Neue Buchgedanken

  • Und, schwupps, wäre man wieder auf Overworld, Computerspiel oder Komplettsimulation, so groß ist der Unterschied nicht.

    Aber, hey, ich erinnere mich an einen der von mir übersetzten Flops und all die "iiiieehh, was macht ein Roboter in meiner Fantasys!?!"-Kommentare. Da gibt es sicher auch "iiiehhh, was machen Elfen in meiner Science Fiction?"


    Und C.J. Cherryh würde ich jetzt auch nicht als riesigen Hotseller sehen - ich zumindest sehe den Namen nicht so oft rumschwirren, wenn es um die Frauenquote im Genre geht.


    Viele Sachen, die richtig gut sind, verkaufen sich schlecht. Viele Sachen, die eher so medioker-lahmarschig sind, verkaufen sich wie geschnitten Brot. :whoop:



    Richtig bitter ist das halt dann, wenn die guten Leute dann aufhören zu schreiben (oder sie niemand mehr rausbringt). In dem Zusammenhang habe ich heute auch diesen Artikel über John M. Ford mit Interesse gelesen, der zeigt, wie blöd es auf dem Buchmarkt manchmal läuft, selbst für großartige Autoren ... https://slate.com/culture/2019…iction-fantasy-books.html

  • Erstmal danke für den Link, Kaeferl (auch wenn die ganze Sache mich traurig und wütend macht). John M. Ford ist einer meiner Lieblingsautoren, und die Nachricht, dass ab Herbst 2020 seine Bücher wieder neu aufgelegt werden (und Aspects kommen wird!), ist eine der besten, die ich in der letzten Zeit gehört habe. (Mittlerweile wurde es ja auch bei tor.com offiziell verkündet.) Ich weiß, dass ich mit meiner Begeisterung für The Dragon Waiting hier ziemlich allein stehe - aber wisst ihr was? Das ist mir egal. :biggrin2: (Und die Tatsache, dass Tor TDW neu auflegen wird, wäre vielleicht ein Anlass, William Schafer mal wieder 'ne Mail zu schreiben - eine schicke, limitierte Ausgabe von TDW wäre schon was, was sich in meinem Regal sehr gut machen würde ... :sabber:)


    Zum eigentlichen Thema:


    Dass Stover sich so schlecht verkauft, ist für mich auch schwer nachvollziehbar (außer, man betrachtet es so allgemein wie Kaeferl, denn das Phänomen an sich ist ja weder neu noch einzigartig). Wenn der nicht vorhandene kommerzielle Erfolg etwas mit dem SF-Fantasy-Mix zu tun hat, dann liegt das aber mMn nicht daran, dass Stover Science Fantasy schreibt (denn das, was er schreibt, ist in meinen Augen keine Science Fantasy), sondern an den harten Schnitten zwischen Haris dystopisch-futuristischer "Realwelt" und der fantasyhaften Parallelwelt (aka Overworld), oder, anders ausgedrückt: bei ihm treffen sich die beiden Subgenres nicht "in der Mitte" und vermischen sich zu etwas Undefinierbarem, sondern sie stehen hart und deutlich abgegrenzt nebeneinander (als Setting wohlgemerkt; für Hari und andere vermischen sie sich natürlich schon).


    Wenn man Stover gelesen hat, werden nebenbei bemerkt diese ganzen Bücher über jugendliche Superduper-Assassinen (die inzwischen auch gerne Mädchen sein dürfen - dann wird eben nach dem Kampf noch kurz die Frisur gerichtet oder der abgebrochene Fingernagel in Ordnung gebracht :biggrin2:) schlicht unlesbar, weil man noch schneller merkt, wie entsetzlich dünn und konstruiert diese ganzen Figuren sind (yes, Mr. Kristoff, I'm looking at you).


    Ansonsten - ja, Mischungen aus SF und Fantasy tun sich häufig schwer, und leider trifft das auch wirklich gelungene Sachen (wie Ken Scholes' Psalms of Isaac, an den ich auch schon gedacht hatte und jetzt einfach mal nenne, wenn Kaeferl ihn schon indirekt ins Spiel bringt). Aber das gilt für Vieles, das ein bisschen anders ist; Daniel Abrahams Long Price Quartet wäre z.B. ein Kandidat, ohne dass da SF drin ist, und wenn man gelesen hat, was Seth Dickinson vor einiger Zeit über die Verkaufszahlen des zweiten Bandes von The Masquerade auf Twitter gepostet hat, dann ist dieser Zyklus auch einer (und dass die Bücher keinen Erfolg haben, ist ein Verbrechen, sorry*). Oder nehmen wir Kate Elliott, deren mit Black Wolves (ihrem mMn bislang besten Roman) begonnener Zyklus vom Verlag gestoppt wurde. In all diesen Fällen (und noch vielen mehr), ist schwer nachvollziehbar, warum das am Markt kaum oder gar nicht funktioniert. :nixweiss:


    Andererseits haben Ende der 70er/Anfang der 80er SF-Fantasy-Hybride wie Jack Chalkers Well of Souls kommerziell teilweise hervorragend funktioniert, und ich bin mir sicher, dass das irgendwann auch wieder der Fall sein wird. Moden und Themen kommen und gehen in Wellen, nicht nur in den phantastischen Genres.


