Aktuelle Neuerscheinungen

  • Oh shit, das passiert, wenn man sich nicht alles aufschreibt ... ;)


    Jetzt habe ich doch tatsächlich vergessen, darauf hinzuweisen, dass dieser Tage im Buchheim Verlag The Only Good Indians von Stephen Graham Jones erscheint. Das Blöde ist, dass heute die Subskriptionsfrist abläuft - und dass ich genau deswegen diesen Hinweis eigentlich schon letzte Woche bringen wollte. *seufz* (Wobei ich gerade gesehen habe, dass die Subskriptionsfrist jetzt wohl doch bis zum 17.12. läuft.)


    In The Only Good Indians - dies ist übrigens einer der Fälle, bei denen ich voll und ganz nachvollziehen kann, warum man den Originaltitel beibehalten hat - ist ein moderner Horrorroman, der gleichzeitig ein Schlaglicht auf die Lebensverhältnisse der indianischen Bevölkerung der USA wirft (das ist jetzt eine ziemlich dürftige Beschreibung - aber ich habe gerade wenig Zeit, sorry) und der mir im Original sehr gut gefallen hat. Auf der oben verlinkten Verlagsseite zum Buch steht fast alles, was man wissen muss, und es gibt auch eine Leseprobe. (Auf die hatte ich gewartet - denn dass der Roman erscheinen wird, weiß ich schon lange -, weil Stephen Graham Jones schon einen sehr eigenwilligen Stil hat, und da ist es nicht schlecht, wenn man sich vorab einen Eindruck von der Übersetzung verschaffen kann.)


    Sorry für den Telegrammstil - demnächst mal wieder mehr.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ups ... ganz knapp das zweijährige Jubiläum verpasst. So lange ist nämlich in diesem Thread nichts mehr passiert - und ich kann mich noch nicht einmal damit herausreden, dass ich ab Anfang November 2022 irgendwie ... äh ... verhindert war ... :nixweiss:


    Sei's drum.


    Nachdem ich mich in den letzten Tagen ein bisschen um die (aktuellen und nicht ganz so aktuellen) Vorschauen gekümmert habe, will ich jetzt diesen Thread wiederbeleben, um ihn - ganz seinem ursprünglichen Zweck entsprechend - dafür zu nutzen, auf aktuelle (phantastische) Neuerscheinungen aus Kleinverlagen und/oder größeren Verlagen ohne Genrereihen hinzuweisen. Wobei man das mit dem "aktuell" nicht ganz so eng sehen sollte ...


    Da ich mir selbst erst mal einen Überblick verschaffen muss, was in diesem Jahr an interessantem Zeug erscheint bzw. größtenteil schon erschienen ist, wird das hier tröpfchenweise und nicht unbedingt allzu systematisch vonstatten gehen, soll heißen: immer, wenn ich etwas entdecke, auf das sich (aus meiner Sicht) hinzuweisen lohnt, werde ich den/die Titel hier posten. (Und dabei sicher nicht alles entdecken, was relevant sein könnte.)


    Okay, here we go:


    Bereits im Juli ist Das Meer der endlosen Ruhe (OT: The Sea of Tranquility, 2022) von Emily St. John Mandel bei Ullstein im HC erschienen. Der eine oder die andere von den Forumos-Regulars hat iirc Das Licht der letzten Tage (OT: Station Eleven, 2014) bzw. Station Eleven (unter diesem Titel hierzulande nach der Umsetzung als zehnteilige HBO-Max-Serie neu aufgelegt) gelesen, St. John Mandels vierten (und ersten phantastischen*) Roman, der 2015 mit dem Arthur C. Clarke Award ausgezeichnet wurde.


    Im Gegensatz zu The Glass Hotel (2020; dt. Das Glashotel (2021)), ihrem fünften Roman, dessen phantastischer Gehalt sehr gering ist, handelt es sich bei Das Meer der endlosen Ruhe eindeutig um einen SF-Roman, von dessen vier Handlungssträngen zwei in der Zukunft spielen und in dem es u.a. auch um Zeitreisen geht. Wer den eher leisen, unspektakulären Erzählduktus von Das Licht der letzten Tage bzw. Station Eleven mochte, könnte auch mit Das Meer der endlosen Ruhe ziemlich glücklich werden.


