Neue Buchgedanken

  • @ Vertigo:


    Uff. Ich muss ... nachdenken. Oder, anders ausgedrückt: Ich bin jetzt doch mehr als ein bisschen irritiert. Und ich frage mich, was ich da Anfang der 90er Jahre eigentlich gelesen habe. Ich war und bin ja nicht der Einzige, für den Hyperion - oder der ganze Hyperion Cantos - sozusagen die Benchmark für die moderne Space Opera darstellt (ich meine, lies dir einfach mal John Clutes fast schon hymnische Besprechung in der Encyclopedia of Science Fiction durch). Aber ich kann auch nicht bestreiten, dass das, was du da teilweise zitierst, alles andere als ein gutes Licht auf Dan Simmons wirft.


    Okay, es hilft alles nichts. Ich werde mir Hyperion und The Fall of Hyperion irgendwann in den nächsten Monaten/im nächsten Jahr nochmal durchlesen, und dieses Mal auf Englisch. Und wenn sich dann herausstellt - was ich mehr oder weniger vermute -, dass die zitierten Szenen auch so im Original vorhanden sind, dann ... tja, dann werde ich den Hyperion Cantos zwar deswegen nicht verbrennen oder in die Mülltonne werfen, aber ich werde ihn zumindest als "flawed masterpiece" ablegen.


    Dass Menschen wie ich vor mehr als dreißig Jahren noch anders gelesen bzw. über manche Dinge einfach weggelesen haben, will und kann ich nicht bestreiten. Das war wahrscheinlich tatsächlich so, vor allem, wenn man bedenkt, dass Dan Simmons seinen Roman (oder seine Romane, wenn man Endymion und The Rise of Endymion noch mit dazunimmt) mit einem nahezu perfekten worldbuilding ausgestattet hat, das es möglicherweise leicht gemacht hat, über die oben genannten Inhalte "wegzulesen". Und mir ist auch klar, dass du heutzutage all das ganz anders liest. Aber das ist keine Entschuldigung, kann keine sein, und bringt mein Weltbild - mein Weltbild in Bezug auf die SF, heißt das - im Moment gerade gehörig ins Wanken.


    :nixweiss: :zweifel:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ich möchte an der Stelle auch gar nicht abstreiten, dass Hyperion und Der Sturz von Hyperion (gerne auch zusammen mit Endymion etc.) in ihrer Zeit sicher wegweisend gewesen sind. Dem, was John Clutes schreibt, habe ich nichts entgegen zu setzen und rein aus der Perspektive der Welt, die dort erschaffen wird, kann ich die Faszination vollkommen nachvollziehen. Neben den von mir angesprochenen Störfaktoren musste es schließlich einen Teil geben, der mich dabei gehalten hat, anderenfalls würde sich das doch ganz schön ziehen. Ich möchte an der Stelle auch noch gar keine Vorschusslorbeeren verteilen, habe allerdings ein paar Seiten in Der Sturz von Hyperion reingelesen und muss sagen, dass mir der Teil - soweit ich ihn denn bisher gelesen habe (Keats 2.0 wurde gerade wieder aus Hyperion ausgeschifft) - deutlich mehr zugesagt hat. Einerseits gefällt mir die Struktur, dass der Leser mit Betreten der Zeitgräber nunmehr ausgeschlossen und die Kommunikation auf ein rein passives Traum-Erleben reduziert ist, während wir nun vielmehr von außen erfahren, was vorher durch den Blickwinkel der Reisegruppe eingeschränkt war. Das ist alles wunderbar und macht richtig Spaß, außerdem habe ich bisher das Gefühl - um noch etwas weiter in dem Fass zu rühren -, dass sich der Autor dort ein bisschen mit den im vorherigen Beitrag benannten Auswüchsen zusammengerissen hat. Es ist zwar ein bisschen schade, dass man auf einen fragwürdigen Minimalkonsens zurückfallen muss, dass zur Beschreibung einer Frau nun einmal vorwiegend die Brüste dazugehören, das hat sich bis heute ja wunderbar in der Literatur gehalten, aber immerhin lässt sich das an dem besonderen Beispiel rein theoretisch sogar noch im Sinne der Geschichte schönreden.