    @ Kaeferl: C.J. Cherryh war durchaus mal "hot", hat sich nach ihrem Erscheinen in der Szene sehr schnell einen sehr guten Namen gemacht und sich auch eine Weile sehr gut verkauft; aber irgendwann in den 90ern (glaube ich, müsste ich jetzt nachsehen) ist sie allmählich vom Radar verschwunden, warum auch immer. Dass sich heute kaum noch jemand an sie erinnert (vor allem nicht die, die so gerne über die übersehenen Frauen in der SF reden :floet: ), ist bedauerlich, aber mMn auch stark der exponentiell gewachsenen Zahl der Veröffentlichungen einerseits und der Konzentration auf ... hm ... nennen wir es den "aktuell gerade heißen Scheiß" zuzuschreiben.


    So, und jetzt gehe ich mein zerschlissenes Exemplar von The Dragon Waiting streicheln, dass dann 2020 vielleicht in die zweite Reihe verbannt ... äh ... in den Ruhestand versetzt werden kann ... :cool:


    * - in diesem Fall weiß ich, dass ich mit meiner Meinung nicht ganz allein stehe, sondern eine forumosische Gleichgesinnte habe ...

    Beware the stories you read or tell; subtly, at night, beneath the waters of consciousness, they are altering your world. (Ben Okri)

  • Mein Eindruck ist, dass die Trennung zwischen Science Fiction und Fantasy bei uns in Deutschland in den 80ern und vor allem in den 90ern immer stärker geworden ist. Hatte man bis in die 70er noch Autoren wie eben C. J. Cherry, Jack Vance, Roger Zelazny, Philip Jose Farmer oder Poul Anderson, die in beiden Genres gleichermaßen unterwegs waren und sie munter vermischten, kamen mit Dave Eddings, Raymond Feist, Rober Jordan usw. immer mehr Autoren, die sich, vermutlich aufgrund des Erfolgs, immer mehr auf High Fantasy konzentrierten. Und die LeserInnen gewöhnten sich langsam an diese strikte Genretrennung, wollten mehr vom Gleichen und kamen mit Genrehybriden nicht zurecht.


    Eine Entwicklung die sich durch die »Herr der Ringe«-Verfilmungen und dem Boom der Völkerfantasy bei uns in Deutschland ab 2000 noch verstärkte.


    C. J. Cherry ist mir zuletzt Mitte der Neunziger in der Buchhandlung begegnet, mit dem Sammelband zum Morgaine-Zyklus, den ich mir auch gekauft habe. Ich glaube, seitdem ist auch nichts von ihr mehr neu aufgelegt worden. Obwohl zuvor enorm viel von ihr auf Deutsch erschienen ist. Von ihrem Atvi-Zyklus sind nur drei Bände übersetzt worden, der letzte 1999, obwohl sie inzwischen 14 weitere Teile geschrieben hat.

  • @ herb:


    Ups - ich bin unschuldig! :egal:


    Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass The Dragon Waiting etwas für dich ist (soweit ich deinen Lesegeschmack einschätzen kann); ich hab' hier vor vielen Jahren (ach herrje, es sind tatsächlich schon viele Jahre) anlässlich des fünften Todestags von John M. Ford mal ein bisschen was über den Roman geschrieben, woraus einigermaßen hervorgehen sollte, in welche Richtung er geht.


    Bei Jack Chalkers Well of Souls bin ich mir dagegen nicht so sicher, dieser Zyklus ist schon sehr typisch für die Zeit, in der er geschrieben wurde. Ich meine, ich mag das Zeug (mit gewissen Abstrichen), und auch noch zwei, drei andere Zyklen von Chalker, aber ich mag halt manchmal auch sehr schräge oder trashige Sachen ... :nixweiss: Wie auch immer, ich hab über Chalker und Well of Souls tatsächlich auch hier mal was geschrieben (hach, waren das noch Zeiten, in denen ich tatsächlich die meisten meiner geplanten Blogbeiträge hingekriegt habe *nostalgisch guck*); vielleicht kann dir das ja als Entscheidungshilfe dienen.

