Pikten, Römer, Blut ...

  • Hey Ihr Lieben :)


    Na wie gez euch denn allen? Schon lang ncihts mehr gehört :(


    Na gut, ich "schwafel" jetzt garnicht groß herum warum ich diesen Text schreibe,
    was mich bewegt usw - ist eine längere Geschichte ... ich schieß einfach los :D


    Und ich bitte nicht mit Kritik zu sparen (Mein erster Versuch in der ICH-Perspektive) ^^




    -----------------



    Das erste was ich fühlte war Schmerz. Ein stechender Schmerz, der von meiner linken Hüfte bis in die Zehenspitzen pochte. Ich weigerte mich aufzuwachen. Wollte wieder einschlafen ... zurück in diese dunkle, gnädige Welt des Vergessens ...


    Der zarte Duft von frischem Gras kitzelte in meiner Nase, mischte sich mit fruchtbarer Erde, honigsüßen Blüten und einem frischen Windhauch. Der Frühling hatte die eisige Kälte des Winters endgültig besiegt und erste Sonnenstrahlen wärmten meinen Körper. Willkommene Vorboten des Sommers. Ich liebte diese Jahreszeit, wenn alles Leben aus seinem einsamen Winterschlaf erwachte.


    Doch etwas war falsch. Die feinen Härchen auf meiner Haut richteten sich auf.
    Wo waren die Vögel? Ich konnte keinen einzigen hören. Ich lauschte angestrengt.
    Aus weiter Ferne drangen Stimmen in mein Bewusstsein. Verzerrte Echos von Schreien, Fluchen, Flehen, Stöhnen ... Ein weiterer Geruch brannte in meiner Nase und ließ das liebliche Frühlingsbild in meinen Kopf bersten wie Meeresgischt. Es war der metallische Geruch von Blut.


    Blut, plötzlich war es überall. Ich schmeckte es auf meiner Zunge, fühlte, wie es an meinen Händen klebte. Die Geräusche um mich herum kamen näher, wurden lauter ... Der Schmerz in meinem Rücken brannte immer heißer, breitete sich wellenartig in meine Beine und meinen Bauch aus. Langsam gewann ich die Herrschaft über meinen Körper zurück. Ich füllte meine Lungen mit einem tiefen Atemzug der verpesteten Luft und zwang mich die Augen zu öffnen.


    Licht. Gleißende Helligkeit fraß sich in meine Pupillen. Reflexartig kniff ich die Lider zusammen. War ich tot? In der Anderwelt? Im Hades? Im Himmel der Christen? Oder ihrer Hölle?
    Erneut öffnete ich die Augen und erkannte diesmal die Sonne, die mir direkt ins Gesicht schien. Ich war also nicht tot. Eine merkwürdig nüchterne Feststellung. Doch wo war ich? Ich lag auf dem Rücken. In kniehohem, frischem Gras. Ein schwarz-getupfter Marienkäfer erklomm einen Grashalm, der über mir baumelte und sich unter dem Gewicht des Käfers immer weiter nach unten bog. Über den Gräsern erhoben sich Baumwipfel. Birken, Ahorn und Pappeln, die sich sanft im Wind wiegten. Mein Schwert lag neben mir, überzogen von verkrustetem Blut. Man konnte kaum noch die Drachen erkennen, die auf der schmalen Klinge eingraviert waren. Angestrengt versuchte ich mich zu erinnern wie ich hier her gekommen war. Die Antwort lag direkt vor mir, doch ich konnte sie nicht fassen. Meinen Gedanken waren in einem zähen Nebel gefangen der sich nur langsam lichtete. In meinem Kopf bebte ein dumpfer Schmerz und meine Stirn brannte wie Feuer, als hätte ich einen harten Schlag abbekommen.


    Ich ignorierte das Stechen in meinem Rücken und richtete mich auf indem ich mich zur Seite rollte und mit den Händen vom Erdboden wegdrückte. Meine Füße fühlten sich taub an und gehorchten nur widerwillig, trotzdem schaffte ich es mich aufzusetzen. Die dunklen Haare fielen mir in wirren Strähnen ins Gesicht und hingen zerzaust und verfilzt bis zu meinen Ellebogen.