    Gerade vor dem Hintergrund dessen, was im Spoiler steht, bleibt bei mir aber erst recht eine gewisse Unschlüssigkeit stehen. Sind beide Beispiele bewusste Entscheidungen oder ist das im Spoiler angeführte Beispiel jetzt einfach ein positiver(er) Ausrutscher? Zum jetzigen Zeitpunkt werde ich Der Sturz von Hyperion jedenfalls noch zu Ende lesen und bin verhalten optimistisch(er) gestimmt, dass die negativen Ausreißer sich in überschaubaren Grenzen halten werden.


    Vor dem ganzen zuvor geschriebenen finde ich es so oder so einfach bedauerlich, dass ein Autor wie Dan Simmons sich so eine Geschichte erdenken kann, dann aber nicht an den Punkt kommt, gewisse Vorstellungen - meinetwegen auch der Zeit - über Bord zu werfen und gleich zu einem Rundumschlag auszuholen. Aber das scheint ohnehin ein generelles Problem innerhalb von Fantasy und Science Fiction zu sein, dass man sich alle möglichen anderen Welten und Zukünfte erdenken kann, dass es aber grundsätzlich ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, diese Welt, wenn man sie ohnehin neu erfindet, mit etwas anderem zu füllen als dem, was man bei uns zur Genüge kennt. Wobei ich auch hier zugebe, dass mir so ein internalisierter Müll schon fast lieber ist als die Feigenblatt-Behandlung die das Thema durch manche Autoren erfährt. Vor ein paar Monaten habe ich in der Hörbuchsektion einmal größer im Bereich der Military Science-Fiction gewütet und Hut ab, was dort regelmäßig an Truppen männlicher und weiblicher Besetzung auftritt, wobei es unumgänglich ist, dass sich alle Personen in bester Starship-Trooper-Manier eine Dusche teilen und das zur absoluten Fleischbeschau durch die männlichen Darsteller kommt, die nicht müde werden zu erwähnen, was sie mit den Frauen denn so machen würden, sich das aber niemals trauen würde, da die Frauen sich sehr gut verteidigen können und überhaupt, eigentlich sind sie ja auch im Geiste Geschwister und würden die Frauen der Truppe immer verteidigen und das die Frauen sich dabei lasziv in alle Richtungen beugen ... wenn man jetzt noch kein Bild vor Augen hat (wer ernsthaft Titel genannt haben möchte, mag mich darauf festnageln, ich werde dann einmal schauen, ob ich da noch einen wiederfinde. Ich der Hinsicht kann ich aber nichts versprechen). Lange Ausschweifung kurzer Sinn, die Darstellung von Dan Simmons wird dadurch zwar nicht besser, aber ihm kann man immerhin zu Gute halten, dass er die Geschichten zu einer Zeit geschrieben hat, in der die Themen tatsächlich noch nicht die Öffentlichkeit erfahren haben.


    Solltest du also irgendwann einmal dazu kommen, die Titel noch einmal im Original zu lesen, wäre ich durchaus gespannt, was du aus Perspektive der Übersetzung dazu zu sagen hättest. Denn auch wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass das inhaltlich in etwa stimmen dürfte, kommt es in dem Bereich ja auch zu manch interessanten Auswüchsen.

  • The Price of Fear von Miley Lyon


    The Price of Fear spielt in einer Welt, in der es das von einem Kaiser regierte Imperium von Inath gibt und das nördliche Königreich (The North), in dem der König verschiedenen Stämme vereint hat. Zwischen den beiden Reichen herrschte lange Krieg, aktuell aber ein Waffenstilstand, der brüchig ist, wie sich schnell herausstellt, da es Fraktionen gibt, die zunächst im Verborgenen intrigieren, um einen neuen Krieg vom Zaun zu brechen.


