Aktuelle Neuerscheinungen

  • Ach, den Thread gibt's ja auch noch. :floet2: (Mal ernsthaft, ich hatte einige Kandidaten, die ich in diesem Thread eigentlich vorstellen bzw. auf die ich hinweisen wollte. Dummerweise ist es in den letzten sechs Monaten jeweils bei der Absicht, es zu tun, geblieben - und jetzt sind sie nicht mehr aktuell. :nixweiss: )


    So ganz aktuell ist das Buch, um das es jetzt gehen wird, auch nicht - es ist am 14. April 2025 erschienen - aber wir wollen ja nicht päpstlicher als der Papst sein ... oder so. Und außerdem hier irgendwie einen Neustart hinlegen. :biggrin2: Okay, here we go ...


    Im April ist bei Suhrkamp Die blutige Kammer: Erzählungen von Angela Carter erschienen. Bei dem Titel - der Übersetzung von The Bloody Chamber (1979), einer Kurzgeschichtensammlung, die hierzulande erstmals (und zum einzigen Mal) in den 1980er Jahren unter dem Titel Blaubarts Zimmer* als HC und TB veröffentlicht wurde - handelt es sich nicht um eine einfache Neuausgabe, sondern um eine Neuübersetzung mit Illustrationen und einem Nachwort.


    Das Buch, das der Verlag zB bei Amazon so anpreist


    Quote

    Das Kultbuch von der Godmother der feministischen (Horror-)Literatur


    Väter, Bestien, Werwölfe – die Frauen in Märchen haben seit jeher kein einfaches Los. In Angela Carters Kult-Nachdichtungen von etwa Blaubart, Der gestiefelte Kater oder Die Schöne und das Biest wird die traditionelle Rollenverteilung nicht nur umgekehrt, sondern in die Luft gejagt. Hier werden Frauen zu Tigerbräuten und Schöne zu Biestern, Erlkönige mit dem eigenen Haar erwürgt und Werwolfsgroßmütter von ihren Enkelinnen erledigt. Die Antiheldinnen und Heldinnen dieser Märchen sinnen in gleichem Maße auf Rache, wie sie nach Liebe streben.


    Angela Carter ist die Godmother der feministischen (Horror-)Literatur. Ihre abgründig-erotischen Neuerzählungen von Märchen bestechen auch mehr als fünfzig Jahre nach ihrem Erscheinen mit unvermittelter Wucht.


    und dessen letzte Taschenbuchauflage aus dem Jahr 1987 stammt (was immerhin fast 40 Jahre her ist), hat eine neue Ausgabe mMn durchaus verdient. Die enthaltenen Kurzgeschichten - im Prinzip gegen den Strich gebürstete und die im Ausgangsmaterial unterschwellig enthaltene Erotik und/oder Sexualität deutlicher ins Blickfeld rückende Märchen - gelten als gut geeigneter Einstieg in das Werk der im Jahr 1992 verstorbenen englischen Autorin, deren Werke (von denen es The Infernal Desire Machines of Doctor Hoffman als Die infernalischen Traummaschinen des Doktor Hoffman überraschenderweise auf unsere Liste der 100 besten Fantasybücher geschafft hat) ein recht breites Spektrum abdecken, aber sicher nicht typisch für das jeweilige Genre sind, in dem man sie verortet. Es wäre zu hoffen, dass Die blutige Kammer nur ein Anfang ist und auch noch ein paar andere, längst vergriffene Werke Carters gelegentlich wieder neu aufgelegt werden.



    * - hier haben wir mal wieder ein kleines Beispiel für die beliebten oddities of publishing, die häufig nichts als Fragezeichen über den Köpfen der Nicht-Eingeweihten erzeugen: bei der HC-Ausgabe von Rowohlt aus dem Jahr 1982 lautet der vollständige Titel Blaubarts Zimmer: Märchen aus der Zwischenwelt, bei den rororo-TB-Ausgaben von 1985 und '87 hingegen Blaubarts Zimmer: Märchen für Erwachsene. Tja ...

