Stelle mal hier mein allererstes FanFiction rein. Es ist eine Nebengeschichte zur Geralt-Saga. Musste sein, hatte sozusagen eine "Vision", zumindest von dem zweiten Teil der Geschichte (den ersten "musste" ich dazudichten...). Manche Formulierungen sind vielleicht nicht so "rund", aber wie gesagt, mein allererstes ![]()
Und ja, etwaige Parallelen nicht nur zu Sapkowski, sondern auch zu meiner letzten SF-Lektüre sind Absicht! ![]()
Vielleicht ringt es euch ja ein bis zwei Schmunzler ab, was ich mir so ausgedacht habe.
Kommentare erwünscht ![]()
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Man kann nicht immer gewinnen...
Der Sand gab knirschend wie Pulverschnee unter seinen Füßen nach. Mühsam kämpfte er sich die nächste Düne empor, das Pferd am Zügel nachziehend. Die Wüste, tagsüber ein brütend heißer Backofen, nachts mit empfindlicher Kälte aufwartend, war ein ungewohntes Terrain für ihn. Lieber wäre er jetzt in den Urwäldern des Brokilon oder den grünen Weiten des Blumentals. Aber schließlich war er ein Hexer, ein gedungener Monsterjäger, durch Mutation immun gegen Krankheiten, unempfindlich gegen das Wetter; sein milchweißes Haar – neben der künstlich verbesserten Konstitution, dem kontrollierbaren Reflex seiner Augen und dem auf Schwertkampf trainierten Körper nur eines der Nebeneffekte seiner von Menschen abweichenden Physiologie – leuchtete beinahe in der von einem vollen Mond erhellten sternenklaren Nacht. Wo er jetzt lieber wäre, war gleich; er ging dahin, wo es bezahlte Arbeit für ihn gab.
Er wanderte hin zur nächsten Oase, zu der ihn sein letzter Auftraggeber den Weg beschrieben hatte. Es war ein vergleichsweise leichter Job gewesen heute Morgen. Ein Sandwurm, zwar hoch wie ein Haus und lang wie eine Salzkarawane, und von außen unangreifbar gepanzert, doch innen empfindlich wie ein Soufflé. 'Im ganzen' und 'in Reichweite des Lagers' sollte er ihn zur Strecke bringen. Also brauchte er das Untier nur an der Stelle aufzulauern, wo es sich gewöhnlich sein Frühstück aus der mageren Herde der hiesigen Nomaden holte, und auf den Moment zu warten, dass der Wurm sein dreigeteiltes Maul mit den unzähligen spitzen, dolchartigen Zähnen aufriss. Dann einige sorgsam, aber schnell nacheinander gewirkte, kraftvolle Zeichen ins Zentrum des riesigen Schlundes geschleudert – und das Ungetüm brach, innerlich verbrannt und zerrissen, leblos zusammen.
Erschöpft von der kräftezehrenden Magie aber dennoch zufrieden mit dem Ergebnis, wandte er sich zum Gehen, als sich plötzlich der Sand unter seinen Füßen langsam und unaufhaltsam abwärts in Bewegung setzte. Gerade noch konnte er sicheren Abstand gewinnen. Zähneknirschend musste er mit ansehen, wie das massige Biest – und damit auch seine Bezahlung - unaufhaltsam mit einem letzten schweren Stöhnen im Treibsand versank. Achselzuckend nahm er später das halbe Kopfgeld in Empfang, das ihm für die Beseitigung der gefräßigen Kreatur gewährt wurde, trotz dass es keine Lieferung eines für die Wüstenbewohner verwertbaren Kadavers gab. Die spärlich gefüllte Geldkatze in seiner Hand wog kaum schwer genug, um ihm für die nächsten Tage ein Auskommen zu sichern. Dumm gelaufen, dachte er noch bei sich, aber besser das als gar nichts.
Abgekämpft kam er ins angegebene Oasenlager, sein Pferd weiter am Zügel führend. „Na, Plötze, dann wollen wir uns mal ein lauschiges Plätzchen suchen.“ Er führte das Reittier zur Tränke, versorgte es und schleppte anschließend den Sattel und seine überschaubare Ausrüstung zur einer Feuerstelle. Von diesen gab es ein halbes Dutzend, umringt von mehr oder weniger großen Gruppen anderer Reisender. Es war ein offener Platz neben einer ausgedehnten Lehmruine, die wohl zu besseren Zeiten ein Handelsposten gewesen sein mochte. Er wählte ein Feuer, das zwar entzündet war, aber verlassen schien. Denn Menschen mochten im Allgemeinen keine Hexer um sich. Deren wortkarge Natur, die kalte Präzision, mit der sie Ungeheuer für Geld töteten, und ihr von Narben gezeichnetes Äußeres waren den einfachen Menschen zumindest unheimlich und führten nicht selten zu unverhohlener Ablehnung oder gar offener Aggression seiner Art gegenüber. Er wollte keinen unnötigen Ärger oder Unruhe stiften.