    Das Imperium von Inath ist technisch eher fortschrittlich, mit Kanonen und Hochhäusern (?) und einer halbwegs modernen Gesellschaft, während der Norden eher der Zeit kurz nach dem Mittelalter ähnelt. Die Stärke des Nordens sind die sogenannten Gottlosen (Godless), Menschen, von denen jeder einen bestimmten Gegenstand besitzt, der dem Träger eine besondere Fähigkeit verleiht, die Magie ähnelt (aber eher an die X-Men erinnert), doch auch ihren Preis fordert. Sie werden Magier (Mages) genannt werden. Mit diesen Kräften können sie verschiedene Dinge anstellen. Jeder der Gottlosen hat auch noch einen Beinamen, der auf diese Fähigkeit anspielt.


    Unsere Hauptfigur Azrael the Wretched ist einer davon. Seine Waffe sind zwei Dolche (The Wretched), die sich von Angst ernähren, Verzweiflung sähen und irgendwie Laserstrahlen abschießen (so ganz hat sich mir das nicht erschlossen, könnte aber auch absichtlich vage sein). Azrael sitzt zu Beginn der Geschichte im Kerker des Imperiums, weil er den Thronfolger umgebracht hat. Verhörexpertin Anamira Lestrade (mit dem Titel Memory of Crime) soll herausbekommen, wer hinter dem Attentat steckt. Dafür bleiben ihr nur sechs Stunden Zeit, bis zu Azraels Hinrichtung, ansonsten verliert sie selbst ihr Leben.


    Und so erzählt Azrael ihr aus der Ich-Perspektive davon, wie er einen anderen Gottlosen als Verräter gejagt und getötet hat, so herausfand, dass ein totgeglaubter, sehr mächtiger Gottloser noch lebt, zum Feind übergelaufen ist …


    Wie man sieht, originell ist die Geschichte nicht, und auch nicht wirklich komplex. So viel passiert gar nicht auf den knapp 500 Seiten. Das könnte auch alles gut in einen Film passen. So hat es der Autor vermutlich auch konstruiert, mit Filmen wie Deadpool als Vorbild.


    Was das Buch herausstechen lässt, ist die Art wie es erzählt wird. Wir haben hier eine Grimdark-Welt mit einem Hardboiled-Erzählton in kurzen, prägnanten Sätzen wie z. B. bei Glenn Cocks Black Company. Dazu aber Humor wie in den Deadpool-Filmen, vor allem durch den erzählenden Protagonisten, der gerne unter die Gürtellinie geht und Pegging-Witze macht. Dazu das Erzählkonstrukt mit einer Verhörsituation aus Büchern wie Das Reich der Vampire von Jay Kristoff oder Das Lied des Raben von Anthony Ryan. Wenn auch nicht ganz auf deren Niveau. Da legt der Autor hier andere Prioritäten. Er bedient sich aber auch gerne mal bei Sitcoms wie How I Met Your Mother, wenn er über eine halbe Seite eine Szene erzählt und dann meint, so hätte es eigentlich ablaufen sollen, tatsächlich passierte aber das … oder beschreibt wie in Guy Ritchies Sherlock Holmes im Voraus, wie er gleich seine Gegner ausschalten wird. In der Mischung kommt das abwechslungsreich und erfrischend rüber.


    Das hört sich jetzt alles an, als wäre es eher eine oberflächliche von Action geprägte Geschichte, und es gibt auch knallharte, detailliert beschriebene spektakuläre Actionszenen, aber nicht in der Fülle, wie man es vielleicht erwarten würde. In der ersten Buchhälfte gibt es nur zwei kurze Kämpfe. Das ist so eine Cool-Guys-don’t-look-at-Explosions-Geschichte, in der nicht wirklich etwas explodiert, außer ein paar Körper, aber nichts, was Michael Bay in Schnappatmung versetzen würde. Der Fokus liegt tatsächlich auf Introspektion der Hauptfigur. Deren Sinnieren und Philosophieren über die Situationen, in der sie sich befindet, nimmt viel Raum ein und hat durchaus Tiefgang. Dazu kommt die Wichtigkeit der Beziehungsverhältnisse, der Figuren untereinander.


