Mal wieder was von mir...^^
Wie das Thema schon sagt, der Titel für diese Geschichte ist noch unbekannt. Noch! (Hoffentlich!) Wieder einmal aus einer meiner Ideen entsprungen, es geht mir hierbei nicht nur um die Story, sondern auch um meinen Schreibstil. (Jaa, die Story ist mir auch wichtig, aber ich will mich verbessern! Also, ich bin wie immer für jede Kritik offen! ![]()
Juliet
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Ich laufe. Ich laufe so schnell ich kann über die Anhöhe mit den vereinzelten verkohlten Bäumen. Ich will nur weg von hier. Ich keuche und drehe mich im laufen um. Sie kommen mir nicht hinterher. Noch nicht. Oder sie sind am Fuße der Anhöhe im Schlamm stecken geblieben. Der Anblick, den ich mir bildlich vorstelle entringt mir einen kleinen Grinser. Ich stütze mich auf meinen Knien ab, und als mein Blick wieder nach oben schweift gefriert mir der Grinser im Gesicht.
Vor mir baut sich eine weite Ebene auf, der Boden sandig, braun, ohne jedes Leben. Nur hier und da ein verkrüppelter Strauch. Das hat mir gerade noch gefehlt. Verzweifelt schaue ich zurück, wo die wilde Meute auf mich wartet, und nach vor, wo mich das elendige Leben als Wüstenratte erwartet. Doch ich brauche nicht zu überlegen. Ich werde in die Sandwüste gehen, Richtung Süden. Denn alles ist besser als in den Norden – und damit Richtung Storam, die Stadt der Verräter – zu gehen. Ich atme tief durch und laufe dann den Abhang hinunter, die Arme eingezogen, jederzeit bereit meinen Bogen zu spannen und zu schießen.
Mir ist klar das ich hier auf der Ebene für alles und jeden sichtbar sein werde, ob es nun ein Falke ist, oder einer dieser ekelhaften Uras, deren Gestank schon Meilenweit zu riechen ist. Hilflos wie eine Fliege im Glas, aber trotzdem mit einer Spur Hoffnung fange ich meinen Marsch durch die Farzen-Wüste, wie sie von meinem Volk genannt wird, an...
Ich laufe schnell. Nicht zu schnell, denn ich muss meine Kräfte schonen. Der schwere Rucksack auf meinem Rücken drückt. Doch dort drin ist alles was ich auf dieser Welt noch besitze. Und vor allem mein Wasser. Mein überlebensiwichtiges Wasser. Ich atme ruhig. Die Sonne brennt vom Himmel herab, und immer wenn ich meinen Blick zurückwende setzt mein Herz einen Schlag aus, doch die Uras und das ekelhafte Ungeziefer sind verschwunden. Nicht die geringste Staubwolke wird aufgewirbelt, ausser von meinen eigenen Schritten. Der Schweiß rinnt mir über die Schulterblätter über den Rücken, und ich stolpere. Setzte mich wiederwillig wieder auf. Ich muss etwas trinken.
Ein schneller Blick in meinen Wasserbeutel genügt um mir zu sagen das das Wasser – sollte ich so weiterlaufen – geradenoch für einen Tag reicht, höchstens für 2, wenn ich sparsam bin. Und das muss ich. Verzweifelt rufe ich mir die Worte von Harim in den Kopf, versuche sie zu behalten, doch die Augen fallen mir zu. „Nicht aufgeben Mädchen. Auch wenn es nicht mehr weitergeht – nicht aufgeben.“
Das hat er gesagt. Ich seufze, möchte mich auf dem staubigen, harten, heißen Boden zusammenrollen und einfach nur schlafen. Doch ich fühle das ich weitermuss. Ich muss weiter. Wenn es mich umbringt? Nun, dann habe ich es wenigstens versucht. Es geht nicht nur um micht, es geht um mehr.
Auf einmal ist mir bewusst das es nicht nur der Schweiß ist, der mir über die Wangen läuft, sondern auch Tränen. Trotzig wische ich sie weg und stemme mich vom Boden auf. Ich werde nicht jämmerlich hier verdursten oder in Selbstmitleid versinken wie einer dieser Tatzenbären, die immer nur heulen. Als ich den ersten Schritt in Richtung Süden gesetzt habe weiß ich das ich auf dem Richtigen Weg bin, und verbissen kämpfe ich mich Meter für Meter, Meile für Meile durch die Farzen-Wüste.
Stunden später. Hinter mir ist noch immer nichts zu sehen, was mich ehrlich gesagt etwas nachdenklich macht. Wo sind sie? Oder wollen sie einfach nicht durch die Wüste? Ich lasse mich unter den Schatten eines vertrockneten Baums sinken und beobachte die untergehende Sonne. Jetzt beginnt wieder einmal das ausharren. Ich weiß das hier in der Gegend Wüstenwölfe herumstreunen, und ich weiß auch das ich nicht nähere Bekanntschaft mit ihnen machen will. Ich schrecke zusammen. Ein Rascheln! Rund um mich ist nichts zu sehen. Da! Wieder! Ich stehe mit einer fließenden Bewegung auf und ziehe gleichzeitig meinen Dolch, der im Schaft meines Laufstiefel steckt.