Am Feuer angekommen, nahm er den Gurt, den er quer über der Schulter trug, mitsamt dem Schwert von seinem Rücken ab, und legte ihn sorgfältig neben seinen anderen Habseligkeiten ab. Aus einem Augenwinkel heraus bemerkte er, dass er doch nicht ganz allein war. Im Windschatten eines nahe beim Feuer stehenden Lehmwandrests lag ein kleines, nasses Fellbündel. Wenn es nicht wie Espenlaub gezittert hätte, hätte es der Hexer kaum als etwas Lebendiges wahrgenommen. Von der Ankunft des Mannes aufgeschreckt, blickte das Häuflein Elend mit müden Augen auf. „Setz dich... Beiße nicht...“, sagte es halb abwesend. Ein wenig verwundert über den sprechenden Fellbalg schaute der Hexer näher hin. Mit hochgezogener Augenbraue musterte er das Wesen. Sprechende Tiere waren an sich nichts ungewöhnliches in seiner Branche. Aber meist war Magie mit im Spiel und dann musste man schon etwas aufpassen.
Das Häufchen nass-schwarzen, struppigen Fells hielt mit Anstrengung den Kopf erhoben und blickte ihn unverwandt aus großen, bernsteingelben Augen an. Erkennen machte sich auf dem Gesicht des Hexers breit und der Anflug eines Lächelns stahl sich um einen Mundwinkel. „Grüß dich, Kater! Hätte dich beinahe nicht erkannt, so mitgenommen wie du aussiehst. Unfreiwilliges Bad, nehme ich an?“ Die senkrechten Pupillen des kleinen Tieres verengten sich zu schmalen Schlitzen, der Körper straffte sich etwas, blieb aber immer noch merklich frierend liegen. „Ah, der Hexer aus Rivien... Grüß dich Geralt... Lang nicht mehr gesehn'...“, sagte das Wesen mühsam. Sein Kopf sank erschöpft zurück auf die halb unter den Körper gezogenen Pfoten.
„Stimmt, ist ein ganzes Weilchen her“, meinte der Weißhaarige, zog aus seinen Satteltaschen ein kleines Fläschchen mit einer undefinierbaren Flüssigkeit und half dem Katzentier, sie einzunehmen. „Ein Hexertrank? Danke Geralt...“ Kurze Zeit darauf fing der Kater an, spürbar lebendiger zu werden, sich nach Katzenart zu strecken und ausgiebig sein Fell zu glätten. Der Hexer schürte das Feuer auf und machte es sich auf seiner ausgebreiteten Schlafstatt bequem, den Rücken an den Sattel gelehnt, den Blick auf den vom flackernden Licht beschienenen Katzling gerichtet. „Was ist passiert, seitdem sich unsere Wege zuletzt kreuzten?“
„Konnte ja keiner ahnen, dass ich daneben greife und die Maus nicht erwische – und sich dieser vermaledeite Zauberer zum vierten Mal und dann gleich in diese grausige Bestie verwandelt!“
„Ja, so ein Basilisk ist schon nicht ganz ohne - wenn er auch nicht besonders groß war...“
„Nicht besonders groß! Dass ich nich' lache! Bloß gut, dass du zufällig in der Nähe warst und unsere Schreie gehört hast, Hexer. Ohne deine Hilfe wäre alles aus gewesen.“
„Ich war nur neugierig und hatte gerade nichts besseres vor... Was ist eigentlich aus deinem Müllerssohn und seiner Prinzessin geworden?“
„Ach, dieser Elende!“ Der Kater schüttelte sich angewidert und begann zu erzählen: „Natürlich hat er die Frau gekriegt, und das halbe Königreich dazu! Ein Thronfolger stellte sich auch recht bald ein. Am Anfang war mein Leben im Schloss perfekt: leichter Beraterjob, gutes Essen, ein warmer Schlafplatz, seltene Bücher zum Schmökern, und die Kätzinnen erst, Geralt, rrrrh...“ Wohlig schnurrend hielt der Kater angesichts der vergangenen Wonnen inne - nur um im nächsten Augenblick aufzuspringen und völlig außer sich fortzufahren: „Aber kaum hat sich dieser Schwachkopf in seinem neuen, königlichen Zuhause eingelebt, fängt er an, neue, königliche Manieren anzunehmen. Er wurde launisch, anmaßend, machtbesessen. Er sah in mir keinen Nutzen mehr, hören wollte er schon gar nicht mehr auf mich. Im Gegenteil, er fühlte sich von mir bedroht! Pah! Bedroht.“