    Fast alle Verbündete und Gegner haben eine Vergangenheit mit unserem Protagonisten Azrael. Sie gehören fast alle zu den Godless und waren mit ihm auf einer Akademie. Es gibt auch Rückblenden zu früheren Schlachten, wo sie noch Seite an Seiten gekämpft haben und Freunde waren. Der Autor nimmt sich Zeit, die Nebenfiguren auszubauen und zu charakterisieren.


    Der Weltenbau hingegen bleibt ziemlich rudimentär. Es gibt eben die zwei Reiche, die Krieg miteinander führen; es ist eine Welt voller Krimineller und Killerbanden fast wie bei John Wick. Das war es aber auch. Und das reicht auch. Vielen aktuellen Romantasy- und Young-Adult-Romanen würde ich einen so dürftigen Weltenbau ankreiden, aber für die Geschichte, die hier erzählt wird, funktioniert es hervorragend.


    Ich muss aber auch sagen: das letzte I-Tüpfelchen fehlt noch. Das besondere an The Price of Fear ist vielleicht dieser Deadpool-Humor-Erzählton des abgebrühten Protagonisten. Die Geschichte selbst ist aber relativ vorhersehbar.


    Mir hat das Buch trotzdem Spaß gemacht, auch wenn die Innenansichten des Protagonisten im Vergleich zur Action manchmal etwas zu viel Raum eingenommen haben. Da stimmt die Balance noch nicht ganz. Der Humor ist Geschmackssache. Sprachlich finde ich den Roman toll geschrieben, die Fähigkeiten der Godless originell umgesetzt.

  • so, und damit wandert das Buch sicher auf meine Wunschloste, das klingt hervorragend!

    Deadpool-Humor und Black Company... was will ich mehr!? :D

    If you fuck the bad guy, remember the bad guy's gonna fuck you back! (Caine)


    "Fleas are like lying politicians. There is no being rid of them in any permanent sort of way." - Croaker


    Tad Williams - Osten Ard

  • Ich habe eben auch ein Buch beendet: the tyrant Baru Cormorant

    Ich bin noch immer fasziniert von der Geschichte und muss ehrlich zugeben, dass ich sie noch immer nicht ganz einschätzen kann.

    Der erste Band war extrem spannend geschrieben, hatte aber eigentlich keine Fantasy-Elemente zu bieten. Der zweite Teil war mir etwas zu trist und "mießepetrig", da Baru sehr lange braucht um sich von den Geschehnissen im ersten Band zu erholen. Das ist alles nachvollziehbar, hat mir aber nicht so gut gefallen. Der dritte Band dagegen ist überragend! Ich habe ihn quasi verschlungen nur um im Nachwort zu erfahren, dass es noch einen Teil geben soll!

    Die ganze Story dreht sich um Baru, eine junge Frau, die vom Imperium der Masken (the masquerade) von klein auf indoktriniert wurde und ein Experiment eines der beiden Lenker dieses Imperiums ist. Der Weg bis hin zur Realisierung Barus, was ihr alles angetan wurde, ist unglaublich toll geschrieben, die Figuren, die sie auf ihrem Weg begleiten, sind super nachvollziehbar, die Ideen hinter dem Imperium stellenweise sehr beunruhigend und schockierend aktuell...

    Ich habe keine Idee, wie die Geschichte enden soll bzw. kann, es sind wirklich alle Richtungen möglich. Auch eine Sache, die mir besonders gut gefällt!

    Ein Buch, bei dem man mit leidet bzw. sich mit freut. Wirklich überragend gut geschrieben. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Gerd für die Empfehlung!

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  • Um das Thema Die Hyperion-Gesänge abzuschließen - nicht, dass das jetzt besonders überraschend wäre -, strukturell und storytechnisch hat mir der zweite Teil deutlich besser gefallen als der erste, zum Ende raus hat sich das Buch allerdings ganz schön gezogen. Das hätte man meines Erachtens nach in Gänze gut um ein Drittel kürzen können, ohne dass besonders viel der Geschichte liegen geblieben wäre. Endymion werde ich Stand jetzt tatsächlich nicht mehr angehen. Bleibt von Dan Simmons nur noch Der Berg, der mich ernsthaft interessiert.