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  • @ Pogo:


    Bei den Beispielen in meinem vorletzten Posting habe ich mich aber bewusst auf Sachen konzentriert, die schon im Original schlecht oder gar nicht funktioniert haben/funktionieren, denn das ist für mich das eigentliche Phänomen. Dass ein Stover in Deutschland nicht funktioniert, ist keine Überraschung. (Ich habe Blanvalet Stover jahrelang angedient, musste auf Nachfrage aber auch immer zugeben, dass ich nicht so recht wusste - und immer noch nicht weiß -, wem man Stover in Deutschland verkaufen kann, wenn er nicht in einem Franchise-Universum schreibt; seine Star-Wars-Romane haben sich nämlich sowohl in den USA als auch in Deutschland sehr gut verkauft, allerdings folgen die Leser und Leserinnen von diesen Franchise-Sachen zum größten Teil nicht irgendwelchen Autoren, sondern dem Franchise - eine dementsprechende (bittere) Erfahrung musste vor etlichen Jahren schon vgs mit Kevin J. Anderson machen. ;))


    Aber zum deutschen Markt passt das natürlich schon, was du geschrieben hast. Ende der 70er hat Bastei-Lübbe seine SF-Reihe (in der zuvor auch Sachen wie M. John Harrisons Die Pastellstadt erschienen waren) in mehrere Reihen - darunter eben auch eine Fantasy-Reihe - aufgesplittet, und auch Goldmann hat eine als solche benannte Fantasy-Reihe eingeführt. Aber anfangs ist da auch noch viel durcheinander gegangen, gerade bei den "Grenzgängern" hatte man oft das Gefühl, da wurde ausgewürfelt, ob die jetzt als SF oder als Fantasy erscheinen (ganz zu schweigen davon, dass Wolfgang Jeschke bei Heyne etliche SF-Titel unter dem Fantasy-Label hat laufen lassen, weil der Verlag eben eine bestimmte Anzahl an Fantasy-Titel im Programm haben wollte :biggrin2:).


    Andererseits sind in Deutschland gerade in den 80ern Sachen erschienen, die würde heute kein Publikumsverlag mehr bringen (Stichwort: Zieglers Sardor, Hazels Finnbranch etc.pp.), weil der Flopp sozusagen vorprogrammiert wäre. Ist halt alles irgendwie schwierig ... :nixweiss:

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  • Inzwischen weiß man ja selbst bei den konventionellen Sachen nicht mehr, ob sie noch funktionieren. Ich denke, Bernd Perplies hat Recht, wenn er schreibt, dass die größte Konkurrenz für die Fantasy (aber auch SF) inzwischen Serien von Netflix, Amazon, Disney und HBO sind. Allein dieses Jahr starteten (oder starten noch) mit Carnival Row, Dark Crystal: Age of Resistance, His Dark Materials und The Witcher vier Fantasysserien, die aufwendig mit großem Budget und eindrucksvollen Effekten daherkommen, wie es bis vor wenigen Jahren noch nicht möglich war. Und Carnival Row und Dark Crystal - die beiden Serien, die ich schon gesehen habe - sind auch wirklich toll geschrieben und inszeniert. Da wundert es mich nicht, wenn auch die Fanasy auf dem Buchmarkt schwächelt.


    Bei der Science Fiction wird es ähnlich laufen. Nach einer langen Durststrecke (seit dem Ende von Battlestar Galactica) ohne Weltraum-SF-Serien, kommt jetzt die volle Ladung. Star Wars The Mandalorian, Star Trek Discovery, Picard und The Expanse (läuft schon länger), zwar auch mittelmäßig bis schlechtes wie Another Life, Nightflyers, Lost in Space, Dark Matter, Killjoys aber auch aktuell viel in der Mache.


    Ich glaube nicht, dass wir uns in einem der typischen Auf- und -Abs auf dem Buchmarkt und der Phantastik im Speziellen befinden, sondern dass Streamingserien das Buch immer weiter ablösen werden, in Zeiten, in denen man sie auch auf dem Tablet oder Smartphone im Zug, Bus oder Wartezimmer schauen kann.


    Etwas Hoffnung macht mir der aktuelle Boom des Pen-and-Paper-Rollenspiels "Dungeons and Dragons" in den USA. Die letzten fünf Jahre waren die fünf erfolgreichsten Jahre für das Spiel, was zeigt, dass die Menschen sich immer noch nach Abwechslung jenseists des Bildschirms sehnen und auf die eigene Fantasy ohne vorgegebene Bilder setzen.