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Nachtrag (weil ich beim Schreiben des obigen Beitrags x-mal unterbrochen wurde und daher zwischendurch den Faden verloren bzw. am Schluss was vergessen habe):


    Zwei der Kurzgeschichten aus The Bloody Chamber bzw. Die blutige Kammer bilden die Grundlage für den den Film The Company of Wolves (1984; dt. Die Zeit der Wölfe) von Neil Jordan, nämlich "The Werewolf" und "The Company of Wolves", die sich beide auf das Märchen Rotkäppchen beziehen. Angela Carter hat selbst am Drehbuch mitgearbeitet, das auf der Basis ihrer Geschichten entstanden ist - mit dem Effekt, dass Die Zeit der Wölfe das Rotkäppchen-Thema noch ein bisschen "freudianischer" umsetzt als die Geschichten. (Das sagt u.a. die Wikipedia, und so erinnere ich mich auch, wobei ich dazusagen muss, dass es verdammt lang her ist, dass ich - damals - Blaubarts Zimmer gelesen bzw. den Film gesehen habe; ich habe aber immer noch sehr gute Erinnerungen an letzteren, und er steht auch auf einer Liste mit Filmen, die ich mir eigentlich schon lange mal wieder anschauen wollte.)

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Danke für den Hinweis. Den Film mochte ich immer gerne, vor allem der Epilog am Ende ist mir deutlich in Erinnerung geblieben.

  • Ich habe im NWotW-Thread gerade geschrieben, dass nächstes Jahr im Mai der zweite Band von Alan Moores Long London Quintet im englischen Sprachraum erscheinen wird, und bei der Gelegenheit auch auf die Anfang Oktober von Carcosa zu erwartende deutsche Ausgabe des ersten Bandes Das Große Wenn hingewiesen. Da trifft es sich ganz gut, dass es bei Carcosa inzwischen auch eine Leseprobe gibt, so dass sich alle, die noch nicht so recht wissen, was sie in diesem Fall von Alan Moore zu erwarten haben, ein erstes Bild machen können: Klick!


    Have fun! :biggrin2:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Da mich der Blick in die Vorschauen der Großverlage mit Genrereihen momentan deutlich mehr frustet als mir Freude macht, werde ich zwischendurch hier wieder vermehrt Hinweise auf mehr oder weniger aktuelle* Neuerscheinungen posten, die eben nicht in den bekannten Genrereihen erscheinen, sondern sich eher irgendwo im Programm besagter Verlage verstecken oder von kleinen und Kleinverlagen veröffentlicht werden, deren Bücher man nicht stapelweise in den normalen Buchhandlungen (und schon gar nicht bei den marktbeherrschenden Ketten) findet. Zumindest habe ich das vor ... :floet2:


    Den Anfang macht mit Jasper Fforde ein Autor, der auch von einigen Forumosen heiß geliebt wird. Von ihm ist Anfang September Wie die Karnickel (OT: The Constant Rabbit (2020)) beim Berliner Satyr Verlag erschienen (der Link führt zur HP des Satyrverlags, der seit 2005 unter dem Motto "Indiebooks aus Berlin" aktiv ist).



    Auf der Produktseite des Verlags gibt es nicht nur die oben zitierte Buchvorstellung, sondern auch ein paar Pressestimmen aus der englischsprachigen Welt, sowie ein kurzes Interview mit Jasper Fforde.


    * - zur Zeit leben wir ja in einer in vielerlei Hinsicht fluiden Welt; von daher sollte man auch das "aktuelle" im Threadtitel als ganz bestimmt nicht in Stein gemeißelt betrachten ... :biggrin2:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Hatte ich erwähnt, dass man das "aktuelle" im Threadtitel nicht allzu ernst nehmen sollte? Ja, hatte ich. Und wie's der Zufall so will, wird's im aktuellen Posting dann auch gleich mal um einen nicht ganz so aktuellen Titel gehen. (Eigentlich wird es um zwei Titel gehen, aber den zweiten habe ich nur entdeckt, weil ich zufällig über den ersten gestolpert bin ...)


    Ich habe nämlich aus bestimmten Gründen vorgestern ein bisschen über William Hjortsberg recherchiert - das ist ein amerikanischer Horror- und SF-Autor, der u.a. einen Roman mit dem Titel Falling Angel (1978) geschrieben hat, den vermutlich niemand von euch gelesen hat, über dessen Inhalt (zumindest, was die wesentlichen Plotelemente angeht) allerdings alle Bescheid wissen, die den Film Angel Heart (1987) gesehen haben (dessen Drehbuch Hjortsberg zwar ebenfalls verfasst hat, der sich aber in einigen Details vom zugrundeliegenden Roman unterscheidet). Um Falling Angel geht es hier aber nicht, sondern um den SF-Roman Gray Matters, den Hjortsberg bereits 1971 verfasst hat und der überraschenderweise im August 2025 auf Deutsch unter dem gleichen Titel im Wandler Verlag erschienen ist.