  • Über Umwege bin ich mal wieder im 40k Universum gelandet und habe Krieg von Steve Lyons gelesen. Recht kurzweilig und zeitweise ganz unterhaltsam, am Ende muss man aber doch sagen, dass sich das Death Korps of Krieg wunderbar für Memes eignet, ein ganzes Buch tragen kann es zumindest in der Form nicht. Geschweige denn mehrere. Der Versuch, Siege of Vraks direkt anzuschließen, war nicht von Erfolg gekrönt. Am Ende ist das doch alles eine recht ermüdende Sache, dabei habe ich die Gaunts-Ghost-Reihe seinerzeit sehr gerne gelesen. Das war zwar auch immer wieder mehr vom Gleichen, da man dort aber immerhin in die Truppe gegangen ist, gab es eine gewisse Grundspannung auf der Ebene des Fußvolks. Das ging den vorbenannten Büchern komplett ab und las sich am Ende des Tages dann doch auch eher wie ein längerer Eintrag aus dem entsprechenden Wiki.

  • Wobei gerade die Inquisition in dem Bereich viel Potential hätte. Die Eisenhorn-Trilogie wurde mir vor halben Ewigkeiten mal von einem Bekannten empfohlen, bin da aber auch nie wirklich angekommen. Stattdessen hatte ich mich zeitweise mal mit der Horus Häresie auseinandergesetzt, aber da war die Luft nach drei Büchern auch sehr schnell raus für mich. Die Motivation, da noch 51 weitere Bücher + eine eigene Trilogie für die Belagerung von Terra zu lesen ... :sleeping:

  • Für den Einstieg W40k würde ich die "The beast arises" Serie empfehlen. Oder "Gaunt's Ghosts". Beides liest sich ganz flockig weg, und grade bei Gaunt's Ghosts ist auch der Grim & Dark Factor ganz ... öhm nett. :D

  • Das Grimdark Feeling zeigt sich hauptsächlich durch die Background Lore des Universums und seltener in den einzelnen Reihen, da das tatsächlich glaube ich etwas zu arg wäre, bzw. das tatsächliche grimdark von 40k liegt in den Gedankengütern des Imperiums, wie das Imperium funktioniert und im Nihilismus and Fanatismus der allem zugrunde liegt...ich habe inzwischen glaube ich 130 Warhammerbücher gelesen und selten war ein Buch mal durchweg ununterbrochen düster in seiner Story sondern eher das Setting und die Grundideen sind durchweg grimdark...


    Der pure Nihilismus and das Imperium als eigentlich auch abgründige badguys würde nicht immer durchweg funktionieren wenn man so gar niemanden mehr hätte mit redeeming qualities...da ist dann eher was für die Regelwerke und Hintergrund Lore


    Ach ja und im Dezember werde ich mein ewiges HH-Projekt beenden, das ich im März 2021 angefangen habe (1 Buch / Monat). Da geht wirklich eine Ära zu Ende :eek5: gut dass es noch ca 350 weitere Warhammerbücher gibt...brauche aber irgendwie ein neues Langzeit-Projekt, nur finde ich aktuell keins, das mich wirklich überzeugt...Michael Connellys Bosch Universum hab ich bis zum neusten Buch gelesen, mein Weg durch die Bibliographie von GGK sowie Neal Stephnson läuft noch aber danach ist irgendwie Schluss...vielleicht muss ich mich doch als nächstes durch Adrian Tschaikovksys Bibliografie durcharbeiten...

    Mit Schirm, Charme und McClane


    ------

    And now the page before us blurs.

    An age is done. The book must close.

    We are abandoned to history.

    Raise high one more time the tattered standard

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    to the dark stains upon the fabric.

    This is the blood of our lives, this is the

    payment of our deeds, all soon to be

    forgotten.

    We were never what people could be.

    We were only what we were.