    Hinter mir ertönte ein markerschütternder Schrei. Ich fuhr herum und erstarrte. Einige Dutzend Schritte von mir entfernt kniete ein junger Mann im niedergetrampelten Gras. Die dunklen, schweißnassen Haare klebten in seinem schmerzverzerrten Gesicht. Seine Hände waren auf dem Rücken zusammengebunden und um seinen Hals lag ein dickes Hanfseil. Hinter ihm hielt ein Soldat in rotem Umhang das Seil stramm gespannt, so dass der Mann ununterbrochen nach Luft ringen musste. Ein zweiter Soldat stand vor ihm und hielt einen Speer umklammert, der aus der rechten Brust des Gefangenen ragte. Mit südländischem Akzent redete er unablässig auf ihn ein. "... frage dich nocheinmal ... Wo ist euer Versteck? ... Du solltest es uns besser verraten oder ich und mein Freund hier werden dir zeigen, dass es schlimmeres gibt als den Tod, nicht wahr Quirin?"
    Während er sprach, bohrte er den Speer noch tiefer in die Brust des Knieenden. Der Mann schrie aus Leibeskräften, so dass mir das Blut in den Adern gefror. Eine unbändige Wut rollte wie eine Welle über mich hinweg und erlöste mich aus meiner Erstarrung. Ohne nachzudenken packte ich mein Schwert und wollte aufspringen. Doch dann sah ich das Blut, das gurgelnd aus den Mundwinkeln des Gefangenen quoll. Die Lunge war verletzt. Er würde nicht mehr lange leben, an seinem eigenen Blut ertrinken. Ich riss meinen Blick von der grausigen Szene los und duckte mich wieder ins Gras. Mit den beiden Soldaten hätte ich es durchaus aufnehmen können, doch durch meine Verletzung war ich mir nicht einmal sicher ob ich aufstehen konnte. Ich konnte nichts für ihn tun, redete ich mir ein. Es war die Wahrheit, und trotzdem löste diese Gewissheit eine merkwürdige Traurigkeit bei mir aus - als würde ich einen Freund im Stich lassen.


    Stumm schickte ich ein Gebet zur Große Göttin ihn von seinen Qualen zu erlösen, als ein Gefühl des Erkennens meinen Geist streifte. Ich kannte diesen Jungen ... sein Gesicht schien plötzlich so vertraut. Doch so sehr ich mich anstrengte, ich konnte die Erinnerungen nicht fassen. Wie ein nasser Fisch entglitt sie mir immer wieder.


    Ich hörte wie ein Schwert aus der Scheide gezogen wurde. Es sirrte durch die Luft und sang das Lied des Todes - Stahl, der durch Fleisch schnitt und Knochen bersten ließ. Die Schreie verstummten. Furcht breitete sich wie ein Geschwür in jede Faser meines Körpers aus.
    Ich musste hier weg. So schnell wie möglich, ohne entdeckt zu werden. Die aufsteigende Angst schärfte meine Sinne und ließ meinen Geist ein wenig klarer werden.


    Vorsichtig hob ich meinen Kopf über das Gras und sah mich um. Der Junge lag nun regungslos am Boden. Der Speer in seiner Brust ragte senkrecht in den Himmel - ein Denkmal der Grausamkeit. Erst jetzt bemerkte ich drei Dutzend Leichen von Männern und einigen wenigen Frauen, die in unmittelbarer Nähe im Gras lagen. Fast alle waren in einfaches Gewandt aus Leinen oder Baumwolle gekleidet und durch Schwert oder Pfeil umgekommen. Doch unter den Toten waren beinahe doppelt so viele Soldaten in roten Umhängen.


    Ich konnte nun auch weitere dreißig Soldaten ausmachen. Einige von ihnen hatten in der Mitte der Wiese ein Feuer geschürt und verbrannten ihre Toten Kameraden - sie hatten sich feuchte Tücher um Mund und Nase gebunden um sich vor den beißenden Rauch zu schützen. Der Rest durchsuchte die Leichen der gegnerischen Krieger. Waffen, Stiefel, Kleidung ... alles was Wert hatte oder nützlich sein konnte wurde mitgenommen.

  • Quote

    Na wie gez euch denn allen? Schon lang ncihts mehr gehört unglücklich


    Ja da haste wohl Recht :P Juliet ist ja immer noch in ihrem Internat in Wien und hat nur am Wochende Zeit hier mal reinzuschneien^^
    Ich selber kümmer mich grad um ein Zwischenprojekt, bis ich was von nem Verlag gehört habe wegen meine schon hier gepostetem Buch :)


    Zum Text:
    Ich vergleich deine Ich-Perspektive jetzt mal mit dem von Juliet, weil dadurch vielleicht einiges klarer wird.
    Der Stil von Juliet ist kreativer und freier gehalten als deiner. Der wiederum ist absolut fachlich kompetent geschrieben. Also sprachlich gibts daran nix aus zu setzen.
    Ebenso zu sontigen sprachlichen Mitteln. Der ein oder andere Satz ist ein wenig staubig, will heißen etwas unkreativ wie zum Beispiel:

    Quote

    Das erste was ich fühlte war Schmerz

    klingt für mich ein wenig abgekaut. Vielleicht so etwas wie: "Tobende Schmerzen rissen mich aus namenloser Finsternis."
    Klingt zwar etwas theatralisch, aber du weißt ja was ich mein ;)