  • Für mich liest sich das so, als wenn man zwanghaft Gründe für Misserfolge woanders sucht. KNV ist böse. LIBRI ist böse. Die Streamingdienste sind böse. Da wo die Quoten der SF-Serien bekannt sind, kann man diese Serien beim besten Willen nicht als Grund anführen, dass Leute weniger kaufen. DARK MATTER war kaum messbar, sowohl in den USA als hier bei TELE 5. THE EXPANSE brachte keine 700.000 Zuschauer bei SYFY in den USA vor den Fernseher. Jahrzehnte lang kam keine KRIEG-DER-STERNE-Serie zustande im Fernsehen - wieviele Leute die 8, 10 Folgen einer Serie WIRKLICH bei Netflix & Co. gucken, kann man immer nur raten - behaupten können die Anbieter immer viel.


    Für mich sah in den letzten Jahren so manche Aktion der größeren Häuser in Sachen SF-Buch hierzulande so aus, als wenn man das einfach mal probieren wollte. Wieso auch immer. Das hat nicht geklappt. Die Gründe dürften hier vielfältig sein. Vermutlich sind diese aber in erster Linie in den Redaktionen zu finden.


    Gibt es eigentlich schon eine Vorschau auf die neuen SF-Titel von Hirnstorff?

  • Für mich liest sich das so, als wenn man zwanghaft Gründe für Misserfolge woanders sucht. KNV ist böse. LIBRI ist böse. Die Streamingdienste sind böse. Da wo die Quoten der SF-Serien bekannt sind, kann man diese Serien beim besten Willen nicht als Grund anführen, dass Leute weniger kaufen. DARK MATTER war kaum messbar, sowohl in den USA als hier bei TELE 5. THE EXPANSE brachte keine 700.000 Zuschauer bei SYFY in den USA vor den Fernseher. Jahrzehnte lang kam keine KRIEG-DER-STERNE-Serie zustande im Fernsehen - wieviele Leute die 8, 10 Folgen einer Serie WIRKLICH bei Netflix & Co. gucken, kann man immer nur raten - behaupten können die Anbieter immer viel.

    Hm. Ich denke schon, dass man die Konkurrenz durch z.B. die Streaming-Dienste spürt, denn selbst wenn nur ein paar tausend Leute jetzt lieber Serien gucken als Bücher lesen, und von denen ein Drittel oder so deshalb weniger Bücher kauft, merkt man das an den Auflagen, die ja eh schon lange nicht mehr sonderlich hoch sind, wenn es sich nicht gerade um einen Bestseller handelt. Das Verschwinden der Midlist hat zwar vor dem Aufkommen des Streamings angefangen, wird durch Letzteres aber vermutlich noch beschleunigt. (So lange es sich bei der Serie nicht um eine Buchverfilmung handelt - dann ziehen die Verkäufe der entsprechenden Serie natürlich an.) Inwieweit das Ganze quantifizierbar ist, weiß ich nicht (und ich vermute stark, das weiß niemand), aber dass es Auswirkungen hat, glaube ich schon.


    Für mich sah in den letzten Jahren so manche Aktion der größeren Häuser in Sachen SF-Buch hierzulande so aus, als wenn man das einfach mal probieren wollte. Wieso auch immer. Das hat nicht geklappt. Die Gründe dürften hier vielfältig sein. Vermutlich sind diese aber in erster Linie in den Redaktionen zu finden.

    Ja, sicher, genau das war es vermutlich auch. Wobei ich da den Lektoraten und Redaktionen eher weniger die Schuld bzw. nur eine Teilschuld gebe. Letztlich weiß man im Vorfeld nie, was funktionieren wird und was nicht. Man kann optimale Voraussetzungen für einen Erfolg schaffen, aber ob er sich dann einstellt ... wird man sehen. (Dass man häufig keine optimalen Voraussetzungen geschaffen hat, würde ich nie bestreiten. ;) Aber manchmal hat man das schon getan bzw. versucht, und es hat halt doch nicht geklappt.) Andererseits entscheiden die Lektorate oder Redaktionen ja nicht allein, sie sind - zumindest in den großen Publikumsverlagen - in das Gesamtsystem eingebunden und unterliegen da halt auch gewissen Zwängen. Ich glaube ja, dass man u.a. Zeit bzw. eine gewisse Konstanz braucht, wenn man auf dem Markt etwas durchsetzen will. Aber genau diese Zeit bekommen weder die Lektorate noch die jeweiligen Titel (was natürlich wiederum ein allgemeiner, nicht nur auf die Verlagswelt bezogener Trend ist - die nächsten Quartalszahlen sind wichtiger, als der Versuch, Nachhaltigkeit zu erzeugen, die sich vielleicht erst in zwei, drei, vier Jahren auszahlt ... und dann heimst längst jemand anderes die Lorbeeren ein).


