteht nur aus 100 kg Muskeln, eigentlich eine weibliche Version von einem Warhammer Space Marine ist (sie ist ja auch ein Space Marine, auch wenn die sich nicht so nennen).


    Ein paar Kleinigkeiten die mich noch gestört haben: noch gegen Anfang gehen Holden, Amos und Prax zu einer warscheinlich feindlichen Anlage, auf dem Weg begegnen sie dann einer Gruppe Söldner, die sie erst um ihr Geld bringen will und sie nach kurzem Gespräch begleitet, beim spürmen der Anlage hilft und nach einem weiteren Ereignis direkt im Anschluss aus dem Buch verschwindet. Die waren wohl nur Plot convinience um kurzzeitig die Feuerkraft der Hauptpersonen zu erhöhen.

    Gegen Ende gibt es ein paar, teilweise wichtige, Szenen, die sehr kurz abgehandelt werden und dadurch nicht wirklich gefährlich oder schwierig wirken.


    Irgendwie muss ich auch noch das Ende, also die letzte Seite, erwähnen.


    Die Frage ist jetzt, ob es mir besser oder schlechter gefallen hat als Leviathan Wakes. Das ist bei vielen ja in der Top 3 mit Nemesis Games und Tiamands Wrath, während Caliban´s War nur als relativ gut angesehen wird.

    Beide Bücher haben Elemente, die ich besser fand als im anderen oder die es da nicht gab und Dinge, die vielleicht besser gegangen währen.

    Irgendwie sagt mir jetzt keins der beiden, dass es besser oder schlechter war als das andere. Aber ich hab das Gefühl, dass in dem hier mehr für die übergeordnete Handlung passiert ist, was auch immer die genau ist.

  • Hach ja, wenn ich das lese, weiß ich wieder, warum ich mir zuletzt Band 4-6 gekauft habe... ;)

    Ich steh ja total auf die Bücher. Und ja: am Ende von Band 2 wird viel für Band 3 (und wohl auch weitere Bände) vorbereitet...

    Jetzt weiß ich sicher, was ich als nächstes in die Hand nehmen werde. :D

    If you fuck the bad guy, remember the bad guy's gonna fuck you back! (Caine)


    Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen. - George Bernhard Shaw


    Michael Moorcock - Mutter London

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!