    * - Ähnlich wie Margaret Atwood früher einmal scheint auch Emily St. John Mandel mit der Vermarktung ihrer Romane als SF nicht sonderlich glücklich zu sein. Und natürlich kann man einen Post-Doomsday-Roman wie Station Eleven auch rein metaphorisch lesen; man kann ihn aber auch als SF lesen ...

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Wie ich gerade gesehen habe, ist der Thread mit den Vorschauen für Frühjahr und Sommer 2024 noch sehr ... äh ... "luftig". Ich werde am WE mal schauen, was da vielleicht noch nachgetragen werden könnte oder sollte.


    Andererseits kann man auf manche Titel dann auch gleich hier hinweisen, denn es ist ja bereits Frühjahr, und der Sommer zeichnet sich schon am Horizont ab ... oder so.


    Okay, dann fangen wir doch mal mit einem dieser Titel an, auch wenn es sich bei ihm um einen SF-Roman handelt und ich weiß, dass die SF-Fans hier dünner gesät sind als die Fantasy-Fans. Aber vielleicht haben wir ja ein paar Cephalopoden-Fans hier ... :biggrin2:


    Ende 2022 hat in der angloamerikanischen SF-Szene eine Roman einiges Aufsehen erregt, wie Rezensionen bei den üblichen Verdächtigen wie z.B. Locus (auch online), aber auch im Guardian oder der New York Times belegen. An mir ist das damals aus ... äh ... "Gründen" ... komplett vorbeigegangen; ich bin erst hinterher über die eine oder andere Rezi gestolpert und habe den Roman seither auf meiner Merkliste. Jetzt kann ich mir überlegen, ob ich ihn auf Deutsch oder auf Englisch lesen will, denn am 20. April 2024 ist Die Stimme der Kraken (OT: The Mountain in the Sea) von Ray Nayler bei Tropen im HC erschienen - natürlich mit Farbschnitt (wie es sich heutzutage anscheinend gehört, wenn man Bücher verkaufen will :zweifel:), aber immerhin auch mit einem der Cover der Originalausgabe (dem besten, mMn).


    Der Farbschnitt sollte (und wird hoffentlich) niemanden hindern, der sich für das Thema interessiert, sich das Buch zuzulegen. Worum es geht? Ich mach's mir mal einfach und zitiere den Werbetext, der sich bei Tropen auf der Website des Buches oder z.B. bei Amazon finden lässt:



    Der Roman hat 2023 den Locus Award in der Kategorie bester Romanerstling gewonnen, und vieles, was über ihn zu hören ist (und was z.B. auch in der weiter oben verlinkten Locus-Rezension erwähnt wird) klingt schlicht faszinierend. Wer zumindest mal reinlesen will, kann das in der Leseprobe tun, die auf der oben verlinkten Website von Tropen zu finden ist.


    Demnäx mehr - und dann auch sicher wieder Fantasy und/oder Phantastik.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ich habe "The Mountain in the Sea" gleich bei Erscheinen gelesen, denn Ray Nayler ist einer meiner Immer-Lesen-Autoren bei Kurzgeschichten. War gut, einen der Erzählstränge (der sich auf Fischerei konzentriert) fand ich richtig krass. Spannende Überlegungen zu KI und anderen Intelligenzen, was man sich von so einem Roman eben erwartet. So richtig vom Hocker gehauen hat es mich in der Gesamtschau aber dann doch nicht, ohne dass ich genau sagen kann, warum - ich habe mir vielleicht was anderes erwartet. Mehr Oktopus-Interaktion? Auf jeden Fall finde ich die short fiction von Nayler um einiges besser - sowas wie Sarcophagus ist einfach super atmosphärisch. Aber ich werde mir vermutlich auch seinen nächsten Roman zulegen. Wie könnte ich nein sagen zur Rückkehr der Mammuts und Mammut-POV?