    Auf der Verlagsseite steht dazu:


    Quote

    Hjortsbergs Science Fiction-Roman von 1971 ist heute aktueller denn je zuvor. Seine einzigartige Vision gilt zurecht als absoluter Klassiker der Science Fiction.

    Inhalt: Der Dritte Weltkrieg hat den größten Teil der Welt verwüstet, doch für die wenigen glücklichen (und reichen) Menschen, deren Gehirne in einer voll- automatisierten Station konserviert wurden, ist das Leben noch immer gut.

    Obwohl diese Cerebromorphen keine Körper haben, mit denen sie sich bewegen können und in Tanks riesiger Lagerstätten gelagert und an Computer, Speicherdateien und gigantische Lernprogramme angeschlossen sind, steht es ihnen frei, in Gedanken jeden anderen Bewohner aufzusuchen und sich nach Herzenslust auf emotionale, intellektuelle und (pseudo-)sexuelle Weise zu vergnügen...

    Zudem sollen sie verschiedene Erkenntnisstufen durchlaufen, bevor sie befreit und in eigens dafür erichteten Brutstätten aufgezogene, perfekte Körper eingepflanzt und in das blühende ländliche Paradies außerhalb zurückgeschickt werden.

    Der Roman folgt einer kleinen Gruppe dieser Gehirne: dem eines 12-jährigen Jungen, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam; einer ehemaligen Filmkönigin, anspruchsvoll, reich und tödlich; eines ehemaligen nigerianischen Bildhauers und dem letzten der großen Humanisten ...


    Das klingt nach schrägem, aber durchaus originellem Stoff und zeigt einmal mehr, dass der Wandler Verlag zwar kein allzu großes Programm hat, aber immer mal wieder Titel bringt, die bei den großen Publikumsverlagen keine Chance hätten. Das Problem ist nur, auf diese Bücher dann auch aufmerksam zu werden. (Okay, ich hab' jetzt den Verlagsnewsletter abonniert, denn wie gesagt, über Gray Matters bin ich rein zufällig gestolpert, weil ich ein bisschen was über Mr. Hjortsberg rauskriegen wollte.


    Und auf der Verlagsseite habe ich dann noch ein anderes Buch gefunden ... (okay, mehr als eins, aber ...)

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Auf der Seite, auf der Gray Matters vorgestellt/beworben wird, wird auch Ein Tanz für Emilia von Peter S. Beagle präsentiert, und der Titel ist zwar schon im Mai 2025 erschienen, aber bislang komplett an mir vorbeigegangen (okay, ich bin entschuldigt, weil ... ich zum damaligen Zeitpunkt mit anderem Kram beschäftigt war). Vielleicht geht das ja nur mir so, und ihr wisst alle schon längst, dass es diesen Band gibt. Falls ja ... isses halt so :nixweiss: , falls nein ... bekommt ihr halt wieder mal einen Hinweis auf ein Buch. :biggrin2:


    Ein Tanz für Emilia ist eine Originalzusammenstellung und enthält als deutsche Erstveröffentlichungen die Übersetzung der Erzählung A Dance for Emilia (2000), die auch als Titel der Sammlung dient, und die der Kurzgeschichte "The Story of Kao Yu" (2016) unter dem Titel "Die Geschichte des gerechten Richters Kao Yu". Beide Geschichten sind im Original nach ihrer Erstveröffentlichung als chapbook (Emilia) bzw. eBook (Kao Yu) nur selten nachgedruckt worden, sind aber in der monumentalen, aus den zwei Bänden Lila the Werewolf and Other Stories und Oakland Dragon Blues and Other Stories bestehenden Sammlung The Essential Peter S. Beagle (2023) zu finden.


    Last but not least, was der Verlag zu dem Band schreibt:



    Demnächst gibt's noch mehr ... :biggrin2:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ich habe nämlich aus bestimmten Gründen vorgestern ein bisschen über William Hjortsberg recherchiert - das ist ein amerikanischer Horror- und SF-Autor, der u.a. einen Roman mit dem Titel Falling Angel (1978) geschrieben hat, den vermutlich niemand von euch gelesen hat ...