    Remember us

  • Wobei Tchaikovsky natürlich ein extrem vielseitiger Autor ist; ich weiß nicht so recht, ob der sich für ein derartiges Langzeit-Projekt eignet. Immerhin ist ein großer Teil seiner Bibliografie SF, und mit der stehst du doch eher auf Kriegsfuß, iirc. (Andererseits hätte ich auch niemals 130 Warhammer-Bücher gelesen. Ich bin beeindruckt.)


    F. Paul Wilson Handyman Jack kennst du ja vermutlich. Hast du dir schonmal John Conolly und seinen Charlie "Bird" Parker angeschaut? Ich kenne bislang nur die ersten drei (?) Romane (ja, sorry, es ist lange her) und fand die damals durchaus spannend und interessant. Inzwischen gibt es um die zwanzig Bände, so dass man was vor sich hätte, wenn man damit anfängt. (Das Blöde ist nur, dass ich mittendrin die Sprache wechseln müsste ...)

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  • Mein Vorsatz, mit dieser Reihe nicht fortzufahren ist letztlich in dem Augenblick zusammengebrochen, als ich das Buch in der Buchhandlung habe stehen sehen. Nun also -


    The Captive's War - Der Glaube der Bestien (James Corey)


    Quote

    Die Zukunft: Die Menschen wurden von den Carryx, einer mächtigen außerirdischen Spezies, in einen interstellaren Krieg gezwungen. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern muss jeden Tag aufs Neue den Wert der Menschheit unter Beweis stellen, indem sie Kriegsforschung betreibt. Doch sie sich nicht die Einzigen, die heimlich nach einem Weg suchen, die Carryx zu besiegen ...


    - die Fortsetzung dazu, wie unspektakulär der Untergang der Menschheit sein kann. Vorangestellt sei, dass ich nach meinem Urteil über das erste Buch dann doch recht interessiert war, welche Richtung man einschlagen würde, so unvoreingenommen wie möglich muss ich also für mich feststellen, um mein fortgesetzt negatives Urteil über diese Reihe zu behalten, bedurfte es offenbar zwei Bücher. Ich muss etwas ausholen.


    Was mir bei diesem Autorenduo bereits in The Expanse aufgefallen ist, die Art der Charakterisierung bewegt sich nicht auf einer Ebene, die mir zusagt. Das setzt sich in dieser neuen Reihe fort, schafft im Gegensatz zu The Expanse jedoch neue Probleme, die für mich viel mit dem Kontext der Geschichte zusammenhängen. Bestenfalls wird eine interessante Geschichte mit interessanten Charakteren erzählt, die man gerne durch das begleitet, was sie erleben und die man mit all ihren Makeln irgendwie ins Herz schließt. Nun steht The Captive's War an der Stelle, dass weder eine interessante Geschichte erzählt noch interessante Charaktere in die Geschehnisse geworfen werden, was für mich maßgeblich mit der fehlenden Bezugsgröße der sonstigen Menschheitsgeschichte zusammenhängt, was ein Problem ist, das durch die Reihe selbst aufgemacht wurde. Theoretisch kann ich Menschen ins Universum werfen und irgendeine Geschichte eines gestrandeten Raumschiffs erzählen, ohne dass ich groß kläre, wo diese Menschen herkommen und was dort gerade so die (geo)politische Großwetterlage ist. Ein Abenteuerroman in unbekanntem Terrain. Oder ich mache das Fass der Eroberung einer Welt - bewohnt von Menschen - auf, die auf einen ihnen unbekannten Planeten verschleppt und dort als Arbeitssklaven genutzt werden und in deren Ausübung von auferlegten Pflichten man sich einigen moralischen Dilemmata stellen muss, etwa der Frage, ob es vertretbar ist, ein Zuchtprogramm für Menschen aufzulegen, um den an die Menschen gestellten Anforderungen auch auf Generationen in der Zukunft nachkommen zu können. Nur stellt sich dann eben doch die Frage, wo dieses moralische Dilemma herkommt. Man kann es erklären, wenn man eine ununterbrochene Linie zur Erde zurückzieht und damit automatisch die gesamte Menschheitsgeschichte mit in die Erzählung aufnimmt, ohne sie ausbuchstabieren zu müssen. Zwar deutet vieles darauf hin, dass die Erde als gemeinsamer Ursprung der Menschheit auch hier eine Rolle spielt, jedoch für die hier relevanten Menschen in Vergessenheit geraten ist. Sie haben Vermutungen, die ganze eigene Geschichte spielt sich jedoch auf dem eigenen Planeten ab. Dieser hat natürlich eine eigene Geschichte, nur stellt sich dort doch die Frage, ob man ohne Weiteres erwarten kann, dass diese sich in ähnlichen Bahnen mit ähnlichen Problemen abgespielt hat, wie sie es auf der Erde tat. Der durch die erzählte Geschichte notwendige Begründungsaufwand für die aufgeworfenen Probleme ist dabei leider einer, dem rigoros aus dem Weg gegangen wird, wobei man sich dort offenbar auf eine andere hintergründige Erklärung zu beziehen scheint, die Adrian Daub in seinem Buch Was das Valles herrschen nennt so beschrieben hat:

    Quote

    Handelt es sich bei diesen Serien [gemeint sind Foundation, Das Rad der Zeit und 3 Body Problem] um Selbstporträts unserer Tech-Eliten? Nein, es sind immer noch vor allem verzweifelte Versuche, den mittlerweile jahrzehntealten Erfolg von Game of Thrones zu wiederholen. Aber es fällt doch auf: Anders als Game of Thrones, das bei aller Historienstöberei vor allem vom Hier und Jetzt quirliger und interessanter Klans zehrte, starren die Science-Fiction-Epen, die die heilige Dreifaltigkeit von Amazon, Apple und Netflix auftischt, auf die ganz große Distanz. Die Serien erzählen Storys, die sich über Jahrtausende hinziehen, in denen Figuren und Probleme, die in einer herkömmlichen Serie Stoff für eine ganze Staffel geliefert hätten, in einer Episode abgehandelt werden. Es ist Fernsehen für das Zeitalter des Longtermismus. [...] Warum also Menschheitsfragen lösen, die uns in zehn oder zwanzig Jahren bedrohlich werden können, wenn das Jahr 7,5 Milliarden nach Christi Geburt schon genug Probleme hat?

    Nun ist es aber gerade nicht so, dass wir uns hier in einer Fernsehadaption bewegen - man kann sich sicherlich die Frage stellen, ob der Duktus gleichwohl bereits die Fernsehadaption voraussieht, ganz anknüpfend an den zeitweisen Erfolg von The Expanse und bereits an dieser Stelle unnötig erscheinenden Ballast über Bord wirft - und wir dadurch gerade die Möglichkeit eröffnet hätten, tief einzusteigen. In die Charaktere, die Welt aus der sie kommen und die Sorgen und Nöte die sie neben der Unterwerfung durch die Carryx mit sich tragen. Denn was als Serienform durchaus Probleme aufwirft, kann literarisch gut behandelt werden. Es erfordert dann eben nur den Willen und das Können, das auch umzusetzen. Ich sehe am Ende des Tages beides nicht in der erforderlichen Form, wobei mir selbstredend bewusst ist, dass das vor allem meine Wahrnehmung ist. Dabei besteht hier nicht einmal das Problem, dass man in Buch eins auf einer Welt mit Charakteren angefangen hat, die bereits nach wenigen Kapiteln verschleppt und ihrer Umgebung entrissen wurden. Erzählungen, Rückblenden, einleitende Ausschnitte der Geschichte vor jedem Kapitel. Es gibt der Möglichkeiten viele, wie man notwendige Informationen verpacken kann, ohne dass es erzwungen und zu sehr nach dem Gegenteil von "Show don't tell" aussieht. Das alles bleibt man letztlich jedoch schuldig und zieht sich darauf zurück, dass man nun in einen Krieg eingebunden ist, dessen Ausgang vielleicht die Ur-ur-ur-ur-ur-Enkel einmal erleben werden, weshalb alle Handlungen, die man nun vollführt, jedenfalls gerechtfertigt sind für das größere Ganze. Es ist damit erstaunlich platt, vom Ende her gedacht jedoch ebenso konsequent. Da am Ende alles gerechtfertigt sein wird, wenn man nur gewinnt und seine Rache bekommt, braucht es keine moralischen Diskussionen, womit es keiner Grundlage für diese moralischen Fragen bedarf und man damit jegliche Grundlagen ohnehin gleich als unnötigen Ballast über Bord werfen kann. Dieser Mangel an Unterbau macht sich dann jedoch in jedem Charakter und jeder Entwicklung bemerkbar, weshalb nicht nur die Geschichte sondern auch die Charaktere selbst restlos uninteressant sind. Da macht es auch keinen Unterschied, dass man in dieser Reihe, anders als noch in The Expanse, etwas freigiebiger damit umgeht, sie gleich mit über Bord zu werfen. Auch das ist wohl nur konsequent, macht mangels irgendwie gearteter Verbundenheit zu den Charakteren dann aber immer noch keine gute Geschichte. Die dann auch in vielerlei Hinsicht eine Neuauflage gerade von The Expanse zu sein scheint. Was dort mit dem Auftauchen des Protomoleküls im Sonnensystem gerade wegen der vorgenannten Aspekte jedoch eine ganz erhebliche Tragweite hatte und für mich die Bücher neben den verblassenden Charakteren zu tragen vermochte, verkommt hier mit dem Schwarm auf der im Untergang begriffenen Welt restlos zur Bedeutungslosigkeit.