Die plötzliche Anstrengung ließ den noch nicht ganz wiederhergestellten Kater schwanken. Resigniert legte er sich wieder nieder, ein Stück näher an die wärmespendende Lohe. „Vermutlich habe ich ihm ein Mal zu viel die Meinung gegeigt. Sie ließ ihm freie Hand, war ja mit dem kleinen Stinker und den damit einhergehenden Figurproblemen ausreichend beschäftigt. Und er, dieser undankbare, bornierte, hirnlose ... Ach, lassen wir das.“ Wütend stierte der Kater ins Feuer. „Er verbannte mich kurzerhand aus seinem Reich und ließ mich, um auf Nummer sicher zu gehen, von einem seiner neuen Haus- und Hofzauberer in diese trostlose Einöde teleportieren. Oah, wenn ich nur daran denke, stäubt sich mir das Fell! Katzen mögen keine Magie, weißte ja.“ - Sagt ein aufrecht gehender, sprechender Kater, amüsierte sich Geralt innerlich.
„Aber hier haben sie es auch nicht so mit Katzen“, sprach der Schwarze weiter, „zumindest wenn sie wie ich keine sonderlich ambitionierten Mäusefänger sind. Na ja, gut, hab' wohl wieder mal das Maul zu weit aufgerissen, als ich sie 'dumm wie Brot' nannte, nachdem ich ihnen auf die Frage nach meinem Woher und Wohin das Prinzip der 'Teleportation' kurz umriss und keiner was kapierte. Also wollte man mich mit den so gar nicht netten Worten 'Klugscheißer' und 'stinkendfaules Katzenvieh' einfach ersäufen. Ist noch keine Stunde her. Wäre denen auch beinahe gelungen. Einer von den Kerlen da drüben schnappte mich unvermittelt an der Gurgel und hielt mich in der Zisterne unter Wasser. Ziemlich kräftig war der, mit Pfoten wie Schraubstöcke, sag ich dir... Konnte mich aber seinem Griff entwinden – ja, meine Krallen sind immer noch scharf!“ Der Kater vollführte fauchend einige, schnelle Tatzenhiebe in die Luft. „Der hat jetzt ein paar ordentliche Andenken an mich auf seinem Unterarm, hi, hi!“ Wieder zögerte er kurz bei der Fortführung seiner Erzählung und richtete seine Augen zurück auf die Flammen. „Aber meine Stiefel, Geralt! Meine Stiefel, die schönen, roten, weißt du noch? Sie zogen mich unerbittlich nach unten. Ich hab' gestrampelt wie verrückt, keine Chance. Dann lösten sie sich endlich von meinen Beinen – oh Geralt, wie sie so nach unten sanken...“
Der Kater litt sichtlich bei dem Gedanken an seinen Verlust, riss sich dann aber mit einem Ruck wieder zurück in die Gegenwart. „Konnte mich kaum nach oben kämpfen. Ein Anderer zog mich dann raus, mehr tot als lebendig, vermutlich, weil ein aufgedunsener Katzenhader nur unnötig das ach so kostbare Wasser verpestet hätte. Denn als wahrer Tierfreund hätte er mich wohl kaum wie'n Stück Dreck in eine Ecke geschmissen und halb benommen liegen lassen! Hab' mich dann zum nächstbesten Feuer geschleppt. Hatte nich' mal mehr die Kraft, mir das Fell trocken zu lecken... Die zwei Hanseln, die hier saßen, haben sich gleichgültig einen anderen Schlafplatz gesucht... Dachte, ich sterbe...“
„Ja, dumm gelaufen. Man kann eben nicht immer gewinnen“, sinnierte der Hexer, an das Schicksal des Gestiefelten und seinen eigenen vergangenen Tag zurückdenkend. „Man sollte aber trotzdem immer sein Bestes geben. Schlaf jetzt, morgen sieht die Welt schon anders aus. Ich helfe dir, wenn du magst.“
Edit: Titel geändert