    Na, und ob ich den gelesen habe. 2018 schrie ich dazu auf meinem Blog:


    "Hard-Boiled-Krimi mit okkultem Einschlag über einen hartgesottenen Privatschnüffler, der in den 50er-Jahren in New York durch einen zwielichtigen Auftraggeber in einige unheimliche Vorgänge verwickelt wird. Toller Stil, absolut schnörkellos aber elegant auf den Punkt geschrieben mit vielen Slang-Ausdrücken und Formulierungen aus dieser Zeit. Habe so z. B. gelernt, was ein „shamus“ ist. Wurde übrigens mit Mickey Rourke und Robert De Niro als Angel Heart verfilmt (allerdings in New Orleans)."


    Was ein "shamus" ist, habe ich allerdings wieder vergessen.

  • Okay, dass du den Roman gelesen hast, überrascht mich jetzt nicht sonderlich ;); aber klar, ich hätte statt "vermutlich niemand" besser "vermutlich kaum jemand" schreiben sollen, dann wäre ich auf der sicheren Seite gewesen. Und eigentlich hätte ich es wissen können/müssen, dass du Falling Angel gelesen hast, denn ich habe damals regelmäßig deinen Blog und daher ziemlich sicher auch deine Rezi gelesen. Andererseits ... kann sich kein Mensch alles merken, was man so liest (und bei den meisten Dingen ist das ja auch nicht wirklich wichtig). :nixweiss:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Eigentlich wollte ich noch im Blick-zurück-Thread was schreiben, aber das hier ist vielleicht interessanter:


    Ganz am Anfang dieses Threads habe ich/haben wir auch manchmal auf Neuerscheinungen in den einschlägigen Genrereihen hingewiesen, und genau das werde ich auch jetzt hier tun, nämlich auf eine Neuerscheinung hinweisen, die zwar nicht in einer Genrereihe kommt, aber immerhin bei einem Verlag, der lange Zeit eine der Stützen des Genres in Deutschland war. (Außerdem ... ist echte Fantasy oder SF auch in den Genrereihen der Publikumsverlage mittlerweile so selten geworden, dass man getrost wieder darauf hinweisen kann/darf/sollte. :biggrin2: )


    Vor ein paar Monaten habe ich hier auf den Tähtifantasia-palkinto 2025 hingewiesen, einen finnischen Fantasypreis, auf dessen Shortlist u.a. ein Buch namens Ikitalven polku gestanden hat, und ich habe auch angemerkt dass dieses Buch im November als Der Weg des ewigen Winters auf Deutsch erscheinen wird.


    Tatsächlich ist Der Weg des ewigen Winters von Niilo Sevänen auch vor ziemlich genau einem Monat erschienen, und da der Autor nicht nur Autor, sondern eigentlich und vor allem auch Sänger, Texter und Bassist von Insomnium ist (und man bei Lübbe natürlich weiß, wo man vielleicht eine potentielle Zielgruppe erreichen kann), findet sich auf der HP des Metal Hammer ein Auszug aus einem Ende November mit Sevänen geführten Interview. (Das ganze Interview gibt's im Magazin.)


    Ich finde das, was man da lesen kann, gar nicht mal so uninteressant, und ich finde auch das, was ich bisher über Der Weg des ewigen Winters mitbekommen habe, gar nicht so uninteressant. (Wohingegen ich wahrscheinlich kotzen muss - 'tschuldigung - wenn ich noch einmal über ein Buch stolpere, das mit "Es vereint Erfolgstropes wie Enemies to Lovers, Slow Burn und Only One Bed" beworben wird.)*


    * - hatten wir nicht mal einen Kotz-Smilie? :gruebel:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

    Edited once, last by gero ().