    Gibt es eigentlich schon eine Vorschau auf die neuen SF-Titel von Hirnstorff?

    Nö, da ist die aktuellste Vorschau noch der Herbstkatalog 2019. Ich hab den Verlag aber auf dem Schirm, d.h. wenn es eine neue Voschau gibt, werde ich die im entsprechenden Thread verlinken.

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  • Für mich liest sich das so, als wenn man zwanghaft Gründe für Misserfolge woanders sucht. KNV ist böse. LIBRI ist böse. Die Streamingdienste sind böse. Da wo die Quoten der SF-Serien bekannt sind, kann man diese Serien beim besten Willen nicht als Grund anführen, dass Leute weniger kaufen. DARK MATTER war kaum messbar, sowohl in den USA als hier bei TELE 5. THE EXPANSE brachte keine 700.000 Zuschauer bei SYFY in den USA vor den Fernseher. Jahrzehnte lang kam keine KRIEG-DER-STERNE-Serie zustande im Fernsehen - wieviele Leute die 8, 10 Folgen einer Serie WIRKLICH bei Netflix & Co. gucken, kann man immer nur raten - behaupten können die Anbieter immer viel.


    Für mich sah in den letzten Jahren so manche Aktion der größeren Häuser in Sachen SF-Buch hierzulande so aus, als wenn man das einfach mal probieren wollte. Wieso auch immer. Das hat nicht geklappt. Die Gründe dürften hier vielfältig sein. Vermutlich sind diese aber in erster Linie in den Redaktionen zu finden.


    Gibt es eigentlich schon eine Vorschau auf die neuen SF-Titel von Hirnstorff?

    Das waren jetzt nur ein paar ausgewählte Beispielserien aus dem Bereich Weltraum-SF oder Fantasy, und dass es in den letzten Jahren wieder mehr geworden sind. Die Leute bingen natürlich noch ganz andere Sachen wie "Stranger Things", "Peaky Blinders", "Dark" usw. Ich komme kaum damit hinterher, alle jene Serien zu schauen, die mich interessieren. Und ja, teilweise wird dafür von mir auch Lesezeit abgzwackt. Die Bücher zu "The Expanse" lese ich z. B. nicht, weil mir die hervorragende Serie ausreicht. Ich beobachte jedenfalls in meinem Freundes- und Bekanntenkreis (und auch in diversen Foren und sozialen Medien), dass immer mehr über Serien diskutiert wird, und immer weniger über Bücher. Die Zahl der Netflixabonnenten scheint mir in diesem Kreis enorm hoch zu sein.

  • Für mich nehmen die Streamingdienste den Platz ein, den früher Kinos, die DVD und vor allem das Fernsehen inne hatten - ich erinnere mich schon daran, dass man früher (in den 80er und 90er Jahren) mehrmals die Woche vor dem Fernseher saß und die neuen Folgen von x Serien sah - die auf meist über 20 Folgen je Staffel kamen. Ich finde jetzt nicht, dass so viel SF in Serie bei den Streamingdiensten stattfindet, Ich finde das eher übersichtlich.

  • Für mich nehmen die Streamingdienste den Platz ein, den früher Kinos, die DVD und vor allem das Fernsehen inne hatten - ich erinnere mich schon daran, dass man früher (in den 80er und 90er Jahren) mehrmals die Woche vor dem Fernseher saß und die neuen Folgen von x Serien sah - die auf meist über 20 Folgen je Staffel kamen. Ich finde jetzt nicht, dass so viel SF in Serie bei den Streamingdiensten stattfindet, Ich finde das eher übersichtlich.

    Der Unterschied ist, dass man bei Streamingdiensten eine riesigen Auswahl rund um die Uhr hat (für 8 Euro im Monat, weiß du noch, was DVD-Boxen einmal gekostet haben?). Man ist weder an bestimmte Zeiten noch an bestimmte Wiedergabegeräte gebunden. Wer früher im Zug ein Buch gelesen hat, schaut da heute eine Serienfolge auf dem Notebook, Tablet oder Smartphone. Sehe ich immer wieder. Auch wenn das für mich persönlich nichts ist. Früher gab es zwei, drei Serien, die man mit einer Folge wöchentlich geschaut hat. Freitags "Akte X", Samstag "Deep Space Nine", Sonntag "Babylon 5". Das waren 3 Stunden pro Wochenende, dazu vielleicht noch ein Kinoabend. Heute hauen Netflix und Co. wöchentlich neue Serien auf einmal raus, wo gleich 12 Stunden am Wochenende weggebingt werden. Die sind dann für ca. 2 Wochen Gesprächsthema, dann geht es zur nächsten.