  • Danke für deine Einschätzung, Kaeferl! Die lässt das Buch auf meiner Merkliste jetzt doch ein bisschen weiter nach hinten wandern (trotz des Covers, das mir sehr gut gefällt), was mir die Möglichkeit verschafft, mir ein anderes Buch von meiner Merklistezu kaufen.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Vor gut zweieinhalb Jahren habe ich in diesem Thread auf eine damals aktuelle Neuerscheinung – nämlich Die Flüchtigen von Alain Damasio – hingewiesen und bei dieser Gelegenheit damit "gedroht", euch spätestens dann noch einmal zu nerven, wenn Damasios zweiter Roman auf Deutsch erscheint. Den optimalen Zeitpunkt für dieses Posting habe ich verpasst – denn Die Horde im Gegenwind ist bereits Anfang März erschienen –, weil ich den Roman eigentlich ganz schnell lesen wollte, um ein bisschen mehr zu ihm sagen zu können (vielleicht sogar im Buchgedanken- statt hier im Neuerscheinungen-Thread). Das mit dem ganz schnell lesen hat dann aus mehreren Gründen nicht geklappt, aber inzwischen habe ich das Buch durch; das mit den Buchgedanken wird allerdings nichts, weil ich momentan nicht die Power und die Muße für einen Text habe, der einerseits spoilerfrei ist, andererseits deutlich macht, was das Besondere an dem Roman ist.


    Und deshalb gibt es hier jetzt nur den Hinweis auf das Buch mit ein paar allgemeinen Anmerkungen.


    Da ich jetzt schon wieder etliche Sätze geschrieben und eigentlich nicht viel gesagt habe, ist es vielleicht ganz praktisch, mal eben darauf hinzuweisen, dass man auch Die Horde im Gegenwind mit einem Trailer hätte bewerben können, wie es z.B. Heyne mit Die Legende vom Tränenvogel gemacht hat. Denn es existiert tatsächlich ein Trailer zu La Horde du Contrevent, mit dem der Roman ein paar Jahre nach seiner Erstveröffentlichung beworben wurde (was wiederum bedeutet, dass dieser Trailer zehn bis fünfzehn Jahre alt ist und daher produktionstechnisch nicht mehr ganz up to date ist). Okay, das ist jetzt nicht ganz ernst gemeint, denn man – bzw der deutsche Verlag – hätte da natürlich schon noch Arbeit reinstecken müssen; außerdem wäre das Ganze wahrscheinlich auch rechtlich nicht ganz unproblematisch gewesen, und ob ein etwas in die Jahre gekommener Trailer potentielle Leser und Leserinnen anspricht, die noch nie etwas von dem Roman gehört haben, ist zumindest fraglich. Trotzdem – ich persönlich finde die Idee als solche einfach … charmant.


    Hier also nun der Trailer:


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    Okay, worum geht es denn jetzt in Die Horde im Gegenwind? Hier ist der Klappentext:


    Quote

    Eine leere Welt, in der tagein, tagaus der Sturm tost. Manchmal verebbt er zu einem sanften Slamino, selten rast er als verheerender Grimmwind übers Land, doch er weht ohne Unterlass, und stets in dieselbe Richtung: von Fernauf nach Fernab. Immer wieder werden speziell ausgebildete Gruppen – genannt »Horden« – losgeschickt, um stromaufwärts gegen den Wind zu gehen, zu »kontern«, immer weiter, bis zu seinem Ursprung, um die alles überschattende Frage zu beantworten: Woher weht der Wind? Und warum? Was ist da oben, in den unwegsamen Gebieten, die »Fernauf« genannt werden? Dreiunddreißig Horden sind bislang verschollen, umgekommen oder entmutigt am Wegesrand sesshaft geworden. Doch die vierunddreißigste Horde ist fest entschlossen, die letzte zu sein, die Geschichte vom Wind zu Ende zu schreiben. Ob der wahnhafte Furor ihres Anführers Golgoth ihnen dabei Antrieb oder Verhängnis sein wird, ist genauso ungewiss wie das Ergebnis der Berechnungen von Aeromeisterin Oroshi, die den Wind entschlüsseln will wie eine mathematische Formel. Sicher ist nur, dass Sov, der Schreiber, ihre Erlebnisse und Erkenntnisse in seinem Konterbuch festhält, alle Anfänge und Enden dieser Reise, die für fast alle Mitglieder der Horde ein Leben lang dauern wird. Die Gefahren, denen die Horde begegnet, sind physischer wie metaphysischer Natur, der Wind selbst zerrt an der Erzählung, die diesen einzigartigen Roman ausmacht.