  • Hier und im Vorschauen-Thread passiert derzeit auch nicht gerade viel, was irgendwie auch meiner Unlust geschuldet ist, mich allzu intensiv mit den Phantastik-Programmen der Großverlage auseinanderzusetzen, weil die (für Menschen, die Fantasy lesen, weil sie Fantasy mögen, oder die SF lesen, weil sie SF mögen) für das gerade begonnene Jahr einfach nur furchtbar sind. Und wenn man sich diese Meldung von Freebird anschaut, wird ja wohl alles noch viel schlimmer werden. :heul2:


    Deshalb sollte hier erst recht auf jeden aktuellen (oder vor kurzem erschienenen oder bald erscheinenden) Titel hingewiesen werden, der nicht in einer der Genrereihen der Publikumsverlage erscheint und der zumindest hoffen lässt, dass es in ihm nicht um die im vorigen Posting erwähnten "Erfolgstropes" sondern um Fantasy oder SF oder Phantastik geht, die die jeweilige Bezeichnung auch verdient. Ok, nach dieser zugegebenermaßen ein bisschen geschwätzigen Einleitung zur Sache:


    Am 30. Januar wird Der neunte Regen von Jen Williams beim Ronin-Hörverlag als Taschenbuch erscheinen (das eBook und das Hörbuch gibt's wohl schon länger); das ist die Übersetzung des mit dem British Fantasy Award ausgezeichneten Auftaktbands (The Ninth Rain (2017)) der High-Fantasy-Trilogie The Winnowing Flame, deren zweiter Band The Bitter Twins (2018) dieses Kunststück ein Jahr später ebenfalls geschafft hat. Das klingt ja schon mal nicht schlecht (und ich kenne eine vertrauenswürdige Rezensentin, die von dem Roman im Original sehr angetan war). Jen Williams ist eine in ihrer englischen Heimat recht erfolgreiche Autorin, von der auch schon einige Titel auf Deutsch vorliegen (bei denen es sich aber - mit einer Ausnahme) nicht um Fantasy handelt.


    Die Ausnahme ist Das Kupferversprechen, der erste Band ihrer ersten Trilogie, die so heißt, wie der Auftaktband im Original: The Copper Promise (2014). Das Kupferversprechen ist aber nur als Hörbuch bei Lübbe Audio und als eBook erschienen (Letzteres - wenn ich das richtig gesehen habe - zunächst in drei oder vier Häppchen und dann als Sammelband), eine Printausgabe gab es bislang nicht.

    Die gibt es jedoch von den Übersetzungen ihrer Thriller mit Horroreinschlag (?) A Dark and Secret Place (2021) und Games for Dead Girls (2023), die hierzulande als Der Herzgräber (2022) und Die Totenbraut (2024) erschienen sind. Außerdem scheint Jen Williams inzwischen auch dem Lockruf der Dark Fantasy / Romantasy erlegen zu sein, denn The Sleepless, "der Auftakt einer düsteren Slow Burn Fantasy Dilogie mit Enemies-to-Lovers" (und natürlich noch ein paar anderen, wahnsinnig originellen Erfolgstropes), kommt im Februar bei Fischer Sauerländer im Hardcover (das eBook liegt wohl schon vor).

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ein der interessantesten Neuerscheinungen des letzten Jahres ist für mich Die andere Stadt des tschechischen Autors Michal Ajvaz. Das ist keine klassische Fantasy. Es geht um Prag, ein geheimnisvolles Buch und die phantastischen, surrealen Ecken der Stadt, die in den Schatten und Rändern verborgen liegen. Soll relativ philosophisch und literarisch sein. Übersetzerin Veronika Siska hat extra einen Verlag gegründet, um das Buch übersetzen und veröffentlichen zu können. Ich habe es noch nicht gelesen, aber es steht ganz oben auf meiner Leseliste. Mit 27 Euro ist es bei knapp 200 Seiten ziemlich teuer, scheint mir aber ein unterstützenswertes Projekt zu sein.

  • Den Roman hätte ich mir vor in paar Jahren in seiner englischen Inkarnation als The Other City beinahe gekauft, nachdem ich in einem englischen Blog etwas darüber gelesen hatte. Aus irgendwelchen Gründen habe ich das Vorhaben nie in die Tat umgesetzt (wobei ich mich dessen morgen nochmal vergewissern werde), so dass ich die deutsche Ausgabe guten Gewissens auf meinen BaD-Wunschzettel setzen kann. Danke für den Tipp, Pogo, dieses Buch war mir bislang noch nicht untergekommen.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Mit dem Flur Verlag haben wir einen weiteren, erst vor kurzem gegründeten Verlag, dessen Programmschwerpunkt "phantastische Literatur und abenteuerliche Geschichten, Reise und Mode" sind. Hier ist im September 2025 (wie gesagt, man sollte das "aktuelle" im Threadtitel nicht zu eng sehen) mit Ungeheuer am Nordpol von Charles Derennes ein im Original 1907 (als Le peuple du Pôle) veröffentlichter Roman erschienen, der offensichtlich in der Tradition der phantastischen Abenteuerliteratur eines Jules Verne oder H.G. Wells steht.