    Phantastische Serienneustarts 2019

    Love, Deat + Robots

    Carnival Row

    Dark Crystal: Age of Resistance

    Good Omens

    The Umbrella Academy

    Undone

    Watchmen

    The Witcher

    Osmosis

    Matrjoschka (Russian Doll)

    The Boys

    For All Mankind

    Green Frontier (Frontera Verde)

    Better Than Us

    Doom Patrol

    Pennyworth

    Limetown

    The Mandalorian

    See


    Weiter laufende:


    Arrow

    Titans

    Supergirl

    Flash

    Black Mirror

    Westworld

    The Expanse

    Lucifer

    Dark

    usw.

  • Und Netflix hat auch ausnahmsweise mal wieder ein paar Zahlen durchsickern lassen, nach denen die zwei beliebtesten Serien aus der SF Schiene kommen.

    Stranger Things mit 73 Mio. Aufrufen und Umbrella Academy mit 44 Mio. Aufrufen.


    Ich für meinen Teil hoffe ja, dass diese ganzen neuen kommenden Serien, wie bspw. The Witcher (obwohl mir die Bücher nicht so gefallen haben) auch vormals nicht Fantasyfans zum Büchergenre leiten. Klar wird die Welle nicht so groß sein wie bei GoT und auch die Videospiele haben schon ihren Teil getan, aber Serien haben schon noch ein breitetes Publikum. Und auch LoTR, wenn auch weithin bekannt, kommt jetzt neu als Serie (sogar mit über 20 Folgen, was heutzutage mehr als ungewöhnlich ist).

    Mit Schirm, Charme und McClane


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    And now the page before us blurs.

    An age is done. The book must close.

    We are abandoned to history.

    Raise high one more time the tattered standard

    of the Fallen. See through the drifting smoke

    to the dark stains upon the fabric.

    This is the blood of our lives, this is the

    payment of our deeds, all soon to be

    forgotten.

    We were never what people could be.

    We were only what we were.


    Remember us

  • Wenn man Stover gelesen hat, werden nebenbei bemerkt diese ganzen Bücher über jugendliche Superduper-Assassinen (die inzwischen auch gerne Mädchen sein dürfen - dann wird eben nach dem Kampf noch kurz die Frisur gerichtet oder der abgebrochene Fingernagel in Ordnung gebracht :biggrin2: ) schlicht unlesbar, weil man noch schneller merkt, wie entsetzlich dünn und konstruiert diese ganzen Figuren sind (yes, Mr. Kristoff, I'm looking at you).


    Ts, ts, gero, wie sexistisch! :biggrin2: (Ich erlaube mir den Scherz einmal, weil du mich kennst und weißt, dass es eben ein Witz ist und man bei so einer Steilvorlage doch gar nicht anders kann! -;)) Aber Recht hast du auch hinsichtlich anderer Autoren: Neulich habe ich den ersten Band des Zweiteilers von Leigh Bardugo gelesen ("Lied der Krähen"?), und ich muss sagen, die Geschichte hat mich gut unterhalten … nur musste ich auf gefühlt jeder zweiten Seite die Augen verdrehen und bald die Zähne zusammenbeißen, weil wirklich jede Hauptfigur (die "Guten" zumindest) um die siebzehn ist … dabei kriminelles Superhirn und Kampfgenie, Meisterdiebin, Zauberin, Krieger, Superschütze etc. Ich kann mir all die Superlative in zarten Jahren nur mit der in pseudomittelalterlichen Welten offenbar sehr gering angenommenen normalen Lebenserwartung erklären -;).


    Was aber nun die Mischung aus SF und Fantasy angeht, gab es auch eine (aus anderen Gründen nun eher zwiespältige) Autorin, deren diesbezügliche Bücher ausgesprochen erfolgreich waren, nämlich Marion Zimmer Bradleys "Darkover". Meines Erachtens nach wären sie es heute immer noch, dabei leben sie genau von der Verbindung und manchmal dem Kontrast von SF- und Fantasy-Verständnis. Darum denke ich, dass es manchmal doch auch an der Präsentation liegt.

    Mich persönlich hätte Stover durchaus prinzipiell gereizt, vor allem dank mistkaeferls Erzählungen, aber schon Leseproben waren mir teils zu brutal und unerfreulich. Insofern bin ich mir nicht sicher, ob nicht auch gerade in solchen "etwas anderen" Geschichten derzeit gerne und überwiegend eine zerstörerisch-pessimistische Weltsicht zu Grunde liegt - und das gefällt nicht jedem.