    Von der Story her find ich alles ersmal noch offen gehalten. Aber beschreib doch bitte noch etwas mehr, wie die Soldaten aussehen, ich vermute mal das sollen Legionäre sein? Ohne die Überschrift hätten die Gestalten aus jedem Fantasy-Roman und jeder Welt stammen können^^
    Ach ja was mir auffällt, jetzt nicht unbedingt bei deinem Text aber...
    In der Ich-Perspektive läuft man schnell mal Gefahr jeden Satz mit 'Ich...' anzufangen, wollt dich nur mal warnen^^
    Die Protagonistin kann ich noch gar nicht einschätzen, ich weiß sie betet zu einer großen Göttin, scheint ne recht blutige vergangenheit zu haben, und nicht gerade hilflos zu sein mit ihrer Waffe^^, diese selbst scheint auch sehr alt zu sein, und eine gewisse Verganenheit zu haben. Ansonsten haut mich der Anfang noch nicht so um tut mir leid. Ich hab einfach das Gefühl "Schonmal irgendwo gelesen" :(
    Die Thematik selbst aber könnte interessant sein, bin gespannt um was es geht, dann sag ich dir mehr :P


    Gruß ICH






    -Blütenhimmel, lachende Knochen-

    Liebe ist so kompliziert, wie man sie macht.
    -Ich-

    '5 Centimeter per Second' - die Geschwindigkeit mit der Kirschblüten zu Boden fallen [und gleichzeitig die Geschwindigkeit in der sich Menschen voneinander entfernen].

  • Hallo Michaela! :D


    Stimmt, schon lange nix mehr gehört! ;)


    Ich liebe Geschichten aus der Ich-Perspektive! Deshalb schreibe ich auch meistens so.


    Aber jetzt zu deiner!^^


    Den Anfang find ich echt super gemacht, dieses langsame Erwachen, die Gedanken...


    Mir ist aufgefallen (oder hab ich das überlesen?) das das Geschlecht der/des Ich-Erzählers/Erzählerin gar nicht genannt wird! Ist das beabsichtigt?
    Würde mich echt freuen mehr davon zu hören! :) Besonders den Titel find ich super! Obwohl das, bis jetzt noch nicht erwähnt wurde. (Also die Pikten und die Römer.) Aber ich liebe Geschichten die in dieser Zeit spielen! :D


    LastSword: Ich werd jetzt vermutlich auch unter der Woche manchmal reinschauen (können)


    LG
    Juliet

    Mut bedeutet nicht die Abwesenheit von Angst sondern die Erkenntnis, dass es etwas wichtigeres gibt als Angst.


    Elizabeth Kostova - Der Historiker

  • Quote

    Mir ist aufgefallen (oder hab ich das überlesen?) das das Geschlecht der/des Ich-Erzählers/Erzählerin gar nicht genannt wird! Ist das beabsichtigt?


    O.o Jetzt wo du es sagst! Hatte da ein junges Mädel im Kopf so an die 20, gutaussehend, mit weißem einfachen Stoff bekleidet...
    Aber das hab ich ja immer^^...








    -Blütenhimmel, lachende Knochen-

    Liebe ist so kompliziert, wie man sie macht.
    -Ich-

    '5 Centimeter per Second' - die Geschwindigkeit mit der Kirschblüten zu Boden fallen [und gleichzeitig die Geschwindigkeit in der sich Menschen voneinander entfernen].

  • Hey ihr Beiden!


    Danke für die Anregungen ...


    LOL also manchmal hat man echt das volle Brett vorm Kopf oder :D?
    Natürlich war das keine Absicht *hehe


    Das war nur eine Art "Traum" in der ich das selbst erlebt habe *hehe
    hätt ich viell dazusagen sollen *räsuper


    Naja danke jedenfalls - werds bei der Umarbeitung berücksichtigen :)


    LG ^^

  • Ich liebe Bilder wie

    Quote

    wenn alles Leben aus seinem einsamen Winterschlaf erwachte


    Was du so träumnst...:kopfsch: :D
    Ich mag die Thematik, eine Fortsetzung könnte interessant werden... :)

  • Quote

    Original von LastSword


    O.o Jetzt wo du es sagst! Hatte da ein junges Mädel im Kopf so an die 20, gutaussehend, mit weißem einfachen Stoff bekleidet...
    Aber das hab ich ja immer^^...


    Ehrlich gesagt hab ich das auch gedacht! (Bloß hab ich den weißen Stoff weggelassen :P )

    Mut bedeutet nicht die Abwesenheit von Angst sondern die Erkenntnis, dass es etwas wichtigeres gibt als Angst.


    Elizabeth Kostova - Der Historiker

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