    Charles Derennes (1882 - 1930) ist ein Autor mit einer ziemlich umfangreichen Bibliografie, der aber - wenn ich das richtig durchschaue - außer Le peuple de Pôl keinen weiteren phantastischen Roman geschrieben hat


    (Der Roman ist übrigens bereits 2008 auf Englisch - übersetzt von Brian M. Stableford - erschienen und steht auf einer Liste mit etlichen, nie auf Deutsch veröffentlichten, aber ins Englische übersetzten Titeln, die ich mir über diesen Umweg mal anschauen wollte. Das kann ich mir jetzt sparen.)

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ach herrje, hier ist ja auch schon lange nichts mehr passiert ... Okay, das hat auch damit zu tun, dass ich mir von unseren mittlerweile recht häufigen Trips nach Münster in drei von vier Fällen eine fette Erkältung mitgebracht habe, die mich jedes Mal zwei oder drei Wochen außer Gefecht gesetzt hat. Trotzdem, so sollte es nicht sein ...


    Nun gut. Schauen wir mal, was es Neues an der Phantastik-Front im weiteren bis weitesten Sinne gibt.


    Da wäre z.B. Der Gräber, der neue Roman von Hendrik Otremba, der am 25. Januar im März Verlag erschienen ist (und möglichst nicht mit diesem Roman verwechselt werden sollte :biggrin2:). Euch allen, denen "die KGnade der späten Geburt" zuteil geworden ist (okay, da ist es um was anderes gegangen, aber das passt auch in diesem Fall) wird der Verlagsname nicht viel sagen - mir schon (aber dazu ein andermal mehr).


    Quote

    Oswalth Kerzenrauch überlebt den 3. Weltkrieg und die Zerstörung der Natur.

    Als die letzten Menschen die Erde verlassen, bleibt er allein zurück in den Ruinen Berlins.

    Ein eindringlicher Roman über Verlust, Liebe, den Untergang der Welt – und die Frage, was bleiben wird.


    Die etwas ausführlichere Beschreibung liest sich so:

    Oswalth Kerzenrauch, genannt ›der Gräber‹, stirbt nicht. Und so überlebt er alle, die er je geliebt hat, auch seine Tochter Luzie, die er bis ins hohe Alter begleitet. Die Wirren des Dritten Weltkrieges hat er ebenso durchstanden wie die endgültige Zerstörung der Flora und Fauna. Als die letzten Erdenbewohner den unwirtlichen Planeten in Richtung Nektar II verlassen, bleibt er mit den wenigen Zurückgelassenen in den Ruinen Berlins zurück. In einer Welt nach der Menschheit entsteht dort in den Trümmern eine widersprüchliche Idylle. Je einsamer er wird, desto mehr verliert er sich in seinen schönsten und in seinen furchtbarsten Erinnerungen.


    Auf der Verlagsseite zum Buch finden sich außerdem eine Leseprobe (hier für die ganz Faulen direkt verlinkt), Pressestimmen und Informationen zum Autor.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Bleiben wir noch für ein Buch beim März Verlag, denn am 11. März ist mit Magus (schickes Cover, mMn) von John Fowles das vielleicht bahnbrechendste Werk des Autors in einer modernen Neuübersetzung erschienen (mehr oder weniger passend zu Fowles' 100. Geburtstag am 31. März).*


    Über das Buch schreibt der Verlag:


    lllusion, Macht, Geheimnis: Magus lässt Realitäten verschwimmen, ein literarisches Vexierspiel aus Rätseln und philosophischen Fragen.

    Der junge Engländer, Nicholas Urfe, ist des Lebens überdrüssig und verlässt sein langweiliges Leben in England. In der Hoffnung, dass seine Dämonen sich in der Sonne besser unter Kontrolle halten lassen, nimmt er einen Lehrauftrag auf einer abgelegenen griechischen Insel an. Als die Dunkelheit ihn auch dorthin verfolgt, schließt er eine Freundschaft mit einem zurückgezogenen Millionär. Schon bald findet er sich als Schachfigur im tödlichen Spiel dieses Tricksers aus Gewalt, Verführung und Verrat wieder.