    (Mir etwa auch nicht. Ich will einfach keine Geschichten lesen, in denen mir die meisten Leute unsympathisch sind, die Handlung grundsätzlich unerfreulich und die Welt ohnehin nur schlimm und dazu da, vor die Hunde zu gehen, überspitzt gesprochen. Das kann alles freilich hervorragend geschrieben und deswegen lesenswert sein. Meines Erachtens ist das ein Trend, der aber vielleicht auch manch sehr gut schreibendem Autor zum Verhängnis werden kann; vor allem, wenn er nicht schlimm/blutig/brutal genug ist, um als vermeintlich "authentisch" hochgejubelt zu werden, und womöglich sogar dazu anregt, dass man beim Lesen nachdenken und so manches hinterfragen müsste, denn das mögen manche Leute nicht -;).)


    Und was nun die ganzen Serien angeht, so denke ich auch, dass sie durchaus eine ernstzunehmende Konkurrenz fürs Lesen allgemein darstellen - selbst wenn einzelne keine Zuschauerrekorde brechen, ist es doch allein die Summe der Auswahlmöglichkeiten, die natürlich Publikum abzieht. Meines Erachtens aus zwei Gründen: Erstens ist es "weniger anstrengend", sich einfach nur eine Serienfolge anzuschauen oder vielleicht auch mehrere hintereinander, als wenn man quasi aktiv lesen und sogar selber mitdenken muss, statt sich nur berieseln zu lassen (das merke ich in stressreichen Zeiten an mir selber, wenn ich wesentlich mehr Serien schaue als Bücher lese, und das nur von DVDs und ohne Streamingdienst).

    Zweitens muss man auch zugestehen, dass rein technisch heute so viel mehr möglich ist, was früher nur in Beschreibungen und durch die eigene Vorstellungskraft denkbar war, gerade in den Bereichen SF und Fantasy. Natürlich nützt die herrlichste Optik nichts, wenn die Geschichte dahinter dünn oder Mist ist, aber das merkt man ja auch meist erst im Verlauf. Früher, als all die optischen Darstellungsmöglichkeiten noch weit eingeschränkter waren, waren natürlich Autoren, denen es gelang, faszinierende neue Welten zu erschaffen und zum Leben zu erwecken, enorm im Vorteil, weil es für die Vorstellungskraft eben kaum Grenzen gibt. Moderne Technik nimmt nun dem Publikum auch diese ab, und ich meine, dass dies eine große Rolle spielt bei der Wahl zwischen Buch und Film etc.

    Zu hoffen bleibt, dass der Serienerfolg vielleicht wirklich auch aufs ein oder andere Buch abfärbt.

  • Lesen ist einsam, erst nach der Lektüre hat man - vielleicht - das Glück, mit jemandem darüber sprechen zu können. Aber heute muss bei vielen ja alles "geteilt" werden. Und unangenehme Gefühle oder innere Spannungen allein auszuhalten gerät ohnehin immer mehr zu etwas, das es tunlichst zu vermeiden gilt. (Da könnte ich jetzt einen Schlenker anschließen zum Thema ... nein, lassen wir das.)


    Das Filmmedium holt einen dagegen ganz woanders ab, auch über den Ton. Ich habe auch von einigen Leuten gehört, die ich nur am Rande kenne (so wie Frisieurin oder Fußpflegerin -:)), dass sie beim Seriensehen noch bügeln oder die Katze kraulen und mit dem Smartphone spielen, auf FB sind oder WhatsApp oder so ... also drei Dinge gleichzeitig machen, wie praktisch. Die Konzentrationsfähigkeit und -bereitwilligkeit hat ja bei vielen Menschen ohnehin rapide abgenommen.


    Deshalb glaube ich nicht, dass Leute in nennenswertem Umfang so einfach von Fantasy/SF in Serien aufs Buch wechseln. Außer vielleicht bei dem, was zum Film passt.


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    "An eagle flies only as high as the sky. But a silver swan, reborn from its funeral pyre, flies to the stars." David Zindell
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  • @ Seyra:


    Ich weiß. :naughty: Und ich weiß natürlich auch, dass das eine Steilvorlage war. Betrachte es als meinem Genervtsein über bestimmte Figuren geschuldet (du gibst mit Bardugos Lied der Krähen ja selbst ein passendes und mMn fürchterliches Beispiel ), die mich in ihrer männlichen Version nebenbei bemerkt genauso nerven. Was die Mia Corveres und Celaena Sardothiens etc pp dieser Welt angeht, gebe ich neben einigen anderen Faktoren ja Arya Stark einen großen Teil der Schuld für ihr vermehrtes Auftreten (aber das Thema ist komplex, deshalb will ich hier gar nicht weiter darauf eingehen).