Ich bin auf alles gefasst. Als ich abermals ein Rascheln höre wende ich meinen Blick zu Boden. Im vertrockneten Gras, das rund um den kleinen Baum gewachsen ist, und im fast Dunkel sehe ich eine Wüstenratte. Seufzend lasse ich den Dolch sinken. Ungefährlich. Ich ignoriere die Ratte geflissentlich, sie wäre sowieso keine Mahlzeit für mich. Als ich den Dolch wieder in den Schaft zurückstecke berühre ich zufällig das eingestickte kleine Kleeblatt, das vom Sand beschmutzt ebenfalls am Schaft prangt. Ich wische den Staub ab und lehne mich mit einem Seufzer an den dünnen Stamm des Baumes.
Das Kleeblatt, mein Zeichen. Rosylin. Mein Name. Und mein Zeichen, ein Kleeblatt. Wärend meine Augen die Umgebung nach Bewegungen absuchen schweifen meine Gedanken ab, zu dem Tag an dem man mir erklärte was es mit alldem auf sich hatte. In Bezug auf meine Namen.
„Rosylin. Rose, in unserer Sprache, und Balik, Kleeblatt. Blumen, in deinen Augen, Rosy, aber du bist dadurch etwas besonderes! Als du geboren wurdest blühte eine Rose im Garten. Nur diese eine. Inmitten von Kleeblättern. Das mag nicht sehr kreativ klingen, aber es sagte uns das wir viel von dir erwarten werden, und das du unsere Erwartungen erfüllen wirst.“
Es war meine Mutter, die mir dies sagte. Und jetzt sitze ich hier, in der Wüste, Meilenweit nur Sand und Steine um mich. Nichts regt sich, meine scharfen Augen sehen auch im Dunkeln gut, aber sie sehen nichts.
Mit dem Gedanken an meine Mutter kommen auch die anderen Gedanken wieder, die ich monatelang zu verdrängen versucht habe. Mein Bruder. Estel. Sei Gesicht schwebt vor mir, und es ist fast als ob er zu mir spricht. Doch ich habe ihn seit über zwei Jahren nicht mehr persönlich gesehen. Briefe habe ich bekommen, aber alles andere wurde zu gefährlich.
Verdammt, ich werd auch noch sentimental. Ich kann es nicht aufhalten das mir die Tränen über die Wangen laufen, gerade jetzt, wo es fast aussichtslos scheint, fange ich an meine Gefühle loszulassen. Werde schwach. Ich habe nie geweint. Nicht als ich die Festung von Benhelm erklommen habe, auch nicht nach dem ersten Zusammentreffen mit den Uras, das ich nur knapp überlebt habe. Nicht einmal als Torim, mein letzter Gefährte aus Elbheim unter dem Schwert von einem grauenhaften Namenlosen Monster gefallen ist.
Die Szenen sind noch scharf vor meinen Augen, sie sind noch immer hier. Ich kneife die Augen zusammen, die Tränen laufen wie kleine Perlen über mein Sandiges Gesicht.
„Lauf, Rosylin! Sie sind hinter uns!“ Sein Gesicht ist schmerzverzerrt, ich drehe wieder um, helfe ihm den Pfeil aus seiner Schulter zu ziehen. Er stöhnt auf. „Danke..“
Ich nicke, zu schwach um etwas zu sagen. „Wenn du glaubst ich gehe ohne dich hier weg, hast du dich getäuscht, Torim.“ Ich möchte lächeln, es gelingt mir nicht. „Jeder muss einmal gehen, das weißt du.“ Er sinkt immer weiter gen Boden, doch ich stütze ihn. Irgendwoher kommt eine neue Slave Pfeile, aber ich werfe mich über ihn, als ob das noch etwas nützen würde. Das Grölen der Herde Stachelbuckel und Uras ist zu hören, sie trampeln in einem Rhytmus, der mir immer in den Ohren bleiben wird.
Tram, tram, tramtramtram.
„Weine nicht um mich, Rosy. Versprich es mir.“ Ich nicke zögernd, nur wiederwillig. Ich klammere mich an seine Hand. „Komm jetzt hoch! Du kannst das!“ Ich ziehe ihn hoch, doch er steht nicht auf. Versucht es zwar, kann aber nicht. Auf einmal höre ich ein tiefes Schnauben hinter mir. Reflexartig greife ich mein Schwert, das ich locker in der Hand gehalten habe fester und drehe mich um. Toram liegt hinter mir.
Die Bestie ist eine der Namenlosen, keiner hat es für nötig gehalten diesen Kreaturen einen zu geben. Doch daran denke ich in diesem Augenblick nicht. Ich wappne mich, ignoriere den stechenden Schmerk in meinem linken Oberarm, bin bereit zu kämpfen. Die Bestie schlägt mit der Keule auf mich ein, ich bin jedoch zu schnell dafür. Beinahe hätte ich sie zum Fall gebracht, hätten mich nicht seine Kumpanen von allen Seiten umstellt...
Ich schüttle den Kopf. Ich verbanne den Gedanken daran wieder in meinem Kopf. Doch trotzdem hallen Torims allerletzte Worte in meinem Kopf wieder. „Immer weiter...“
Das hat er gesagt, bevor ihn der Speer durchborte.
Ich wische trotzig meine Tränen weg, versuche wieder die Umgebung zu kontrollieren. Doch es ist still. Zu still.
Die Nacht erscheint mir endlos lang, ich mache trotz der Kälte kein Feuer, es wäre zu gefährlich. Mit dem ersten Sonnenstrahl mache ich mich wieder auf den Weg, versuche in der kühlen Morgensonne so viele Meilen wie möglich hinter mir zu lassen, doch trotzdem wird es immer heißer.