    Je tiefer Nicholas in die psychologischen Fallen des Magus hineingezogen wird, desto schwerer fällt es, Vergangenheit von Gegenwart und Fantasie von Realität zu unterscheiden.

    Ein Werk reich an Symbolen, Rätseln und labyrinthischen Wendungen, gilt Magus als der magischste Roman im Fowles-Kanon.


    Zum Phantastikgehalt des Romans schreibt John Clute in der Encyclopedia of Science Fiction: "His second novel, The Magus (1965; rev 1977; with additional material 2023), especially in the conciser revised version, more powerfully explores the labyrinths of obsession and manipulation underlying, in all of Fowles's work, the rigmaroles and impostures of daylight reality." Und etwas später: "In studies of the fantastic in general, this novel's working title, The Godgame, has become a shorthand for tales whose outcome is controlled by a god-like figure ..."


    Wie zum Otremba-Roman gibt es auch in diesem Fall auf der Verlagsseite Pressestimmen und Informationen zum Autor; wer noch mehr über John Fowles wissen will, sei an die deutsche bzw. englische Wikipedia verwiesen.


    * - Lustigerweise - naja - gibt es auch hier wieder einen Roman, mit dem man den Magus von John Fowles tunlichst nicht verwechseln sollte ...

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Diogenes ist jetzt nicht unbedingt ein Verlag, den man mit SF, Fantasy oder Phantastik in Verbindung bringt - oder, wenn man es ein bisschen weniger nett sagen will: der seine Ahnungslosigkeit in diesem Bereich mit der unter dem Titel Space Opera verkauften Kassette mit sechs Romanen und Erzählungsbänden von (ausgerechnet) Ray Bradbury bewiesen hat* -, aber ein bisschen dystopische Near-Future-Handlung geht ja eigentlich fast immer. ;)


    Jedenfalls ist am 22. April bei Diogenes mit Tal der Schwalben von Seraina Kobler ein Roman erschienen, über den der Verlag schreibt:


    Quote

    Die Schweiz in naher Zukunft: Die Städte sind zusammengewachsen zur alles beherrschenden »Metropolitane«, während die Alpen für die Stromversorgung zur Sperrzone erklärt wurden. Der junge Wissenschaftler Alesch kehrt in sein Heimatdorf Pradetta zurück, einen abgelegenen Ort im schwindenden Schatten eines Gletschers. Seltsame Wetterphänomene häufen sich am Berg, und schon bald ist Alesch hin- und hergerissen zwischen urwüchsiger Bergwelt und Hoffnung auf Fortschritt. Denn seine so revolutionäre wie gefährliche Forschung könnte die Antwort auf die Energiekrise bergen. Und dann ist da noch seine Jugendliebe Annetta …


    Die Leseprobe liest sich ganz angenehm; der Roman ist allerdings nichts für Leute, die Probleme mit dem Präsens als Erzählzeit haben. Und wer etwas über die Autorin erfahren will, wird hier fündig.



    * - ja, gut, das war 1981 und ist damit schon verdammt lang her - aber die Idee an sich ist so schräg, dass sie immer noch für mindestens einen Lacher gut ist

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ein der interessantesten Neuerscheinungen des letzten Jahres ist für mich Die andere Stadt des tschechischen Autors Michal Ajvaz. Das ist keine klassische Fantasy. Es geht um Prag, ein geheimnisvolles Buch und die phantastischen, surrealen Ecken der Stadt, die in den Schatten und Rändern verborgen liegen. Soll relativ philosophisch und literarisch sein. Übersetzerin Veronika Siska hat extra einen Verlag gegründet, um das Buch übersetzen und veröffentlichen zu können. Ich habe es noch nicht gelesen, aber es steht ganz oben auf meiner Leseliste. Mit 27 Euro ist es bei knapp 200 Seiten ziemlich teuer, scheint mir aber ein unterstützenswertes Projekt zu sein.

    Die andere Stadt liegt mittlerweile übrigens in der zweiten Auflage vor. Klingt schon alles sehr interessant, wenn man mal weg vom reinen Genre will.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

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