    Äh … ja. Der Klappentext bzw. der Text, der tatsächlich auf dem hinteren Buchdeckel steht, unterscheidet sich von dem da oben übrigens ein bisschen, und das nicht unbedingt zu seinem Nachteil (auch wenn er auf die namentliche Nennung einzelner Hordenmitglieder verzichtet).


    In einer Welt, in der permanent ein meist starker, nur manchmal schwächerer Wind immer in die gleiche Richtung weht, ist also die titelgebende Horde unterwegs zum mutmaßlichen Ursprung dieses Windes. Ein vergleichsweise einfaches Ausgangsszenario, bei dem immerhin die Tatsache, dass "unsere" Horde die vierunddreißigste ist (es also bereits dreiunddreißig Horden – bislang ergebnislos – versucht haben), darauf hindeutet, dass das alles nicht so ganz einfach ist. Wie wenig einfach, oder genauer gesagt, wie schwierig diese Aufgabe tatsächlich ist, welche Hindernisse sich der Horde in den Weg stellen, und ob sie es am Ende schafft – davon handelt der Roman.


    Am ungewöhnlichsten an Die Horde im Gegenwind – und das Element, das es dem Roman beim deutschen Lesepublikum besonders schwer machen wird (denn das Szenario an sich ist zwar durchaus neu und originell, aber man kann es sich mMn problemlso vorstellen) – ist die Erzählweise, denn die Geschichte wird im wahrsten Sinne des Wortes vielstimmig erzählt, d.h. Alain Damasio lässt alle dreiundzwanzig Mitglieder der Horde zu Wort kommen, gelegentlich auch in sehr kurzen, gerade mal zwei, drei Sätze umfassenden Sequenzen. Jedem Hordenmitglied ist ein Symbol zugeordnet, das deutlich macht, wer da gerade spricht, wobei sich die einzelnen Figuren auch in ihrem Sprachduktus unterscheiden, so dass man zumindest diejenigen, die häufiger auftreten (denn natürlich gibt es auch hier Haupt- und Nebenfiguren) ziemlich schnell auseinanderhalten kann. Und wenn man sich erstmal an die Erzählweise gewöhnt hat, entwickelt der Roman einen enormen Lesesog.


    Denn durch die vielstimmige Erzählweise wird auch sichtbar, dass die Horde keineswegs ein monolithischer Block ist, sondern dass es innerhalb der Gruppe durchaus Spannungen und Rivalitäten gibt. Was das Vorankommen in einer Welt, in der der unablässig wehende Wind nur eine von vielen Gefahren ist, keineswegs einfacher macht. Ich will hier bewusst keine der "Gefahren" benennen, denn ich möchte all denen, die sich vielleicht auf dieses Buch einlassen wollen, die Chance geben, sich ohne allzuviel Vorwissen auf diese Abenteuerreise der besonderen Art zu begeben.


    Die Horde im Gegenwind wirft einen ebenso wie Die Flüchtigen in eine zunächst mal völlig fremde Umgebung (was man bei einem Blick in die Leseprobe auf der Verlagsseite merkt, dennoch ist der Einstig in Die Horde mMm einfacher als in Damasios zuerst auf Deutsch erschienenen Roman, da man als Leser immer nah bei der Horde bleibt, und sich auch das Schriftbild (ohne die Spielereien mit diakritischen Zeichen ) leichter lesen lässt. Und natürlich fehlt auch die politische Komponente nicht, die allerdings nicht so allgegenwärtig wie die Kapitalismuskritik in Die Flüchtigen ist.