    Womit das Buch, da es geschafft hat, mir zu verdeutlichen, was mich am ersten Band schon so gestört hat, besser und schlechter als der erste Band ist. Warten wir also, was Band drei bringt. Ich gebe mich einfach nicht mehr der Illusion hin, dass ich es mir nicht doch früher oder später holen werde.

  • Wobei Tchaikovsky natürlich ein extrem vielseitiger Autor ist; ich weiß nicht so recht, ob der sich für ein derartiges Langzeit-Projekt eignet. Immerhin ist ein großer Teil seiner Bibliografie SF, und mit der stehst du doch eher auf Kriegsfuß, iirc. (Andererseits hätte ich auch niemals 130 Warhammer-Bücher gelesen. Ich bin beeindruckt.)


    F. Paul Wilson Handyman Jack kennst du ja vermutlich. Hast du dir schonmal John Conolly und seinen Charlie "Bird" Parker angeschaut? Ich kenne bislang nur die ersten drei (?) Romane (ja, sorry, es ist lange her) und fand die damals durchaus spannend und interessant. Inzwischen gibt es um die zwanzig Bände, so dass man was vor sich hätte, wenn man damit anfängt. (Das Blöde ist nur, dass ich mittendrin die Sprache wechseln müsste ...)

    Den Kriegspfad habe ich glaube ich mit der Zeit etwas verlassen aber ja, Sci-Fi ist nicht immer ein Garant, dass mir die tolle Grundidee in der Umsetzung am Ende tatsächlich gefällt...


    Aber mit Terra Ignota (zumindest Bände 1 und 2), Sun Eater (zum überweigenden Teil), was ich diesen Monat beenden werde - habe gerade Buch 7 begonnen - oder den ein oder anderen Klassiker wie Delaney, Vance oder Stugatskis war schon was dabei, aber ja, in der Breite war Sci-Fi im Schnitt bei mir noch nicht so erfolgreich. Neal Stephenson ist im reinen Sci-Fi Bereich aktuell noch 50/50 aber da kommt noch ein bisschen was :)


    Werde, nachdem ich Sun Eater beendet habe A Fire Upon Deep und im November A Deepness in the Sky lesen und freu mich schon sehr drauf. Mal schauen, wie es mir letztendlich dann gefällt :)


    Connolly kenne ich noch nicht und schau mal rein :thumb:


    Repairman Jack hab ich schon lange auf der Liste und bin sehr daran interessiert, aber da ich diese aktuell physisch nicht komplett finde habe ich die Reihe noch auf 2028 geschoben...

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