    @ all:


    Wie oben schon erwähnt, gehe ich durchaus davon aus, dass ein vergrößertes Streaming-Angebot (das ja zusätzlich zu Kino und normalem TV und PC-Spielen und und und kommt) sehr wohl zumindest teilweise zu Lasten des Lesens geht. Andererseits ist mir in dieser Diskussion mal wieder deutlich geworden, dass wir alle nattürlich mit dem Problem persönlichen bzw. anekdotischen Wissens zu kämpfen haben. In meinem Freundeskreis wird kaum gestreamt, und wenn ich z.B. bei Twitter wäre, würde ich ganz gewiss niemandem folgen, der oder die primär über Netflixserien u.ä. twittert, d.h. wir suchen uns ja zumindest im sog. Social-Media-Bereich die passende Blase. Das wiederum kann dann mMn ganz schnell dazu führen, dass man Themen, Stimmungen, Dinge bewertet bzw. ihnen eine Bedeutung zubilligt, die sie außerhalb der Blase längst nicht haben. Andererseits wurde z.B auf manchen Geburtstagsfeiern bei Freunden über bestimmte Serien in einer Ausführlichkeit und von so vielen gesprochen, wie es bei Büchern (vor allem, auf ein Buch/eine Buchreihe bezogen) nie der Fall war. (Und auf unseren Forentreffen wird vermutlich mehr über Glen Cook gesprochen, als sonst das ganze Jahr in ganz Deutschland. ;))


    Ich persönlich nutze weder das TV-Programm (von gelegentlich ein bisschen Fußball abgesehen) noch irgendwelche Streaming-Dienste (auch meinen Amazon-Prime-Account nicht); ich habe hier ziemlich viele *hust* Bücher (und Comics) rumstehen, und ich bestimme meine Rezeptionsgeschwindigkeit gerne selbst. Das heißt nicht, dass ich nicht gelegentlich ins Kino gehe oder mir eine DVD anschaue, aber den Löwenanteil meiner Freizeitgestaltung in dieser Hinsicht nimmt immer noch das Lesen ein (und ich denke, das wird auch noch ein Weilchen so bleiben). Aber ich kenne eben auch ein paar Leute, die inzwischen sehr viel streamen. Und dadurch (noch) weniger lesen. Irgendwer nutzt das vielfältige Angebot - und dass das nicht zumindest zum Teil zu Lasten des Lesens passiert, kann ich mir einfach nicht vorstellen. :nixweiss:


    @ McClane/Seyra:


    Ich habe eigentlich wenig Hoffnung, dass die anstehenden Fantasyserien (The Witcher, LotR-Prequel, The Wheel of Time) dem Genre an sich auf dem Buchmarkt einen Schub geben. Bei dtv, Klett-Cotta und Piper dürften die Sektkorken geknallt haben, als klar wurde, dass diese Serien produziert werden (und bei Penhaligon/Blanvalet hofft man auf das GoT-Prequel, bei Knaur auf die - afaik immer noch im Planungsstadium befindliche - Broken-Earth-Serie), denn das bedeutet, dass die Verkäufe der entsprechenden Reihen ordentlich anziehen. Auf die anderen Bücher hingegen dürften die Auswirkungen marginal sein. (Wenn ich ehrlich bin, denke ich inzwischen, dass GoT dem Genre mehr Schaden zugefügt als Nutzen gebracht hat; genutzt hat die Serie GRRM und den Verlagen, die die Bücher herausbringen - es sei ihnen gegönnt, nicht missverstehen - aber den Verkaufszahlen der anderen Bücher hat das mMn eher geschadet; und das wird bei den anstehenden Serien nicht anders sein.)

    Beware the stories you read or tell; subtly, at night, beneath the waters of consciousness, they are altering your world. (Ben Okri)

  • (Wenn ich ehrlich bin, denke ich inzwischen, dass GoT dem Genre mehr Schaden zugefügt als Nutzen gebracht hat; genutzt hat die Serie GRRM und den Verlagen, die die Bücher herausbringen - es sei ihnen gegönnt, nicht missverstehen - aber den Verkaufszahlen der anderen Bücher hat das mMn eher geschadet; und das wird bei den anstehenden Serien nicht anders sein.)

    Das vermute ich auch. So wie der Boom der letzten Jahre an Science-Fiction-Filmen im Kino auch nicht zu mehr Interesse an entsprechenden Büchern geführt hat.

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