    Was kann/soll ich sonst noch sagen? Ich persönlich bin sehr, sehr glücklich, dass ich den Roman, den ich unbedingt lesen wollte, seit ich zum ersten Mal von ihm gehört habe, jetzt tatsächlich auf Deutsch lesen konnte. Dass er mir dann auch noch hervorragend gefallen hat – dass ich ihn direkt nach der Lektüre aufs oberste Regalbrett gestellt habe, wie ich das immer nenne – ist dann das I-Tüpfelchen an der ganzen Sache. Im deutschen Sprachraum kenne ich im Bereich der phantastischen Literatur nichts, das auch nur ansatzweise mit Damasios Die Flüchtigen oder Die Horde im Gegenwind vergleichbar wäre (oder, anders gesagt: der einzige Autor, der mir da einfällt, hat eine so andere Herangehensweise, dass jeder Verweis eher in die Irre führen würde). Und auch im "Mutterland" der SF und der Fantasy fallen mir nicht allzu viele Titel von vergleichbarer Qualität ein. Wobei das mit dem Vergleichen immer so eine Sache ist, denn im eigentlichen Sinne "vergleichbar" ist Literatur ja eh eher nicht.


    Wenn ihr euch jetzt fragt, warum ich so viele, vergleichsweise immer noch sehr vage Sätze über ein Buch schreibe, das ja auch nur eins von vielen ist, dann kann ich nur sagen: ich hoffe, den einen oder die andere hier dazu zu motiviere, in den Roman zumindest mal reinzuschauen (die Leseprobe bei Amazon ist wesentlich länger als die auf der Verlagsseite, d.h man kann da schon ein paar spezifische Eigenheiten erkennen). Denn wenn Die Horde im Gegenwind in Deutschland ebenso untergehen sollte, wie es bei Die Flüchtigen anscheinend der Fall war (ich zumindest habe nicht den Eindruck, dass die deutsche SF-Szene ihn – von Ausnahmen abgesehen – überhaupt wahrgenommen hat), würde ich das sehr schade finden. Originelle SF und/oder Fantasy gibt es selten genug. Wenn sie dann noch sang- und klanglos untergeht … :nixweiss:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Oh, danke für den Hinweis. Diese Neuerscheinung ist völlig an mir vorbeigegangen. Die Flüchtigen hat es ja auf meine Liste der 10 liebsten Bücher 2022 geschafft und ich halte den Roman für einen der besten Phantastikromane der letzten 10 oder mehr Jahre. Ich hatte auch auf Tor Online auf das Buch hingewiesen. An mir hat es also nicht gelegen, dass es in Deutschland so untergegangen ist (bin ja mal gespannt, wie Jerusalem funktionieren wird).

  • Du gehörst zweifellos zu den lobenswerten Ausnahmen, Pogo! :daumen3:


    Aber ich bin verblüfft, dass der Roman zB im SF-Netzwerk nie aufgetaucht ist. Je, nu ... es ist, wie es ist. :nixweiss:


    Was Jerusalem angeht, hat der Roman den Vorteil, von Alan Moore zu sein. Und ich habe schon das Gefühl, dass es in Deutschland eine Community gibt (Blase mag ich das in diesem Fall nicht nennen), die Alan Moore als Comicautor schätzt. Da ist die Schwelle dann niedriger, es auch mal mit einem Roman von ihm zu versuchen. Okay, problematisch wird das dann durchaus, wenn der Roman 78 Euro kostet, wie es ja angedacht (und aus meiner Sicht auch vollkommen nachvollziehbar) ist. Andererseits ... wer sich Alan Moores Comics als Absolute Edition (im Original) oder Deluxe Edition (in der deutschen Ausgabe) zugelegt hat oder zulegen will, dem sind derartige Preiskategorien nicht fremd. Und an Jerusalem kann man ganz gewiss länger lesen als an der Absolute Edition/Deluxe Edition von V for Vendetta, Swamp Thing oder Watchmen etc.pp. - allerdings gibt's halt auch viel weniger zum Gucken. :biggrin2:

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Yepp, Der eiserne Marquis habe ich auch auf dem Schirm. Und es geht mir (fast) wie dir: Momentan sprengt der Roman das Budget, das schon für andere Bücher (und ein paar Comics) ausgereizt wurde. Aber generell klingt das Buch sehr interessant.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Ich packe Alain Damasio mal in meine nächste Otherland-Bestellung

    Verelft, es liegt bereits auf meinem SUB, zum Glück kam mir der Einband bekannt vor. Jetzt weiß ich auch, warum ich es da liegen habe: Pogo wars!

    Zum Ausgleich hab ich Der eiserne Marquis von Thomas Willmann und Der geteilte Visconte von Italo Calvino bestellt, klingen so zusammen wie eine Reihe :D

  • Da ich mal ein bisschen Pause vom phasenweise einigermaßen nervtötenden Durchsehen der Vorschauen machen muss bzw. will, dachte ich, ich poste mal wieder etwas in diesem Thread, wobei ich das "aktuelle" im Threadtitel schon ziemlich großzügig auslege, vor allem, da es nicht nur um einen, sondern um drei Titel geht, und einer von denen ist schon ein ganzes Weilchen auf dem Markt (in der Ausgabe, um die es mir geht – generell ist er sogar schon ganz schön lange auf dem Markt).


    Interessant ist auch, wo ich das Buch bzw. die Bücher gefunden habe bzw. in welchem Verlag sie erschienen sind. Als ich nämlich kürzlich in der Stadt war und bei der Gelegenheit unserer Buchhandlung einen Besuch abgestattet habe, ist mir auf den Tischen, auf denen das moderne Antiquariat präsentiert wird, ein Titel ins Auge gesprungen, den ich (in einer anderen Ausgabe) vor vielen Jahren mal besessen und gelesen habe: Die verhängnisvollen Eier von Michail Bulgakow. In dieser 1925 erstmals erschienenen Erzählung (die Ende der 1920er Jahre spielt, was sie zu einer SF-Geschichte macht) stellt ein Wissenschaftler fest, dass mit dem eher zufällig entdeckten "roten Strahl" bestrahlte Froscheier sich rasend schnell entwickeln und die aus ihnen hervorgegangenen Frösche um ein Vielfaches größer und agressiver sind als ihre Artgenossen. Der Wissenschaftler würde das Phänomen gerne genauer untersuchen, doch dann fallen alle Hühner in Russland einer tödlichen Hühnerpest zum Opfer. Wie gut, dass der "rote Strahl" auch auf Hühnereier wirkt – und was für ein Pech, dass eine Sendung mit Eiern aus Deutschland vertauscht wurde, so dass plötzlich riesige Schlangen und Krokodile das Land unsicher machen …


    Ich habe Bulgakows Groteske damals gerne gelesen, genau wie die ungefähr zur gleichen Zeit enstandene beißende Satire Hundeherz, die in der Sowjetunion lange Zeit verboten war und erst 1987 (und somit lange nach dem Tod des Autors) erstmals dort erschienen ist. Ein ähnliches Schicksal (das verzögerte Erscheinen – in diesem Fall erstmals 1966 als noch dazu stark zensierter Fortsetzungsroman in der Literaturzeitschrift Moskwa) hat auch Bulgakows Hauptwerk, der phantastische Roman Der Meister und Margarita erlitten, der inzwischen längst als Klassiker der russischen Literatur (nicht nur der phantastischen) gilt und zu dem es hier bei BP sogar eine Rezension gibt.


    Und warum habe ich jetzt diesen ganzen Sermon in diesem Thread geschrieben? Weil in den letzten vier Jahren die drei genannten Titel im Anaconda Verlag (der ist ein Teil der Penguin Randomhouse Verlagsgruppe und ein typischer Beschicker des Modernen Antiquariats) in einer – wie zumindest ich finde – sehr gelungenen Aufmachung als Neuübersetzung zu einem beeindruckend niedrigen Preis erschienen sind (Der Meister und Margarita 2020, Das Hundeherz 2023 und Die verhängnisvollen Eier im Frühjahr 2024 – das meinte ich mit der "großzügigen" Auslegung des Threadtitels). Immerhin erscheint diesen Monat – und da sind wir dann wieder wirklich aktuell – im gleichen Verlag eine "Schmuckausgabe" von Der Meister und Margarita im etwas größeren Format mit ganzseitigen Illustrationen und dem ganzen anderen Schnickschnack (Farbschnitt, Prägung, bedruckter Vor- und Nachsatz, Lesebändchen) zu einem deutlich höheren, aber mMn immer noch angemessenen Preis. Die Neuübersetzung, die bei Titeln im Modernen Antiquariat eher die Ausnahme als die Regel ist, liest sich übrigens sehr gut. (Ob sie wirklich gut im Sinne der Wirkungsäquivalenz ist, kann ich nicht sagen, weil ich kein Russisch kann. Aber sie liest sich viel stimmiger als die letzte Neuübersetzung, in die ich irgendwann mal reingelesen habe.)


    Wer zufällig Lust hat, sich zur Abwechslung von all den Enemies-to-Lovers-Geschichten mal russische Phantastik zu Gemüte zu führen, könnte eine weitaus schlechtere Wahl als Bulgakow treffen.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Auch von mir vielen Dank! Witzigerweise ist das meiner Mutter von anderer Seite empfohlen worden, und da ich jetzt also aus vertrauenswürdiger Quelle eine Empfehlung habe, müssen die Bücher her -:).

  • @ Pogo und Seyra:


    Wobei Der Meister und Margarita schon eine Klasse für sich ist. Ich mag auch Bulgakows phantastische Erzählungen, aber natürlich sind die ein bisschen schlichter gestrickt als der doch recht komplexe Roman mit all seinen Anspielungen auf die (zeitgenössische) Realität und die (nicht nur russische) Literatur.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

  • Anfang Dezember erscheint bei Festa in der Reihe Festa Must Read mit Slewfoot – Die Geschichte einer Hexe die deutsche Ausgabe von Slewfoot: A Tale of Bewitchery (2021), dem mittlerweile vierten Roman des vor allem als Coverzeichner bekannten Grafikers Brom (der eigentlich Gerald Brom heißt, aber für seine Werke nur seinen Nachnamen benutzt).


    Nachdem The Child Thief (2009) und Krampus: The Yule Lord (2012) auf Deutsch noch bei Droemer Knaur erschienen waren (als Der Kinderdieb (2010) beim kurzlebigen All-Age-Imprint PAN bzw. als Krampus (2013) bei Knaur), hat sich an Broms dritten Roman Lost Gods anscheinend kein deutscher Verlag mehr herangetraut, obwohl das unter anderem von Dantes Inferno und John Milton beeinflusste Werk bei manchen Kritikern und Kritikerinnen als Broms bis dato reifste schriftstellerische Arbeit galt.


    Jetzt hat sich also Festa die Rechte an Slewfoot gesichert, und der Verlag, der immer mal wieder für Überraschungen gut ist, veröffentlicht den (wie immer von Brom auch illustrierten) Roman in zwei Versionen: als Normalausgabe und als limitierte und signierte Vorzugsausgabe (die natürlich auch ein bisschen was kostet).


    Alles, was man über die Unterschiede zwischen den beiden Ausgaben vielleicht wissen will, steht auf den entsprechenden Webseiten des Festa Verlags.

    He was bigger than me even, and he moved with a silence I envied, some piece of the night cut loose and drifting against lesser blacknesses. (Roger Zelazny, A Night in the Lonesome October)

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